Welchen End-Dienstgrad hatte wohl mein Vater?

  • Welchen Dienstgrad hatte mein Vater?


    Nach langer, schwerer Demenz und seinem Tode gestern bleiben mir noch ein paar unbeantwortete Fragen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir helfen könntet.


    Der letzte mir bekannte und per Bild nachweisbare Dienstgrad meines Vaters war SS-Rottenführer (das muss 1943 oder Anfang 44 gewesen sein) bei der LAH.
    Jedoch weiß ich aus seinen Erzählungen, dass er sich zu Kriegsende in Ausbildung zum Offizier war.
    Soweit ich mich an seine Erzählungen erinnern kann, war dies üblich, dass die angehenden Offiziere vor ihrer Beförderung zum SS-Untersturmführer nochmals an die Front mussten. Das Kriegsende verhinderte dann aber eine Beförderung.
    Nun meine Fragen


    1. Sind meine Erinnerungen richtig – mussten die angehenden Offiziere der Waffen SS (hier LAH) vor dem Eintritt in die Offizierslaufbahn nochmals an die Front?


    2. Gab es diesen „Einsatz-vor-der-Beförderung“ auch beim Wechsel in andere Laufbahngruppen, also Mannschaften zu Unteroffiziere?


    3. Seht Ihr eine Möglichkeit wie ich seinen wirklichen Enddienstgrad verifizieren könnte – ohne Bilder, ohne Zeitzeugen usw.? Das einigste wobei ich mir aus Erzählungen eigentlich sicher bin ist die Ausbildung in die Offizierslaufbahn. Er erzählte auch mehrfach von der Grundausbildung in Berlin Lichterfelde und von der Kadettenanstalt bzw die Junkerschule in Bad Tölz. Gerade wegen der Junkerschule Tölz scheint das mit Offizier wohl zu stimmen. Leider taucht in den Teilnehmerlisten der Lehrgänge dort nicht auf, wobei ja anzunehmen ist, dass nicht alle Listen erhalten bleiben.


    4. Und für mich die mit Abstand interessanteste Frage - Was für einen Dienstgrad hatte er dann mein Vater wohl demnach zu Kriegsende?


    5. War er dann SS-Standartenoberjunker oder, was ich mir nicht vorstellen kann, ein Wechsel direkt vom Rottenführer zu SS-Untersturmführer möglich?



    Ich danke im Vorraus für jede Antwort, die mir bei meinen Fragen weiterhelfen.


    Gruß Kalli

    Gruss aus Kanada

    Edited once, last by Kalli ().

  • Hallo Kalli,


    Ich denke, Itti´s Vorschlag ist der beste Weg, da genaueres zu erfahren …


    Als Führerbewerber, also „Offiziersanwärter“ absolvierte man seine normale Grundausbildung, wurde dabei aber gleichzeitig bereits auf den anstehenden „Werdegang“ als Offz.-Anwärter vorbereitet (zusätzliche Ausbildung, meist in speziellen „Führerbewerber“-Zügen …)


    Die „Frontbewährung“, also der Einsatz in einer Fronteinheit, schloss sich der Ausbildung an. Es kam aber auch vor, dass Führerbewerber direkt auf einen entsprechenden Führerbewerber-Lehrgang geschickt wurden und danach ohne „Frontbewährung“ an eine der Führerschulen geschickt wurden … das war aber eher die Ausnahme.


    Nach der Frontbewährung und einer dortigen entsprechenden Beurteilung, das derjenige auch „geeignet“ schien, eine Führer-Laufbahn einzuschlagen (man konnte auch abqualifiziert werden!), kam man auf einen Führerbewerber-Lehrgang, meistens zwei-drei Monate, und nochmals „geprüft“ und ausgebildet zu werden.
    Bestand man, wurde man zum SS-Junker ernannt und an eine entsprechende Schule abkommandiert.


    Natürlich kann Dein Vater bei Kriegsende an einer Junkerschule der Waffen-SS gewesen sein, er erwähnte ja Tölz selber, aber anscheinend hast Du ja vorliegende Lehrgangslisten ausgewertet, und sein Name wurde nicht genannt


    Es kann natürlich auch nur ein Vorbereitungslehrgang gewesen sein, der dann 1945 abgebrochen worden ist, bevor der Vater den eigentlichen Offiziers-/Führerlehrgang absolvieren konnte …


    Wann soll das denn alles so gewesen, ich meine damit den Zeitraum …
    1943/Anfang 1944 noch Rottenführer … bei der LAH anscheinend,


    Da bleibt natürlich genug Zeit für die obige „Laufbahn“ …


    Zur Junkerschule Tölz wurden ja auch Soldaten abkommandiert, um dort den Führerbewerberlehrgang zu absolvieren, bevor sie dann an der selben Schule den eigentlichen Lehrgang machten.


    Eine Direktbeförderung vom SS-Rottenführer zum Untersturmführer möchte ich eigentlich – auf im Falle von „Tapferkeit vor dem Feind“ – ausschließend – aber es war ja (fast) alles möglich … :rolleyes:;)


    Ich bräuchte also weitere Informationen, um da vielleicht noch mehr sagen zu können…  :(


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Ich denke euch mal sehr für die Antworten.


    An die WASt hab ich auch schon gedacht, aber ich war der Meinung dass die über die Soldaten der Waffen SS keine Unterlagen haben. Daher scheid mir diese Informationsquelle zu befragen zunächst als unnötig. Scheinbar hatte ich aber mit der Annahme jedoch unrecht.


    Als Angaben habe ich leider nur recht wenig, denn mein Vater erzählte eigentlich nur immer die gleichen Geschichten in abgeschwächter, fast „Kindgerechter“ Version (Wiedereinnahme von Charkow, Do-Werfereinsatz miterlebt, Vierlingsflak gegen Husaren und 8,8 gegen Panzer und sie als Infanterie mit Hafthohlladungen dazwischen sowie ein paar belanglose Sachen).
    Ich habe hier nur von ihm eine unvollständige Abschrift (Wahrheitsgehalt jedoch ungewiss), dass er am 15.08.41 als freiwilliger zur LAH kam. Gemustert wurde er in Worms. Von der Musterung aus kam er nach Berlin-Lichterfelde zur 5. Ersatzkompanie. Winter 41 soll er in Russland im Raum „Rostock“ (wohl eher Rostow??) verlegt worden sein. Er war beim 2. Rgt, 2. Kompanie, 2. Zug. (wie war denn damals die richtige Schreibweise hierfür– wisst ihr das ? War das dann 2 Rgt 2./2 ? ).
    Frühjahr 42 kamen sie zur Neuaufstellung nach Frankreich. Nach Auffrischung der Truppe kam er Herbst 42 wieder nach Russland. Charkow bis Frühjahr 43. Hier steht auch „ich hatte den Dienstgrad eines Rottenführers“. Zu dem Zeitpunkt muss das stimmen, denn nach seinem Hochzeitsbild mit seiner ersten Frau (sie starb später durch „Übergriffe“ russischer Soldaten in Berlin) war er zum Zeitpunkt der Hochzeit im Juli 44 noch als Rottenführer zu sehen.
    Aber mich macht das mit der Junkerschule in Tölz stutzig. Von meiner Tante (seiner Schwester) weiß ich, dass seine Schwiegereltern ihn sehr gedrängt haben, dass er die endlich die Offizierslaufbahn einschlägt. Schließlich muss er dann dem Drängen nachgekommen sein und für diese Laufbahn dann auch zugelassen worden sein.


    Er wurde nach diesen Unterlagen 4 mal verwundet. Mir sind jedoch aus Erzählungen "nur" 2 Verwundungen bekannt. MG-Garbe von unten nach oben, also durchs Bein bis hoch zur Schulter und einmal die Stirn mit einem Granatsplitter durchschlagen. Als Auszeichnungen hatte er bei der Hochzeit die Westwall-Medaille, das Verwundetenabzeichen (Silber) Das EK 2 und die Ost Medallie Das tut zwar nichts zum Dienstgrad, aber vielleicht kann das das eine oder andere erklären bzw. plausibel machen, oder….. ach, ich weiß auch nicht.


    Hier mal seine Auszeichnung bis zur Heirat
    [Blocked Image: http://img7.imageshack.us/img7/7581/brustd.th.jpg]
    Nicht sichtbar (oder noch nicht vorhanden) sind die Panzervernichtungsabzeichen auf dem rechten Arm.


    Morgen fahr ich in sein Heimatdorf um Erde zu holen für sein Grab…

    Gruss aus Kanada

  • Hallo Kalli

    Quote

    ....An die WASt hab ich auch schon gedacht, aber ich war der Meinung dass die über die Soldaten der Waffen SS keine Unterlagen haben. ....…


    ich würde diese Möglichkeit - trotz Wartezeit von knapp 12 Monaten - doch in Angriff nehmen ... ;)
    vielleicht ist nichts zu finden - nicht alle Unterlagen haben "überlebt" - aber trotzdem wäre es wichtig, zu sehen, was noch an Angaben vorhanden sind ... ;)


    Hatte ich mal in meine Unterlagen geschaut, was z. B. den letzten Kriegs-Junker-Lehrgang in Tölz angeht, ob der Name genannt wurde ... ?(
    (Tut mir leid, wenn ich den Überblick verloren habe, aber nach so langer Zeit und so vielen Fragen und Antworten ... 8))



    15.08.1941
    R.Kliemann wurde am 15.August 1941 zum SS-Ers.Btl. LAH nach Berlin-Lichterfelde einberufen und kam zur 5.E./LAH. Nach der Grundausbildung wurde er im November 1941 zur 13./III.LSSAH versetzt. Er berichtete: “ ... Ich kam mit dem Mannschaftsersatz Anfang Dezember (1941, der Verf.). Wir Rekruten stammten alle aus der 5.E./LAH in Berlin-Lichterfelde. Jetzt waren wir drei Wochen mit der Bahn unterwegs gewesen. Die meiste Zeit hatten wir allerdings auf irgendwelchen Bahnhöfen gestanden. ...”
    In Dnjepopetowsk in Ju 52 verladen, kam der Ersatz so nach Tageanrog, wo sie am Rollfeld bereits von Sepp Dietrich und Panzer-Meyer empfangen wurden. Um den 2.12.1941 wurden sie auf die Feldeinheiten verteilt. (Rolf Kliemann in KTB Nr. 1 18./IV.(Wach) Btl. LSSAH, S. 169)
    Das kommt auf jeden Fall hin!! ;)


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Genau!!!!! Danke - nun klingel, s bei mir auch wieder.
    Tageanrog in Verbindung mit einer wochenlangen Bahnfahrt. Während der Bahnfahrt hatte er sich eine sehr schwere Erkältung mit sehr hohen Fieber zugezogen. Seine Kameraden packten ihn richtig dick ein, füllten ihn Literweise mit Schnaps ab und packten ihn warm verpackt und total besoffen „oben ins „Gepäcknetz“ (seine Angaben – er lag wahrscheinlich auf einer Kofferablage irgendwo oben.
    Nachdem er sich halbtotgeschwitzt und eine kleine Ewigkeit geschlafen hat war er wieder gesund.


    Vielen, vielen Dank für diese Info die mir das wieder in Erinnerung gebracht hat.



    Ich schicke Dir mal seinen Namen per PN, aber ich glaube fast dass Du das warst der mal geschaut hat.



    Nachtrag:
    Wer ist/war dieser R.Kliemann??
    lebt der evtl. noch?


    Nachtrag 2:
    Was ist das für ein Buch aus dem Du zitierst?
    Gibts das irgendwo??

    Gruss aus Kanada

    Edited 3 times, last by Kalli ().

  • Hallo Kalli,


    das freut mich, dass es wenigstens möglich war, eine Verbindung mit der E-Kompanie und der Feldeinheit - wenn auch vielleicht nicht die selbe Kompanie - herzustellen ... ;)


    zum Glück versuche ich ja, alle diese Hinweise dazu zu erfassen ... :D


    danke auch für die PN, ja, ich denke auch, dass ich bereits mal nachgesehen habe ... 8o;)


    aber es schließlich ja nicht aus, dass er auf irgendeinem der "späteren Lehrgänge" war, über die i c h leider bisher keine Informationen habe ...
    ich bin ja auch immer noch "auf der Suche" ...  :(


    Ob Herr Kliemann noch lebt, kann ich leider nicht sagen - mein Kontakt zu ihm ist bereits längere Jahre her ...  :(


    Das erwähnte "Buch" ist eine zweiteilige Kompaniechronik, erschienen im Kameradenkreis, so Anfang der 90ziger ... ich hatte damals das Glück, davon zu erfahren und es erwerben zu können ...  8)


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump