Kurioses und Absonderliches

  • Hallo,

    ich habe mir die Akte nochmal etwas genauer angesehen

    und es sind hier wohl zwei Personen in einer Akte vermischt.

    Vermutlich ist beim fotografieren ein Fehler unterlaufen so das

    zwei Personen in eine Datei kamen.

    Dies auseinander zu friemeln wird nicht ganz einfach.


    servus

    uwys

    Keine Macht den doofen!

  • Hallo,

    ich habe jetzt die Akte mal etwas auseinander sortiert,

    was gar nicht so einfach war denn die wurde wohl bereits im

    HPA etwas vermischt.


    Fischer Karl August Johann

    geb. 29.12.1893 Sonnenborn

    Major 01.06.1939 (88)

    Oberstleutnant 01.11.1943 (52)

    wohl letzter Truppenteil 561. VGD Gren. Rgt. 1142 Regiment Kommandeur

    EK II 25.02.1918

    EK I 08.06.1921

    Dienstauszeichnung IV. Klasse02.10.1936


    Quelle:

    NARA T-78 R-901 216 - 217 A3356 185 815 - 892


    Für diesen Fischer wurde der besagte Brief geschrieben.


    Fischer Karl-Heinrich

    geb. 21.05.1908 Köln

    Major 01.01.1942 (461)

    Oberstleutnant 01.11.1944 (69)

    letzer Truppenteil 264. Inf. Div. Gren. Rgt. 891 Bataillon Kommandeur

    EK II 18.06.1940

    EK I 18.07.1941

    Infanterie Sturmabzeichen 10.09.1941

    Verwundetenabzeichen Schwarz 01.08.1942

    Ostmedaille 24.05.1942

    Deutsches Kreuz in Gold 01.08.1941

    Quelle:

    A3356 185 816 - 831


    servus

    uwys

    Keine Macht den doofen!

  • Hallo zusammen


    Kurze Zwischenfrage EK 1 in 1921 verliehen?

    Tippfehler oder für was gab es im Frieden das EK1?

    Ich vermute der obere Fischer ist gemeint.


    Gruß Arnd

  • Hallo Arnd,


    mit Sicherheit ist der Karl August Fischer (1893) gemeint.

    Die EKs wurden auch noch in der Frühzeit der Weimarer Republik bis zum 31.5. 1924 verliehen!!

    Der Hauptgrund für diese Nachverleihungen war bisherige Kriegsgefangenschaft; im Krieg unerledigte Anträge aber auch für Gefechtshandlungen bis ca. 1922 ( z.B.für Freikorpskämpfe 1919-1921).

    Letzter Antragstermin war der 31.5.1924.


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Hallo Ingo


    Danke fürs schlau machen:thumbsup:

    Erstaunlich das solange noch EKs verliehen wurden.

    Bürokratie ist immer wieder erstaunlich.

    Laut LeMo kamen die letzten Kriegsgefangenen im Januar 1920 frei.


    Gruß Arnd

  • Hallo zusammen,


    dem Regimentsstab des Grenadier-Regiment 1142 war die FPN 17209 zugeordnet. Die Vermissten des Stabes sind in der VBL im Band CE ab Seite 588 aufgelistet. Ein Obstlt. Fischer ist nicht dabei. Da er auch beim VDK nicht aufgeführt ist, hat er möglicherweise den Krieg überlebt.


    Viele Grüße

    Nicco

  • Hallo,

    es ist für mich immer wieder interessant, was verschiedene Forumsteilnehmer zum Thema alles so ausgraben. Prima. Die Geschichte, bis wann EK I+II aus dem 1.WK verliehen wurden, kannte ich so nicht und war natürlich über den ,,Endtermin" der möglichen Beleihungen erstaunt. Im Spiegel dessen, was nun über den besagten Oberstleutnant Fischer bisher heraus gefunden wurde, lässt sich meine These, es ging bei der angestrebten Versetzung möglicherweise auch um weitere Auszeichnungen, nicht weiter aufrecht erhalten. Spannend bleibt für mich die Frage, ob er den Krieg überlebt hat

    MfG Wirbelwind

  • Hallo zusammen,


    da gab es tatsächlich Fälle, die den Tod des bei der Wehrmacht dienenden Ehemannes sehr direkt forderten.


    Einen besonders krassen und folgenschweren Fall von Denunziation unter Eheleuten kann man in den Akten der Staatsanwaltschaft des Landgerichts Würzburg nachlesen. Noch gegen Ende des Krieges versuchte eine Frau aus purem Eigennutz, ihren Mann -einen Soldaten- wegen angeblicher staatsfeindlicher Äußerungen hinrichten zu lassen.


    Das Ehepaar hatte 1929 geheiratet und 1933 ein Einfamilienhaus gekauft. Die Ehe blieb kinderlos und war offenbar recht harmonisch bis der Ehemann 1940 zur Flak eingezogen wird. Etwa zweimal in jedem Kriegsjahr kam er auf Urlaub. Der Ehemann genießt einen tadellosen Ruf in seiner Gemeinde. Der Lebenswandel seiner Ehefrau erregt derartiges Aufsehen, daß der Ortsgruppenleiter die NS-Frauenschaft auffordert, die Ehefrau ernstlich zu verwarnen.


    Der Ehemann weiß anscheinend von nichts und kommt im Herbst 1944 wieder auf Urlaub. Er schimpft auf den Krieg und die Nazis. Äußerungen fallen wie "Goebbels ist ein Lump" und "Wenn Hitler am 20. Juli krepiert wäre, dann wäre der Saustall zu Ende".


    Im Oktober 1944 denunziert die Ehefrau ihren Mann bei einem SA-Sturmführer. Dieser erkennt schnell, daß die Ehefrau aus persönlichen Gründen handelt, und will damit nichts zu tun haben. Er sagt sogar, sie solle daran denken, daß es ihren Mann den Kopf kosten könne. Doch immer wieder drängt sie ihn, ihren Mann verhaften zu lassen. Aber der SA-Sturmführer unternimmt nichts dergleichen. Nur einmal erzählt er dem Ortsgruppenleiter davon, doch auch der will unter Hinweis auf den schlechten Leumund der Ehefrau nichts mit der Sache zu tun haben.


    Eines Tages fragt der Kreisleiter beim Ortsgruppenleiter an, warum dieser den Vorfall bisher nicht gemeldet habe. Nun nimmt das Schicksal seinen Lauf. Am 10.2.1945 wird der Ehemann auf fernmündliche Anweisung des Kreisleiters von der Ortspolizei festgenommen und einen Tag später der Würzburger Außenstelle des Feldgerichts beim Luftgau XVI überstellt und in Haft genommen.


    Der zuständige Kriegsrichter belehrt die Ehefrau über ihr Zeugnisverweigerungsrecht. Doch trotz eindringlicher Mahnung des Richters, es gehe um den Kopf ihres Mannes, gibt sie ihre Denunziation zu Protokoll und beharrt darauf, vor Gericht gegen ihren Mann auszusagen. Darüber ist der Kriegsrichter so empört, daß er die Ehefrau später vor einer Protokollführerin ein "Schwein" nennt.


    Am 17.2.1945 wird die Hauptverhandlung vor dem Feldgericht eröffnet. Tat-und Hauptbelastungszeugin: die Ehefrau. Erneut wird sie von dem Vorsitz führenden Kriegsrichter auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht hingewiesen. Doch die Ehefrau wiederholt ihre früheren Angaben. Nach kurzer Beratung erklärt das Gericht, daß es mangels Beweisen zu keiner Verurteilung kommen könne und der Ehemann zur Truppe zurückgeschickt werde. Da springt die Ehefrau erregt auf und ruft: "Was, wegen Mangel an Beweisen? Ich kann das beweisen und beschwören, und das tue ich auch!"


    Ein letztes Mal versucht der Kriegsrichter, die Ehefrau zu stoppen. Doch die Ehefrau schwört und das Kriegsgericht verurteilt den Ehemann auf Antrag des Anklagevertreters zum Tode.


    Die Verwandten des Ehemannes stellen ein Gnadengesuch, unterstützt von Funktionären der NSDAP und der örtlichen Polizei. Die Ehefrau fragt bei der Ortsgruppenleitung an, ob sie auch dann weiter finanzielle Hilfe bekomme, wenn ihr Mann hingerichtet worden sei.


    Das Todesurteil wird nicht vollstreckt. Wobei es bis heute unklar ist, ob der Ehemann begnadigt oder das Urteil wegen des Kriegsendes nicht mehr bestätigt worden ist. Der Ehemann bleibt bis April 1945 in Haft, kommt dann wieder an die Front und geht bei Kriegsende in Kriegsgefangenschaft.


    Grüße

    Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944

  • Hallo Jockel.

    das ist für mich schon starker Toback, was Du da heraus gefunden hast. Selbst wenn Vertreter der NSDAP eine Begnadigung gutheißen, muss die Ehefrau selbst nach damaligen Maßstäben moralisch und sittlich weit unten gestanden haben. Selbst dem verantwortlichen Kriegsrichter ist es nicht gelungen, die Frau von ihrem verwerflichen Tun abzuhalten. Ist denn bekannt, ob es nach dem Krieg noch ein gerichtliches Nachspiel für diese Frau gab?

    MfG Wirbelwind

  • Hallo zusammen


    Zu dieser Frau würde mein Nachbar (er ist Schlosser) sagen!

    Wenn sie an der Kellertreppe steht einen Tritt und den Werkzeugkasten hinterher, wenn sie noch zappelt das Schweißgerät auch noch hinterher!


    Mit so einem Besen ist Mann echt gestraft!


    Gruß Arnd

  • Hallo Jockel.

    das ist für mich schon starker Toback, was Du da heraus gefunden hast. Selbst wenn Vertreter der NSDAP eine Begnadigung gutheißen, muss die Ehefrau selbst nach damaligen Maßstäben moralisch und sittlich weit unten gestanden haben. Selbst dem verantwortlichen Kriegsrichter ist es nicht gelungen, die Frau von ihrem verwerflichen Tun abzuhalten. Ist denn bekannt, ob es nach dem Krieg noch ein gerichtliches Nachspiel für diese Frau gab?

    MfG Wirbelwind

    Hallo Wirbelwind,


    die Ehefrau wurde am 7.6.1948 von der Spruchkammer Gemünden wegen der Denunziation zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt, von denen sie 14 Monate und 18 Tage bis zum 30.8.1949 verbüßte. Einen Tag später wird sie in Untersuchungshaft genommen. Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Würzburg erhebt Anklage wegen schwerer Freiheitsberaubung. Da im Laufe des Prozesses der dringende Verdacht des versuchten Totschlags oder gar Mordes aufkommt, wird das Verfahren an das wiedereingeführte Schwurgericht Würzburg verwiesen, das die Angeklagte am 6.2.1950 zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt.

    Dieses Urteil wird auf Revision der Ehefrau vom Bayerischen Obersten Landgericht am 11.10.1950 aufgehoben und das Verfahren an das Würzburger Schwurgericht zurückverwiesen. Am 29.11.1950 wird die Angeklagte mangels subjektiven Tatnachweis freigesprochen, wogegen nunmehr die Staatsanwaltschaft Revision einlegt, der der Bundesgerichtshof am 8.7.1952 stattgibt. Erneut muß das Würzburger Schwurgericht verhandeln und kommt am 5.12.1953 zu folgendem Urteil:

    "Die Angeklagte wird wegen eines Verbrechens des versuchten Mordes in Tateinheit mit einem Verbrechen der schweren Freiheitsberaubung zu einer Zuchthausstrafe von sechs Jahren verurteilt."

    Aus den Gründen:

    "Durch die abzuurteilende Tat hat die Angeklagte die aus der Ehe erwachsene Treuepflicht gegenüber dem Ehemann auf das niederträchtigste verletzt, wobei besonders die Stärke und Hartnäckigkeit ihres verbrecherischen Willens hervorstechen. Sie hat sich nicht geschämt, ihren Mann, der als Soldat seine Pflicht getan hat, während sie selbst ein liderliches Leben mit anderen Männern führte, unbarmherzig dem Henker auszuliefern. Sie hat dies zu einer Zeit getan, als der Krieg dem Ende zuging und jeder Anständige sich bemühte zu retten, was noch zu retten war, vor allem aber jedes unnötige Blutvergießen zu verhindern. Ihr Verhalten vor, bei und nach der Tat beweist eine ungewöhnliche Gefühlsroheit, die gerade mit Rücksicht auf die bestehende eheliche Lebensgemeinschaft besonders verwerflich und strafwürdig ist."


    Dieses Urteil ist seit dem 12.4.1954 rechtskräftig.


    Grüße
    Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944

  • Hallo zusammen,


    ein weiterer Fall der Denunziation eines Soldaten durch seine Ehefrau:


    Am 1.5.1941 heiratet ein hoch verschuldeter Landwirt. Zu einem Eheleben kommt es nicht, denn schon am nächsten Tag muss der Ehemann zur Wehrmacht einrücken.

    Als der Ehemann im August 1941 Urlaub erhält, kommt es zwischen den Eheleuten zum Streit um Geld. Der Mann schickt seine Frau aus dem Haus. Die Frau kehrt zu ihren Eltern zurück. Im Dezember 1941 geht sie zur Gendarmerie und denunziert ihren Ehemann, der mehrfach geäußert hätte "er ziehe keine Kinder für das Dritte Reich zum Totschießen groß."

    Die Meldung kommt zum Landrat. Um der Denunziation der Ehefrau die Gefährlichkeit zu nehmen, beschreibt der Gendarmerieposten den Ehemann als einen eigenartigen Menschen, dessen Leidenschaften nicht jeder vertragen könne.

    Der Landrat sieht "nach Lage der Dinge" zwar von einer Mitteilung an den Truppenteil ab, in dem der Ehemann Dienst tut, verständigt aber die Gestapo Würzburg von dem Fall. Die Gestapo informiert umgehend die Abwehrstelle des Wehrkreises XIII in Nürnberg und bittet darum "von dem Veranlaßten" Kenntnis zu geben. Am 14.1.1942 weist die Abwehrstelle den zuständigen Einheitsführer des Pferdelazaretts 606 an, den Ehemann zu vernehmen und ein Führungszeugnis mit Beurteilung zu erstellen.

    In seinem Einheitsführer, einem Oberstabsveterinär, findet der Ehemann einen verständnisvollen Vorgesetzten. Der Oberstabsveterinär teilt der Abwehrstelle als Ergebnis der Vernehmung mit:

    "daß derselbe infolge Einberufung zum Heeresdienst in schwierige wirtschaftliche Verhältnisse geriet und zur Zeit seiner Einberufung heiratete, um seine Landwirtschaft zu erhalten. Insbesondere war auch sein 75jähriger Vater zu versorgen, welcher infolge Arterienverkalkung völlig hilflos war und in der Zwischenzeit verstorben ist. Die Frau genügte in keiner Weise den ihr obliegenden Pflichten, so daß der Ehemann gezwungen war, sich von ihr zu trennen und die notwendigste Pflege seines Vaters und seiner Haushaltung fremden Leuten zu übertragen. Nach Ansicht der Dienststelle handelt es sich bei der Angabe der Frau um einen Racheakt..."

    Erst jetzt gibt sich die Gestapo zufrieden. Am 19.3.1942 vermerkt sie in ihren Akten:

    "Der getrennt lebende Landwirt wurde von seiner Frau beschuldigt, sich staatsabträglich geäußert zu haben. Da der einwandfreie Nachweis hierfür nicht erbracht werden konnte, wurde von staatspolizeilichen Maßnahmen abgesehen."


    Grüße

    Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944

  • Grüß Dich Jockel,


    es wäre schon interessant, die Quellen Deiner geschilderten Fälle zu erfahren.


    Diktaturen sind immer darauf erpicht, aufgrund von Denunziationen gegen Regimegegner vorzugehen. Dass sich solche Dinge im engsten Familienkreis abspielten, das ist in der Tat abstoßend; vor allem dann, wenn eine untreue Ehefrau ihren Ehemann mit voller Absicht durch Aussagen vor Gericht aus dem Weg räumen will.


    Auch in der DDR gab es seltsame Erscheinungsformen dieser Art. Es gab Lehrer an dortigen Schulen, die von Kindern verlangten, die Fernsehuhren nachzuzeichnen.

    Man konnte dann wohl erkennen, wer Westfernsehen bevorzugte.


    Grüße

    Bert

  • Auch in der DDR gab es seltsame Erscheinungsformen dieser Art. Es gab Lehrer an dortigen Schulen, die von Kindern verlangten, die Fernsehuhren nachzuzeichnen.

    Man konnte dann wohl erkennen, wer Westfernsehen bevorzugte.


    Grüße

    Bert

    Hallo Bert


    Oder ein Ehepartner hat den Anderen wegen West Kontakten bespitzelt!

    Nach der Wende kam es raus, die Konsequenz war die Trennung!


    Gruß Arnd

  • Hallo,


    was die Bespitzelung betrifft, so konnte ich in zwei Fällen feststellen, dass in Ländern des ehemaligen Warschauer Paktes in zugewiesenen Hotelzimmern abgehört wurde. Dies wurde später, nach Umbauten der Hotels durch Zeitungsberichte auch bestätigt.


    Gruß Karl

  • was die Bespitzelung betrifft, so konnte ich in zwei Fällen feststellen, dass in Ländern des ehemaligen Warschauer Paktes in zugewiesenen Hotelzimmern abgehört wurde. Dies wurde später, nach Umbauten der Hotels durch Zeitungsberichte auch bestätigt.

    Lieber Karl,


    da fragt man sich natürlich heute, ob das Gebäude der "Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in der DDR" schon von vornherein "verwanzt" war. Und ob alle diese Abhörmöglichkeiten von Spezialisten der damaligen Bundesrepublik entdeckt wurden.


    Grüße

    Bert

  • Lieber Bert,


    das ging sogar soweit, dass man ab einem bestimmten Dienstgrad - angeblich aus Sicherheitsgründen - in einem speziellen Stockwerk mit Zugangskontrolle untergebracht wurde. ich erinnere mich aber nicht mehr, ob man da einen Schlüssel oder schon eine Steckkarte hatte.

    Dabei war da schon alles etwas gelockert, da ich zuvor " unerwünschte Person in den Staaten des WP " war.


    Gruß Karl und schönen Abend noch.

  • Hallo Bert,


    das Staatsarchiv Würzburg verfügt über rund 19.000 sehr gut erschlossene Gestapo-Akten. Daraus sind die von mir genannten Fälle.


    Grüße

    Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944

  • Hallo Karl, hallo Bert, die Bespitzelungstechnik des Ministeriums für Staats-Sicherheit war hochentwickelt.

    Folgende Beispiele:

    1. Im preisgekrönten Film "Das Leben der Anderen" wird gezeigt, wie ein Stasi-Team in Minutenschnelle - kontrolliert mit Stopp-Uhr - die

    Wohnung des Theater-Autors Dreysam (Sebastian Koch) verwanzt.

    Autor und Regisseur Königsmarck hat vier Jahre für sein Drehbuch recherchiert.

    Diese Details sind glaubhaft


    2 . Jetzt eine wahre Geschichte: Zwei Ausländer gingen bei der Leipziger Messe mit zwei "Trottoir-Schwalben" in ihre Hotel-Zimmer.

    Morgens hielt man ihnen vor den Zimmertüren Fotos der Nacht vor die Augen und verhaftete beide wegen Verstosses gegen das DDR- Prostitutions -Verbot.

    Einige Tage darauf ging bei der Botschaft ihres Landes ein Austausch-Angebot gegen mehrere DDR-Agenten ein,

    die kurz davor bei einem konspirativen Treffen verhaftet worden waren und wegen Spionage zu einer Haftstrafe verurteilt worden waren.

    Die Verhandlungen sollte der Offizier führen, der die DDR - Agenten - mit Schuss-Waffen-Gebrauch- verhaftet hatte und sie in der Haft besucht hatte.

    Fazit: 1. Ihre Hotelzimmer in Leipzig waren mit Mikrofonen Kameras verwanzt.

    2. Die langen Ohren der HVA (-Hauptverwaltung Aufklärung) reichten bis in die Hochsicherheits- Haft- Anstalt dieses Landes.

    Der Austausch fand statt.


    3. Bei einem Klassentreffen 2010 in Nordhausen erzählte uns ein DDR-Kfz-Ingenieur, dass er kurz vor der Wende als "Auslands-Reise-Kader" vom

    Politbüro-Mitglied Mittag beauftragt wurde, im Westen einen Viertakt-Motor für das DDR- Modell "Wartburg" zu beschaffen.

    Er favorisierte einen Viertakter aus dem Golf-Programm.

    Auf der Autobahn bei Frankfurt fiel ihm eine Nachfrage bei einem Verhandlungspartner ein.

    Er verliess die Autobahn und telefonierte am Hauptbahnhof Frankfurt.

    Nach der Rückkehr wurde er umgehend von der SED- Bezirks-Leitung in Erfurt vorgeladen:

    "Warum hast Du die Autobahn verlassen und in Frankfurt telefoniert ?"

    Er kam mit einer Eintragung in seine "sapiska" (russisch: "Personalakte") davon.

    Er hat nie raus bekommen, wie die HVA seine Abweichung von der Route herausgefunden hat

    Vielleicht ist ihm jemand unbemerkt gefolgt...

    In den 80er Jahren gab es noch keine Tracker...

    Bekannt ist, dass die Abhörtechnik des MfS dank genialer Techniker und eines unerschöpflichen Devisenfonds weit über West-Niveau lag.

    Gruss jostdieter.

  • Hallo Jockel,

    denke mal, dass sich bereits in diesen Akten, die ja nur einen Ausschnitt der Denunziationen von Familienmitgliedern im 3, Deutschen Reich darstellen, dass ganze Dilemma sichtbar wird. Hier ging es in der Regel um die körperliche Unversehrtheit der Denunzierten bis hin zur möglichen Todesstrafe. Das zeigen die von Dir eingestellten Fälle. Ganz so schlimm wurde mit den Leuten in der DDR nicht verfahren, die Westfernsehen sahen und von übereifrigen Lehrern gemeldet wurden. In den 70 zigern spielte dies kaum noch eine Rolle. Wir wurden nicht gefragt, wie die Uhr aussah. Allerdings konnten wir auch kaum Westfernsehen empfangen. Das Leute , Ehepartner oder andere Familienmitglieder sich gegenseitig im Auftrage der Stasi bespitzelten, fand und finde ich widerwärtig. In unserer Familie ist dies nicht vorgekommen, zumindest geben das die zugänglichen Stasi-Akten nicht her. Bei meinem Schulkameraden sah das anders aus. Die Mutter hat den Vater jahrelang im Auftrage der Stasi bespitzelt. Mir ist bis heute nicht klar, warum. Das die ,,Ständige Vertretung der Bundesrepublik" verwanzt worden ist, für mich durchaus vorstellbar. Abgehört auf alle Fälle hochrangige Politiker. Das ist Geheimdiensten nun mal in Blut und Fleisch übergegangen und kaum kontrollierbar. Frau Merkel musste das ja auch von den Amerikanern zur Kenntnis nehmen.

    MfG Wirbelwind