Tropenhelm(?) Afrika-Korps

  • Mit einer Erbmasse habe ich einen vermuteten Soldaten-Helm erhalten: Beige bis sandfarben, leicht fleckig, sieht aus wie ein Tropenhelm, am Rand grau (leder?-) eingefasst, seitlich je ein Reichsadler m.Kreuz und ein dreifarbiges Wappen. Innen im Schweißband eine gestempelte "58" (wohl Hutgröße) im aufgeklappten Band gedruckt "B.K.41" und "58.N.41" . Das Sturmband ist dkl.grau mit Einstellriemen (dort keine Kennung gefunden) . Ich vermute, dass es sich um einen Helm des Afrika Korps handelt ( könnte dem Erblasser zuzuschreiben sein) oder aber auch um einen Nachbau / Erinnerungsstück...wer kann mir 100%ig sagen, an welchen Eigenschaften ich das Original von einem Nachbau unterscheiden kann...? Wo kann ich evtl. Zwangs-Prägungen pp finden ?
    Danke für jede Info!

  • kann aber auch aus Griechenland (1943) stammen, weil mein Vater war bei der 1. Gebirgsdivision und wir haben noch ein Foto von ihn mit den aufgekrempelten Hosen und beigefarbenen Uniform (wie Afrikakorps) aber leider nur mit der "Berg-skimütze" und ich glaub mich zu erinnern daß mein Vater auch den Tropenhelm erwähnte. Ich kann mich leider nur auf die Erzählungen meines Vaters stützen der vor 4 Jahren verstarb.
    Gruß
    Robert aus EBE in Oberbayern
    Nachtrag: mein Beitrag ist vermutlich indiskutabel, weil es sich um das Jahr`41 handelt. Ich bitte vielmals um Entschuldigung.

    Edited 6 times, last by scorpion64 ().

  • Hallo,


    Tropenhelme, die bei der Truppe gar nicht so beliebt waren, wurden gemeinsam mit der Tropenuniform an Truppenteile ausgegeben, die in den südlichen Frontbereichn Dienst taten: Italien, Griechenland, Nordafrika...


    Grüße
    Fred

    Halle/Saale: Heeres- und Luftnachrichtenschule // Siebel Flugzeugwerke

  • Danke FredT für Deine Antwort.
    aber bei den Gebirgsjäger war nicht nur der Tropenhelm, sondern auch der Stahlhelm unbeliebt ("wos, a Jager mit an Stahlhelm? I bin koa Landser, i bin a Jager) wie Jeder weiß, stammten die meisten Gebirgsjäger aus dem bayerischen und österreichischen Raum.
    schönes WE
    Robert

  • Hallo Robert,


    ja, richtig, nur aus einem anderen Grund eben.


    der Tropenpott war meist deswegen unbeliebt, weil er a) schwer und b) im Kampfeinsatz nicht nur unnütz, sondern schädlich war. Viele Kopfverletzungen wären ohne ihn nicht nur vermieden, und wenn schon erhalten, mit weniger Problemen zu behandeln gewesen (Sepsis aufgrund Eintrags nichtmetallischer Partikel in die Wunden).


    Grüße
    Fred

    Halle/Saale: Heeres- und Luftnachrichtenschule // Siebel Flugzeugwerke

  • Servus Scorpion 64


    Ich habe bis jetzt keine Fotos gesehen, die Gebirgsjaeger der 1.GD mit Tropenhelmen zeigen. Auch in keinem der Buecher, die ich zu diesem Thema (1.GD) habe, wird der "Tropenhelm" erwaehnt. Aber, wie du ja selber weisst, war die "Bergmuetze" die bevorzugte Kopfbedeckung ;) bei der Gebirgstruppe.


    mfg Arnulf

    Taktik ist Glueckssache. Herz ist Hauptsache. Wahlspruch der 1. Gebirgsdivision.

  • Hallo Arnulf,


    auch Gebirgsjäger waren in Nordafrika mit einem Tropenhelm ausgestattet.


    Ich stelle hier mal meinen mehrere Jahre alten post im Deutsches-Afrika-Korps-Forum hier ein,
    den ich im Zusammenhang mit dem Sonderverband 288 geschrieben habe.
    Quelle ist - wenn ich mich recht erinnere, eine der Oasen - falls erforderlich, finde ich sie vielleicht noch...


    "Zwei Züge des Sonderverbands 288, dem auch eine Gebirgsjägerkompanie aus Mittenwald angehörte,
    wurden im November 41 von Griechenland nach Bengasi geflogen.
    Der Sperrverband Daumiller setzte sich dort aus einer Fla-Kp., einer Pak-Kp., einer Pi-Kp und
    der Geb.Jäg.Kp des Sonderverbandes 288 zusammen."


    "Werner Kost berichtet über die Peinlichkeit im Heeresbekleidungslager Spandau
    als Gebirgsjäger in Tropenuniform gesteckt zu werden: Schlips und Stiefelhosen,
    dazu noch Schaftstiefel und Schnürschuhe, halb Leder, halb Leinen und einen Tropenhelm!
    Auf Intervention im Reichsluftfahrtministerium über persönlichen Kontakt wurden die Gebirgsjäger
    mit Luftwaffen-Überfallhosen und gelben Fliegerhalstüchern ausgestattet."


    Gruß Christa

  • Hallo Christa


    Meine Antwort bezog sich auf die"1.Gebirgsdivision", und die war nicht in "Afrika". Der Sonderverband 288 in Afrika ist eine andere Geschichte .


    mfg Arnulf

    Taktik ist Glueckssache. Herz ist Hauptsache. Wahlspruch der 1. Gebirgsdivision.

  • Servus Christa


    Wie gesagt, viel kann ich zu dem Thema Gebirgsjaeger in Afrika nicht beisteuern.



    Mit dem Geb.jaeg.Reg. 756 in Afrika (Tunesien)
    von Gregor Seidenschwarz


    Im Oktober 1942 wurde ich zur 9. Ausb.Kp. /Geb.Jaeg.Ersatz-Rgt. 139 in Villach versetzt und dort als Zugfuehrer eines sMG. Zuges eingesetzt. Am 8.11.1942, einem Sonntag wurde ich um 23.00 Uhr vom UvD. geweckt, mit der Aufforderung, mich sofort beim Kp. Chef zu melden. Dieser erklaerte mir kurz, die Amerikaner waeren in Nordafrika gelandet und deshalb wuerde unsere Wehrmacht das bisher unbesetzte Suedfrankreich zu besetzen.


    Die Kompanie hatte sofort 130 sMG.-Schuetzen und 5 Nachrichten-Maenner fuer ein neues Batl. in Frankreich abzustellen. Am naechsten Morgen nach der Chefbesprechung, erklaerte mir der Kp.Chef, ich wuerde ebenfalls zu der Neuaufstellung als Ersatz fuer einen erkrankten Oberleutnant abgestellt.


    Bei der Ausb.Kp. hatten wir damals neben den Kaerntnern, Steiermaerkern, Nord- und Suedtirolern auch Volksdeutsche aus Slowenien und dem Warthegau.


    An Kraftfahrzeugen erhielt das Batl. bei der Aufstellung uralte Wagen. Manche Fahrzeuge stammten noch von der deutschen Reichswehr. So wurde das Batl. als das III./Geb.Jaeg.Rgt. 756 von Klagenfurt nach Grafenwoehr transportiert. Dort wurde die 334. Inf.Division mit dem Inf. Rgt. 754 und 755, dem Geb.Jaeg.Rgt. 756 und den dazuhoerigen Artillerie- und Divisionseinheiten aufgestellt. Der Div.Kdr. war General Major Weber, unser Rgt.Kdr. Ritterkreuztraeger Oberst Lt.Haussels (bei den Kaempfen um Narvik als Major Kdr. des II./Geb.Jaeg.Rgt. 139), Rgt.Adjutant war Oblt. Armbruster.


    Unser Batl.Kdr. war Major Hoertnagl aus Villach-Warmbad, Batl. Adjutant ein Oberleutnant aus dem Rheinland, Ib war Lt. Sulzmeier (frueher Radf.batl. 402), Hauptmann Reff aus Kempten war einer der Kp. Chefs. Bei der Ankunft in Grafenwoehr erhielten wir als grosse Ueberraschung die Mitteilung, dass die Division nicht nach Frankreich kaeme, sondern als Einsatztruppe nach Nordafrika. Sofort wurde die Division mit Tropenuniformen versorgt. Nur die feldgrauen Maentel durften wir behalten, da es dafuer keinen Ersatz gab. Die alten Waffen und Kraftfahrzeuge wurden abgegeben und wir erhielten dafuer neue Waffen und nagelneue Kfz. So wurde die Division damals als eine der ersten Divisionen mit dem neuen MG 42 ausgeruestet. Ich selbst kam auf die Planstelle des Versorgungsoffizieres, der bei den Einheiten in Nordafrika vorgesehen war.


    Nun wurde es eilig. Die Untersuchungen auf Tropentauglichkeit wurden schnell nachgeholt. Da die meisten Mannschaften nur eine kurze Ausbildung von ca. 6 Wochen hinter sich hatten, musste die Gefechtsausbildung im Batl.- und Rgt. Verband verstaerkt betrieben werden. Die Erstausstattung an Munition, die Verpflegung fuer den Bahn- und Schiffstransport und Einsatzverpflegung fuer die Tropen fuer innsgesamt 21 Tage musste empfangen und auf die Kompanien aufgeteilt werden. Ungefaehr ab dem 20.12. begann die Verlegung der Division nach Sueditalien. Am 24.12.1942, 18.00 Uhr begann die Verladung des III. Batl. und um 21.00 Uhr fuhr unser Transportzug puenktlich ab in Richtung Sueden. Jeweils in Abstaenden von 3 Stunden rollte die gesamte 334. Inf. Division nach Italien. Am 25.12. wurden Muenchen, Rosenheim, Kufstein, Innsbruck und der Brenner passiert.


    Am 25.12.1942 wurde in Suedtirol ein Aufenthalt von 3 Stunden eingelegt. Die Suedtiroler veranstalteten Weihnachtsfeiern fuer die Transportzuege und es gab fuer jeden Mann Gluehwein, Punsch und Gebaeck. Zum Abschied erhielt jeder noch eine Tuete mit Obst und Nuessen fuer die Weiterfahrt. Am 27.12 kam unser Transport in Nola (oestlich vom Vesuv) an und sofort begann das ausladen.


    Die Jaeger-Kompanien wurde ohne schweres Geraet (Inf. Geschuetze, Feldkuechen, usw.) und Kraftfahrzeugen von Transporteinheiten nach Torre Annunziata, suedlich von Neapel gebracht. Die uebrigen Teile des Batl. wurden auf der Pferderennbahn bei Bagnoli nordwestlich von Neapel einquartiert. Die Tragtiere kamen in den Hafen von Neapel und wurden spaeter auf einem Frachtschiff verladen. Da sich das Auslaufen dieses Schiffes immer wieder verzoegerte, mussten die Muli einige Male wegen der Gefahr von Huffaeule ausgeladen werden, damit die Laderaeume gruendlich ausgemistet und gereinigt werden konnten.


    Ein grosser Teil unserer meist neuen Kraftfahrzeuge kam in Neapel nicht mehr zur Einschiffung nach Nordafrika. Sie wurden zuerst nach Rom und spaeter an die Ostfront transportiert.


    Die Jaeger-Kompanien wurden von Torre Anunziata mit Personenzuegen nach Palermo auf Sizilien verlegt und bis zu ihrer Einschiffung zu allen moeglichen Arbeiten im Hafen herangezogen (Verladen von Verpflegung, Benzinfaessern usw.).


    Von Palermo wurden die Kompanien auf italienischen Zerstoerern nach Tunesien uebergesetzt. Das Rgt. kam nach Eintreffen der ersten schweren Waffen sofort in den ostwaertigen Auslaeufern des Atlasgebirges innerhalb der 5. Panzerarmee (Oberbefehlshaber Generaloberst von Armin) zum Einsatz. Die schweren Waffen und das Geraet mit den dazugehoerigen Mannschaften wurden mit Transportflugzeugen Ju 52 von Neapel nach Tunis geflogen und da den Truppenteilen zugefuehrt.


    Ich selbst flog am 18.1.1943 mit ca. 10 Mann, einem Inf. Geschuetz, 2 Feldkuechen und verschiedenem Geraet nach Nordafrika. Der Flugzeug-Pulk bestand aus ungefaehr 50 Maschinen und zog in ca. 50 m Hoehe ueber dem Meer in Richtung Sizilien. Bei der Annaeherung sahen wir einen weiteren Pulk von Ju 52 ueber Palermo kreisen, der sich dann unserem Verband anschloss. Nach der Landung auf dem Flugplatz von Tunis waren wir ueber den grossen Eifer der Kameraden der Luftwaffe beim Ausladen erstaunt, aber bald merkten wir an einem nicht zu uebersehenden Schrotthaufen von zerstoerten Flugzeugen, dass wirklich hoechste Eile angebracht war. Da die deutschen Transportmaschinen aus unerklaerlichen Gruenden puenktlich wie die Eisenbahn um 5.00 oder 6.00 Uhr morgens von Neapel abflogen, konnten die feindlichen Jagdflieger ueber der Bucht von Tunis reichlich Abschuesse erzielen. Wir hatten an diesem Tag aber Glueck und blieben unbehelligt. 2 Tage spaeter wurden die gerade gelandeteten Maschinen bombadiert und der Flugplatz sah aus, als wenn er mit Konfetti ueberstreut worden. Das ”Konfetti” war die ganze Post fuer die 5. Panzerarmee in Tunesien. Ende Januar 1943 wurde ein ganzer Pulk ueber dem Mittelmeer abgeschossen und keine einzige Maschine kam in Tunis an.


    Ungefaehr um den 25.1.1943 wurde das Geb.Jaeg.Rgt. 756 aus dem Div. Verband geloest und bildete mit der Panzer-Abt. 501, ausgeruestet mit neuen Tigerpanzern eine selbstaendige Kampfgruppe, die im Abschnitt einer stark angeschlagenen italienischen Division eingesetzt wurde.


    Die Aufgabe der Kampfgruppe war es, in den Bergen in Richtung Westen eine HKL aufzubauen und so fuer die aus Libyen in Suedtunesien eintreffenden Afrika-Armee unter Generalfeldmarschall Rommel den Ruecken freizuhalten. Dabei kam es immer wieder zu schweren Kaempfen mit den sich zurueckziehenden franzoesischen Truppen, deren Artillerie sehr gut schoss, und die bereits von britischen Verbaenden kraeftig unterstuetzt wurden.


    Besonders um den Djebel Mansour, von dem die ganze Ebene mit den Strassen zwischen Medjes Lel Bab und Pont du Fahs suedwestlich von Tunis, eingesehen werden konnte, gab es erbitterte Gefechte. Da die schwache italienische Besatzung den Berg nicht halten konnte, musste der Gipfel des Djebel Mansour dreimal von uns erkaempft werden. Beim letzten Angriff wurde mehr als die Haelfte der Kompanie- Zug- und Gruppenfuehrer verwundet oder fiel.


    Die Alliierten hatten bis Mitte Februar im Westteil von Tunesien eine einigermassen geschlossene Front errichtet und die Kaempfe nahmen an Haerte zu. Dabei wurde unser Rgt.Kdr. Oberstlt. Haussels schwerverwundet und ist kurz darauf in einem Lazarett in Neapel gestorben.


    Rommel versuchte mit der Panzerarmee Afrika von Suedtunesien aus einen Vorstoss in nordwestlicher Richtung nach Bone in Algerien zu fuehren, damit die eigenen Truppen mehr Bewegungsfreiheit bekaemen. Unsere Stellungen waren im Durchschnitt nur 50 – 60 km von der Kueste in unserem Ruecken entfernt. Bei diesem Unternehmen wurden als Anfangserfolg am Kasserine- Pass zwar 3000 amerikanische Gefangene gemacht, aber die alliierte Front konnte auf Grund der grossen Ueberlegenheit an Truppen und Material nicht mehr durchbrochen werden.


    Nach einem Vorstoss in Richtung Kairouan bis Sbikha und in der Ebene westlich von Pont du Fahs wurde unsere Kampfgruppe aufgeloest und das Rgt. kehrte Anfang Maerz 1943 zur Division zurueck. Die neuen Stellungen lagen nun in den Bergen noerdlich der Strasse Beja-Medjes el Elbab. Beide Orte waren in englischer Hand und von unseren Stellungen aus konnten wir mit blossem Auge den regen Nachschubverkehr des Gegners in Richtung Medjes el Elbab beobachten. Diese Stadt lag nur 50 km von Tunis entfernt. Die Strasse wurde waehrend der Dunkelheit immer wieder vermint, da unsere beiden Inf. Geschuetze (das war die gesamte Artillerie in unserem Abschnitt) mit ihrer geringen Reichweite die feindliche Nachschubstrasse nicht unter Beschuss nehmen konnte. Die Englaender dagegen belegten unsere Stellung regelmaessig mit starkem Artilleriefeuer und versuchten mit starken Stosstrupps uns aus den Hoehenstellungen zu werfen.


    Der Nachschub fuer die Truppe gestaltete sich immer schwieriger. Der Mitte Maerz einsetzende Regen machte die Lage noch schlimmer. Der Transport von Verpflegung und Munition konnte nur noch bei Nacht erfolgen. Der Luftraum ueber ganz Tunesien wurde vom Feind beherrscht und die amerikanischen ”lightnings” und englischen ”spitfires” machten auf jedes noch so kleines Fahrzeug Jagd und zwar so lange, bis es brannte. Von unserer Luftwaffe war nicht mehr viel zu sehen, und die wenigen noch vorhandenen Jagdmaschinen konnten bei der Uebermacht des Gegners nichts mehr ausrichten. Tapfer schlug sich eine Anzahl von 10 – 15 Stukas, die noch Ende Maerz und Anfang April die grossen feindlichen Nachschublager unentwegt angriffen. Von unseren Stellungen aus mussten wir aber mit ansehen, wie diese mutig angreifenden Stukas abgeschossen und die Staffel jeden Tag kleiner wurde. Bald kam der Tag, an dem keine Maschine mehr gegen den Feind flog. – Die 8,8 cm Flak-Geschuetze waren ausnahmslos im Erdkampf gegen die angreifenden Panzer eingesetzt und fielen so zur Abwehr von Fliegerangriffen aus. Unsere Ausstattung mit Lkw war so schlecht, dass ich bei Ausfall des einzigen noch vorhandenen Fahrzeuges per Anhalter nach Tunis fahren musste, um den Nachschub organisieren zu koennen.
    Der Nachschubfuehrer des AOK der 5. Panzerarmee war immer noch meine letzte Rettung und ich erhielt von ihm oefter 2 - 3 Fahrzeuge fuer einige Tage zugeteilt. Das klapte so lange, bis wegen dieser Umgehung des Dienstweges eine Meldung ueber die Division an das Rgt. kam. Der damalige Rgt. Kdr., ein Infanterie-Oberst, verlangte zwar meine Bestrafung, aber unser Batl. Kdr. deckte mich vollkommen und erklaerte dem Rgt. Kdr., dass er froh sei ueber mein selbstaendiges Handeln, weil dadurch die bestehenden Versorgungsschwierigkeiten gemildert werden konnten. Lange Zeit gelang es mir, fuer das Batl. die sogenannte Kampfgruppenverpflegung, bestehend aus guten Fleisch- und Wurstkonserven zu empfangen. Als das Rgt. wieder bei der Division eingetroffen war, gab es bald jeden Tag nur noch Hammelfleisch von den besonders fetten Breitschwanzschafen, dazu Erbsen und Karotten. Die Erbsen mussten erst aus den Schoten geschaelt werden und aus einem grossen Sack Erbsenschoten reichte die Menge nur fuer einen Essenstraeger. Die Tragtierfuehrer waren mit diesem Hammelfleischeintopf in den Essentraegern bis zu 7 Stunden bei Nacht in schwierigem Gelaende unterwegs, bis sie die Bergstellungen erreichten. Und da konnte es dann passieren, dass der Inhalt bereits in Gaerung uebergegangen war und beim Oeffnen der Essentraeger herausschaeumte. Der Apetitt war dann natuerlich dahin.


    Ende Maerz 1943 hatten die Alliierten ihren Aufmarsch an der gesamten tunesischen Front mit grossem Aufwand an Truppen und Material beendet. Die feindliche Stosstrupptaetigkeit wurde reger und die Feuerueberfaelle der Artillerie schwerer und laenger. Unseren eigenen Verluste waren gross und laengst waren alle irgendwie entbehrlichen Unteroffiziere und Mannschaften vom Tross bei der kaempfenden Truppe.


    Als am 7.4.1943 morgens an der ganzen Front mit einem starken Trommelfeuer der erwartete Grossangriff der Alliierten eingeleitet wurde, stand unsere Abwehr bereits auf schwankenden Fuessen. Wir konnten uns ungefaehr ausrechnen, wann wir bei dieser Uebermacht bis zur sichtbaren Kueste zurueckgedraengt und damit am Ende sein wuerden.


    Innerhalb einer Woche war das geschwaechte Batl. fast aufgerieben worden und die Gefechtsstaerke bestand nur noch aus einem Offz. (Lt. Wiedmoser) und ca. 12 – 15 Mann. Mitte April wurde unser Rest-Batl. mit einem aus Italien eingetroffenen Marschbatl. unter Hptm. Kraemer wieder aufgefuellt. Der bisherige Batl.Kdr. Major Hoertnagl, hatte inzwischen das Rgt. uebernommen.


    Unter dem starken feindlichen Druck mussten die Abwehrstellungen weiter in Richtung Chouigui-Pass zurueckgenommen werden. Ueber die letzten oestlichen Auslaeufer des Atlas ging es bei Tebourba und Djerdeida ins Tal des Flusses Medjerda. Der Einsatz eines Rgt. der Division 999 in unserem Abschnitt war sinnlos. Die Bereitstellung dieses Rgt. erfolgte unter Missachtung der einfachsten Regeln der Tarnung im Kampfgebiet am helllichten Tage in einem voll eingesehenen Gelaende wie auf einem Servierbrett. Von unseren Unterziehraeumen konnten wir beobachten, wie die englischen Jagdmaschinen ankurvten, die LKW-Transportkolonnen mit Bomben und Bordwaffen angriffen und den Einheiten bereits vor Erreichen der Bereitstellungsraeume schwere Verluste zufuegten. Als der Rest am naechsten Morgen zum Angriff antrat, war die Kampfmoral dieses Verbandes gleich Null. Ein Teil der Mannschaften lief ueber, ein Teil ging nach rueckwaerts bis zur Kueste ab und nur wenige, meist das Stammpersonal dieses Sonderverbandes, stellte sich zum Kampf, wurde zum Teil verwundet oder viel. 24 Stunden nach dem Einsatzbefehl existierte das Grenadier-Rgt. kaum noch. Die weiteren Rueckzugskaempfe entlang der Medjera in Richtung Kueste gaben dem Rgt. den Rest. Einzelne Teile wurden versprengt. Die Munition ging zu Ende. Kraftstoff fuer die Fahrzeuge gab es kaum mehr.
    Am Abend des 6.5.1943 konnten wir von unseren Stellungen aus noch beobachten, wie englische Panzerverbaende sich an den westlichen Stadtrand von Tunis herankaempften und schliesslich in die Stadt eindrangen.


    Am 7.5. traf noch Nachersatz aus Italien auf dem ostwaerts der Stadt gelegenen Flugplatz ein. Die Mannschaften hatten keinen einzigen Schuss Munition in ihren Patronentaschen, und sie erhielten die erste Verpflegung auf afrikanischem Boden bereits als Gefangene der Englaender. Beim Oberkomando der Heeresgruppe Sued in Italien wurde die Lage auf dem tunesischen Kriegsschauplatz noch immer sehr optimistisch eingeschaetzt.


    Am 7.5. gab unser Batl.Kdr. die Lage des neuen Batl.Gef. Standes an der Strasse Tunis – Bizerta bekannt, auf den wir uns zurueckziehen sollten. Den Batl.Kdr. und seinen Adjutanten haben wir nie wieder gesehen.


    Fuer das Geb.Jaeg.Rgt. 756 kam am 9.5.1943 , genau 6 Monate nach der Aufstellung das bittere Ende. Wir hatten uns bis zum Strand der Bucht von Tunis zurueckgezogen. Es wurden noch die unglaublichsten Geruechte wegen einer angeblichen Abholung der Truppen durch deutsche Marinefahrzeuge verbreitet, aber das waren alles nur Parolen. Seit Tagen patroullierten britische Kriegsschiffe vor der tunesischen Kueste und schossen jedes verdaechtige Boot zusammen.


    Nachdem wir noch aus den intakten Radios den Wehrmachtsbericht mit den Meldungen von den letzten Kaempfen auf tunesischem Boden gehoert hatten, sahen wir die ersten amerikanischen Panzer auf unseren Schlupfwinkel zukommen. Vor uns die feindlichen Panzer und im Ruecken das Meer – das war die Lage, die wir seit Wochen vorausgesehen hatten.


    Nach der Zerstoerung der Waffen und Funkgeraete wurden die Kraftfahrzeuge, die sich noch bis zum Strand durchgeschlagen hatten, angezuendet. Mit erhobenen Haenden, ausgemergelt und in zerrissenen Uniformen, traten wir am abend des 9.5. den Marsch in die Gefangenschaft an.


    Da auf Cap Bone, suedlich der Bucht von Tunis, noch gekaempft wurde, wagten mehrere Kameraden das sinnlose Unternehmen mit Motor-, Fischer-, Ruderbooten oder mit aus Benzinfaessern und Telefonmasten angefertigten Floessen die Bucht zu ueberqueren. Von unseren Deckungshoehlen im Kuestengebirge mussten wir zusehen, wie ein Boot nach dem anderen von den feindlichen Jagdflugzeugen zerschossen wurde. Ueberlebende gab es da keine mehr. Auf Cap Bone wurden am 12.5.1943 die Waffen gestreckt.


    Unser Regiment hatte noch Glueck, dass wir im Angriffsabschnitt der 34. amerikanischen Inf. Division waren und von diesen gefangengenommen und korrekt behandelt wurden. Andere Einheiten wurden von Truppen der ”Freien Franzosen”, Fremdenlegionaeren, Neuseelaendern oder Suedafrikanern gefangen und diesen Kameraden erging es meist wesentlich schlechter. Im ersten Auffanglager bei Mateur hatte sich unser alter Batl.- und letzter Rgt.Kdr., Major Hoertnagl noch von uns verabschiedet.
    _________________
    Hier noch einige links


    http://www.afvnews.org/288.html



    http://www.feldgrau.com/interview2.html



    http://www.feldgrau.com/interview2.html



    http://www.sixtharmygroup.com/…iewtopic.php?t=19549&sid=


    mfg Arnulf

    Taktik ist Glueckssache. Herz ist Hauptsache. Wahlspruch der 1. Gebirgsdivision.

    Edited 4 times, last by 1.GD Blumenteufel ().

  • Vielen Dank Arnulf,


    für Deine ausführlichen Angaben und die links.
    Ich habe sie mir teilweise für meine Unterlagen kopiert.
    Es ist schwierig, präzise Einzelheiten über die letzten Wochen in Tunesien zu finden.


    Liebe Grüße Christa