Humanität im 2. Weltkrieg

  • Hallo,


    nach dem es ja nun schon einige Beiträge zu Kriegsverbrechen gibt, möchte ich hier mal die andere "Seite" betrachten.
    Wer, welche Personen, aller Kriegsparteien zeigten trotz aller Kriegsgewalt Menschlichkeit ?
    Ich möchte hier mal den Leutnant und Kompanieführer Friedrich Lengfeld erwähnen der bei dem Versuch einen Amerikanischen Soldaten aus einem Minenfeld zu retten selber tödlich verletzt wurde.
    Friedrich Lengfeld


    Gibt es noch mehr bekannte Fälle ?


    Gruß
    Jörg

  • Hallo Jörg,


    es gibt noch viele Beispiele !


    Hier die Erzählung von Peter Baron von der Osten-Saucken, Lübeck.


    Als Leutnant der Wehrmacht hat er im April 1945 versucht, einem
    russischen Schlachtflieger das Leben zu retten.
    (sehr interessant zu lesen !):


    http://www.sueddeutsche.de/politik/961/401743/text/

    aktualisierter Link:

    http://www.sueddeutsche.de/pol…hn-in-den-graben-1.432770


    Viele Grüße
    PETER
    .........


    Link neu gesetzt; kkn

  • Hallo


    hier noch einer: Feldwebel Anton Schmid

    Quote

    1940 wurde er in die deutsche Wehrmacht eingezogen und im Herbst 1941 in Vilnius stationiert. Als Feldwebel einer "Versprengtensammelstelle" in Vilnius beschäftigte er daneben in Werkstätten jüdische Mitarbeiter. Ihm wurden 15 Arbeitsgenehmigungen zugestanden. Diese so genannten „Gelben Scheine“ waren für diese Juden samt ihren Familien lebensrettend und schützten vor dem Zugriff der Einsatzgruppen. Bis zum Januar 1942 hatte Schmid etwa 90 Arbeitsbescheinigungen ausgestellt.[1] Mehrmals rettete er einige seiner Arbeiter aus dem Lukiszki-Gefängnis, mindestens zwei Personen verschaffte er gefälschte Papiere. Bis zum Januar 1942 transportierte er mit selbst ausgefertigten Marschbefehlen über dreihundert Juden aus dem Ghetto von Wilna nach Weißrussland, wo sie noch nicht unmittelbar von der Vernichtung bedroht waren.

    Anton Schmid

    https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Schmid_(Feldwebel)


    Aber gibt es auch Informationen zu Personen der "Gegenseite" ?


    Gruß


    Jörg


    Ich hoffe wikipedia ist als erste Infoquelle Ok.... es finden sich aber weiter im Internet


    Edit: Kleinen Text zugefügt


    Link aktualisiert; kkn

  • Hallo Jörg,
    ein klasse Thema, vielen Dank!
    Schön wäre es allerdings, ein paar Sätze zur Person einzubringen, nicht nur verlinken.


    Wiki dürfte in diesem Fall ausreichend sein, man kann ja im Bedarfsfall weiter, tiefer recherchieren. =)


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo,


    zu diesem Thema ist 2000 übrigens auch ein 270 Seiten starkes Buch erschienen:


    "Menschlichkeit im Krieg: Soldaten der Deutschen Wehrmacht und ihre Gegner berichten" von Helmut Karschkes (Hrsg.), ISBN-13: 978-3702008840


    Allerdings ist das Buch in dem als rechtsextrem eingestuften Verlag Leopold Stocker in Graz erschienen und von daher mit Vorsicht zu genießen.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo zusammen,


    besonders berührt hat mich das Schicksal des Majors Karl PLAGGE. Es wird in dem Buch "Die Suche" von Michael Good beschrieben.
    Als Kommandeur des Heereskraftfahrparks 562 in WILNA/Litauen hat er nachweislich mehreren hundert Juden das Leben gerettet.


    Es war für mich besonders berührend, weil es so viele Parallelen in seinem und meinem Leben gibt:


    1. Er hat in DARMSTADT Maschinenbau studiert und 1924 als Diplom-Ingenieur abgeschlossen. Ich habe in DARMSTADT Maschinenbau studiert und 1979 als Diplom-Ingenieur abgeschlossen.


    2. Er war Stabsoffizizier der Kraftfahrpark-Truppe. Das war der Vorläufer der Instandsetzungstruppe. Ich war Stabsoffizier der Instandsetzungstruppe.


    3. Er wurde 2005 posthum durch die israelische Organisation Yad Vashem als "Gerechter unter den Völkern" geehrt. Vier Jahre vorher durfte ich in der neuen israelischen Botschaft in BERLIN erleben wie dem Großvater meiner Ehefrau, Konrat Fürchtegott Ziegler (* 1884; † 1974), diese Ehre zuteil wurde. (Insgesamt tragen 460 Deutsche diesen Titel.)


    Das einzige, was uns unterscheidet, ist die Tatsache, dass ich nicht weiß, ob ich in der damaligen Situation die Größe und den Mut gehabt hätte, so wie er zu handeln. Aber, wer kann das von sich behaupten ?


    Das Bedrückende an seinem Schicksal ist, dass er sich bis zu seinem Tode Vorwürfe machte, dass er nicht mehr getan hätte. So hat er sich z.B. im Entnazifizierungsverfahren für "schuldig" bekannt.


    Zum Schluß ein Zitat von Prof.Dr. Wolfram WETTE:
    "...In der Wehrmacht sind bisher 100 Retter von Juden bekannt geworden, verschwindend wenige gegenüber der Zahl von über 18 Millionen Wehrmachtsangehörigen..." (mehr !)


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo,


    wirklich nicht leicht Informationen zu finden. Aber hier habe ich mal wieder was:



    Quote

    Der junge Deutsche hieß Karl-Heinz Rosch. Drei Tage nachdem er 18 geworden war, tat er am 6. Oktober 1944 auf einem Bauernhof der südniederländischen Gemeinde Goirle etwas, das ihn in den Augen vieler zum Helden machte: Unter dem Artillerie-Feuer der Alliierten ergriff der Deutsche zwei schutzlose Kinder und brachte sie in Sicherheit. Als er anschließend seinen fliehenden Kameraden nachlief, traf ihn ein Geschoss – genau an der Stelle, wo er die Kinder unter die Arme genommen hatte.


    Karl-Heinz Rosch


    Gruß
    Jörg

  • Hallo,


    2 Beiträge:



    Viele Grüße
    Ronald

  • Hallo,


    Er hat die Sprenglandung entschärft und dieser russ. Hund gerettet, ziemlich eindrucksvolles Foto !


    Hat jemand noch mehr Bilder zur dieser Episode ?


    gruss

    Files

    • spreng_hung.jpg

      (46.95 kB, downloaded 293 times, last: )
  • Priwet!


    Ich mochte an dieser Stelle die veroffentlichen Geschichten mit einer persohnlichen Erinnerung losen. Meine Schwiegermutter erzahlt uns oft diese Geschichte:


    "Das war im 1941 im Gebiet Tula. Im Herbst nach den schweren Kampfen haben die Deutschen unser Dorf besetzt. In unseren Hausern wurden Soldaten und Offiziere untergebracht. Bei uns wohnnte auch ein deutscher Offizier. Man kann nicht sagen, dass die Deutschen sich besonders schlecht benommen haben, aber die Beziehung der Dorfbewohner war angemessen, Feinde bleiben Feinde. "Unser Deutscher" war im Prinzip ein normaler Mensch, nichts boses hat er uns getan. So dauerte fast zwei Monate bis zum Ruckzug. Und einen Tag vor dem Ruckzug kommt dieser Offizier an meine Mutter heran und sagt: "Mutterchen, morgen verlassen wir das Dorf, aber bevor wir das Dorf verlassen, kommt die SS und verbrennt hier alles. Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch die Leute umgebracht werden. Also, nimm die Kinder und versteck dich irgendwo". Meine Mutter hatte sich dann mit uns im Wald versteckt. Das Dorf war wirklich verbrannt. Eine lange Zeit haben wir dann in einer Erdhutte gelebt."


    So hat ein deutscher Offizier vielleicht das Leben meiner Schwiegermutter gerettet. Und ich habe dann meine Frau bekommen.



    Gruss,


    Kirill

  • Hallo zusammen,


    leider nur "halbmilitärisch", aber bin gerade bei Recherchen auf den mir unbekannten
    deutschen Ingenieur -> Hermann Gräbe gestoßen.


    Rettet in der Ukraine tausende(!) Juden und sagt nach dem Krieg auch als Zeuge aus.
    Dann wird der Wikipedia-Artikel etwas diffus, wie kann man im gleichen Jahr "Gerechter unter den Völkern"
    werden und in Deutschland per Haftbefehl gesucht werden ?


    Dieser Retter ist letztendlich in den USA gestorben, mit der Erkenntnis, in Deutschland
    ein verhasster Verräter und strafrechtlich gesuchte Person zu sein. Schon eine starkes Stück der deutschen Nachkriegsgeschichte...


    Gruß
    Udo

    Edited once, last by udorudi ().

  • Hallo,


    der humanitäre Ansatz Werner Hartensteins nach der Versenkung der Laconia führte ja leider zum sog. Laconia-Befehl.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Unterlassene Hilfeleistung an oder Erschießung von Schiffsbrüchigen


    Hallo,


    seit kurzem hat die WLB in ihrer Chronik des Seekrieges eine Zusammenfassung von Fällen unterlassener Hilfeleistung oder der Erschießung von Schiffsbrüchigen veröffentlicht. Es handelt sich dabei um Taten, die von allen beteiligten Kriegsparteien im 2.Weltkrieg begangen wurden: http://www.wlb-stuttgart.de/se…recht/schiffbruechige.htm


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().

  • Hallo,


    Also aus meiner eigenen Familie kann ich eine Geschichte erzählen, die mir so auch von den Nachfahren der Beteiligten so bestätigt wurde:


    Einer meiner Großväter war polnischer Soldat in deutscher Kriegsgefangenschaft (die Behandlung war durchwachsen, teilweise schlecht), später war er ziviler Zwangsarbeiter. Er war als Schustergeselle bei einer Schusterwerkstatt im Bodenseeraum eingesetzt. Dort ging es ihm verhältnismäßig gut, er wurde gut behandelt und ein benachbarter Zanharzt hat ihn und seine Mitgefangenen umsonst behandelt. Als die franzöischen Truppen die Stadt befreiten wollten einige französische Soldaten die Werkstadt und auch die nahe liegende Arztpraxis plündern. Mein Großvater und ein französischer Mitgefangener konnten diese davon abhalten da sie wahrheitsgemäß erklärten, sie wären von diesen Menschen stets gut behandelt worden.


    Vielleicht keine große Sache innerhalb des großen Krieges, aber sind ja auch manchmal die Kleinigkeiten die zählen.


    Gruß


    Franek

  • ..., wie kann man im gleichen Jahr "Gerechter unter den Völkern"
    werden und in Deutschland per Haftbefehl gesucht werden ?

    Hallo,


    das geht sehr gut - z.B. wegen "Landesverrat" - oder wegen des ex §175 (was ich in o.a. Fall nicht glaube).


    Bis in die 60er Jahre galt die Unterstützung der Strafverfolgung im Ausland zu Lasten deutscher Staatsangehöriger als Landesverrat - denn es konnte ja das Ansehen der jungen BRD schädigen, bzw. dem Ansehen hoher Funktionsträger in Staat und Wirtschaft schaden - und damit wieder der BRD. Speziell wenn der Strafprozess im Ausland durch Übergabe von als "Vertraulich" oder "Geheim" eingestuften Akten und Dokumenten (Personalakten) aus dem staatlichen Fundus heraus genährt wurde.


    Ein bekanntes Beispiel (ich rezitiere jetzt aus dem Gedächtnis) ist der Fall des hessischen Generalstaatsanwaltes Dr. Fritz Bauer, der über sein "Durchstechen" von Informationen über Adolf Eichmann an den israelischen Mossad an Eichmanns Verhaftung (Entführung) in Argentinien und Aburteilung in Israel mitwirkte und später auch die Auschwitz-Prozesse ins Rollen brachte. Wären Bauers Treffen mit dem Mossad beweisbar geworden, dann hätte man ihn wegen Landesverrat angeklagt, der BND hatte ihn jedenfalls im Visier. Bauers handeln lag damals nicht im Interesse der Adenauer-Regierung - auch wenn moralisch absolut gerechtfertigt (meine Meinung).


    Gruß, Uwe K.

  • Hallo,

    es war eine andere Zeit.

    Als mein Vater 1956 Rektor an einer Volksschule wurde stand in den Zeitungsberichten dazu:

    a) Im Weltkrieg kämpfte er als Offizier in Frankreich und Finnland.

    b) Den Krieg machte er in Frankreich und Finnland mit. Nach der Kapitulation wurde er von den Amerikanern übernommen und an Frankreich ausgeliefert. Zwei Jahre lang, bis 1947, trug er dort die Entbehrungen der Internierung.

    Ab Anfang der sechziger Jahre war so etwas vollkommen uninteressant.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique