• Quote

    Warum?
    Ergibt 2 Div. Murmansk und 3 ½ Div. + einer Brigade Murmanbahn. Ich lese aus dieser insgesamt doch erheblichen Truppenkonzentration nicht nur eine dementsprechende Bedeutung Murmansks und der Murmanbahn in den Planungen der obersten Wehrmachtsführung (wenn auch gegen den Willen des OKH) heraus, sondern sehe eine - wenngleich nicht hinreichende - so immerhin vorhandene Schwerpunktbildung auf den Operationen gegen die Murmanbahn.
    Freilich nur dann, wenn man das Ziel und die Einnahme Murmansks nicht ohnehin als gleichbedeutend mit dem Erreichen bzw. der Neutralisierung dieser Verkehrsader wertet. Das Problem war der zersplitterte Kräfteansatz auf operativer Ebene!

    Hallo RK,

    ich bezog mich auf das KTB AOK Norwegen.

    Der Ansatz von 2 Divisionen gegen Murmansk basierte auf einer Einschätzung der Verkehrswege aufgrund ungenügendem Kartenmaterials.

    Sehr schnell wurde, als der Angriff nach wenigen Tagen steckengeblieben war, der Ansatz einer weiteren Division "nachgeschoben", wobei die Verkehrswege nun keine Rolle mehr spielten. Müßte ich aber nochmal nachlesen.

    Grüße
    cpa95

  • Hallo,

    Zitat aus DDR und der II. WK S. 830:

    ".....War es für das AOK Norwegen schon eine fast unlösbare Aufgabe, sowohl Murmansk als auch die Murmansk - Bahn bei Kandalaska mit ausreichenden Kräften zugleich anzugreifen, so dürfte schließlich der Angriff des III. finnischen Korps über Kiestinski in Richtung auf Louchi(auch Louhi d. U.) als drittes, gleichwertiges Operationsziel der Armee die Ansicht von der unnötigen Zersplitterung der verhältnismäßig geringen Angriffskräfte bestätigen..........."

    Ferner
    Hölter: " Armee in der Arktis S. 80"
    "....so kann zweifellos der erfolgslose Versuch der deutsch - finnischen Offensive in Richtung Murmansk und Weißes Meer als
    EINE DER VERPAßTEN GELEGENHEHEITEN DES II. WK BEZEICHNET WERDEN."

    Weitere Fehler wie Kräftemangel, geographische Gegebenheiten, Versorgungsmängel, klimatische Verhältnisse, fehlende deutsch - finn. Koordinierung, usw. wurde weitestgehend bereits angeführt.

    Gruß Karl

  • Hallo

    Ich halte den realen Ansatz operativ und logistisch für komplett unsinnig.

    Es war nicht möglich, das hätte man auch schon damals sehen können, in einem schnellen Vorstoß Murmansk einzunehmen und die Murmanskbahn erreichen.
    Damit ist es aberwohl nicht getan.
    Laut DRZW Band 4 war die 85 km westlich vorgelagerte Fischerhalbinsel stark befestigt und mit Truppen belegt. Man kann nmM annehmen das die Küste nördlich Murmansk (Hafeneinfahrt) davon ebenfalls befestigt war.
    Selbst wenn Murmansk in der ersten Angriffsoperation genommen wird sollte man nicht vergessen das auch das Gebiet von Murmansk bis zur Küste gesichert werden mußte, ansonsten wäre es nicht möglich gewesen den Hafen für Versorgungsschiffahrt zu nutzen.

    Man hätte also die eh schon geringen Truppenstärken noch teilen müssen (Sicherung gegen die Fischerhalbinsel - Sicherung nach Süden quer der Murmanskbahn - Angriff nach Norden). Dies gilt auch wenn das Korps verstärkt worden wäre.

    Die Rote Armee hatte dagegen mit der Murmanskbahn und dem damit verbundenen Straßennetz eine ausgezeichnete Infrastruktur um schnellstens starke Truppenverbände (inkl. Panzer) zur Wiedereroberung von Murmansk zu versammeln.

    (Gleiches gilt für jeden Ansatz auch südlicher entlang der Murmanskbahn.)

    Dazu hätte die Rote Armee mit dem Hafen von Archangelsk eine gute Ausgangsbasis um Versorgungsgut und Verbände zur Fischerhalbinsel und Küste nördl. Murmansk verlegen können bzw. an der Küste Landungsoperationen durchzuführen.

    Ergo kann man nmA überhaupt nicht von "verpaßter Gelegenheit" sprechen. Im Gegenteil, zwar waren bei den Kämpfen dort kampfstarke deutsche Verbände involviert, (letztlich hätte sich aber auch ihr Einsatz an einer anderem Ostfrontkriegschauplatz nicht groß ausgewirkt, schließlich waren es nur 2-3 Gebirgsdivisionen). Aber auch die Rote Armee mußte nachziehen, eben wegen der Wichtigkeit des Hafens und der Bahnlinie, gerade ab Ende 41. Man hatte also relativ starke Teile der Roten Armee auf einen weniger wichtigen Kriegsschauplatz gezogen.

    Selbst wenn man die Operation Polarfuchs gestrichen hätte, die dortigen Truppen der Op. Platinfuchs zugeschlagen hätte, wären nicht genügend Truppen verfügbar gewesen um einen schnellen durchschlagenden (eben - schnelle Eroberung des Hafens Murmansk und des nördl. Geländes bis zur Küste) Erfolg zu gewährleisten.

    Edited once, last by klext (January 28, 2010 at 12:21 AM).

  • Hallo

    Bei näheren Hinsehen würde ich obige Sichtweise etwas mehr differenzieren.

    A.) Für das Jahr 1941 halte ich die Operationen im Hohen Norden nicht nur für unsinnig sondern für überflüssig und sogar kontraproduktiv.
    Wenn man, wie man dachte, die SU in 8 Wochen schlägt wäre auch Murmansk etc. von alleine gefallen. Die dort eingesetzten Kräfte hätten, zb. an der Naht HG Nord / Mitte eingesetzt, den dortigen Kräftemangel etwas gemindert.
    Wenn den Besitz von Murmansk als so wichtig erachtet, wobei ich für obigen Zeitraum
    keinerlei Begründung dafür sehe, hätte man den gesamten Raum Murmansk in kürzester Zeit nehmen müssen. Dann hätte man zu einer kombinierten See- und Luftlandeoperationen greifen müssen.
    Die Möglichkeit sehe ich allerdings, kräftebedingt beider Seiten, nur für 1941.


    Wenn der eigene Angriff auch dem Schutz der Minen im dortigen Raum dienen sollte hätte man das auch "billiger" - durch Defensivoperationen- haben können. Das hätte mehrere Vorteile für die dort eingesetzten deutsch-finnischen Truppen gebracht.

    B.)
    Ergo kann man nmA überhaupt nicht von "verpaßter Gelegenheit" sprechen. Im Gegenteil, zwar waren bei den Kämpfen dort kampfstarke deutsche Verbände involviert, (letztlich hätte sich aber auch ihr Einsatz an einer anderem Ostfrontkriegschauplatz nicht groß ausgewirkt, schließlich waren es nur 2-3 Gebirgsdivisionen). Aber auch die Rote Armee mußte nachziehen, eben wegen der Wichtigkeit des Hafens und der Bahnlinie, gerade ab Ende 41. Man hatte also relativ starke Teile der Roten Armee auf einen weniger wichtigen Kriegsschauplatz gezogen.

  • Hallo,


    rebelau

    Quote

    Den Grund für die Zersplitterung der Kräfte kann man wirklich recht genau bei Paul Carell: Unternehmen Barbarossa. Abschnitt: "Die Häfen am Eismeer" nachlesen.

    Bei Carell kann man vor allem genau nachlesen, wie "anständig, heldenhaft und sauber" die Wehrmacht doch gekämpft hat. Erstaunlich, angesichts der "grausamen bolschewistischen" Kriegführung. Von den "braven" deutschen Soldaten ist aber auch nichts anderes zu erwarten gewesen. Der Abenteuerroman, pardon Sachbuch, ist ein Beispiel für das Vergessen - keine Kriegsverbrechen, kein Holocaust - und (r)echte Thesen, etwa wenn es um den Präventivkrieg geht. Aber das wolltest du damit ja eigentlich gar nicht sagen. Nichts für ungut "rebelau", und danke für deinen sicherlich gut gemeinten Hinweis, aber mit Figuren vom Schlage eines Paul Carell bist du bei mir definitiv an der falschen Adresse, denn das kenne ich schon!


    Karl

    Quote

    Bezüglich der Angaben zur Kampfgruppe "Nord" habe ich eine andere Quelle, wie bereits angeführt: "Kampf unter dem Nordlicht" von Schreiber, Franz. Dort wird die von Dir erwähnte Kgr.(Brigade) bereits am 30.06.1941 als "SS - Division Nord", Div. Kdr. Demelhuber geführt. Später dann 6. SS - Geb. Div. Nord. Auch wird dort angeführt, dass die Artillerie NICHT den Anforderungen für eine DEUTSCHE mot. Div, entspricht !! ( franz. Typen, Somua und Unic).


    Die Kräftegliederung bezog sich natürlich auf den Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion. Die SS-Kampfgruppe "Nord" wurde am 23.6.1941 in SS-Division "Nord" umbenannt (vgl. DRZW Bd.4, S. 814). Bei der Beurteilung der materiellen Ausstattung wurden franz. Artillerie-Schlepper, wohl aufgrund ihrer insgesamt relativ geringen Bedeutung, nicht gesondert berücksichtigt. Es findet sich lediglich ein Hinweis, dass franz. Panzerfahrzeuge in Ermangelung an Zugmaschinen bei den Divisionen (!) der 11. und 12. Welle als eben solche eingesetzt wurden.


    cpa95

    Quote

    Sehr schnell wurde, als der Angriff nach wenigen Tagen steckengeblieben war, der Ansatz einer weiteren Division "nachgeschoben", wobei die Verkehrswege nun keine Rolle mehr spielten. Müßte ich aber nochmal nachlesen.

    Das Gebirgskorps Norwegen trat ab 29. Juni 1941 mit dem Ziel Murmansk an. Am 18. Juli befahl das zuständige AOK die Einstellung aller Angriffe, nachdem man seit 6. Juli im Raum Lica schwerste Verluste erlitt und keinen Geländegewinn mehr erzielen konnte. Schließlich genehmigte Hitler am 30. Juli die Zuführung der 6. Gebirgsdivision, um die Angriffskräfte verstärken zu können (vgl. ebd., S. 811f.). Soweit zur Chronologie.


    MfG

    Whoever saves one life, saves the world entire.
    Talmud Jeruschalmi

  • Hallo Rote Kapelle,
    Deine kritischen Anmerkungen in Ehren, doch wollte ich nur sagen, daß Paul Carell in seinem Buch die militärischen Operationen an der Eismeerfront bzw. gegen die Murmanbahn und gegen Murmansk meines Erachtens recht präzise, prägnant und nachvollziehbar (natürlich nur in groben Zügen im Rahmen eines Buches das den gesamten Vormarsch bis Stalingrad zum Thema hat) schildert, und es gibt hierüber nicht gerade "massenweise" Literatur. Ob und wie sich Paul Carell über den Holocaust und andere Gegebenheiten des "Dritten Reiches" äußert, mag für d i e s e s Thema, das hier angesprochen wurde und zu dem ich mich geäußert habe, nicht unbedingt der entscheidende Maßstab sein oder?
    Entweder man spricht über militärische Operationen, taktische bzw.strategische Gegebenheiten, oder über Politik, politische Aktionen, oder über beides; es muß aber erlaubt sein, einen Autor zu einem rein militärischen Sachthema zu erwähnen, der nicht gleichzeitig auch drei Bücher über den Holocaust geschrieben hat...
    Meine ich...
    Oder?
    Freundliche Grüße
    Rebelau

    Suche alles über die 101. Jägerdivision.

    Edited 3 times, last by rebelau (January 31, 2010 at 11:40 PM).

  • Hallo Rote Kapelle,

    wenn die Kfz.-Ausstattung durch Beutefahrzeuge der späteren 6. SS Div. Nord im DRZW nicht wesentlich berücksichtigt wird, so ist das für dieses Werk, das als Gesamtwerk des II. WK gedacht ist, verständlich, wie Du selbst weißt. Das heißt jedoch nicht, dass die Ausstattung mit Beutefahrzeugen für die 6. SS Div. ( Auf das Werk bezogen eine von vielen Divisionen) in diesem besonders unwegsamen Gelände ( Lappland, Karelien, Nordfinnland) nicht von Bedeutung ist.
    Ich zitiere:
    "In den ersten Tagen des Juli trafen die schon lange erwarteten Fahrzeuge ein. DER ERSTE EINDRUCK WAR NIEDERSCHMETTERND. Nicht nur wegen der Typenvielfalt, denn außerdem waren die Beutefahrzeuge auch noch gebraucht und mussten erst überholt werden.
    Quelle: "Zur Geschichte der Flak-Abteilung im Rahmen der Kgr. Nord und der 6. SS Geb. Div. Nord."

    Gruß Karl

  • Quote

    Original von Rote-KapelleDie SS-Kampfgruppe "Nord" wurde am 23.6.1941 in SS-Division "Nord" umbenannt (vgl. DRZW Bd.4, S. 814).

    MfG

    Hallo, ist vermutlich nicht wirklich wichtig, aber

    noch in der Übersicht vom 16.7.41 des SS-FHA über "Zusammensetzung der Waffen-SS" ist unter 5.)

    SS-Kampfgruppe "Nord"

    gelistet... selbst Anfang August ist immer noch noch in Dokumenten von SS-Kampfgruppe "Nord" die Rede...

    Uwe

  • Quelle: "Kampf unter dem Nordlicht, Die Geschichte der 6.SS-GebDiv Nord" von Franz Schreiber.

    Seite 37 - 24.Juni 41 - SS-Division Nord

    Seite 38 Zustandsmeldung vom 30.Juni 41 - SS-Division Nord

  • Quote

    Original von Rote-Kapelle
    Das Gebirgskorps Norwegen trat ab 29. Juni 1941 mit dem Ziel Murmansk an. Am 18. Juli befahl das zuständige AOK die Einstellung aller Angriffe, nachdem man seit 6. Juli im Raum Lica schwerste Verluste erlitt und keinen Geländegewinn mehr erzielen konnte. Schließlich genehmigte Hitler am 30. Juli die Zuführung der 6. Gebirgsdivision, um die Angriffskräfte verstärken zu können (vgl. ebd., S. 811f.). Soweit zur Chronologie.
    MfG

    Hallo RK,

    vom AOK wurde zeitgleich (abends) mit Einstellung des Angriffs das "Nachschieben" einer weiteren Division gefordert. Grund war überraschenderweise ;) die überlange Ost-/Südostflanke von 30 km.

    Dabei haben die "Straßenverhältnisse" keine Rolle mehr gespielt. Teile der kämpfenden Truppe mußten ohnehin bereits im Pendelverkehr für den Nachschub mit aushelfen.

    Grüße
    cpa95

  • Hallo,


    rebelau

    Quote

    Deine kritischen Anmerkungen in Ehren, doch wollte ich nur sagen, daß Paul Carell in seinem Buch die militärischen Operationen an der Eismeerfront bzw. gegen die Murmanbahn und gegen Murmansk meines Erachtens recht präzise, prägnant und nachvollziehbar (natürlich nur in groben Zügen im Rahmen eines Buches das den gesamten Vormarsch bis Stalingrad zum Thema hat) schildert, und es gibt hierüber nicht gerade "massenweise" Literatur.


    Das tut er eben nicht. Zumindest die jüngere Geschichtswissenschaft führt Carell und seine Ostfront-Chronik, wenn sie ihn denn nicht gleich ignoriert, allenfalls noch als Negativ-Beispiel an. Kaum verwunderlich, sind die Schriften des Autors nicht nur tendenziös, sondern driften zuweilen regelrecht in Landser-Romantik ab. Seine Methoden halten wissenschaftlichen Kriterien nicht stand.

    Konkret zum Thema: Natürlich gab es einen Schwerpunkt! Das beweist die Dislokation der Großverbände, noch wesentlich deutlicher deren reale Truppenstärken, und der Operationsplan. Letzterer wurde zunächst in Zusammenarbeit zwischen OKW und OKH ausgearbeitet, gegen Ende dann ausschließlich vom OKW, das im Endeffekt auch für den Kräfteansatz verantwortlich war. Dabei war dem Oberkommando sehr wohl bewusst, dass die vorhandenen Geländeverhältnisse eine weiträumige und zugleich erfolgversprechende Operation in großem Maße gefährdeten. Daher wurde auch nur die Inbesitznahme bzw. Sicherung Petsamos erwartet, alles was darüber hinaus ging, dagegen als "Geschenk" angesehen (vgl. G.K.N., KTB I). Aus diesem Grund sah der Operationsplan die Eroberung Murmansks, durch das Geb.Korps Norwegen, lediglich als Option vor. Abhängig von den sich zu diesem Zeitpunkt bietenden taktischen und geographischen Möglichkeiten (vgl. AOK Norwegen, Ia Nr. 14/41). Mit der Murmanbahn hatte Dietl dann überhaupt nichts zu tun. Diese sollte durch das XXXVI. AK. genommen werden. Tatsächlich waren es diese Kräfte, die über Kandalaksa hinaus, Murmansk einzunehmen hatten (vgl. DRZW Bd. 4, S.386). Dietl sollte primär, wenn möglich, nur versuchen Murmansk einzuengen.


    Quote

    Ob und wie sich Paul Carell über den Holocaust und andere Gegebenheiten des "Dritten Reiches" äußert, mag für d i e s e s Thema, das hier angesprochen wurde und zu dem ich mich geäußert habe, nicht unbedingt der entscheidende Maßstab sein oder?


    Es ist zumindest nicht unerheblich. Immerhin wirft die Tatsache, dass der Autor diesen Zusammenhang nicht herzustellen vermag, ein bezeichnendes Licht auf dessen Arbeitsweise und lässt wohl auch nicht gänzlich unbegründete Zweifel hinsichtlich seiner ideologischen Haltung aufkommen. Nun soll es aber gut sein. Meinen Standpunkt zu Carell habe ich mittlerweile eingehend dargestellt. Es ist ja auch niemandem verboten, seine Texte zu konsumieren. Wenn dir dieser Stil zusagt, dann ist das okay. Nur akzeptiere bitte, dass hier die wissenschaftliche - und auch meine - Sichtweise eine andere ist.


    Karl


    Quote

    Das heißt jedoch nicht, dass die Ausstattung mit Beutefahrzeugen für die 6. SS Div. ( Auf das Werk bezogen eine von vielen Divisionen) in diesem besonders unwegsamen Gelände ( Lappland, Karelien, Nordfinnland) nicht von Bedeutung ist.


    Das habe ich ja auch nicht behauptet. Dein Hinweis auf Beute-Schlepper bei der Kampfgruppe "Nord" war in diesem Zusammenhang auch sinnvoll. Tatsächlich unterscheidet DRZW zwar in Beute-Kfz., -Pak, -Art. und -Pz., offensichtlich aber nur grob bzw. lässt zahlenmässig vernachlässigbares Gerät, wie Schlepper, einfach unberücksichtigt. Womöglich lässt sich dazu noch etwas bei Müller-Hillebrand, Das Heer 1933-1945, Bd. 2, S.157ff. finden, auf dessen Darstellung ja die Angaben zur materiellen Ausstattung des Ostheeres basieren. Ich kann dazu jedenfalls nichts mehr beitragen.


    cpa95


    Quote

    vom AOK wurde zeitgleich (abends) mit Einstellung des Angriffs das "Nachschieben" einer weiteren Division gefordert.

    Das ist interessant. In einem Lagebericht an das AOK Norwegen forderte Dietl nämlich erst am 7. Juli - nachdem Teile der Front zurück genommen werden mussten - die Zuführung eines Regiments (!), vorzugsweise einer Division (vgl. den entsprechenden Tageseintrag G.K.N., KTB I). Schließlich orientierte das Geb. Korps Norwegen erst am 17. Juli v. Falkenhorsts AOK, dass zur Fortführung jedweder Offensivbemühungen die Zuführung wenigstens einer weiteren Division unerlässlich sei.


    Quote

    Dabei haben die "Straßenverhältnisse" keine Rolle mehr gespielt.

    Erstaunlich, vor allem deshalb, da die Versorgungssituation nach und in Lappland stark angespannt war. Bei den Forderungen nach Verstärkungen wurde den logistischen Möglichkeiten offenbar nur eine untergeordnete Bedeutung zugemessen, und das, obwohl das AOK Norwegen einwandfrei feststellte, dass die Zuführung der 6. Geb. Div. die Versorgungslage beim Geb.Korps Norwegen nur erschweren würde (vgl. AOK Norwegen, KTB). Tatsächlich erklärte die Kriegsmarine bereits frühzeitig, dass der für die Versorgung der Truppen unerlässliche Seetransport durch das Nordpolarmeer, angesichts feindlicher Seestreitkräfte, nicht garantiert werden könne. Aufgrund der geographischen Bedingungen gestaltete sich dann die Versorgung auf dem Festland nicht einfacher. Konkret musste Verpflegung und Munition, in die vordersten Stellungen, mit Hilfe von Pack-Esel transportiert werden. Dabei kam es bereits nach wenigen Tagen zu erheblichen Engpässen, da die Tragtiere aufgrund von Überbeanspruchung häufig verstarben, und deren Gesamtzahl nicht ausreichte. Als sich die Front endgültig versteifte, gelang es gerade noch, ausreichend Munition für Defensivaufgaben zur Verfügung zu stellen. An Offensivbemühungen, ungeachtet der sich nunmehr deutlich zugespitzten militärischen Lageentwicklung, war nicht mehr zu denken. Letztendlich löste die 6.Geb.Div. dann auch beide Divisionen ab. Ein (gleichzeitiger) Einsatz von drei Großverbänden in diesem Raum kam also offenbar doch nicht in Frage.


    MfG

    Whoever saves one life, saves the world entire.
    Talmud Jeruschalmi

  • @Rote Kapelle
    Interessant:


    Hitlers Weisungen 1941 sind so allgemein gehalten das die wirkliche Operationsplanung nicht daraus hervorgeht:
    Weisung 21
    http://der-fuehrer.org/reden/deutsch/…/1940-12-18.htm

    Weisung 33
    http://der-fuehrer.org/reden/deutsch/…/1941-07-19.htm

    Weisung 34
    http://der-fuehrer.org/reden/deutsch/…/1941-07-30.htm

    vielleicht kannst du entsprechenden Passagen aus dem KTB AOK Norwegen einstellen.

    Edited once, last by klext (February 7, 2010 at 4:18 PM).

  • Hallo Stefan,


    Quote

    ...vielleicht kannst du entsprechenden Passagen aus dem KTB AOK Norwegen einstellen.


    Ich weiß zwar jetzt nicht genau, welche Passage(n) du meinst, aber wenn es um Murmansk bzw. dessen optionale Einnahme geht, dann hier:

    Armee-Oberkommando Norwegen, Ia Nr. 14/41 g.Kdos.Chefs.

    Operationsanweisung für das Gebirgs-Korps Norwegen.

    […] Zu 1b) bb) Fall "B" (Platinfuchs) […]

    b) Die Operationsführung. […]

    2) Aufgabe des Geb. Korps ist es, nach Besetzung und unter Sicherung des Petsamo-Raumes gegen etwaige Landungsversuche und Sicherung gegen die Fischerhalbinsel mit möglichst starken Kräften zunächst bis zum Kolafjord vorzustoßen, sich in Besitz von Wladimirhafen und Polarnoje zu setzen und den Verkehr im Kolafjord zu sperren oder wenigstens zu behindern. Ob es darüber hinaus möglich sein wird, mit kampfkräftigen Teilen den Kolafjord zu überschreiten und sich in Besitz von Murmansk zu setzen, muss von der örtlichen taktischen Lage und den Geländeverhältnissen abhängig gemacht werden. […]


    MfG

    Whoever saves one life, saves the world entire.
    Talmud Jeruschalmi

  • Hallo,

    Quote

    Es ist zumindest nicht unerheblich. Immerhin wirft die Tatsache, dass der Autor diesen Zusammenhang nicht herzustellen vermag, ein bezeichnendes Licht auf dessen Arbeitsweise und lässt wohl auch nicht gänzlich unbegründete Zweifel hinsichtlich seiner ideologischen Haltung aufkommen. Nun soll es aber gut sein. Meinen Standpunkt zu Carell habe ich mittlerweile eingehend dargestellt. Es ist ja auch niemandem verboten, seine Texte zu konsumieren. Wenn dir dieser Stil zusagt, dann ist das okay. Nur akzeptiere bitte, dass hier die wissenschaftliche - und auch meine - Sichtweise eine andere ist.

    Mal unabhängig von Carell, denn diese, deine, Worte irritieren mich schon sehr.

    Also kann man deiner Meinung nach eine politisch rechte Tendenz von Autoren dann erkennen, wenn sie in ihren Büchern nicht in jedem zweiten Kapitel den Holocaust, deutsche Kriegsverbrechen oder die Menschenverachtene Ideologie der Nazis behandeln und verteufeln?

    Mal ganz ehrlich: ist das nicht ein bisschen kurz gedacht und genauso unwissenschaftlich?

    Wenn ich etwas über den Holocaust lesen will beschaffe ich mir entsprechende Literatur. Bei jedem anderen Buch erwarte ich gar, das von diesen Themen nichts ausführlich zur Sprache kommt, allein um das Thema des Buches nicht zu verfehlen und dessen Inhalt zu verwässern. Alles andere würde den Eindruck eines schlechten Gewissens und des ständigen Zwanges sich rechtfertigen bzw. verurteilen zu müssen vermitteln und das ist sehr unseriös und hat ja wohl kein Mensch nötig.

    Diese Themen möglichst ausführlich und unter allen Blickpunkten behandeln sowie auf alle Verbrechen eingehen: auf jeden Fall. Aber dann doch bitte da wo es passt.

    Ebenso unpassend wären ständige Erwähnungen des alliierten Terrorbombens in einem Buch über die Ostfront.

    Gruß
    Tobias

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

    Edited 4 times, last by Tobias Giebel (February 13, 2010 at 11:22 PM).

  • Hallo

    Danke Rote Kapelle. Das macht das ganze schon klarer.

    Polarnoje liegt ca. 28 km nördl. Murmansk.
    Am Kolafjord liegt Polarnoje und Murmansk.
    Wladimirhafen wird auch irgendwo in der näheren Gegend sein (per Google-Earth hab ich es nicht gefunden).

    Das Gebirgskorps sollte also die nördl. "Zange" sein. Die südliche sollte, wie du gezeigt hast, aus der XXXVI. AK gebildet werden.


    Nichtsdestotrotz halte ich meine Einschätzung weiterhin für gültig. Die gesamte Operationanlage war Schwachsinn.

  • Hallo,

    zu berücksichtigen gilt auch, dass die Finnen aktive Waffenbrüder waren und somit auch auf deutscher Seite aus politischer, nicht nur strategischer Sicht etwas getan werden musste. Sicher zog man auch ins Kalkül, dass die Sowjets dort oben gegen die finnische Armee nach "Barbarossa" tätig werden könnten.
    Kräftebindend wirkte es sich für die Rote Armee allemal aus, wenn man die Leningradeinschließung unterstützen wollte. Zudem lagen dort die Nickelgruben in Petsamo, die zwar in kanadischem Besitz standen, aber Finnland erhebliche Devisen einbrachten was auch ein Faktor gewesen sein könnte, dass sich das DR dort engagierte.
    Gibt es hierzu politische Meinungsäußerungen auf deutscher Seite ( damals)?

    Gruß Karl

  • Quote

    Original von Karl Grohmann
    Gibt es hierzu politische Meinungsäußerungen auf deutscher Seite ( damals)?

    Gruß Karl

    Ist das bekannt?

    Es gibt ein Buch von Wipert_von_Blücher über seine Zeit als Botschafter in Finnland von 1935 bis 1944.

    Suomen kohtalonaikoja. Muistelmia vuosilta 1935–1944, toinen painos, Wipert von Blücher, suomentaja Lauri Hirvensalo, 1950

    (Finnland's Schicksalszeit Erinnerungen von den Jahren 33 bis 45, 2. Auflage Finnisch von Lauri Hirvensalo 1950)

    Ob es das auch in deutscher Sprache gibt weiss ich nicht. Vielleicht steht dort näheres.


    Edit: Schreibfehler

    vg
    mra

    -die Feder ist uns von Haus aus ein fremdes Handwerkszeug. Aber nun hat unser Leid einen schreiben heißen –

    Edited once, last by mra (February 17, 2010 at 3:42 PM).