Gas als Kampfstoff?

  • Hallo zusammen.


    Bei einigen nachträglich gefundenen Schriftstücken lag ein handgeschriebener Zettel.
    Die Vorderseite listet die Reihenfolge der Abläufe vom Aufstehen bis zum Abmarsch morgens auf und es werden weiterhin die FK 16, FK 18 und FHB mit ein paar Details aufgeführt.
    Die Rückseite ist es, die mir zu Denken gibt.


    Es ist untereinander folgendes aufgeführt:


    Chemische Kampfstoffe
    Luftkampfstoffe
    Geländekampfstoffe


    Luftkampfstoffe
    Weißkreuz, Blaukreuz
    Grünkreuz


    Geländekampfstoffe
    Gelbkreuz


    Mein Großvater war Fahrer vom Bock und vom Sattel bei dem AR 291 in Frankreich und AR 195 in Russland.
    Jetzt sind meines Wissens nach im WK 2 doch gar keine Kampfgase eingesetzt worden. Sind sie denn eventuell "vorrätig" in der einen oder anderen Batterie gewesen? Welche andere Erklärung könnte es geben, dass jemand diese vier Kampfgase aufschreibt? Jemand, der im WK 1 noch zu klein war, um daran teilzunehmen.


    LG


    Markus

    Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen (Plato)
    Suche alles über Korps-Abteilung "H" und I.D. 95 (neu)

  • Hallo Markus,


    das liest sich für mich wie Notzien zur Gasabwehrausbildung.


    Chemische Kampfstoffe gliedern sich in Luft- und Geländekampfstoffe,


    Luftkampfstoffe sind: Weißkreuz, Blaukreuz, Grünkreuz


    Geländekampfstoffe sind Gelbkreuz,


    etc.



    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Quote

    Original von der unwissende
    . . . Mein Großvater war Fahrer vom Bock und vom Sattel bei dem AR 291 in Frankreich und AR 195 in Russland.
    Jetzt sind meines Wissens nach im WK 2 doch gar keine Kampfgase eingesetzt worden. Sind sie denn eventuell "vorrätig" in der einen oder anderen Batterie gewesen? Welche andere Erklärung könnte es geben, dass jemand diese vier Kampfgase aufschreibt? Jemand, der im WK 1 noch zu klein war, um daran teilzunehmen . . .


    Hallo zusammen,


    also für mich sieht das (Vorderseite und Rückseite) wie ein Merk-/Spickzettel für Rekrutenprüfung (Fahrer vom Bock) oder Batterie-Besichtigung aus.


    Kampfgase wurden im II.Weltkrieg zwar (zum Glück) nicht eingesetzt, waren aber durchaus vorhanden (nicht nur Restbestände aus WW I !) und die "Gasabwehr" wurde auch intensiv ausgebildet. Welchen Sinn hätte sonst das Herumtragen der Gasmaske gehabt ?


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo Thilo, Hallo Rudolf.


    Vielen Dank für eure Erklärungen.



    Ich stelle Euch auch mal die Vorderseite des "Zettels" ein. Vielleicht gibt der ein wenig mehr Aufklärung. Vielleicht kann den auch jemand komplett entziffern und die Abkürzungen mit Ausgeschriebenem beleben.


    LG


    Markus

    Files

    Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen (Plato)
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  • Hallo Markus,


    es kann sich natürlich auch um die (stichpunktartige) Mitschrift einer Befehlsausgabe handeln. Darauf deuten die sehr detaillierten Ladungsangaben und Zündereinstellungen im unteren Teil hin.


    Außerdem kann es durchaus sein, dass mehrere (unterschiedliche) Dinge zu unterschiedlichen Zeiten auf dem Zettel vermerkt wurden.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo guten Abend !

    Quote

    Welchen Sinn hätte sonst das Herumtragen der Gasmaske gehabt ?


    Von einem "Brandenburger" weiß ich , das die Gasmaske oft eingesetzt bzw gebraucht wurde zB: bei und nach starken Artillerie Feuer in der Stellung , bein durchqueren von brennenden Dörfern vor allem im Osten , Bergung von Kadavern usw.

  • Quote

    Original von luna1a7
    . . . Von einem "Brandenburger" weiß ich , das die Gasmaske oft eingesetzt bzw gebraucht wurde zB: bei und nach starken Artillerie Feuer in der Stellung , bein durchqueren von brennenden Dörfern vor allem im Osten , Bergung von Kadavern usw . . .


    Ja, sicher, die Landser haben auch teilweise alles andere in der Gasmaskendose gehabt, nur keine Gasmaske. Aber sowohl dafür als auch für die Dinge, die Du anführst, war die Gasmaske nicht vorgesehen. Der normale Filter half auch nicht gegen Rauchgase !
    Es ging aber hier darum, warum die Wehrmachtsführung die Truppe mit Mitteln zur Gasabwehr ausgestattet hatte und nicht, wofür sie dann teilweise (zweckentfremdet) verwendet wurden.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo,


    in den Anlagen zum KTB der 208.ID habe ich einen Hinweis auf den russischen Kampfstoff "Labeda" gefunden.
    Was ist das für ein Kampfstoff?
    Nach dieser Meldung jedenfalls,wurde die ganze 208.ID auf den Kopf gestellt und überprüft ob sie Gas-Angriffen gefahrenlos begegnen kann.
    Im KTB wurde dies "Gasraumprüfung" genannt.


    Gruß Micha

    Files

    • Scannen0001.jpg

      (171.98 kB, downloaded 133 times, last: )

    Suche alles zur 208.Infanterie-Division

  • Quote

    Original von Michael Jörchel
    . . . Im KTB wurde dies "Gasraumprüfung" genannt . . .


    Hallo Micha,


    das ist vermutlich nichts anderes gewesen wie die ABC-Übungsraum-Probe, die bis in die 90-er Jahre auch noch bei der Bundeswehr durchgeführt wurde:
    In einem abgedichteten Raum wurde ein Reizgas versprüht, um festzustellen, ob die ABC-Schutzmasken dicht waren (Dichtigkeits-Prüfung).


    Wie Du es beschreibst, hat man das damals in der 208. ID wohl ganz gezielt als vorbereitende Maßnahme auf Grund dieser Gefangenenaussagen gemacht.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo Rudolf,


    die Sanitäts-Abteilung war für diese Überprufung verantwortlich und hatte anschließend Bericht zu erstatten.
    Ist Dir vielleicht etwas über diesen Kampfstoff "Labeda" bekannt oder war dieser Kampfstoff nur eine Propagandawaffe?


    Gruß Micha

    Suche alles zur 208.Infanterie-Division

  • Hallo Micha,


    da bin ich beileibe kein Fachmann; auch googlen hat auf die Schnelle kein (Kampfgas-)Ergebnis gebracht. Da müßte ein ABC-Abwehr-Spezialist ran !
    Propaganda kann man bei solchen Dingen generell nie ausschließen (Auf beiden Seiten hat es ja jede Menge "Wunderwaffen" gegeben !).


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo,


    anbei mal eine dreiteilige Übersicht über die im Jahr 1940 noch "gängigsten" Kampfstoffe - ob davon im Verlauf des Krieges wirklich noch etwas zum Einsatz kam, ist mir leider nicht bekannt. Die Unterteilung erfolgte damals in die in verschiedenen Forumsbeiträgen schon mehrfach genannten Gruppen Weißkreuz-, Grünkreuz-, Blaukreuz- und Gelbkreuz-Kampfstoffe.

    Quelle: Drogisten-Zeitung Nr. 11 vom 1.November 1940, Seite 2 ff.


    Gruß, J.H.

  • n den Anlagen zum KTB der 208.ID habe ich einen Hinweis auf den russischen Kampfstoff "Labeda" gefunden.
    Was ist das für ein Kampfstoff?

    Hallo Michael,


    die Frage zu "Lebeda" kann ich nicht beantworten, aber eine gleiche Meldung erfolgte damals von der 3. Panzer-Division.

    Dazu gibt es in Freiburg Akten (44 Seiten).


    Gruß Karl