Kesselausbruch Wilna ( Vilnius ) 1944

  • Moin Joseph,
    danke für Deine Nachricht. Ich habe auch den Eindruck, das wir nicht mehr viel Neues aus diesen Tagen erfahren werden. Hoffentlich erscheint die Dokumentation der Litauer auch in deutscher Sprache. Bitte verständige mich wenn sie erscheint.


    Viele Grüße
    Günter

  • Moin Günter,


    habe vor ein paar Tagen erfahren, dass Karolis aus russ. Archiven große Mengen an Material erhalten hat.
    Dieses bezieht sich ausschließlich auf sowj. Truppenteile, welche im Bereich der 3. Weißruss. Front - also bei Wilna - eingesetzt worden sind.


    Außerdem habe ich gelesen, dass die Kriegstagebücher der dt. Divisionen ab ca. 1943 allesamt in russ. Archiven lagern sollen. Die KTBs der Armeen sind auch in deutschen Archiven (Freiburg, Potsdam) oder über NARA zugänglich.


    Vielleicht kann man ja einmal mit russ. Stellen Kontakt aufnehmen - ggf. über Karolis oder auch über die früher hier zahlreich festgestellten russischen Forumteilnehmer ... ?



    Zum Schluss noch ein paar Ergänzungen:


    Die schon oben weiter in Frage gestellte Position des 2. Übergangs wird nun durch Funksprüche der Gruppe Tolsdorff zu korrigieren sein: Es werden konkret Luftangriffe auf das Gelände östlich von Woly (heute: Valai) angefordert, um die dort eingesickerten und den Übergang behindernden sowj. Truppen (oder auch AK-Gruppen) zu bekämpfen. Der Übergang sei nördlich der Einmündung der Waka (also bei Woly) geplant - der exakte Zeitpunkt ist auch vermerkt.
    Dies stimmt auch mit Karten der AK überein, aus denen hervorgeht, dass sich eine der AK-Brigaden dort aufhielt und gemäß dem ursprünglichen Operationsplan auf Wilna vorgehen sollte. Letzteres war aber wegen der mangelhaften Organisation und Ausstattung nicht möglich, sodass sich die Aktivitäten dieser Gruppe im Behindern der aus Wilna ausbrechenden deutschen Truppen beschränkte (u. a. Kämpfe bei Krawczuny).


    Im Anhang sind hierzu 2 illustr. Karten beigefügt:


    a) Overlay einer bereits oben gezeigten Karte des Operationsverlaufs auf den entspr. Google-Earth-Abschnitt
    b) Operationsplan der Armia Krajowa



    Gruß,


    Joseph

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  • Hallo Wenk,


    nach langer Zeit eine Antwort - von einem Spezialisten:


    "Hallo Joseph,


    MOB Nr 53397


    2./FallschirmjägerBataillon Schirmer
    6./Fallschirmjäger Regiment 5
    2./Fallschirmjäger Regiment 16


    Fallschirmjäger-Bataillon 16 würde passen: Link


    Gruß


    Reinhard"



    Labos nakties,


    Joseph

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  • Hallo Güdiba


    Es könnte sich, im genannten Fall, um die Marienkirche in Wilna handeln. (jedenfalls wurde sie von Soldaten damals so genannt) Im Forum wird von einem Spruch am Eingang „Ave Maria …“ berichtet, daran kann sich mein Vater noch erinnern. Das Lazarett muß ziemlich groß gewesen sein. Auch im Kirchenschiff selber waren Verwundete untergebracht, die kurz vor der Besetzung noch in die Keller gebracht wurden, unter ihnen auch mein Vater. Aus dem Keller haben sie dann beobachtet, wie aus den anderen Gebäuden die Verwundeten aus den Fenstern geworfen und erschossen wurden. (Wie im Forum Mein Vater - Vermisst in Wilna 1944 bereits berichtet.)


    Wie ich weiter erfuhr, wurde nach der Gefangennahme auf dem Transport in in den Ural, von vielen anderen Gefangenen berichtet, daß viele der in Wilna in Gefangenschaft geratene deutsche Soldaten (auch unverletzte) ungeachtet ihrer Truppenzugehörigkeit zusammengetrieben und an Ort und Stelle erschossen wurden. Augenzeuge dafür ist mein Vater aber nicht.


    Gruß Martin

  • Hallo Martin,
    danke für deine Nachricht und den Hinweis auf "Mein Vater- Vermißt in Wilna 1944".
    Die Beiträge kannte ich noch nicht. Das Fazit was ich ziehen muß ist wohl, das ich nicht mehr erfahren werde wie und wo bzw. wodurch mein Vater sein Leben lassen mußte.


    Viele Grüße
    Günter

  • Hallo Joseph,


    Du berichtest im Thread zur Suche nach meinem vermissten Vater am 12.06.2012 davon, dass Du einen Zeitzeugen aus der 170. ID ermitteln konntest, der in Wilna verwundet wurde. Er ist noch rüstig und 86 Jahre alt, anscheinend hattest Du auch Kontakt zu ihm.


    Vielleicht hast Du neue Erkenntnisse, Aussagen des Heimkehrers, die man hier berichten könnte. Es gibt ja - wie man sieht - hier im FdW eine ganze Reihe von Leuten, die sich für Wilna 1944 interessieren.


    Grüße, Wulf

    Suche Infos zu Wilna44, zu KG-Lagern im Baltikum und im russ. Rjasan.

  • Hallo Wulf,


    hier ist eine URL, wo man die Geschichte des Zeitzeugen nachlesen kann:


    http://www.wir-in-freilingen.d…m-gespraech-mit&Itemid=77


    Weitere Details hat er Karolis bzw. seiner Dolmetscherin mitgeteilt. Da diese möglicherweise in der geplnaten Dokumentation verwertet werden sollen, wird eine Vorabveröffentlichung wohl nicht gerne gesehen ... .


    Und hier noch eine andere - auch zu den Erlebnissen eines FJR-Angehörigen:


    http://wwiiwartimememories.blo…rmjager-eugen-hinnen.html



    Aber ich frag mal wg. spez. Infos nach ... ;-)!


    Gruß,


    Joseph

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  • Hallo Joseph und die anderen,


    vielen Dank für die interessanten Links zu den beiden Wilna-relevanten Zeitzeugenberichten.
    a) Zeitzeugengespräch mit Matthias Korth
    b) Fallschirmjäger Eugen Hinnen (englisch)
    In der Anlage hier die Artikel, die ich als pdf-file "eingefangen" habe (vielleicht besser zum Lesen...).


    Beste Grüße, Wulf

  • Hallo Wulf und andere "Wilna-Interessenten",


    ich wollte hier schnell eine "Beute apportieren", welche ich aus einer norwegischen Seite gezogen habe.


    Es handelt sich um eine Aufnahme aus einem Dorf in der Nähe von Kaunas nach dem mehr oder weniger gelungenen Kesselausbruch. Die Gruppe Tolsdorff ist durch Einheiten der 6. PzDiv entsetzt worden, welche dann auch die Überlebenden aus Wilna übernommen haben (s. o.!).


    Hier sieht man links Tolsdorff und rechts Schirmer, der die Einheiten des FJR 16 in der Kampfgruppe Tolsdorff kommandierte. Die Person in der Mitte ist mir unbekannt.


    Es besteht übrigens ein Kontakt zum Enkel des Herrn Tolsdorff, welcher ggf. ausbaufähig sein könnte.



    Gruß,


    Joseph

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  • Hallo Vilnius Gesellschaft,
    Schöne Grüsse aus Vilnius.
    Endlich ist es mir gelungen dem Forum anzuschliessen. Dieses Thema verfolge ich seit Juni, aber erst ab jetzt kann ich mitmachen.
    Jede Menge Information habt ihr zusammengekriegt. Ich hoffe, das ich in einigen Fragen auch behilflich sein könnte. Mindestens, das wünschte ich :).


    Zu den Fotos vom 10.05.2011. Das este Foto ist eine Garage für das Boot. Gebaut von einem Bastler in Nachkriegsjahren. Befindet sich ganz nah der Übergangsstelle, hat aber nichts damit zu tun.


    Hier ist der Fluchtweg von einem Augenzeugen abgebildet.


    In einer polnischen Zeitschrift hat mein Kollege die detailierte Beschreibung von der Schlacht bei Kriauciunai gefunden (kurz vor dem zweiten Flussübergang). Die Schemen von der Schlacht schicke ich in kürze zu.


    Wegen dem Krankenhaus, das von Hinnen beschrieben ist. Ich vermute, es war Eisenbahnkrangenhaus (Gelezinkelio ligonine), das im Plan vom 15.05.2011 (Vilnius 1942) in der Mitte von B8 abgebildet ist. Nebenan ist ein Wald, wie in der Beschreibung, die Rote Armee griff von der westlichen Seite nicht an, deshalb könnten die deutschen das Krankenhaus bis zum End nutzen .


    Ich habe die 4. Aufgabe von "Ostfrontdrama". Da gibts weder das Bild von Vilnius und Gruppe Tolsdorf, noch die Anlage 7. Wenn jemand die letzte mir zuschicken könnte, würde ich ausserordentlich dankbar. In diesem Buch ist der Ausbruch nur sehr kurz beschieben. Wenn jemand die Beschreibung trotzdem haben möchte, kann ich eine Kopie machen.


    Die Flugaufnahmen, die in "Rytufrontas" publiziert sind, finde ich sehr interessant. Man erkennt tatsächlich die Bewegung in der nähe vom Scheinflugplatz. Sie ist in Richtung Tunnel von Paneriai, wo um diese Zeit die Gruppe Tolsdorf sich in die Stadt durchzuschalgen probierte. Ich versuche die Bilder zuschicken, aber es geht bei mir nicht so schnell mit den Bildern.


    Auf diesen Aufnamen siet man, das die Brücke von Zverynas nur eingestürtzt, nicht zusammengebrochen ist. Ich vermute, die zweite Gruppe (Gruppe Soth) aus der Gegend Gefängniss über diese Brücke die Strasse nach Suderve nehmen sollten. Das könnte erklären, warum es zwei Gruppen und zwei Fluchtwege gab.


    Über den Anzahl von Gefallenen und Gefangenen etwas zu sagen ist sehr schwierig. Im Friedhof von sowjetischen Soldaten habe ich 3600 Namen zusammengezählt. Man schreibt über 500 gefallenen polnischen Partisanen. Wegen der deutschen Seite sind die sowjetischen Angaben meistens viel zu hoch. In der Operativzusammenfassung des Generalstabs vom 8.00 14.07. sind es Angaben über 7000 Gefallenen, aber (nur!) 1600 Gewehre und Maschinenpistolen genannt. Später änderten sich die Zahlen zu 8000 toten und 5200 Gefangenen und 7000 Gewehren und Maschinenpistolen. Wie viele sind ertrunken weiss niemand. Die Strömung ist da sehr strakt, das haben wir in diesem Sommer erlebt. Die Einwohner erzählen, das die Gefangenen ausserhalb der Stadt wurden nicht genommen, was sollte man mit ihnen. Und das Menschenleben war damals viel weniger Wert, als ein Paar gute Stiefel :(.


    Grüsse,
    Gintas

  • Hallo Gintas,


    Sveiki atvyke i foruma!


    Das sind ja nach langer "Durststrecke" wieder einmal interessante Neuigkeiten zu unserer Aufgabenstellung!
    Eine besondere Freude ist es für uns, einen weiteren Teilnehmer aus Litauen und zudem noch aus dem wunderschönen Vilnius hier begrüßen zu können.
    Es ist ein nicht zu überschätzender Vorteil, wenn man als Ortsansässiger und damit quasi auch im weitesten Sinne des Wortes als "Bertroffener" zum einen die Motivation und zum anderen auch gute Chancen zur Aufklärung dieser Geschehnisse hat.


    In der Zwischenzeit konnte ich einen Historiker in Wroclaw kontaktieren, welcher ebenfalls über gewisse Materialien verfügt und an einem regen Austausch interessiert ist.
    Ich selbst werde versuchen, noch weitere Zeitzeugen zu ermitteln und diese zu befragen. Derzeit bin ich damit beschäftigt, Kontakt zu einem in Malaysia lebenden Großneffen des Gen. Poel zu bekommen, welcher der Stadtkommandant von Vilnius vor Gen. Stahel war. Zudem konnte ein Kontakt zum Enkel des Gen. Tolsdorff hergestellt werden.


    Also: Es gibt noch einige Chancen, Licht in das Dunkel dieser Geschehnisse zu bringen .. .


    Joseph

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  • Hallo zusammen,

    das ist mein erster Beitrag zum Thema "Kessel von Wilna", den ich bereits an anderer (aber ungeeigneter) Stelle im Forum veröffenlicht habe. Man möge es mir nachsehen, dass ich ihn hier nochmal in leicht abgewandelter Form einstelle.

    Meine Motivation ist es, etwas über das Schicksal meines Großvaters Peter Paulus geb. 12.08.1913, vermißt seit 23.07.1944 in Litauen, in Erfahrung zu bringen.
    Such- bzw. Auskunftsanträge an die WAST sowie DRK habe ich vor einiger Zeit gestellt, aber noch keine Rückmeldung erhalten.

    Das Vermißt-Datum legt nahe, dass sein Verschwinden in Zusammenhang mit der Operation Bagration und dem Kessel von Wilna steht.
    Es ist auch ein Foto von ihm vorhanden mit dem Aufdruck 'Jeruzal'. Möglicherweise handelt es sich um den gleichnamigen Stadtteil von Wilna.

    Wie ich bereits herausfinden konnte konnten sich etwa 3.000 dt. Soldaten unter Kommandant Rainer Stahel aud dem Kessel befreien und nach Westen absetzen, wo sie sich mit den Truppen unter Oberst Tolsdorff (Füsilier-Regiment 22) vereinigten.
    Einige Truppenteile aus diesem Gebiet haben sich nach der Kesselschlacht von Wilna in Richtung Suwalki in Polen zurückgezgogen, so die 170. Infanteriedivision.
    Ob mein Großvater dazu gehört hat, ist leider nur eine Vermutung.

    Ich werde in den nächsten Tagen, die beiden vorhandenen Fotos hochladen, vielleicht kann mir jemand behilflich sein, den Truppenteil zu identifizieren.

    Im Voraus schon vielen Dank

    Grüße Munin 1963

  • Hallo Raffael,


    geht natürlich in Ordnung.
    Entschuldige, dass ich hier noch ein wenig unbeholfen herumstolpere.


    Gruß Munin

  • Hallo Munin1963,


    kurz etwas zu den angegebenen Daten:


    Wenn Dein Großvater wirklich erst ab dem 23.07.1944 vermisst ist, kann dieses nicht im Verlaufe des Kesselausbruchs geschehen sein. Vielleicht liegt hier ein Lesefehler vor ("23." statt "13.")?


    Die Überlebenden des Wilna-Kessels - von der Einheit meines Onkels (Füsilierbataillon 170 der 170. ID) haben nur ca. 300 Mann überlebt und es bis zur ostpreußischen Grenze geschafft - sind nach Kaunas transportiert und neu eingekleidet worden, da die meisten quasi nackt den Fluss durchquert haben. Kaunas musste aber auch nach einigen Tagen geräumt werden.


    Die nächsten Kämpfe dieser Wilna-Kämpfer waren dann auch erst dort, wohin man sie zur "Auffrischung" transportiert hat - an der ostpr. Grenze bei Augustowo und Suwalki.


    Hagen, der hier ebenfalls im Forum aktiv ist, hat zur 170.ID eine sehr breit angelegte und informative Seite erstellt (z. B.: http://ostvermisste-1944.de/Jeleniewo-Hoehe%20252.htm).


    Die schweren Kämpfe dort waren erst im Herbst 1944.


    Wenn also das Datum der Vermisstmeldung korrekt ist, dann könnte man davon ausgehen, dass Dein Großvater bei irgendeiner Unternehmung während des Baus der Stellungen bei Suwalki, bei einem Erkundungsvorstoß beider Seiten, etc. vermisst wurde.


    Gruß,


    Joseph

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    Hallo aus Vilnius!


    Quote

    Es ist auch ein Foto von ihm vorhanden mit dem Aufdruck 'Jeruzal'. Möglicherweise handelt es sich um den gleichnamigen Stadtteil von Wilna.


    Ja, es gibt so ein Stadtteil in Vilnius. Allerdings wegen dem Datum hat Joseph recht.

    Neulich habe ich eine Liste (russisch) mit 13 Namen von deutschen Soldaten gefunden, die in Gefangenschaft gestorben und in einem Lagerfriedhof des Lagers 195 beerdigt worden sind. Es ist mitten in der Stadt. Heute gibt es keine Anzeichen von diesem Friedhof. Die zu der Zeit geheime Liste ist vom Jahr 1950. Wann die Gefangenen gestorben sind gibt es keine Angaben. Ob sie in Gefangenschaft in Vilnius geraten sind und ob ihrer Schicksahl schon bekannt ist das weiss ich nicht. Leider, gelingt es mir nicht ein Bild zuschicken, wie dieser Platz heute aussieht. Hier sind die Koordinaten: 583700, 6062207 (LKS) 54.689324, 25.298227 (WGS) 54° 41' 21.57", 25° 17' 53.62" (WGS)
    Morgen mache ich eine Übersetzung der Liste.


    Hier ist die Übersetzung:
    Streng geheim
    4
    LISTE
    von Kriegsgefangenen, die auf dem Friedhof 5 des MVD Lagers 195 litauischer SSR beerdingt sind


    Name, Vorname, Vatersvorname Geb. Nat. Rang Grab Nr.


    Dorner Anton Joseph 1904 Deutsch Grenzenschützer 1
    *Evdüneck August Micheal 1896 Deutsch Gefreiter 2
    Garberg Friedrich Heinrich 1903 Deutsch Obergefreiter 3
    Wage Anton Karl 1922 Deutsch Soldat 4
    Lessig Otto Gustav 1897 Deutsch Unteroffizier 5
    Ju(c)kler Ludvig Eduard 1899 Deutsch Unterfeldwebel 6
    Pitsch Ernst Herrmann 1888 Deutsch Unteroffizier 7
    Nofke Friedrich Karl 1904 Deutsch +Tam. Sekret. 8
    Egolt Georg Georg 1905 Deutsch Obergefreiter 9
    Gischen Georg Dietrich 1905 Deutsch Obergefreiter 10
    Titke Fritz Heinrich 1900 Deutsch Gefreiter 11
    Fangmeier Hanz Enrich 1925 Deutsch Gefreiter 12
    Hindeling Hanz Karl 1918 Deutsch Unteroffizier 13
    Liste wurde zusammengestellt auf Grund des Beerdigungbuches 5. Lagerabteilung des Lagers Nr. 195 MVD (Innenministeriu) litauischer SSR
    Zusammengestellt vom: Major Stasenko
    7. Dezember 1950
    Stadt Vilnius


    Bemerkungen
    * - nicht gut lesbar
    + - Buchstäbliche Übersetzung. Tamozhnia auf russisch – Zoll, Zollsekretär, Zollbeamter möglich.
    Die Namen hergestellt nach dem Klang, die Rechtschreibung ist nicht sicher.


    Grüsse,
    Gintas

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  • Hallo Gintas,


    ich habe die von Dir dankenswerterweise erstellte Übersetzung an den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge weitergeleitet. Es könnte sein, dass diese Fundstelle dort nicht bekannt ist, obwohl es sich ja wohl um einen Lagerfriedhof handelt.
    Laut "wenk", einem ebenfalls in Vilnius wohnenden Forumsteilnehmer, betreibt der VDK eine "Politik" der Sucheinschränkung auf Massengräber. Da "wenk" ebenfalls auf diesem Gebiet in einer lokalen Organisation engagiert ist, befürchtet er, dass durch diese Beschränkung sehr viele Einzelgräber nicht mehr aufgeklärt werden können.


    Bezüglich pot. Grabfunde im Zusammenhang mit dem Kesselausbruch teilte mir der VDK u. a. folgendes mit:


    "Sehr geehrter Herr ..., inzwischen konnte ich Rücksprache mit unserem Umbettungsdienst halten und wurde nun informiert, dass Ihren Hinweisen entsprechend, insgesamt 19 Gebeine deutscher Soldaten gefunden wurden, drei fanden sich oberirdisch im Wald, die übrigen in Kameradengräbern entlang des Flusses, wie vonIhnen beschrieben. Weitere Gräber konnten in 2009 trotz Suche vor Ort nicht gefunden werden. Sollten Ihnen weitere Angaben oder Kontakte vorliegen, sind wir natürlich interessiert.Mit freundlichen Grüßen"


    Ich nehme an, dass entlang der Neris - vor allem im Bereich der Übergangsstellen bei Valai (bzw. auch Grigiskes) - noch eine Vielzahl von Gräbern aufgeklärt werden könnte. Aber der VDK hat wohl nicht die erforderlichen Personalkapazitäten vor Ort verfügbar ... .
    Bei unserem Besuch im Sommer 2011 zeigte uns ein alter Dorfbewohner (gegenüber der Paperfabrik Grigiskes) sechs Gräber von sowj. und eines von einem deutschen Kriegsopfer/n. Der Mann war ca. 90 Jahre alt - viele Ortskundige werden Ihre Informationen nicht weitergeben können ... .


    Es wäre daher eine wichtige Aufgabe und ein unschätzbarer Beitrag, wenn man vor Ort ältere Personen befragen könnte, welche im Bereich der Übergangsstellen bzw. der Marschrouten der Gruppen Soth, Schubert und Stahel gewohnt haben bzw. von den Geschehnissen über Dritte Kenntnis bekommen haben.
    Bez. eventueller Kriegsgräber müsste der gesamte Bereich flussabwärts ab Grigiskes untersucht werden (evtl. bei kirchlichen Stellen, etc.), um auch letzte Chancen zur Aufklärung zu nutzen.


    Aber dieses alles schreibt sich sehr leicht, wenn man 1500 km entfernt in Westdeutschland sitzt ... .


    Bei unserem Besuch im letzten Jahr haben wir auch einen Betreuer der Bundeswehr für den Soldatenfriedhof Vingio getroffen. Die Telefonnummer kann ich per PN mitteilen.


    Auch wurde mir von diesem Herrn eine weitere Anlaufadresse in Vilnius mitgeteilt - angeblich eine offizielle Stelle, welche sich mit den Soldatengräbern beschäftigt. Zuständig ist dort Herr Vladas Armonas - die Tel.-Nr gebe ich auch per PN bekannt.
    Von "wenk" hört man hier im Forum in letzter Zeit wenig - er scheint in Examensvorbereitungen zu stecken. Aber vielleicht gelingt Dir ja auch dort eine Kontaktaufnahme.


    Vielleicht wären diese Kontakte auch für die von Dir mir gegenüber erwähnten Projekte zur Aufarbeitung der jüngeren litauischen Geschichte interessant!?


    Iki pasimatymo!


    Joseph

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  • Hallo Wulf,


    gestern ist es mir glücklicherweise gelungen, einen Kontakt zum Veteranen E. Hinnen herzustellen. Herr Hinnen, früherer Angehöriger des FJR 16 und heute ansässig in der Schweiz, erklärte sich bereit, dem Projekt seine Aufzeichnungen aus jener Zeit zur Verfügung zu stellen.
    Weiterhin wird er uns behilflich sein, Kontakte zu früheren Kriegskameraden herzustellen. Vor allem einen Angehörigen einer Einheit "Fallschirm-Panzer-Korps Hermann Göring" empfahl er, weil diese Einheit auch in Wilna gekämpft und er ihn im KG-Lager 195 in Wilna kennengelernt habe. Er habe mit ihm auch das Ural-Lager Tambov überstanden. Es sind also möglicherweise (alle?) Kriegsgefangene/n des Wilna-Kessels in dieses Lager gekommen. Man sollte nun ggf. einmal in geeigneten Foren nach diesem Lager Erkundigungen einziehen.


    Ich werde nach Vorliegen diese Unterlagen hier veröffentlichen - Herr Hinnen ist damit einverstanden.



    Gruß,


    Joseph

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  • Hallo,


    nachdem mir nun vorgestern die Aufzeichnungen von Herrn Eugen Hinnen, früherer Angehöriger des Fallschirmjägerregiments 16, zugestellt worden sind, möchte ich nun - mit seinem vorliegenden Einverständnis - daran gehen, diese hier auszugsweise und in Etappen zu veröffentlichen.
    Herr Hinnen hat seine eigenen Erlebnisse - und auch die einiger Kameraden - während der Wilna-Kämpfe, der Zeit seiner Gefangenschaft im Lager195/1 in Wilna und später im Ural zusammengestellt.


    Heute sei hier als Einstieg ein kurzer Bericht vom 2. Übergang bei Valai (Woly) eingestellt. Er wird von Angehörigen des FJR16 gegeben, welche am Westufer - selber eingekesselt - im Verband der KG Tolsdorff die Übergangsstelle für die aus Wilna ausbrechenden Truppenteile sichern sollten. Der Text wurde unverändert (unkorrigiert) übernommen:



    "Zum zweitenmal durch die Wilna (gemeint ist die Neris (Wilija))


    Die Russen schossen wieder mit ihren Granatwerfern, die sie ja überall gleich dabei hatten, und hielten mit Infanteriewaffen die Ubergangsstelle unter Feuer. Es gab Verrückte, die wollten auch hier in voller Uniform hinüber; sie soffen erbärmlich ab. Es gab welche, die konnten nicht schwimmen, und so war es ein recht verzweifelter Haufen, der da am Ufer der Wilna stand. Wir Fallschirmjäger (wir waren bei diesem Trupp mit fünf oder sechs Mann) hielten Kriegsrat. Zwischendurch mussten wir verschiedene Russen, unseren improvisierten Brückenkopf anzugreifen, abwehren. Wer hier die Nerven verlor, der war verloren.


    Hans Dimmer von 3. Bataillon meldet folgendes:


    Der Fluss ist an dieser Stelle sehr breit und im weiten Umkreis gab es keine Boote. Immer wieder von Infanterie- bzw. Granatwerferfeuer bedroht, sprangen
    die Landser ins Wasser, um schwimmend unser Ufer zu erreichen. Viele gingen unter. Teilweise hatte sie die Kraft verlassen und sie ertranken. Viele aber von ihnen wurden von Infanteriegeschossen getroffen oder von Werfergranaten zerrissen und der Fluss schwemmte ihre Leiche vom rettenden Ufer fort. Die Masse der flüchtenden Soldaten wurden im Laufe des Tages immer grösser und wir mussten zusehen, wie verzweifelt die da drüben waren und wir konnten ihnen nicht helfen. Viele zogen ihre Uniform aus und sprangen in Unterhosen und sogar nackt, nur die Waffe über sich haltend, sofern sie noch eine hatten, in den Fluss und versuchten schwimmend unser Ufer zu erreichen, immer wieder vom feindlichen Feuer bedroht. Manch einer wurde noch ein paar Meter vor dem rettenden Ufer getroffen und versank.Viele konnten wir noch im letzten Augenblick, selber in voller Uniform ins Wasser watend, an Land ziehen. Und drüben am anderen Ufer kamen sie immer wieder in neuen Scharen aus den Wäldern und hielten verzweifelt nach einer Rettungsmöglichkeit Ausschau. Es waren auch viele Kranke und Verwundete dabei."



    Wird fortgesetzt ... !


    Gruß,


    Joseph

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