Ermordung von 117 Kriegsgefangenen in Domslau am 10.02.1945

  • Hallo,

    durch eine Anfrage im FdW zu den Kämpfen südlich von Breslau bin ich in Band 2 - S. 264A von "Breslauer Apokalypse 1945" von Horst G.W.Gleiß auf folgenden Sachverhalt gestoßen:

    Die gemeinde Domslau ( Kreis Breslau / Schlesien -.- heute Domaslaw / PL ) wurde am 10. Februar 1945 von einer sowjetischen Panzervorhut besetzt, die bei Maltsch über die Oder gekommen war und von Tinz her auf Domslau zustieß.

    Der Autor Dipl.-Biol. Horst W. Gleiß zitiert Paul Holz " Bericht über die Eroberung von Domslau durch die Rote Armee am 10. 2. 1945 " - Bundesarchiv Koblenz, Ost-Dok.1, Nr.192a, Seite 141

    Quote

    " Inzwischen kapitulierten 17 deutsche Soldaten und wurden an dem Haus Fremdling und Persikoe erschossen, beide Häuser abgebrannt, die Kirche durch Panzer und Bomben von Flugzeugen zerstört.
    Etwa 100 deutsche Verwundete, die bis abends im Schnee knieen mußten, wurden durch Genickschuß umgebracht. Ihre Massengräber sind hinter den Häusern Wilde und Paschke. "

    Es wäre verwunderlich wenn gerade in diesem Mordfall Ermittlungen aufgenommen worden wären.

    Ist bekannt ob die Opfer je geborgen wurden ?
    Die Angaben sind sehr detailliert - vielleicht kann sich ja Dyziek diesbezüglich schlau machen.

    Gruß aus Wien

    Niki

    ...VIRIBUS UNITIS...

  • Hallo Knaff

    erst heute habe bisschen Zeit um die Beitraege genau durchlesen und etwas zu antworten.
    Dieser Bericht ueber Erschiesseung von deutschen Soldaten in Domslau habe schon gelesen, wahrschenlich im Buch "Schlesisches Inferno" von K F Grau.
    Leider die Bezeichnung

    Quote

    an dem Haus Fremdling und Persikoe

    oder

    Quote

    hinter den Häusern Wilde und Paschke. "

    sind unzureichend um diese Graebern zu finden.

    Rund um Domslau entstehen zurzeit hunderte von Einfamilienhaeuser, aber der alte Kern von Dorf ist noch gebliben (nur ein paar Hausaer wuerde abgerissen).
    Vielleicht gibt noch deutsche Dorfbewohner die konnten genau sagen wo beide o.g. Hausaer standen.

    hier die Bilder aus Domslau:

    http://wroclaw.hydral.com.pl/2778,miasto.html

    P.S.
    Leider spreche/lese ich russisch nicht

    Inter arma silent leges

  • Ich vermute schon, dass die Opfer geborgen wurden. Wie pietätvoll dies geschah, ist eine andere Frage.

    In verschiedenen Zeitzeugenberichten aus Schlesien habe ich gelesen, dass Dorfbewohner von den Russen zum "aufräumen" rekrutiert/gezwungen wurden. D.h. Kriegsschrott von den Straßen räumen, Tote beerdigen etc. In den Dörfern selbst haben dann natürlich auch die lokalen Bewohner aufgeräumt. Bei einer derart hohen Zahl von Toten vermute ich, dass es ein Massengrab gibt, vielleicht eine als Panzergraben angelegte Grube o.ä.

    Wenn ich von den zwei Orten, aus denen Teile meiner Familie kommen, auf Niederschlesien schließen kann, gibt es häufig Zeichnungen von ehem. Bewohnern, auf denen steht, wer in welchem Haus gewohnt hat. Domslau ist dafür wahrscheinlich zu groß, aber vielleicht hast Du ja Glück. Zu vielen Orten gibt es auch Chroniken, die ehem. Bewohner über die Zeit 45-47 geschrieben haben.

    Am ehesten kommst Du hier also wahrscheinlich weiter, wenn Du ehem. dt. Bewohner von Domslau ausfindig machen kannst oder deren Nachkommen.

  • Ich hatte gerade eine Recherche im Bundesarchiv in Bayreuth zu einem Nachbarort von Domslau laufen (Tinz), da habe ich mir die Dokumente zu Domslau gleich mit kopieren lassen. Vom oben zitierten Dokument 192a liegt mir jetzt eine Kopie vor, aus der aber auch nicht viel mehr hervor geht, als aus dem obigen Zitat.

    Wer Interesse daran hat, kann sich gerne per PN melden. Ein Upload hier im Forum wäre n.m.W. ein Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen des BA (Veröffentlichungen müssen genehmigt werden).

  • Quote

    Original von Christian_W
    Ein Upload hier im Forum wäre n.m.W. ein Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen des BA (Veröffentlichungen müssen genehmigt werden).


    Hi Christian,

    damit hast Du recht; auch mit der Genehmigung ist es nicht getan;
    die Veröffentlichung von Material kostet jährllich Gebühren pro Einheit/Stück/Photo.

    Gruß, Kordula

    Slava Ukraini! In Memoriam A.N.!

  • leider habe ich diesen Artikel zu spät entdeckt. meine Mutter (Gerda Winkel) ist in domslau geboren (1926) und hat einiges über die letzten Kriegstage erzählt. in ihrer Gaststätte (Fritz Wagner) gegenüber der Kirche, wurde ein Lazarett der Wehrmacht errichtet. die verwundeten Soldaten wurden bei Ankunft der Russen zurückgelassen. die sich ergebenden 12? deutschen Soldaten wurden vor einem Garagenkomplex erschossen und mit den anderen 117 hinter dem Friedhof auf einer wiese in einem Massengrab begraben. 2016 verstarb meine Mutter und hätte sicherlich einiges mehr darüber berichten können.