Eichmann in Jerusalem

  • Hallo verehrte Forumsteilnehmer/innen,


    ich habe seit längerer Zeit nach Unterlagen zum Eichmann-Prozess gesucht und bin durch Zufall fündig geworden. Diese möchte ich dem Forum natürlich nicht vorenthalten. Es handelt sich hierbei um Papiere von Hannah Arendt, die die Prozesse verfolgt hatte. Prozesse? Ja, es gab zwei Prozesse. Einmal den "normalen" Prozess 1961 und das Berufungsverfahren von 1962. Aber es hat nichts an der Verurteilung von Eichmann geändert.


    Aber seht bitte selbst; etwa bis zur Mitte der Seite scrollen, dort sind die deutschen Prozessakten und vieles mehr:


    http://memory.loc.gov/ammem/ar…ml/mharendtFolderP03.html



    Gruß Peter

    Die ewig Gestrigen sind diejenigen, die die Vergangenheit für die Zukunft halten.

  • Hallo Steffen,


    Du hast diesen


    http://memory.loc.gov/cgi-bin/…FolderP03.html&linkText=7


    bestimmt gemeint. Es steht leider nicht bei allen Links das gesamte Material zur verfügung, aber es steht dort auch "Some images display offside". Ihr müßt die Links nehmen wo steht: "All images display offside". Das steht hinten am Ende im Link in Klammern.


    Gruß Peter

    Die ewig Gestrigen sind diejenigen, die die Vergangenheit für die Zukunft halten.

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  • Hallo Peter,


    ah ja, alles klar.
    Danke für die erklärenden Infos.


    Viele Grüße
    Steffen

    "Man besucht ja nur sich selber, wenn man zu den Toten geht" (Kurt Tucholsky)

  • Hallo,


    Hier ein aktueller Artikel von Alain Posener: Adolf Eichmann – Warum das Böse nicht banal ist - Hannah Arendt deutete Eichmann falsch. Der Holocaust-Organisator tötete als Idealist, nicht als bloßer Befehlsempfänger.


    http://www.welt.de/kultur/hist…oese-nicht-banal-ist.html


    Viele Grüße
    Steffen

    "Man besucht ja nur sich selber, wenn man zu den Toten geht" (Kurt Tucholsky)

  • Hallo,


    Dazu aus der Schweiz etwas Aktuelles (BAZ, 8.11.2011):


    Deutscher Geheimdienst kannte Eichmanns Versteck seit 1952
    Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann, der 1960 von israelischen Agenten in Argentinien gefasst wurde, hätte nach offenbar schon viel früher gefasst werden können.


    Seit 1952 wusste der Bundesnachrichtendienst (BND), der damals noch Organisation Gehlen hiess, wo sich Eichmann versteckte. Das geht nach Angaben der «Bild»-Zeitung aus BND-Unterlagen hervor, die dem Blatt vorliegen. Auf einer BND-Karteikarte heisst es: «Standartenführer EICHMANN befindet sich nicht in Ägypten, sondern hält sich unter dem Decknamen CLEMENS in Argentinien auf. Die Adresse von E. ist beim Chefredakteur der deutschen Zeitung in Argentininen 'Der Weg' bekannt.» Dieser Eintrag stamme aus dem Jahr 1952. Tatsächlich versteckte sich Eichmann, der 1961 in Jerusalem zum Tode verurteilt wurde, unter dem falschen Namen Ricardo Klement in Argentinien.


    Die Historikerin Bettina Stangneth, die seit sechs Jahren für eine neues, im April erscheinendes Buch über Eichmann forscht, sagte der Zeitung: «Diese Karteikarte ist tatsächlich eine Sensation. Dass der westdeutsche Geheimdienst schon acht Jahre vor Eichmanns Verhaftung von seinem Versteck wusste, war bis heute unbekannt.»


    Hier der ganze Artikel:


    http://bazonline.ch/wissen/ges…-seit-1952/story/11664039


    Gruss

    Charly CH

  • Hallo Peter,


    Vielen Dank für Deine Links. Sehr umfangreich. Ich werde mir die Zeit nehmen, das alles genauer zu studieren.


    Übrigens: Ich habe das Obige nur eingestellt, weil es in der CH aktuell ist. Es liegt mir fern, das Thema beurteilen oder qualifizieren zu wollen! Hätte, wenn und aber bringen niemanden wirklich weiter.


    Gruss aus der Schweiz

    Charly CH

  • Hallo zusammen,


    steffen: Danke für die Links; Basel liegt eben beinahe in DE :D !


    Peter: Dann passt's ja und auch Dir danke für das Einstellen.


    Gruss und "än schönä Tag"!

    Charly CH

  • Hallo,


    In der morgigen Ausgabe des Spiegels erscheint Teil 1 einer mehrteiligen Serie über Adolf Eichmann und vor allem den Komplex, wie trotz Kenntnissen in der BRD über seinen Aufenthalt, seine Verfolgung nicht gewollt und durchgeführt wurde.


    Wiegrefe, Klaus: Triumph der Gerechtigkeit. (Teil I) In: Der Spiegel, Nr.13, 28.3.2011, S. 37-43


    Viele Grüße
    Steffen

    "Man besucht ja nur sich selber, wenn man zu den Toten geht" (Kurt Tucholsky)

  • Hallo,


    hier noch ein interessantes Radiodossier aus dem Deutschlandfunk über politisch verzögerte "Vergangenheitsbewältigung" in Sachen Eichmann/Holocaust. Der von Steffen genannte SPIEGEL-Artikel versucht ja allein die Adenauer-BRD an den Pranger zu stellen. Im Radiobeitrag von Gaby Weber bietet sich eine viel weitere, internationale Perspektive.
    In einem früheren Beitrag (ca. 2009) hatte die Autorin bereits erklärt, dass nach verlässlichen Quellen die CIA Adolf Eichmann zuerst festgenommen habe. Danach erst sollen US-Agenten Eichmann an den israelischen Geheimdienst übergeben haben, der ihn nach Israel ausflog.
    Nun hat sie auch über Eichmanns interessante Kontakte zur Sowjetführung in Moskau recherchiert. KP- und Regierungschef Nikita Chruschtschow hätte Eichmann demnach auch gerne als willigen Helfer für die UdSSR einkassiert. Die Amis wollten das auf jeden Fall verhindern. Siehe dazu den Text der DLF-Sendung:



    Hier geht es direkt zum Download der Sendung (Textversion). Die MP3-Version war aber unter dem Hauptlink oben auch noch abrufbar ;):
    http://www.dradio.de/download/133754/


    Und hier noch ein Zitat aus dem Fazit der Sendung:

    Quote

    Ist am Ende die Legende der „heldenhaften Entführung Eichmanns durch den Mossad“ nur ein Ablenkungsmanöver?
    Doch warum sich unbequemen Fragen stellen. Haben denn nicht alle bekommen, was sie wollten? Die USA setzten ihre Atomwaffentests fort und stationierten ihre Raketen auf westdeutschem Boden. McCone (vorher Chef der US-Atomkommission) wurde CIA-Chef.
    Den Argentiniern bewilligten sie ein Darlehen von 7,6 Millionen Dollar für ihre Stahl- und Chemieindustrie.


    Ben Gurion erhielt für seinen Atomreaktor aus Bonn 630 Millionen D-Mark und an dem Tag, an dem er die Festnahme Eichmanns bekannt gab, die lang ersehnte Zusage Washingtons über„... elektronische Ausrüstung, Hawk-Raketen und verschiedene Dinge“ ... ... hieß es in dem Dankesschreiben an das State Department.
    Und mit irgendetwas muss man auch die Russen zum Schweigen gebracht haben. Alle Beteiligten halten dicht.


    Viele Grüße,
    Bodo

    „Was wir im deutschen Widerstand während des Krieges nicht wirklich begreifen wollten, haben wir nachträglich vollends gelernt: Daß der Krieg schließlich nicht gegen Hitler, sondern gegen Deutschland geführt wurde.“ (Eugen Gerstenmaier)

  • Hallo an alle,


    das Israelische Staatsarchiv veröffentlichte geheime Eichmann-Dokumente.


    http://www.archives.gov.il/Arc…hmanTrialIntroduction.htm



    Es wurden allerdings nur ein paar Dokumente auf der obigen Seite verlinkt. Wenn ich das richtig gesehen haben sollte. Aber besser wie gar nichts.



    Gruß Peter

    Die ewig Gestrigen sind diejenigen, die die Vergangenheit für die Zukunft halten.

  • Hallo,


    In der Welt am Sonntag vom 3.4.2011* ist ein interessantes Interview mit Bettina Stangneth über ihr demnächst erscheinendes Buch**


    Darin widerlegt sie die Rolle Eichmanns als Schreibtischtäter und Durchschnitts-Bürokraten, an der er selber so "erfolgreich" mitgewirkt hat.



    *Posener, Alan: "Eichmann hat eine perfide Show abgezogen" (Interview mit Bettina Stangneth), In: Die Welt am Sonntag, Nr. 14, 3.4.2011, S.54-55


    **Stangneth, Bettina: Eichmann vor Jerusalem, Zürich 2011



    Viele Grüße
    Steffen

    "Man besucht ja nur sich selber, wenn man zu den Toten geht" (Kurt Tucholsky)

    Edited once, last by Papa ().

  • Hallo zusammen,


    Bodo: Vielen Dank für die weiterführenden links zum DLF.


    steffen: Danke für dein Literatur Hinweis.



    Zum Literatur-Hinweis sei noch folgendes erwähnt:


    Lieferbar ab 18.04.2011


    Bettina Stangneth
    Eichmann vor Jerusalem


    Das unbehelligte Leben eines Massenmörders


    "Eichmann vor Jerusalem" räumt mit einer Fülle von Nachkriegslegenden und -lügen auf und enthüllt, wie der Menschheitsverbrecher Adolf Eichmann nach dem Krieg ein unbehelligtes Leben führen konnte - obwohl sowohl sein Aufenthaltsort als auch sein Deckname seit 1952 bekannt waren. Mit "Eichmann vor Jerusalem" dekonstruiert Bettina Stangneth die Lügengerüste der Nachkriegszeit und entlarvt deren unheilige Protagonisten - und wirft ein neues Licht auf die Probleme bei der Demokratisierung Deutschlands nach dem größten Zivilisationsbruch aller Zeiten.


    656 Seiten · gebunden
    15.0 x 22.7 cm
    EUR 39,90 · SFR 56,90 · EUA 41,10
    3-7160-2669-7
    ISBN-13: 978-3-7160-2669-4



    Viele grüße Peter

    Die ewig Gestrigen sind diejenigen, die die Vergangenheit für die Zukunft halten.

    Edited once, last by schupo ().

  • Hallo zusammen. am 19.04.2015 wurde „DESINFORMATION - Ein Lehrstück über die erwünschte Geschichte“ von Gaby Weber veröffentlicht.


    Am 22. April 2015 schrieb ich den oben stehenden Beitrag.


    Der blieb aber ohne jegliche Resonanz. Vielleicht, weil er nicht unter „Ungelesene Beiträge“ auftauchte. Meine Frage an die Admin‘s des fdw nach dem „warum“ blieb leider ebenfalls ohne Antwort...


    Daher gebe ich mir mal einen Teil der Antworten selbst:


    Der Beitrag der Publizistin Gaby Weber ist mMn völlig richtig. Der NDR (als ö. r. Sender) brachte einen belletristischen Beitrag, der Teile der Geschichte bewusst verfälscht darstellt.


    Grüße
    elcaro

    elcaro interessiert sich sehr für die SS-Pz.Nachr.Abt. 1 LSSAH

  • Guten Tag,


    Quote

    Der blieb aber ohne jegliche Resonanz.


    wir zwingen hier niemanden zu antworten.


    Quote

    Vielleicht, weil er nicht unter „Ungelesene Beiträge“ auftauchte.


    Woher weißt du, dass das nicht unter "ungelesene Beiträge", bei anderen Mitgliedern, erschienen ist?


    Quote

    Meine Frage an die Admin‘s des fdw nach dem „warum“ blieb leider ebenfalls ohne Antwort...


    Wer ist denn angeschrieben worden? Frage an die Admins, alle? Oder einer? Ein Moderator?


    Grüße Thomas