Landesschützenbataillone

  • Hallo Forenmitglieder,
    wer von Euch kennt sich etwas besser mit den Strukturen der Landesschützenbattaillone aus. Waren dies nur Bewachungstruppen für Gefangenenlager oder auch regulär kämpfende Truppen.
    Mein Großvater war im Landesschützenbattaillon 344 und wurde im Februar 1945 schwer verwundet (im Kampfeinsatz). Er selbst hat nie etwas vom Krieg erzählt, nur daß alles "Scheiße" war.
    Gruß Andreas

  • Große Kenntnis zur Verwendung der Einheiten habe ich nicht, aber sie scheinen in Frankreich auch als Besatzungstruppen Verwendung gefunden zu haben:
    http://www.ihtp.cnrs.fr/prefets/de/d0840mbf.html


    Dann gibt es diverse Zusammenfassungen bei der Bildung von Divisionen.


    Schließlich hatte die Luftwaffe solche zur Bewachung der Luftwaffeneinrichtungen, also Flugplätze etc.

  • Infanterie-Rgt. 656 * 19.03.1940 (9. Welle) bei Oberost (OFK Warschau) durch Umbenennung des
    Stabes/Feld-Kdtr. 530 (* Franfurt/Oder) und der Ldschtz.Btle. IV./III (Guben), IX./III (Wittenberge) und XV./III (Potsdam);
    09.06.1940 Abgabe der 16. (Feldrekr.) Kp. an Feldrekr.Inf.Rgt. 242; 05.10.1940 wurde Rgts.Verband aufgelöst;
    die Btle. wurden selbständige Heimatwach-Btle. für Kriegsgefangenen-Bewachung
    (I./656 Rummelsburg, II./656 Rummelsburg, III./656 Marienfelde) und am 01.01.1941 umbenannt
    in Ldschtz.Btle. 343 bis 345.
    G: I. 1-4, II. 5-8, III. 9-12, schw.Kp., Pi.Kp., Feldrekr.Kp.
    U: 386. Inf.Div.: Generalgouvernement, Juli 1940 im WK III
    E: 3 (Ldschtz.) Strausberg; 05.09.1940 E 466 (Inf.) Schwerin/Warthe, WK III


    MfG - Uwe

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  • Vielen Dank einstweilen an Euch.
    Mein Großvater ist erst 1943 mit fast 40 Jahren eingezogen worden und über verschiedene Landesschützenausbildungs- und Ersatzabteilungen zum Landesschützenbattaillon 344 gekommen. Insbesondere suche ich Informationen über die Jahre 1944 bis Kriegsende. In Freiburg ist über die Landesschützenabteilungen nicht viel zu finden.
    Gruß Andreas
    Auf die WaST-Angaben warte ich schon fast 6 Monate

  • Landesschützen im 2. Weltkrieg


    Landesschützen waren ganz normale Wehrmachtstruppenteile, eine Einheitsbezeichnung wie Infanteriebataillon oder Artillerieabteilung.
    Die Soldaten wurden regulär eingezogen und taten dann ''hauptamtlich'' Dienst.
    Zu den Landesschützen kamen vor allem Soldaten zwischen 45 Jahre und 60 Jahren, vielfach Leute, die schon im Ersten Weltkrieg gedient hatten. Weiter taten bei den Landesschützeneinheiten im Reich auch jüngere Soldaten Dienst, die nicht voll frontverwendungsfähig waren. Der Tauglichkeitsgrad "garnisonsverwendungsfähig Heimat" (gvH) beinhaltete z.B. ausdrücklich die Verwendung bei Landesschützeneinheiten im Reich und in den besetzten Gebieten (also der ganze Raum rückwärts der Heeresgruppen, der Raum der Wehrmachtsbefehlshaber usw.).
    Die Bataillone waren kaserniert, die Wachmannschaften der Arbeitskommandos allerdings meist in der Nähe der jeweiligen Einsatzorte in beschlagnahmten Gebäuden (Gaststätten, Leerstehenden Hallen usw.) untergebracht.
    Sie sollten vor allem für Sicherungs- und Wachaufgaben sowie zur Kriegsgefangenenbewachung in den rückwärtigen bzw. Besatzungs-Gebieten und in der Heimat verwendet werden. Frühere Bezeichnung (z.B. im ersten Weltkrieg): Landsturm.


    Der größte Teil der Landesschützenbataillone wurde bereits bei Mobilmachung 1939 aufgestellt, allerdings in den Folgejahren mehrfach umbenannt, teilweise in Infanterieeinheiten für die Besatzungsdivisionen oder in Nachschub- und Baupioniereinheiten umgewandelt.
    Im Laufe des Krieges erfolgte die Formierung weiterer Landesschützenbataillone.


    Bei Aufstellung der Sicherungsdivisionen im Frühjahr 1941 wurde eine große Anzahl von Lds.Schtz.Btl diesen Divisionen zugeteilt und 1942/1943 in Sicherungsbataillone umbenannt.


    Gegliedert waren die Bataillone zunächst in Stab und vier gleiche Kompanien, 1940 aufgestellte Bataillone hatten nur drei Kompanien, die ab Sommer 1940 nur für Kriegsgefangenenbewachung aufgestellten Btl dagegen sechs Kompanien.


    Bewaffnung nur mit leichten Infanteriewaffen, meistens nur Gewehre und wenige MG, keine schweren Waffen, kaum Fernmeldegerät. Die bei den Sicherungsdivisionen oder den Sicherungsregimentern eingesetzten Landesschützen hatten in etwa die Bewaffnung eines Infanteriebataillons.
    Landesschützenbataillone im ''Reich'' waren mehr oder weniger bodenständig, verfügten also kaum über Fahrzeuge, Tross , Feldküche usw., und waren auf ortsfeste Versorgungseinrichtungen angewiesen.

    "Man besucht ja nur sich selber, wenn man zu den Toten geht" (Kurt Tucholsky)

  • Hallo!
    Wiedermal ´ne dumme Frage: LdSchtzBtl die gleiche Abkürzung für Landesschützen wie LdSchtz / LdsSchtz?
    Ist überall unterschiedlich.
    Stephan

    Suche alles zur Waffenschule des AOK 1

  • Es gibt keine dummen Fragen. Dafür ist ein Forum da, um Fragen zu beantworten.


    Antwort: Ja


    Gruß,
    Arnold

  • Hallo Forenmitglieder, der Beitrag von Papa ist schon sehr aufschlussreich.
    Vielen Dank dafür.
    Heute Vormittag habe ich noch meinem Post den Vermerk dazugefügt, daß die Antwort der WaSt noch aussteht - und siehe da ich habe heute Post aus Berlin bekommen. Angefragt hatte ich am 4. Oktober 2006 (man muss halt einfach warten können). Leider bringen mich die Auskünfte der Wast nicht wirklich weiter, da sie nur Truppenmeldungen vom 31.3.1943 bis zum 5.11.1943 aufgeführt haben, quasi nur über die Grundausbildung. Zum Glück bin ich noch im Besitz des Soldbuches und kann so alle Einheiten nachvollziehen. Leider findet man bezüglich der Landesschützeneinsätze zum Kriegsende sehr wenig. Die letzte Einheit meines Großvaters war das Landesschützenbattaillon 344. Er wurde im Februar 1945 schwer verwundet und über die Lazarette Senftenberg, Lazarettzug 1107 ins Lazarett Kronach gebracht. Hier wurde ihm auch das Verwundetenabzeichen in schwarz verliehen. Auf der Verleihungsurkunde vom April 1945 wird als Truppenteil das 22.Schützenbattaillon 3 angegeben, kann von euch einer damit was anfangen?
    Gruß Andreas

  • Hallo!


    Für mich gibt es zwei mögliche Erklärungen, welche beide aber nicht 100%ig schlüssig sind, die zweite mir aber durchaus sinnvoll erscheint:


    1. Es handelt sich um den bei Kriegsbeginn praktizierten Nummerierungskult bei den Landesschützen. Ich spreche jetzt mal beim praktischen Beispiel vom WK VI, da es dort einige Infos gibt.
    Dort wurden die Kompanien bei der Mobilmachung durchnummeriert, von 1. bis 88. Kompanie, diese 88. Kompanie war dann beim Landesschützen-Bataillon XXII/VI, was man auch als 22. Battl VI schreiben könnte. Aber dieses Zahlenspiel ginge auch mit der ursprünglichen 22. Kompanie, welche beim WK VI zum Landesschützen-Bataillon VI/VI gehörte. Diese Kompanien wurden bei einigen Beispielen ganz schön hin und her gewürfelt und es wäre möglich das diese 22. Kompanie die Kompanie des Verwandten war und die III am Ende ist meiner Meinung nach definitiv eine Bezeichnung für eine Einheit des WK III.


    2. Es handelt sich angesichts des Zeitpunkts um eine Gneisenau-Aufstellung:
    Am 1.2.1945 erfolgte im WK III der Aufruf Gneisenau auch für sämtliche Alarmeinheiten ostwärts der Linie Wittstock-Nauen-Werder-Treuenbrietzen und für sämtliche Schulen und Versuchstruppen im Wehrkreis III. Die Marschbereitschaft war in 6 Stunden herzustellen. In der Feldpostübersicht werden erwähnt:
    Grenadier-Brigade Cottbus mit I Bataillon
    Panzer-Grenadier-Bataillon Cottbus I, II
    9 Grenadier-Bataillon:
    Potsdam I, II; Spandau I, II; Fürstenwalde; Crossen; Berlin SO; Potsdam-Ruinenberg; Brandenburg
    Division-Füsilier-Kompanie Fürstenwalde
    Panzer-Aufklärungs-Abteilung Potsdam-Krampnitz
    Panzer-Pionier-Bataillon Rathenow
    Pionier-Bataillon Spandau I, II
    Eisenbahn-Pionier-Bataillon Spremberg
    Bau-Pionier-Bataillon Crossen
    Versorgungs-Regiment Sorau
    Sanitäts-Kompanie Guben
    1., 2. Panzer-Abteilung Stahnsdorf
    gemischte Nachrichten-Kompanie Potsdam-Stahnsdorf
    Diese Einheiten wurden sehr schnell aufgerieben. Aus den Resten wurde bei Küstrin die Division Raegener (aus den Resten der Division Nr. 433. und 463.) gebildet.
    Nachrichten aus dem Wehrkreis XXI bezeichnen im Februar 1945 diese Einheiten anders als die Feldpostübersicht. Hiernach treten von der Division 463 zu einer neu gebildeten Division 192 über:
    Bataillon 15/III Potsdam (E 9, 323, 23)
    Bataillon 16/III Brandenburg (E 58 u. 230)
    Bataillon 17/III Spandau (E 67 u. Panzerjäger 218 )
    Bataillon 18/III Spandau (E 309, 67, 203 u. Panzerjäger 218 )
    Bataillon 19/III Brandenburg (Pioniere 3)
    Bataillon 20/III Spandau (Pioniere 23)
    Bataillon 21/III Rathenow (Panzer-Pioniere 208 )
    Bataillon 23/III Straußberg (Landesschützen 3)
    Wie Du siehst ist da eine Lücke zwischen 21 und 23, in welche die Einheit sehr gut passen würde. Das 23 auch von Landesschützen aufgestellt wurde, macht es noch wahrscheinlicher.


    MfG
    Jan Evers


    P.S. Ich habe einen seltsamen Bug im Forum gefunden. Wenn ich die Klammern hinter der 8 nicht mit Space versetzt hätte, würden dort jetzt Icons stehen.

  • Hallo Jan,
    zuerst mal vielen Dank für die Umfangreiche Aufklärung. Das mit dem Gneisenauaufruf würde insofern hinhauen, da mein Großvater erst zum 25.1.45 als bedingt k.v. ,wegen einer Krankheit ( -17/23- ???? ), aus dem Lazarett entlassen wurde und so dem Heldenklau zum Opfer fiel. 14 Tage später hats in dann wohl schon wieder erwischt mit Oberschenkelsplitterschuss.
    Gruß Andreas

  • cpa 95:


    Die Aussage, dass es auch bei der Luftwaffe Landesschützeneinheiten gab, kann ich nur bestätigen.
    Mein Vater war am
    14.10.1942 stellv. Einheitsfürer b. Landesschützenzug 39/VIII,
    15.02.1943 Zugführer dieses Zuges und am
    22.05.1944 Kompanieführer b. d. 33. Landesschützen Kompanie,
    anschließend andere Verwendung.
    Ich weiß, dass er im Osten, u. a. in Polen im Einsatz und bei der Luftwaffe war. Vorgesetzte Dienststelle war zeitweise das Luftgaukommando VIII, Fliegerhorstkommandantur E (V)203/VIII.
    Das wäre alles ( verstorben).