Kurioses und Absonderliches

  • Hallo,

    im Zusammenhang mit dem letzten Post von Stefan, den ich auch interessant fand, folgende Fragen. Gab es im Deutschen Reich eine 0 Promille Blutalkohol-Bestimmung und wie stellte die Polizei oder andere Befugte fest, ob der Betreffende alkoholisiert war? Nur über Blutalkoholtest oder musste der Betreffende verschiedene Übungen absolvieren?

    MfG Wirbelwind

  • Hallo,


    Quote


    im Zusammenhang mit dem letzten Post von Stefan, den ich auch interessant fand, folgende Fragen. Gab es im Deutschen Reich eine 0 Promille Blutalkohol-Bestimmung und wie stellte die Polizei oder andere Befugte fest, ob der Betreffende alkoholisiert war? Nur über Blutalkoholtest oder musste der Betreffende verschiedene Übungen absolvieren?

    eine festgelegte Promillegrenze von damals 1,5 Promille gab es in Westdeutschland erst 1953, in der DDR von 0 Promille ab 1956. Vorher war es im Prinzip eine Ermessenentscheidung, ob eine Person noch fahrtüchtig war oder nicht.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo zusammen,


    als Ergänzung zu den vorhergehenden Beiträgen hier der Auszug aus dem Artikel "Alkoholbestimmung im Blut" aus dem "Handwörterbuch der gerichtlichen Medizin und naturwissenschaftlichen Kriminalistik von 1940", Seite 37:


    "Gemäß dem Runderlass des Reichsministers des Inneren vom 25.9.1936 hatte bei jedem Verkehrsunfall die Blutentnahme zu erfolgen, wenn begründeter Verdacht auf alkoholische Beeinflussung bestand."


    (Quelle: Handwörterbuch der gerichtlichen Medizin und naturwissenschaftlichen Kriminalistik von 1940)


    Das hieß, es hing zunächst einmal von dem Verhalten des Unfallverursachers und dann von dem einschreitenden Beamten ab, ob eine Blutentnahme von diesem angeordnet wurde. Übungen waren da wohl, neben dem Riechen der Alkoholfahne, ein probates Mittel zur Erkennung von alkoholisierten Unfallteilnehmern.


    Entsprechend dem Artikel "Alkohol und Verkehrsunfall" aus dem genannten Handwörterbuch, Seite 42, ging man damals bei einer Blutalkoholkonzentration von 2 Promille ziemlich sicher davon aus, dass ein Trunkenheitsgrad bestand, der die Fähigkeit zur sicheren Bewegung im Straßenverkehr ausgeschlossen hat. Bei Werten zwischen 1,5 und 2 Promille ging man von einem verkehrsgefährdenden Zustand aus. Werte unter 1,5 Promille wurden allerdings nicht von vornherein als verkehrsgefährdenter Zustand aufgefasst. Bei einem Wert von 0,5 Promille und weniger, wurde davon ausgegangen, dass zwischen Alkoholkonsum und Unfall kein kausaler Zusammenhang bestand.


    (Quelle: Handwörterbuch der gerichtlichen Medizin und naturwissenschaftlichen Kriminalistik von 1940)


    Viele Grüße

    Nicco

  • Hallo,

    Werte unter 1,5 Promille wurden allerdings nicht von vornherein als verkehrsgefährdenter Zustand aufgefasst.

    da waren auch noch in den sechziger Jahren einige Polizisten von überzeugt. Ich hatte 1969 einen Frontalzusammenstoss, und ich musste mehrmals drängen dem anderen Fahrer eine Blutprobe abnehmen zu lassen. Endergebnis sechs Monate Gefängnis auf Bewährung und 500 DM Geldstrafe für ihn. Er hatte nur 1.1 gehabt, aber ich war fast 15 Monate in Nachbehandlung.

    Gruss

    Suum cuique

  • Hallo,


    …. und so gehts aktuell:


    Promille.JPG


    Wird man durch eine Notaufnahme geschleust, sollte man ausdrücklich von seinen Datenschutzrechten (!) Gebrauch machen 😅. Die wurden in meinem Fall, nicht explizit erwähnt. D.h. es wird nicht gefragt, ob man der Auswertung bei einer an sich notwendigen Blutentnahme (Notfall !) zustimmt. Das ist bedenklich, andererseits auch wieder verständlich!


    Darüber Nachdenken lohnt!


    Gruß

    schlichi

  • Tag allerseits,


    Es ging in den 70er-Jahren noch ganz schön rund. Da wurden beim "fröhlichen Kegeln" immer wieder auch Geburtstage gefeiert und ordentlich getrunken. Da trank mancher in den südlichen Gefilden unserer

    Republik locker 4 Halbe Bier und einige Schnäpse und danach fuhren diese Typen mit ihrem VW oder Opel heim zu Mutti. Diese Typen hatten meist Glück. Sie schrammten gelegentliche bei der

    Einfahrt in ihrer Garage die Wand, aber von richtigen Unfällen blieben sie verschont. Polizeikontrollen waren damals selten. Gott sei Dank läuft das heute anders. Bei den heutigen Verkehrsverhältnissen,

    sollte man als Autofahrer jeglichen Alkoholgenuss meiden.


    Gesoffen wurde auch bei der Wehrmacht. Die damaligen Vorschriften i.S. Alkohol waren ungenau und dürftig.


    Grüße

    Bert

  • Hallo,

    gehe davon aus, dass in allen Armeen gesoffen wurde und wird. Sicherlich im unterschiedlichen Umfang. Verbote nutzen da wahrscheinlich wenig. Selbst wenn es im Krieg das Leben kosten könnte. Von daher ging es ja für die Bundeswehrsoldaten bei der nun aufgeflogenen Party in Litauen trotz generellem Alkoholverbot bisher relativ glimpflich ab. Mal sehen, was für Strafen letztendlich verhängt werden.

    MfG Wirbelwind

  • Hallo,


    vorsichtshalber müssen die US - Soldaten in den Atomraketenbunkern vor Dienstantritt einen Alkohol - und Drogentest machen, gem. Mitteilung im Netz.

    Wer wollte den den armen " Frontschweinen" verbieten, wenn die sich mal in einer Ruhephase in der Etappe betrinken oder an der Front mal - in Maßen - einen Schluck aus der erbeuteten Pulle nehmen?

    Ich denke im Westfeldzug haben die Landser* schon zugelangt.( Siehe Filme und Fotos).

    Seeleute haben nach der Rückkehr im Hafen "traditionell einen hinter die Binde** gegossen".

    Bei der frz. Fremdenlegion gab es tgl. 1 Liter einfachen, ordinären Rotwein.

    Deshalb glaube ich, dass es schon Alkoholprobleme gab. Siehe auch hier:


    https://www.freidok.uni-freibu…datastreams/FILE1/content


    Gruß Karl


    * Landsmann, Lanzenträge

    ** Halstuch mit Knoten

  • Hallo zusammen


    Ich habe vor langer Zeit mal einen Bericht über den Vormarsch im WK 1 in Frankreich gelesen. Da wurde berichtet dass die Soldaten eine gut gefüllten Weinkeller gefunden haben.

    Das Ergebnis war verheerend, der Weinkeller war danach ziemlich leer, die Soldaten ehr weniger=O

    Den Bericht finde ich nicht mehr, dafür eine andere Quelle zu Thema!

    https://books.google.de/books?…20in%20Frankreich&f=false


    Gruß Arnd

  • Hallo,

    gehe davon aus, dass in allen Armeen gesoffen wurde

    dem war so, aber nicht nur im Krieg. Ich kenne Bundeswehr, belgische und amerikanische Armee seit 1967. Zu meiner Zeit war Alkohol während der Dienstzeit erlaubt.Das änderte sich in der BW erst in den siebziger Jahren.

    Mein Vater trank keinen Alkohol auf Grund seiner Erlebnissei n Nordskandinavien zwischen 42 und 45.. Leute, die bei Trinkereienplötzlich den Polarkoller bekamen und dann irgendwann später erfroren gefunden wurden.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo Rainer!


    In Bayern war eine Halbe Mittags bis zu - ich glaube - Beginn der Neunziger erlaubt. Du durftest nur dann kein Dienst-KFZ mehr bewegen.


    Gruß Stephan

    Suche alles zur Waffenschule des AOK 1

  • Hallo Stephan

    Quote from stephan
    In Bayern war eine Halbe Mittags bis zu - ich glaube - Beginn der Neunziger erlaubt.

    In Südbaden fuhr ein Staplerfahrer aus Bayern angetrunken rückwärts von der Rampe.

    Der Stapler war kaputt.Er wurde nicht verletzt.

    Er redete sich damit raus, dass in Bayern eine Flasche Bier zum Mittag erlaubt sei.

    Der Betriebsrat machte ihm klar, dass in der Chemischen Industrie generell Alkoholverbot für Kraftfahrer besteht.


    Im fliegerischen Dienst der Luftwaffe galt ab 1956 die Vorschrift:

    "24 Stunden vor einem Flug kein Alkohol."

    Nachholen konnten die Flieger bei den Jahres- Treffen der Piloten-Gemeinschaften .

    Die waren berüchtigt und gut besucht wegen ausgiebiger "Alkoholischer Druckbetankung".

    Gruss jostdieter.

  • Hallo,


    gehe davon aus, dass jeder, der gedient hat, über den eigenen Genuss oder den Genuss der anderen Mitdienenden von Alkohol berichten kann. Genauso über das Ausmaß an Finten und Tricksereien, um Alkohol in die Kaserne zu bekommen.

    Bei uns zogen ganze Trupps los, den Fusel nach Dienstschluss zu besorgen. Im voran gegangenen Diensthalbjahr hatte es 2 Gefreite kurz vor der Entlassung erwischt. Ordentlich in der Kneipe getankt, später vom Weg abgekommen und Ende April im Wald erfroren. Großes Pech gehabt. Zu Ostern wurde auf der Kompanie an 3 Tagen für 1500 Mark billigster Schnaps eingekauft und konsumiert. Da hagelte es anschließend etliche Degradierungen und Arreststrafen. Gesoffen wurde trotzdem weiter.

    Einmal haben wir uns an einem Sonnabend die Kante gegeben. Einer von uns kotzte dann aus dem Fenster dem GOvD voll auf die Mütze. Da ging anschließend erst ein Zauber los. Am nächsten Morgen Antreten beim Spieß. Auf die Frage, woher der Alkohol gekommen ist, lautete die Antwort unisono, nur Weindbrandbohnen gegessen zu haben. Bedeutet anschließen Ausgangs-u. Urlaubssperre. So habe ich die Hochzeit der Schwägerin verpasst.

    MfG Wirbelwind

  • Hallo Forum-Mitglieder+innen,


    Thema "Essen in der "Stellung bei einer Bundeswehreinheit" irgendwo...


    In der Wachbereitschaft, 24-Std. Dienst, ausserhalb der Kaserne, wir nannten es "Stellung",

    war die Wachbereitschaft im 24-Std. Dienst, 2 Std. Wache/ pro Soldat im Wechsel mit den anderen.


    Generell: Essen wurde mitgegeben, Brot und Aufschnitt auch. Essenzeiten wurden festgelegt


    Und nun das Besondere: Da wir im grossen Wachlokal zwei Koch/Bratplatten hatten, haben wir das Brot

    in Scheiben geschnitten und mit Margarine gebraten. Das war meine Idee und das Bratbrot fand grossen Anklang.

    Wenn die Soldaten auf Wachgang gingen hiess es oftmals: "Lass mir noch Bratbrot uebrig.."


    Es war so beliebt,das der Bauer, der oftmals die Essenreste abholte, leider nur noch kleine Reste erhielt.

    Wir habe es Ihm natuerlich erklaert.


    Aufgrund meiner beruflichen Ausbildung wurde ich auf Antrag in den STAB versetzt, damit war das Vergnuegen

    leider vorbei; doch dafuer hatte ich andere grosse Vorteile...


    Freundliche Gruesse

    Bernd Ziesemann:saint:;):!:

    16.6.2021

    Bernd Ziesemann

  • Guten Abend Bernd,


    Das von dir benannte Bratbrot wird bei uns in Sachsen auch BeBemme genannt (Be für in Butter gebraten).


    Gruß Colin

    Suche alles zu: Feuerlöschpolizei/Feuerschutzpolizei, Panzer Werstatt/Instandsetzungs Regiment/Abteilung FPR/Korps Hermann Göring, HJ Bann 181 Flöha/ i.Sa.,

    Kampfraum Mittelsachsen 1945 (Flöha, Frankenberg, Eppendorf, Oederan, Freiberg) und Erzgebirge

    Gruß Colin

  • Moin,


    bei Pilotens gibt es den uralten Streit, ob die Ansage gilt, keinen Alkohol 13 Stunden vor dem Abflug oder 13 Schritte davor. Kommt von einem langjährigen Freund, der viele Jahre Luftschiffer war, einer mit viel Humor.


    Beste Grüße von der saharanahen Kieler Förde.


    Horst

  • Hallo Horst ,

    Quote from horst

    bei Pilotens gibt es den uralten Streit, ob die Ansage gilt, keinen Alkohol 13 Stunden vor dem Abflug oder 13 Schritte davor.

    Die körperlichen Anforderungen an Männer und Frauen im Cockpit eines Jetfighters sind sehr hoch wegen der wechselnden Beschleunigungen, wegen des wechselnden Aussendrucks und wegen der gleichzeitigen Verarbeitung unterschiedlicher Anforderungen. Nicht umsonst errreichen nur etwa 30 % der Piloten-Anwärter ihr Ziel. Noch weniger Anwärter schaffen die A-Qualifikation für Jetties. 1960 mussten zehn von zwölf Flugschüler unseres Kurses vorzeitig aus der Unterdruckkammer des Flugmedizinischen Institutes geholt werden, weil ihr Körper Sauerstoff-Mangel oder einen Unterdruck ab etwa 10 km Höhe nicht vertrug. Alkohol reduziert ab etwa 0,5 Promille die Reaktionsfähigkeit um Sekunden. Im Cockpit eines Jets geht es aber um Dezi-Sekunden. Deshalb verschieben verantwortungsbewusste Flieger ihren Alkoholgenuss auf dienstfreie Zeiten. Die das nicht schaffen, fallen beim jährlichen Gesundheits-Test durchs Raster und dürfen dann vielleicht einen Schreibtisch fliegen.

    Gruss jostdieter.

  • Hallo zusammen


    Während meiner Zeit beim Bund erzählte mir ein Stabsarzt, daß er einen Grenadier auf dem Zahnarztstuhl hatte, der war so besoffen, dass er nicht reagiert hat als er auf den offenen Nerv im Zahn gekommen ist!


    Bei einem Verwandter ist durch die Sauferei eine Psychose ausgebrochen!


    Gruß Arnd

  • Hallo,

    aus langjährigem Einsatz bei der Feldjägertruppe der Bundeswehr kann ich auch einige Erlebnisse zum Thema Alkohol bei der Bundeswehr beisteuern.


    Anfang der 1980er Jahre. Wir waren für einige Wochen als Feldjägerkommando von Veitshöchheim aus mit der 12. Panzerdivision auf dem Truppenübungsplatz Bergen-Hohne eingesetzt.


    Eines Morgen gegen 07:00 Uhr führten wir Geschwindigkeitskontrolle an der Platzrandstraße durch, an einer sehr unfallträchtigen Stelle, bei der die Geschwindigkeit auf 30 km/h begrenzt war. Dabei wurde ein VW-Bus wegen weit überhöhter Geschwindigkeit angehalten. Beifahrer war ein Kompaniefeldwebel einer Panzereinheit. Als ich ihn aufforderte, mir seinen Truppenausweis zu zeigen, hebt er seinen vor ihm auf den Fahrzeugboden liegenden Feldparka an, um daraus den Ausweis zu entnehmen. Dabei fiel eine darunter verborgene, geöffnete Bierbüchse um, die sich dann mit wilder Schaumentwicklung in das Fahrzeug ergoss. Ich habe den Herrn Hauptfeldwebel dann aus dem Fahrzeug gebeten und habe die weiteren Verhandlungen mit ihm abseits seiner im Fahrzeug sitzenden Untergebenen geführt. Der dann durchgeführte Alco-Test zeigte an, dass er Alkohol in doch erheblichen Umfang getrunken hatte. Aufgrund der dann notwendigen Feldjägermeldungen war er bereits am Mittag nach Entscheidung des Brigadekommandeurs von seiner Verwendung als Kompaniefeldwebel abgelöst.


    Bei der 12. Panzerdivision, die mit Stab und großen Teilen ebenfalls in Bayern lag, war z.B. KEIN Bier während des Dienstes erlaubt. Diese Erlaubnis gab es nur bei der 4. PzGrenDiv (Regensburg) und der 1. Gebirgsdivision (Garmisch), aber sie galt nicht beim im Bayern stationierten Territorialheer oder den in Bayern liegenden Truppenteilen der 10. Panzerdivision oder des II. Korps.


    Am Samstag derselben Woche rief mittags gegen 13:00 Uhr völlig aufgelöst die Polizeistation Bergen an. Bei ihnen auf der Wache wäre ein sinnlos betrunkener Soldat, der randalieren würde und kaum mehr zu bändigen wäre. Wir sollten ihn doch bitte schön abholen.

    Nach Eintreffen bei der Polizei ergab sich folgende Szene: In der Arrestzelle hielten mehrere Polizeibeamte einen wild um sich schlagenden Soldaten auf der Pritsche fest, überall gab es Blutspuren.

    Der Soldat war gegen 12:00 Uhr völlig besoffen auf eine Straßenkreuzung in Bergen getorkelt und hatte dort versucht, den Verkehr zu regeln. Die erste anrückende Polizeistreife hatte er erst einmal mit wuchtigen Faustschlägen empfangen. Darauf hin trafen weitere Streifen ein, er wurde dann mit vereinten Kräften in einen VW-Bus verfrachtet. Dort lag er mit auf den Rücken gefesselten Händen auf der Mittelbank. Als man die Schiebetüre schließen wollte, trat er zu und trat die Türe aus den Lagern, so dass man mit offener Türe und dem weiter tobenden Soldaten zur Polizeiwache fahren musste. Dort schaffte er es, die Handschließen aufzudrücken, wobei sich allerdings die Metallbügel tief in die Handgelenke einschnitten. Daher auch das Blutbad in der Zelle.

    Wir haben ihn dann mit vereinten Kräften mit Klebeband gefesselt, da es keine andere Möglichkeit mehr gab, ihn zu bändigen. Der inzwischen mit einem Sankra angerückte Bundeswehrarzt, ein junger unerfahrener Stabsarzt versuchte ihn durch Einspritzen von Beruhigungsmitteln ruhigzustellen, diese Medikamente bewirkten aber gar nichts. Wir haben ihn schließlich auf der Pritsche im Sanitätsfahrzeug fixiert und sind Richtung Lagerlazarett gefahren. Auf dem Weg dorthin ist er zweimal kollabiert und konnte vom Sanitätspersonal mit Müh und Not wiederbelebt werden. Im Lazarett erfolgte sofortiges Magenauspumpen usw. Aufgewacht ist er wieder am Dienstag der Folgewoche. Er sah aus wie ein Zombie aus einem Horrorfilm – überall blaue Flecke und Blutergüsse, weil natürlich die Polizei auch kräftig Schlagstöcke eingesetzt hatte, dazu massive Verletzungen an den Handgelenken.

    Bei der Vernehmung stellte sich heraus, dass er am Samstag morgen große Mengen Rum mehr oder weniger auf Ex getrunken hatte, weil ihn seine Freundin verlassen hatte.


    Der dritte Fall bei diesem Einsatz in Bergen betraf zivile Angestellte der Bundeswehr. Wir waren eines Tages gegen 09:30 in der Lagerkantine, um nach einem Nachteinsatz kurz einen Kaffee zu trinken. Vor der Kantine standen drei Fahrzeuge der Standortverwaltung, die dazugehörigen Kraftfahrer saßen ebenfalls in der Kantine. Jeder vor sich ein bereits geleertes Gedeck „Lütt und Lütt“, wie es eben im Norden üblich ist, kleines Bier und Korn. Alle drei Fahrer bestellten sich soeben das zweite Mal diese Getränkekombination und setzten eben zum Trinken an. Als wir sie dann auf das Alkoholverbot ansprachen, waren sie sehr erstaunt und meinten, das würde man hier nicht so eng sehen, das wäre ihre normale Frühstückration. Wir haben ihnen dann die Schlüssel der Fahrzeuge und die Bundeswehrführerscheine weggenommen und alles dem Leiter der Standortverwaltung übergeben. Er war not amused, das zumindest für diesen Tag seine Fahrbereitschaft stillgelegt war.

    Grüße

    Jörg

  • Hallo Jörg,

    ich danke Dir für die "Geschichten, die das Leben schrieb".


    Ja, so konnte es zugehen. Kenne auch einige Geschichten aus den Übungsplatz-Aufenthalten in Bergen-Hohne mit Alkohol. ( EIn paar habe ich ja hier im Forum schon mal wiedergegeben: Sturzbesoffene Amerikaner fuhren mit einem LKW in der Nacht quer über den TrÜbPl und geraten auf eine Schießbahn, wo Nachtschießen mit Panzern angesetzt ist. Als sie mit ihren zwei eingeschalteten Scheinwerfern von einer Panzerbesatzung als "Ziel" erkannt und anvisiert werden, wird erst in allerletzter Sekunde klar, daß es entgegen des eigentlichen (stationären) ein bewegliches Ziel ist...

    oder:

    In der zweigeteilten Unterkunftsbaracke wird auf der einen Baracken-Seite von zwei besoffenen Unteroffizieren ein nächtliches "Russisch-Roulette" mit deren P1 gespielt. Einer hatte aber noch eine Patrone geladen... - Während dieser nachfolgend keinen Blödsinn mehr machen konnte, hatte auf der anderen Baracken-Seite die dortige Truppe Glück: eigenlich sollten dort Soldaten übernachten, in der Schußbahn standen Doppelstockbetten... )


    Ein Erlebnis aus der Grundausbildungszeit bei der Panzertruppe: An einem Abend fiel uns auf, daß auch die Soldaten vom "Stamm" der Kompanie im Kompanie-Gebäude blieben. was sonst nicht der Fall war. Ein Uffz brachte einen Kasten "Gold-Ochsen-Milch" einer Ulmer Traditions-Brauerei mit und spendierte das seiner Stube. Es war ein netter Abend, bis dann um 22.00 Uhr für jedermann "Zapfenstreich" angesagt war.

    Ein paar Stunden später erklärte sich dann das Rätsel, warum der "Stamm" dageblieben war: "Nachtalarm!"

    Die Kameraden der Stube mit dem Kasten "Milch" hat es zuerst erwischt, es war die 3. Stube vom dritten Zug. Nacheinander wurden alle Stuben geweckt . Wir hatten es gut: als 1. Stube vom 1. Zug konnten wir noch ein Stündchen länger "schlafen", bis auch wir mit Geschrei geweckt wurden. Dann mit allem Sach vor dem Kompaniegebäude in den Hecken "unterziehen" und auf weitere Anweisungen warten. Doch es kam niemand, auch keine "Anweisung"... Irgendwann ging dann einer von uns in das Gebäude zurück, doch alle Räume waren leer. Oder doch nicht? Aus dem Keller drang Gelächter und "Gesang". Leises Anpirschen ermöglichte die Auflösung des rätselhaften Treibens: der Spieß samt UvD und zwei weiteren Kompanieangehörigen saßen im "Bierkeller" und vergnügten sich fleißig an den Beständen. An uns hatte schon lange keiner mehr gedacht...


    Soweit für heute aus dem Schatzkästlein der Erinnnerungen... 8)


    Herzliche Grüße

    Uwe

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.