Wenn die Dämme brechen - Untergang Ostpreußens

  • Im Jahr 1950 veröffentlichte der Schriftsteller Erich Edwin Dwinger den Roman "Wenn die Dämme brechen". Es handelt sich um ein belletristisches Werk, dessen Ablauf im Spätsommer 1944 auf dem Gut Helenenwalde -ungefähr sechzig Kilometer östlich von Königsberg - beginnt. In dem Roman werden das Schicksal der ostpreußischen Bevölkerung und deren Auseinandersetzungen mit den verantwortlichen Parteidienststellen um die Treckerlaubnis ausführlich geschildert. Auch werden die Ereignisse bei Goldap und die Abwehrkämpfe der Wehrmacht in dem Werk behandelt. Im Hauptteil des Buches wird die Fluchtgemeinschaft der Bediensteten des Gutes von Helenenwalde unter Führung des Gutsherren und dessen Ehefrau erzählt. Der ostpreußische Wagenzug fährt auf dem Landwege über das vereiste Frische Haff, dann führt der Weg über die Frische Nehrung zunächst in die Gegend nördlich von Danzig. Von dort geht die Flucht durch Pommern nach Mecklenburg weiter, ehe der Treck westlich der Elbe bei Lüneburg endet. Dwingers Kriegs- und Fluchtroman erschien in mehreren Auflagen letztmalig im Jahr 1985, und bis dahin waren mehr als vierhunderttausend Exemplare verkauft worden. Der Schriftsteller Erich Edwin Dwinger ist am 23. April 1898 in Kiel geboren, und er meldete sich im August 1914 bereits als Sechzehnjähriger freiwillig an die Ostfront. Im Jahr 1915 geriet er in russische Kriegsgefangenschaft, und während des Russischen Bürgerkrieges kämpfte er bei den Weißen unter dem General Koitschak. Im Jahr 1930 erschien sein Bürgerkriegsroman "Zwischen Weiß und Rot", und über den Bromberger Blutsonntag vom 3. September 1939 veröffentlichte Dwinger die Erzählung "Der Tod in Polen. Die Volksdeutsche Passion" (1939). Im Jahr 1942 erschien seine Erzählung "Wiedersehen mit Rußland - Tagebuch vom Ostfeldzug 1942". --- Erich Edwin Dwinger verstarb am 17. Dezember 1981 im Allgäu. --- Wer hat eine Erklärung dafür, weshalb sein obiger Roman nach 1985 nicht mehr erschienen ist? Seine Werke sind alle schon seit vielen Jahren vergriffen.

    Mit vielen Grüßen

    Thomas Zürn

    T.Z.

  • Hallo Thomas,

    eine mögliche Erklärung wäre vielleicht Dwingers Einordnung als "Prototyp eines nationalistischen und faschistischen Schriftstellers"!*

    Gruß, Stefan

    * Kurt Böttcher u. a. (Hrsg.): Lexikon deutschsprachiger Schriftsteller. 20. Jahrhundert. Hildesheim, Zürich, New York: Olms, 1993. S. 156 zitiert nach Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Dwinger

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Laut booklooker.de gibt es noch eine Ausgabe des Buches aus dem Jahr 1989 bei Weltbild und lt. Amazon Marktplatz eine Ausgabe aus dem Jahr 1991 beim Universitas-Verlag. Demnach war die letze Auflage seines Buches nicht 1985.

    In den 80ern hat man vielleicht über Dwingers Vergangenheit im Dritten Reich noch hinweggesehen, weil er bekennender Antikommunist war. SS-Obersturmbannführer, persönlicher Ost-Referent Himmlers, Mitglied in der Sektion Dichtung der Preußischen Akademie der Künste, Reichskultursenator (Quelle: JF) – das sind nun allerdings auch Funktionen, die vielleicht nicht jeder Verleger in der Vita seiner Autoren stehen haben mag.

    Wobei Universitas da schmerzfrei gewesen sein wird. Der Verlag war (oder ist immer noch?) n.m.W. Eigentum von Herbert Fleissner, der auch Autoren wie David Irving, Franz Schönhuber, Armin Mohler etc. verlegt hat. 2008 hat Fleissner die Ulrich-von-Hutten-Medaille der "Gesellschaft für freie Publizistik" entgegen genommen, welche lt. VS-Bericht die größte rechtsextreme Kulturverienigung Deutschlands ist und der NPD nahe steht.

    (Mehr oder weniger) unabhängig davon, stelle ich mir allerdings die Frage, ob es zu bedauern ist, dass das Buch offenbar zurzeit keinen Verleger hat – sowohl literarisch als auch im Hinblick auf die Darstellung der Ereignisse in Ostpreußen gibt es sicher wertvollere Bücher, aber das mag auch Geschmackssache sein.

  • Als ich den jüngeren deutschen Spielfilm "Die Flucht" gesehen habe, dachte ich daran, daß der Autor des Drehbuchs Dwingers Roman zumindest gelesen haben muß. Teile der Filmhandlungen sind aus dem Buch "Wenn die Dämme brechen" zumindest indirekt entnommen bzw. angelehnt worden. Natürlich wurden die Namen und der Ort des Gutes "Helenenwalde" verändert. Auch beteiligt sich in Dwingers Werk der Gutsbesitzer an der Flucht seiner Gutsgemeinde, in dem er voran mit seinem Auto die Straßen abfährt und sich nach dem Weg für die Fuhrwerkskolonne erkundigt. --- Die auffälligste Veränderung an dem Vertreibungsfilm ist, daß der Regisseur keine Kampfhandlungen der Wehrmacht eingebaut hat. Es sollte dem Publikum wohl nicht gezeigt werden, daß die Wehrmacht die ostpreußischen Zivilisten gegen die Soldaten der Roten Armee verteidigt hat? Niemand soll heute mitbekommen, daß deutsche Soldaten die deutschen Zivilisten vor den Kriegsverbrechen der feindlichen Soldaten geschützt haben? Diesen Eindruck habe ich gewonnen, als ich vor einigen Wochen obigen Film in der ARD betrachtet habe.

    Viele Grüße

    Thomas Zürn

    T.Z.

  • Das kann man so interpretieren, muss man aber m.E. nicht. Der Fokus des Films lag eben auf den flüchtenden Zivilisten. In Ostpreußen hat es zwar erbitterte Kämpfe gegeben, Fakt ist aber auch, dass es auch Ortschaften gab, die praktisch kampflos in die Hände der Roten Armee fielen. Der Schutz der Wehrmacht war ansonsten ja ohnehin nur temporär. Der Kreis Glatz in Schlesien z.B. wurde n.m.W. erst nach dem 8. Mai 45 von der Roten Armee besetzt. Das Schicksal der dortigen Zivilbevölkerung war dennoch nicht viel anders, als in anderen Teilen Schlesiens oder Ostpreußens. Der Widerstand der Wehrmacht hatte also nur eine aufschiebende Wirkung und dürfte den Hass der Rotarmisten eher noch gesteigert haben. Dass die Amerikaner auf weit weniger Widerstand stießen, war in der Roten Armee ja beispielsweise bekannt.

    Dass der Glaube an die Notwendigkeit des Schutzes der eigenen Bevölkerung auf deutscher Seite die zentrale Integrative im Ostheer war, kann man sicher für den einfachen Landser feststellen, nicht aber bezogen auf die Wehrmachtsführung. Insofern wollten die Filmautoren hier vielleicht einer missverständlichen Darstellung aus dem Weg gehen.

    Der Schutz der Wehrmacht für die dt. Zivilisten ist dem entsprechend wohl auch zu relativieren. Tatsächlich hat die Wehrmacht keine Rücksicht auf Zivilisten im Kampfgebiet genommen. Die Transportkapaziäten wurden außerdem mit Prioriät der Wehrmacht zugewiesen, nicht den flüchtenden Zivilisten (Befehl von Speer vom 15.03.). Wenn Flüchtlingstrecks die Straße blockierten, mussten sie der Wehrmacht Platz machen etc.. Auch das hätte man in der Tat im Film zeigen können. Genauso wie das Erschießen von angeblichen "Fahnenflüchtigen", die vielleicht nur temporär vor einem übermächtigen Gegner zurückweichen wollten, weil jede Aufnahme von Gefechten den sicheren Tod bedeutet u. militärisch sinnlos gewesen wäre (siehe z.B. Erschießungen, die Franz Freiherr von Ruffin angeordnet hat).

    In Breslau hat man das Eigentum der Bürger auf der Straße verbrannt und die oberen Etagen von Häusern gesprengt, um bessere Verteidigungsbedingungen zu haben. Davon abgesehen hat das Halten der Front es der SS ermöglicht, noch tausende von Zwangsarbeiten und KZ-Häftlingen zu massakrieren. Auch vor diesem Hintergrund ist der Schutz von Zivilisten durch das Militär zu relativieren.

    Die Wehrmachtsführung hat nicht in erster Linie deshalb den Kampf fortgesetzt, um die Zivilbevölkerung zu retten, sondern
    1. Weil der Führer es befohlen hat
    2. Weil man sich der illusorischen Hoffnung hingab, dass es noch ein Zerwürfnis zwischen den Westalliierten u. Stalin geben könnte.
    3. Weil man hoffte, dass die Tschechoslowakei noch als Faustpfand hätte eingesetzt werden können, was ebenfalls illusorisch war.
    (Nachzulesen bei v. Ahlfen, Der Kampf um Schlesien, S. 220 f. - an dieser Stelle ist v. Ahlfen erstaunich ehrlich, was er an anderer Stelle nicht ist).

    Nach dem Krieg behauptete General Hoßbach, er habe die Zivilbevölkerung zusammen mit der 4. Armee in einem wandernden Kessel hinter die Weichsel bringen wollen u. Hitler habe ihn persönlich daran gehindert, indem er ihn entließ. Hoßbach, der sich gern als verhinderter Retter Ostpreußens sah, verschweigt dabei allerdings, dass er am 24.01. selbst erklärt hat, dass die Zivilbevölkerung zurück bleiben müsse, was (Zitat) "grausam aber nicht zu ändern sei". Tatsächlich sprechen die zeitgenössischen Dokumente eine andere Sprache, als die der Nachkriegsliteratur aus der Feder der Wehrmachtsführung. Tatsächlich dürfte dieser das Schicksal der Zivilbevölkerung herzlich egal gewesen sein. Das waren eben "unvermeidliche Opfer" (siehe Hoßbach, Schörner etc.)

    Edited once, last by Christian_W (March 16, 2010 at 12:37 AM).

  • Quote

    Original von ThomasZürn
    Es sollte dem Publikum wohl nicht gezeigt werden, daß die Wehrmacht die ostpreußischen Zivilisten gegen die Soldaten der Roten Armee verteidigt hat? Niemand soll heute mitbekommen, daß deutsche Soldaten die deutschen Zivilisten vor den Kriegsverbrechen der feindlichen Soldaten geschützt haben? Diesen Eindruck habe ich gewonnen, als ich vor einigen Wochen obigen Film in der ARD betrachtet habe.


    Hallo,
    es ist ein Film und keine Dokumentation.
    Wie war das eigentlich mit ausländischen Zivilisten, die durch deutsche Soldaten Kriegsverbrechen erlitten?
    http://www.vinkt.be/pages/mei6.html
    das ist zwar auf Niederländisch, aber doch verständlich
    http://www.zeit.de/2004/27/P-Kriegsgreuel
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo Christian;

    der Widerstand der Wehrmacht war keineswegs sinnlos gewesen, denn er ermöglichte den ost- und westpreußischen Zivilisten häufig erst die Flucht. Wenn es der Wehrmacht an bestimmten Stellen nicht gelang, die Truppen der Roten Armee in einer Verteidigungslinie -zumindest für einige Tage aufzuhalten und zu binden - , dann wehe den Flüchtlingtrecks! In diesem Fall haben russische Panzer die Fuhrwerkskolonnen eingeholt und überrollt. Außerdem schützte die Wehrmacht die großräumigen Brückenköpfe, welche an den Flußmündungen um die Ostseehäfen gebildet worden waren. Im inneren Bereich der Brückenköpfe stauten sich die Pferdewagen und Hunderttausende von Zivilpersonen; und alle warteten -oft mehrere Tage und viele Wochen - auf das Ablegen eines Schiffes der Kriegsmarine. Zugleich hat die Kriegsmarine mit der weitreichenden Schiffsartillerie die Abwehrkämpfe der Landstreitkräfte unterstützt. In Pommern hat die Wehrmacht eine Frontlinie verteidigt, die von West nach Ost verlaufen ist. Somit konnten die Flüchtlinge nördlich dieser Linien von der Frischen Nehrung -an Danzig vorbei - auf dem Landweg durch das nördliche Pommern bis nach Mecklenburg entkommen.

    Es ist irrig anzunehmen, daß es denjenigen deutschen Zivilisten besser ergangen sei, deren Siedlungsgebiete zuvor nicht militärisch verteidigt worden wären. Im Bereich des Böhmischen Kessels und in den Böhmischen Randgebirgen (=Sudeten) ist der dortigen deutschen Bevölkerung das gleiche Leid geschehen, obwohl es im heutigen Tschechien bis zum Mai 1945 kaum größere Kampfhandlungen gegeben hat.

    Viele Grüße

    Thomas Zürn

    T.Z.

  • Hallo Thomas,

    Quote

    Original von ThomasZürn
    Es ist irrig anzunehmen, daß es denjenigen deutschen Zivilisten besser ergangen sei, deren Siedlungsgebiete zuvor nicht militärisch verteidigt worden wären.

    Das würde ich so pauschal nicht sagen. Bei einer Kapitulation Anfang 1945 wären Städte wie Hildesheim, Dresden oder Breslau nicht mehr aus der Luft oder bei Bodenkämpfen zerstört worden. Das hätte Tausenden von Zivilisten das Leben gerettet. Das Abschlachten im Kessel von Halbe und vor und in Berlin hätte nicht mehr stattgefunden etc.

    Das schreibst ja selbst, dass Trecks häufig von den Russen überrollt wurden, weil es der Wehrmacht häufig nicht gelungen ist, die Front zu halten. Diejenigen, die noch per Schiff evakuiert wurden (dabei nicht das Pech hatten, auf der Gustloff zu sein) und in der amerikanischen oder britischen Besatzungszone gelandet sind, hatten natürlich (relatives) Glück. Gleiches gilt für die Trecks, die noch über Österreich nach Bayern gelangt sind.

    Es ist doch aber absurd anzunehmen, die Verlängerung dieses längst verloren Krieges hätte Menschenleben gerettet. Das ist ein Märchen, dass die Generalität nach dem Krieg gepflegt hat, um ihr Verhalten zu rechtfertigen. Dem entsprechend kommen Historiker wie Heinrich Schwendemann und andere auch zu dem Schluss, dass diese Darstellung Geschichtsklitterei ist. Wie gesagt: für die Wehrmachtsführung war das Schicksal der Bevölkerung eine unschöne Begleiterscheinung, die unvermeidlich war. Wenn es den Generälen wirklich um das Schicksal der Zivilbevölkerung gegangen wäre (von den KZ Häftlingen nicht zu reden), hätte sie nur eins tun können und müssen: den Krieg beenden.

    Christian

    Edited once, last by Christian_W (March 16, 2010 at 1:33 PM).

  • Im Jahr 1985 machte sich Andreas Hillgruber mit seiner Veröffentlichung: "Der Zusammenbruch im Osten 1944/45 als Problem der deutschen Nationalgeschichte und der europäischen Geschichte" nicht nur Freunde. Diese überschaubare Schrift besteht aus 33 Seiten, und sie erschien beim Westdeutschen Verlag in Opladen in der Reihe "Vorträge der Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften" . Es handelt sich um den Vortrag G Nr. 277. --- Hillgruber vertritt in diesem Heft einen ähnlichen Standpunkt wie ich ihn vorhin dargestellt habe; - er schreibt, daß der militärische Widerstand Deutschlands an der Ostfront um die Jahreswende 1944/1945 bis in die letzten Kriegsmonate hinein notwendig gewesen sei. --- Als ich im Jahr 2006 den Westdeutschen Verlag wegen des Bezuges eines Restexemplares von Hillgrubers Schrift angeschrieben habe, wollte der Verlag von diesem Werk nicht mehr viel wissen. "Das Heft haben wir nicht!" hörte ich am Telephon eine keine sonderlich freundliche Stimme raunen.

    Hillgruber gelang es in dieser Veröffentlichung auch die wesentlichen Ereignisse des gesamten Kriegsjahres 1944 an der Ostfront darzustellen. Im Zeitgeist der späten alten Bundesrepublik wurde Hillgruber von Leuten, welche sich über den Zweiten Weltkrieg überhaupt nicht auskannten, sehr heftig getadelt. Andreas Hillgruber verstarb am 8. Mai 1989, - am 44. Jahrestag der deutschen Kapitulation. Die deutsche Einheit noch zu erleben; war ihm nicht mehr vergönnt.

    Viele Grüße

    Thomas Zürn

    T.Z.

  • @ Thomas Zürn
    Vielen Dank für deinen Beitrag.
    Du wirst allerdings hier ein dickes Fell brauchen für das Thema, jenseits des Einheitsbreis.

    Rainer
    Dein Beitrag war Unpassend!

    vg
    mra

    -die Feder ist uns von Haus aus ein fremdes Handwerkszeug. Aber nun hat unser Leid einen schreiben heißen –

  • Quote

    Original von mra
    Rainer
    Dein Beitrag war Unpassend!


    Hallo,
    sehe ich nicht so.
    Hätte Hitler den unnützen Krieg nicht angefangen, hätte es das Alles nicht gegeben.
    Der Krieg war spâtestens mit der geglückten alliierten Landung in der Normandie verloren. Rommel hat Hitler vor seiner Verletzung zum politischen Handeln aufgefordert.
    In einer französischen Studie wird die Kriegswende bereits beim Kessel von Smolensk angesetzt, weil beim Ausräumen Zeit verloren wurde.
    In den elf letzten Monaten hatte Deutschland in etwa die gleichen Verluste wie in den knapp fünf Jahren vorher. Und nicht nur da hat Hitler als Politiker versagt.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Quote

    Original von ThomasZürnAls ich im Jahr 2006 den Westdeutschen Verlag wegen des Bezuges eines Restexemplares von Hillgrubers Schrift angeschrieben habe, wollte der Verlag von diesem Werk nicht mehr viel wissen. "Das Heft haben wir nicht!" hörte ich am Telephon eine keine sonderlich freundliche Stimme raunen.


    Ziemlich aufgebauscht.
    Die Schrift gibt es antiquarisch für ein paar Euro.

    Quote

    Original von ThomasZürn
    Hillgruber gelang es in dieser Veröffentlichung auch die wesentlichen Ereignisse des gesamten Kriegsjahres 1944 an der Ostfront darzustellen.


    Interessant finde ich, dass der Inhalt offenbar bekannt ist, und im Kontrast dazu und vorher die fehlende Bezugsmöglichkeit suggeriert wird.

  • In der Regel versuche ich auch vergriffene Bücher noch direkt beim Verlag zu bekommen. Bei Hillgrubers Hauptwerk: "Hilters Strategie - Politik und Kriegführung 1940/41" hatte ich im Jahr 2002 damit Glück. Obwohl die erstmals 1965 in Marburg erschienene Habilitationsschrift in der dritten Auflage von 1993 über den Buchhandel nicht mehr erhältlich war, rief ich bei dem Verlag in Koblenz an. Dort hatte ich einen militärwissenschaftlich interssierten Verlagsmitarbeiter an den Hörer bekommen. Zwar hatte er mir zunächst die Angaben des Buchhandels bestätigt und zu mir gesagt, daß das Werk vergriffen sei. Einige Minuten später gab mir der Angestellte jedoch zu verstehen: "Moment, wenn Sie das Buch von Hillgruber unbedingt haben wollen, muß ich einmal in meinem Regal nachsehen." Nach kurzer Zeit kam er ans Telephon zurück und erklärte mir: "... Es sind tatsächlich noch zwei Exemplare aus der dritten Auflage bei uns vorhanden. Wollen Sie eins haben?" Selbstverständlich bejahte ich die Bestellung und dachte vier Jahre später, daß ich beim Westdeutschen Verlag mit dem Vortrag Nummer G 277 ähnlichen Erfolg haben würde. --- Wie ich in meiner vorhergehenden Antwort erwähnt habe, hörte ich nach der Benennung des Autorennamen Andreas Hillgruber nur eine raunende Stimme am Hörer: "Hillgruber? Nein, diesen Autoren führen wir nicht in unserem Verlagssortiment!" Als ich die Vertriebsangestellte darauf aufmerksam machte, daß Hillgrubers Werk im Jahr 1985 in ihrem Haus erschienen wäre, entgegnete sie mir: "An diese Zeit kann ich mich nicht erinnern. Damals war ich noch nicht in unserem Verlag beschäftigt."

    Worin auch die wahren Gründe der Absage aus Opladen gelegen haben mögen; es ist mir nicht ganz gleichgültig wie ich zu einem Buch gelange. Mit dem Kauf des Werkes will ich die soziologische Stimmung des Verkäufers testen. Ich möchte den Blick des Buchhändlers sehen oder dessen Meinung hören, wenn ich einen bestimmten militärhistorischen Titel irgendwo kaufe.

    Viele Grüße

    Thomas Zürn

    T.Z.

  • Quote

    Original von ThomasZürn
    Dort hatte ich einen militärwissenschaftlich interssierten ...

    es ist mir nicht ganz gleichgültig wie ich zu einem Buch gelange. Mit dem Kauf des Werkes will ich die soziologische Stimmung des Verkäufers testen.

    Herr Zürn,

    Sie selbst geben in Ihrem Nutzerprofil an, dass Sie lediglich an Romanen interessiert sind. Diese sind nicht militär-
    wissenschaftlich fundiert, sondern frei nach Ermessen des Autors ausgeschmückt - man nennt es auch Fiktion.

    Wie bitte testet jemand mit Ihrem beruflichen Hintergrund die "soziologische Stimmung" des Verkäufers in einem kurzen Telefonat?
    Selbst wenn Sie Soziologe, Psychiater oder Verhaltensforscher wären, ist dies umöglich.
    Oder kennen Sie nicht die Bedeutung des Wortes Soziologie?

    Mit fast er-zürn-ten Grüßen von Margarete

  • Das Interesse der Alliierten vorrausgesetzt!?

    vg
    mra

    -die Feder ist uns von Haus aus ein fremdes Handwerkszeug. Aber nun hat unser Leid einen schreiben heißen –

  • Quote

    Original von ThomasZürnMit dem Kauf des Werkes will ich die soziologische Stimmung des Verkäufers testen. Ich möchte den Blick des Buchhändlers sehen oder dessen Meinung hören, wenn ich einen bestimmten militärhistorischen Titel irgendwo kaufe.

    Hallo,

    mich interessiert mehr der Inhalt eines Buches als die soziologischen Aspekte des Verkaufsakts. :D

    Deshalb blättere ich gern vorher darin oder höre auf bewährte Hinweise oder Rezensenten.

    vG cpa95

  • Hallo Zusammen,

    @Zürn...

    erstmalig in diesem Forum, drängt es mich Sie zu fragen was Sie den beim Kauf Ihrer Literatur erwarten. Möchten Sie testen, ob der Verkäufer ein fachlich fundiertes Wissen zur Thematik vorweisen kann und somit Ihnen bei der Nachfrage zu Büchern z.b. der Indexliste moralisch ethnische Vorhaltungen macht, die Sie dann gekonnt Endkräften, mit Hinweisen ala dem heldenhaften und selbstlosen Endkampf der deutschen Wehrmacht im Osten, oder Ihre Aussagen zu Autoren wie "...im Zeitgeist der späten alten Bundesrepublik wurde Hillgruber von Leuten, welche sich über den Zweiten Weltkrieg überhaupt nicht auskannten, sehr heftig getadelt..."

    Verzeihung, welchen Zeitgeist meinen Sie denn..., den zu Hinterfragen wie und warum Dinge geschehen sind, warum keine frühzeitigen Räumungsaufforderungen an die deutsche Zivilbevölkerung im Osten ergangen sind, warum und wie es zu diesem System kommen konnte, oder meinten Sie mit Ihrer abfälligen Bemerkungen zum Zeitgeist eher die Endglorifizierung der Leistungen der Soldaten, die nämlich niemals Heldenhaft war, denn der Tod und das Sterben ist niemals Heldenhaft, er ist "Einsam, Dreckig und vor allem Sinnlos...". Verstehen Sie mich hier nicht falsch, ich habe genügend Verwandte verloren in diesem Krieg, viele von Ihnen in Russland und ich bin auf jeden von Ihnen Stolz, auch der militärischen Leistungen der Wehrmacht zolle ich höchsten respekt, aber das führt bei mir nicht zur Glorifizierung Ihrer Leistungen und Taten. Zudem ist die Empörung der deutschen Seite bzgl. der Kriegs- und Gewaltverbrechen der roten Armee grade im Anbetracht der Geschehnisse und Opfer der deutschen Zivilbevölkerung im Osten zwar in Teilen gerechtfertigt, jedoch sollte man nur bedingt mit Steinen werfen, wenn man bedenkt wie sich die deutsche Armee in Europa und insbesondere in Russland benommen hat. Ich möchte daher hier keine Phrasen dreschen, ala Heldenkampf im Osten zum Schutze der Zivilbevölkerung etc.. , denn dies würde die Wahrheit mit Füßen treten, diese aber werden Sie in Werken eines Erich Edwin Dwinger niemals finden...

    Gruß Taiko

    Edited once, last by Taiko (March 17, 2010 at 5:03 PM).

  • Die Erinnerungskultur ist ein Teilbereich der Geschichte über den Zweiten Weltkrieg. Die heutige Darstellung von Geschichte in den Medien befaßt sich weniger mit der Schilderung von militärischen Operationen und mit der Wiedergabe von Schlachten, sondern mit der Aufarbeitung von psychologischen Eindrücken bzw. mit der Analyse von Zeitzeugenberichten.

    Natürlich ist der "soziologische Eindruck", den ich beim Kauf eines militärhistorischen Werkes durch einen Buchhändler gewinne, vielleicht nur ein Nebeneffekt. Womöglich kennt sich der Buchhändler über den Inhalt des gekauften Buches gar nicht aus?

    Aber ein Telephonat mit einem Mitarbeiter eines miltärwissenschaftlichen Fachverlages halte ich nicht für unwichtig.

    Ich wollte in der letzten Antwort nur erwähnen, daß heute z.B. im Fernsehen mit der Geschichte des Zweiten Weltkrieges eine politische Stimmung gemacht wird. Man denke nur an Guido Knopp im ZDF.

    Auch möchte ich sagen, daß man Erich Edwin Dwinger mit Andreas Hillgruber kaum vergleichen kann. Der erste war ein Schriftsteller, der über verschiedene Kriege mehrere belletristische Werke veröffentlicht hat. Er bekam in den Jahren nach 1945 politischen Ärger, da er im Dritten Reich immerhin Reichskultursenator und Obersturmführer - ich meine in der 15. SS-Reiterarmee?- gewesen ist.

    Im Werk "Wenn die Dämme brechen" griff er die NS-Parteidienststellen in den ostpreußischen Kreisleitungen heftig an, weil diese der Bevölkerung die Treckerlaubnis lange verweigert haben. Zudem wurde Dwinger bereits in den fünfziger Jahren vorgeworfen, daß er sich mit diesen Schilderungen rechtfertigen wolle.

    Auch ist sein Roman auffällig proamerikanisch gehalten. Ausgerechnet Erich Edwin Dwinger, der in seinem Werk "Panzerführer" (1940) die Leistungen der deutschen Panzerwaffe im Frankreichfeldzug glorifizierte.

    Im Roman "Wenn die Dämme brechen" führt Dwinger an, daß man diejenige Panzerarmee, die im Dezember 1944 die Amerikaner in den Ardennen angegriffen hat, nach Ostpreußen hätte senden sollen. Dann wäre es der Wehrmacht gelungen Ostpreußen zu halten, und man hätte die Amerikaner bis nach Ostpreußen vorrücken lassen sollen.

    Natürlich empfinde ich solche Äußerungen als naiven historischen Unsinn. So weit wären die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg nach Osten gar nicht vorgerückt? Und selbst wenn die Amerikaner nach Ostpreußen marschiert wären, hätte dies der deutschen Zivilbevölkerung nur wenig genützt. Sie hätten dann das Land den Russen und den Polen übergeben und sie wären abgerückt, wie es im Sommer 1945 in Pilsen und in der westlichen Tschechoslowakei genau der Fall war. Als die Amerikaner dort abgerückt waren, begannen die Kriegsverbrechen der Tschechen an den Sudetendeutschen.

    Ähnliches wäre den Ostpreußen dann bei einer widerstandslosen Überlassung des Landes an die Ostalliierten der Westmächte auch widerfahren. Hier hat sich Dwinger grundlegend getäuscht, aber sein Roman erreichte immerhin eine Auflage von weit über 400.000 Stück.

    Alleine schon wegen der hohen Verkaufsauflage dürfen es die Militärhistoriker nicht negieren. In jeder militärhistorischen Vorlesung widmet sich der Geschichtsprofessor -zumindest in einer Doppelstunde - der literarischen Verarbeitung des vorgetragenen Krieges.

    Dagegen gehören die Schriften des Andreas Hillgruber der wissenschafltichen Kategorie an. Über Hillgruber müßte man im Forum einen eigenen Titel anlegen.

    Tatsache ist aber, daß z.B. die Frankfurter Rundschau im März 2002 über ihn schrieb, daß viele Journalisten, Redakteure und auch Historiker dem "führenden Fachmann über den Zweiten Weltkrieg...." maßgeblich Unrecht getan haben. Im FR-Artikel stand, daß diese Leute sich heute bei Hillgruber entschuldigen müßten, ...."aber sie können sich nicht mehr bei ihm entschuldigen, denn er ist bereits 1989 verstorben...".

    Viele Grüße

    Thomas Zürn

    T.Z.