Vermisstensuche auf amerikanisch...

  • Am Samstag, dem 26.05.07 um 22.00 Uhr gab es bei VOX/Spiegel TV einen zweistündigen Dokufilm über die Suche nach dem vermissten US-Airforce Piloten Shannon Estill , der in den letzten Kriegstagen 1945 mit seiner P-38 im Einsatz über Elsnig bei Torgau von der deutschen Flak abgeschossen wurde und dessen weiteres Schicksal danach nicht geklärt werden konnte. Die Tochter des vermissten Piloten, Sharon Estill-Taylor, machte sich mit den Feldpostbriefen Ihres Vaters auf die Suche und konnte über 60 Jahre später das Rätsel lösen: Mit Hilfe eines Luftfahrt-Historikers aus Aachen, einem Redaktionsteam von Spiegel-TV, zwei Augenzeugen des Absturzes und nicht zuletzt einer Spezialeinheit der US-Army wurde die Absturzstelle der P-38 auf einem Acker bei Elsnig aufgefunden. Die Trümmer der Maschine konnten durch ein während der Grabung aufgefundenes Typenschild eindeutig zugeordnet werden, der Pilot konnte anhand der an den gefundenen Knochensplittern durchgeführten DNA-Tests eindeutig als der vermisste 1.Lieutenant Shannon Estill identifiziert werden.
    Zeitungsbericht zu den Dreharbeiten des Films aus der Torgauer Zeitung: http://www.torgauer-zeitung.de/NewsDetails.asp?ID=29245


    Der online-Artikel aus dem Spiegel (inkl. Free-Video): [URL=http://www.spiegel.de/panorama/zeitgeschichte/0,1518,485069,00.html]http://www.spiegel.de/panorama…hte/0,1518,485069,00.html[/URL]


    Ein Artikel aus "Stars&Stripes", Zeitung für Angehörige der US-Streitkräfte: http://www.estripes.com/articl…rticle=53775&archive=true



    Die an der Suche und Identifizierung beteiligte Einheit der US-Army heisst JOINT POW/MIA ACCOUNTING COMMAND/kurz JPAC:
    http://www.jpac.pacom.mil/index.htm


    JPAC ist auf Hawaii stationiert und arbeitet als Armee-Einheit im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums mit 18 Such- und Bergungsteams weltweit daran, alle jemals im Einsatz vermissten US-Soldaten aller Kriege zu finden, zu bergen und in die Vereinigten Staaten zurück zu bringen. JPAC unterhält im Rahmen dieser Tätgkeit auf Hawaii das weltweit größte forensische Labor mit Spezialisten für DNA-Analysen, Zahnkunde, Pathologie und ähnliches. Weiterhin wird die Einheit ebenfalls an Bergungen beteiligt, wenn in den USA Gräber von Soldaten gefunden werden, die im amerikanischen Bürger- (Sezessionskrieg 1861 bis 1865) und im Unabhängigkeitskrieg 1775 bis 1783 gekämpft haben.


    Nachtrag: Die US-Kriegsgräberkommission unterhält in der Nähe der niederländischen Ortschaft Margraten (im südlichen Limburg) eine Kriegsgräberstätte. Auf dem dort errichteten Gedenkstein für die im 2.WK in den Niederlanden vermissten 1722 US-Soldaten ist auch der 1.Lieutenant Shannon Estill verzeichnet. Seine Tochter hat an diesem Gedenkstein neben dem Namen Ihres Vaters einen Stern anbringen lassen - als gebräuchliches und offizielles Zeichen dafür, das dieser bisher vermisste amerikanische Soldat gefunden wurde...

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited 18 times, last by Johann Heinrich ().

  • Hallo, (Beitrag gehört vielleicht zu Vermißte etc.?)
    Die damaligen Alliierten haben schon immer mit großem Aufwand versucht ihre Vermißtenfälle durch aktive Suche zu klären. Überwiegend durch die von Dir genannten Stellen.
    Aber auch in Deutschland gibt und gab es - neben den amtlichen Stellen, die in diesem Forum ja auch erwähnt sind, - eine Reihe von freiwilligen Personengruppen, die Vermißtenschicksale klären und geklärt haben. Ich selbst habe mit einem sog. privaten Bergungsteam an 17 Suchaktionen auf eigenen Kosten teilgenommen. Zwei Schicksale konnten in meinem Beisein geklärt werden. Weitere Grabungen ohne mich haben weitere Schicksale geklärt. Die Gruppe ist aufgelöst.
    Übrigens, einer solchen Grabung gehen monate - manchmal jahrelange Recherchen voraus . Auch ist Fach - und Sachkunde ebenso wie eine gute Zusammenarbeit mit Behörden/Verbänden (WAST, DRK -Suchdienst, Kriegsgräberfürsorge, Verband ehem. Jagdflieger, Spezialist für Sondierungen, ggf. THW, Entschärferdienste etc.) wichtig und erforderlich.
    Der Beginn ist die Zeitzeugenbefragung, die sich oft nicht mehr oder nur schemenhaft erinnern können. Es sei nur angemerkt, wo früher Wiese war ist heute z. B. 60 jähriger Baumbestand.

  • Ich war als Statist bei den nachgestellten Filmausschnitten dabei und habe da viel über die Suche erfahren.
    Das Auffinden der P38 in diesem Fall war ja eher "einfach", normal ist da eher eine jahrelange Suche von großen Gebieten und vielen Absturzorten, bis man mal die richtige findet.


    Die Amis stecken da sehr viel Geld rein, im Gegensatz zu den deutschen Behörden.

    Suche alles zur 2. Marineinfanteriedivision und zur 5. FallschJgDiv

  • Inzwischen hat der damals geborgene 1.Lieutenant Shannon Estill auf der US-Kriegsgräberstätte Arlington seine letzte Ruhe gefunden:


    http://www.arlingtoncemetery.net/seestill.htm


    Und weil die moderne Technik es heutzutage einfach macht, gibt es inzwischen natürlich auch einen webblog mit Bildern zu der Geschichte und der Bergung:


    http://www.teamestill.blogspot.com/


    Gruß, J.H.

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