Kurioses und Absonderliches

  • Hallo,

    nun, das ist ja auch heute noch vielfach so, dass man den ehem. "Hochadel" mit "kgl. Hoheit" o.ä. anredet, auch in den verschiedenen Medien ....;)

    Gruß Eddy
    Suche alles zu 143. Reserve-Division und Füsilier-Bataillon 217.

  • Hallo zusammen,


    Prinz August Wilhelm (Auwi), der den Nationalsozialisten vor 1933 nützliche Dienste leistete, weil er half, den Adel für die Hitlerbewegung zu begeistern, wurde vom "Führer" mit " Eure Kaiserliche Hoheit" angesprochen. Der britische Journalist Sefton Delmer war darüber sehr erstaunt.


    Goebbels gegenüber sprach Hitler immer wieder voller Verachtung über die Hohenzollern.


    Allerdings hatte Hitler es geschickt verstanden, Menschen, auch solche die er verabscheute, für sich zu gewinnen.

    Im Oktober 1931 äußerte sich die zweite Frau Wilhelms II, Hermine, begeistert darüber "wie sympathisch Herr Hitler gewesen sei: Sein guter und gerader Gesichtsausdruck und seine guten Augen und ihr Ausdruck ohne Falsch, hätten sie tief beeindruckt."


    Bei der Reichstagswahl 1932 hat Kronprinz Wilhelm öffentlich die Wahl Hitlers empfohlen.

    (Volker Ullrich: Adolf Hitler)


    Grüße

    Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944

  • Hallo zusammen!


    Erstaunlich ist auch bei diesen Mitteilungen bzw. Antwortschreiben die relativ häufige Erwähnung von "Gott". Ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass Hitler sehr viel von der Institution Kirche und Gott hielt.


    Gruß Stephan

    Suche alles zur Waffenschule des AOK 1

  • Tag allerseits,


    dass sich Diktatoren im Krieg "öffentlichkeitswirksam" mit Gott befassen, das ist eigentlich nicht neu. Auch der Genosse Stalin hat in den schwersten Stunden des Krieges mit der Orthodoxen Kirche einen

    Frieden geschlossen und die Verfolgung der dortigen Christen praktisch eingestellt. Dann beteten die dortigen Christen in den wiedereröffneten Kirchen für den Sieg im Vaterländischen Krieg!


    Der "Führer" in seiner Bauernschläue blieb bis zum bitteren Ende pro forma Katholik. Er hatte es auch nicht notwendig, wegen des schnöden Mammons aus der Kirche auszutreten, denn von der Kirchensteuer war er ja befreit.


    Grüße

    Bert

    Edited 2 times, last by Jahrgang39 ().

  • Moin allerseits,


    später fühlte Herr Hitler sich dann von "Der Vorsehung" berufen. Da war von "Gott" nicht mehr die Rede.

    Hätten die Deutschen sich mal mehr "vorgesehen"! (Kleines Wortspiel).


    Sonntägliche Grüße

    vom Anhalter

  • Hallo zusammen,


    die sog. "Prädikate" bzw. "Anreden", welche im "amtlichen Verkehr" und "privat" bis zum Kriegsende 1918 vorgeschrieben waren, wurden durch Art. 109 der Weimarer Reichsverfassung Namensbestandsteil bzw. (dadurch die "Anreden" abgeschafft).

    Also "muss" kein deutscher Staatsbürger mehr mit Majestät-Kgl. Hoheit- Hoheit-Fürst-Durchlaucht-Erlaucht oder Hochwohlgeboren angeredet werden.

    Viele der ehemaligen " Herrschaften" legen sich noch immer diese Prädikate (unrechtmässigerweise) zu und beharren auf den obsoleten "Anreden".(Zumindest bei den Personenkreisen, die von ihnen abhängig sind:rolleyes:...)


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Hallo,

    der Adel war dem "Führer" sehr zugetan.

    ich denke, da muß man schon Unterschiede machen. Ohne das jetzt näher vertiefen zu wollen, aber von Mitgliedern des ehemaligen bayerischen Königshauses, den Wittelsbachern, wird man keine solche "Ergebenheitsadressen" finden. Vor allem nicht vom damaligen Chef des Hauses, dem Kronprinzen Rupprecht.

    Grüße
    Jörg

  • Hallo zusammen!


    Erstaunlich ist auch bei diesen Mitteilungen bzw. Antwortschreiben die relativ häufige Erwähnung von "Gott". Ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass Hitler sehr viel von der Institution Kirche und Gott hielt.


    Gruß Stephan

    Hallo zusammen,


    das ist ein sehr interessantes Themenfeld: "Hitler, Kirche, Glaube und Gott". Wie Bert schreibt, ist Hitler tatsächlich nie formal aus der katholischen Kirche ausgetreten.


    Der Zeitzeuge Konrad Heiden schreibt in seinem Buch "Adolf Hitler":

    "Hitler glaubt an das Göttliche, doch sicher nicht an den Gott der Kirche. Er hat ein sehr persönliches Verhältnis zum Jenseitigen und glaubt an eine besondere Leitung durch das Schicksal. Im engeren Kreis hat er zwei Geschichten erzählt, die ihm das Anzeichen eines persönlichen höheren Schutzes sind. Er glaubt an Berufung und hört auf innere Stimmen."


    Volker Ullrich schreibt dazu in seinem Buch "Adolf Hitler":

    "Einerseits präsentierte sich der "Führer" als der vom "Allmächtigen" gesandte Messias, der das deutsche Volk von allen Übeln erlösen würde. Unentwegt beschwor Hitler die Macht des Glaubens, die angeblich Berge versetzen könne. Andererseits betonte er die Neutralität seiner Bewegung in religiösen Fragen."


    Mitte Dezember 1941 sagte Hitler:

    "Der Krieg wird sein Ende nehmen, und ich werde meine letzte Lebensaufgabe darin sehen, das Kirchenproblem noch zu klären. Die organisierte Lüge muß derart gebrochen werden, daß der Staat absoluter Herr ist."


    Grüße

    Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944

  • Hallo noch mal,


    da hier offenkundig einige sind, die sich mit dem Thema schon befasst haben, bitte ich Euch mal um Eure Hilfe auf der Suche nach einem Zitat.

    Entweder Hitler oder Goebbels muss mal sinngemäß gesagt haben: "Wenn wir mit den Juden fertig sind, dann nehmen wir uns die Christen vor."

    Ich bin auf der Suche danach, wer das gesagt hat, bei welcher Gelegenheit und natürlich nach dem genauen Wortlaut. Und eine Quellenangabe wäre natürlich auch schön.

    Weiß jemand Rat?


    Viele Grüße

    vom Anhalter

  • Mitte Dezember 1941 sagte Hitler:

    "Der Krieg wird sein Ende nehmen, und ich werde meine letzte Lebensaufgabe darin sehen, das Kirchenproblem noch zu klären. Die organisierte Lüge muß derart gebrochen werden, daß der Staat absoluter Herr ist."

    Tag allerseits,


    manche im Umfeld von Hitler sagten nach dem Krieg, dass Hitler für sie in manchen Dinge ein Rätsel blieb. In dieser Richtung argumentierte auch Generaloberst Jodl. Viele Probleme, die Hitler nach dem Endsieg "regeln"

    wollte, behielt er für sich. Es gab nur wenige Momente, wo er andere in sein Innersten blicken ließ.


    Grüße

    Bert

  • Hallo,

    ich denke, da muß man schon Unterschiede machen. Ohne das jetzt näher vertiefen zu wollen, aber von Mitgliedern des ehemaligen bayerischen Königshauses, den Wittelsbachern, wird man keine solche "Ergebenheitsadressen" finden. Vor allem nicht vom damaligen Chef des Hauses, dem Kronprinzen Rupprecht.

    Grüße
    Jörg

    Hallo Jörg,


    Du hast vollkommen recht: Es gibt immer Ausnahmen.


    "Es gab im preußischen Adel „praktisch keine der berühmten Familien, die nicht dabei war“, sagt Historiker Stephan Malinowski, Verfasser des Bandes „Vom König zum Führer“.


    70 Mitglieder des Hochadels traten schon vor 1933 in die NSDAP ein; bis 1941 waren es schon 270. Der Kleinadel tat es ihnen gleich: Aus 350 stichprobenartig untersuchten Familien traten laut Malinowski fast 3.600 Adlige der NSDAP bei, darunter allein 43 Bismarcks und 41 Schulenburgs. Und jeder vierte von ihnen vor 1933.


    Schon 1920 hatte die Deutsche Adelsgenossenschaft einen internen "Arierparagraphen" eingeführt, der - gemäß der Ideologie der Nazis - weit zurückreichte: Mitglied im "Eisernen Buch des deutschen Adels deutscher Art (EDDA) konnte nur sein, wer "arische" Vorfahren bis 1800 nachwies.


    Grüße Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944

  • Hallo Anhalter,


    vermutlich ist die nachfolgend beschriebene Situation gemeint:


    Volker Ullrich schreibt in "Adolf Hitler":


    Als Reichskirchenminister Kerrl Anfang Dezember 1938 erneut einen Anlauf nahm, die evangelische Kirche der staatlichen Zwangsaufsicht zu unterwerfen, gab ihm Hitler, wie Goebbels vermerkte, "den Befehl abzustoppen": " Wir werden jetzt zuerst einmal die Judenfrage lösen."


    (Goebbels Tagebücher, T.I, Bd.6, S. 215 v. 8.12.1938).


    Grüße

    Jockel

    Suche alles zu Bau-Pionier-Bataillon 257 ab Oktober 1944

  • Lieber Jockel,


    hab herzlichen Dank für Deine prompte Antwort.


    Das trifft es noch nicht so ganz, geht aber in die richtige Richtung.

    Da ich in meiner Jugend Pfarrer Martin Niemöller noch persönlich kennengelernt habe, habe ich mich mal länger mit der Bekennenden Kirche beschäftigt, was aber schon lange her ist. Und in diesem Zusammenhang habe ich irgendwo dieses Zitat gelesen, in dem ganz klar gesagt wurde, dass die Christen auch noch "drankommen". Mir ist der Schock, den ich damals empfunden habe, im Gedächtnis geblieben, weil mir klar wurde, dass es mich dann nicht gäbe, wenn diese Androhung umgesetzt worden wäre.

    Falls Du noch was finden solltest, würde es mich freuen, wenn Du Bescheid sagen würdest.


    Lieben Dank und noch einen schönen Sonntagabend

    vom Anhalter

  • Hallo,


    Quote

    die sog. "Prädikate" bzw. "Anreden", welche im "amtlichen Verkehr" und "privat" bis zum Kriegsende 1918 vorgeschrieben waren, wurden durch Art. 109 der Weimarer Reichsverfassung Namensbestandsteil bzw. (dadurch die "Anreden" abgeschafft).

    Also "muss" kein deutscher Staatsbürger mehr mit Majestät-Kgl. Hoheit- Hoheit-Fürst-Durchlaucht-Erlaucht oder Hochwohlgeboren angeredet werden.

    Viele der ehemaligen " Herrschaften" legen sich noch immer diese Prädikate (unrechtmässigerweise) zu und beharren auf den obsoleten "Anreden".(Zumindest bei den Personenkreisen, die von ihnen abhängig sind:rolleyes:...)

    in Österreich war das Führen von Adelstiteln seit 1919 verboten, daran änderte sich auch 1938 nichts, wenngleich mancher seinen Titel inoffiziell wieder führte. Die Frage der österreichischen Adelstitel stand auch auf Hilters "nach dem Endsieg"-Liste.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,

    ich möchte hier zu den Adelstiteln einmal nachhaken.

    Auf den Personal Karteikarten stehen diese auch immer mit drauf.

    Also Freiherr von oder Graf von und dergleichen.

    Dann lese ich immer wieder das das führen von Adelstiteln verboten war.

    Wie passt das zusammen?


    servus

    uwys

    Keine Macht den doofen!

  • Hallo,


    Quote


    Dann lese ich immer wieder das das führen von Adelstiteln verboten war.

    im Gegensatz zu Österreich war in Deutschland der Adelstitel als Namensbestandteil nicht verboten. Der Träger war sein Titel also nicht im politischen Sinne, er hieß nur so,


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,


    das Führen des Adelstitels ist in Deutschland - im Gegensatz zu Österreich- NICHT verboten.

    Wie Thilo schon schrieb, wurde der Titel zum integralen Bestandteil des "bürgerlichen" Namens.

    Abgeschafft wurde die offizielle Verwendung der speziellen Anreden.


    Der Titel wurde in "der" Form zum Namensbestandteil, wie er bis 1919 geführt worden war und damit gleichsam "eingefroren".

    Beispiel: Fürst von Blücher hieß Fürst von Blücher ". Wurde bisher der älteste Sohn -Graf v. Blücher, nach dessen Tod automatisch Fürst, blieb jetzt der Sohn immer "nur" Graf v. Blücher. Das galt auch für frühere Könige und andere regierende Fürsten. Ein Kronprinz blieb namensrechtlich "ewig" Kronprinz.


    Die gern auch noch heute verwendete Form der "Titelübergabe" ist demnach rechtlich nicht korrekt, wird aber nicht moniert und zum Teil auch öffentlich benutzt.


    Es gab auch kuriose Fälle: Beeinhalteten manche Orden wie zB der bayr. Militär-Max-Joseph-Orden den "persönlichen" Adel, so wurde er für , ab 1919 geborene Kinder quasi erblich. So hiessen die vor 1919 geborenen Kinder eines "Ritter v. Müller" weiterhin Müller; später geborene "Ritter v. Müller" und auch deren Nachkommen.

    Ebenso kurios, dass theoretisch und strenggenommen nach 1919 geborene Töchter somit den Namen in der "Vaterform" tragen mussten: Vater Otto "Graf von Greiffenklau" - Tochter Anna "Graf von Greiffenklau".


    Soweit die Theorie, die aber in der Praxis von Beginn an(!!) - und auch im 3. Reich- mißachtet wurde....


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Tag allerseits,


    interessant ist aber auch folgende Formulierung des "Führers" in seinem Antwort-Telegramm an den Kaiser:


    Ich hoffe, dass dieser Sieg in Bälde seine Krönung in einem Frieden erhält.....


    Es existiert ja dazu auch eine Reichstagsrede Hitlers nach dem Sieg über Frankreich. In dieser Rede bietet er den Westmächten einen generellen Frieden an.

    Er wusste wohl schon nach dem Polenfeldzug, dass die Westmächte nicht bereit waren, einem Friedensabschluss zuzustimmen.


    Grüße

    Bert

  • Hallo,


    A.H. war gut beraten anfänglich die Finger von den Adeligen zu lassen, denn ein überwiegender Teil seines Führungskorps in der Wehrmacht waren Adelige.

    Allerdings, und nur im aller engsten Kreis, äußerte er sich wie folgt:


    Hitler 22.1.1942 Wolfschanze:

    "Das deutsche Volk ist zu intelligent für den Adel...."


    6.8.42 Werwolf:

    " Das englische Adelsrecht hat das Gesunde, dass nur der Älteste adelig ist.

    Umgekehrt bei uns: der massenhafte Adel, der nicht leben und nicht sterben kann. Auch eine Korrektur, die in Zukunft folgen muss....."


    Gruß Karl


    Jpchmann, W. " A.H. Monologe im Führerhauptquartier 1941 - 1944".