Der Alltag des Rotarmisten?!

  • Nachdem ich meinen Kopf nun ausreichend mit den Gepflogenheiten der Wehrmacht gefüllt habe, möchte ich doch mal auf die andere Seite hinüberblicken. Zu der der Rotarmisten.


    Es dürfte ja den meisten bekannt sein wie in den ersten Kriegsjahren der russische Soldat gnadenlos in das MG-Feuer getrieben wurde.
    Die Erzählungen mit den 3 Mann von denen nur 1 eine Waffe hatte auch.
    Vlt auch das die hoffnungslos verwundeten einfach liegen gelassen wurden.


    So drängt sich mir doch nun eine ziemlich banale Frage auf.


    Wie stand es in der Roten Armee eigentlich mit Dingen wie Urlaub für die Mannschaften? Erholungsurlaub usw? Gab es sowas ?
    Bei der teils menschenverachtenden Grausamkeit die in den obengenannten Beispielen an den Tag gelegt wurde kann ich es mir kaum vorstellen, dieses Thema wurde soweit mir bekannt noch nie besprochen.




    Gibt es eine Statistik der Lebenserwartung von Rotarmisten und Wehrmachtsangehörigen? Solche makkaberen Statistiken hab ich schon mal gesehen aber nicht im direkten Vergleich.


    (Auch wenn das ein Wehrmachtsforum ist, dachte ich mir ich kann das vlt auch hier posten, da ja sehr viele Leute hier sind die sehr viel Ahnung von der Materie haben, wenn es unpassend ist, könnt ihr den Post ja löschen)


    mfg Robert

  • Quote

    Original von LittleSauerKraut
    Wie stand es in der Roten Armee eigentlich mit Dingen wie Urlaub für die Mannschaften? Erholungsurlaub usw? Gab es sowas ?


    Hallo Robert!


    Mit dem Erholungsurlaub kann ich ganz sicher sagen, so was gab es nicht. Die Ursachen stehen übrigens nicht in der Grausamkeit der sowjetischen Führung oder so ähnliches. Einfach niemand könnte sich vorstellen ins Urlaub zu gehen, wenn deine Heimatland besetzt ist, so war es.


    Die Verwundeten Rotarmisten waren ins Feldlazarette abtransportiert, und nach der Genesung wieder zum Fronteinsatz geschickt. Im meisten Fällen.


    Was noch über Rotarmisten kann man sagen. Nach dem 1943 die Versorgung, Nachschub war ausgezeichnet. Die Rotarmisten hätten alles was sie brauchten, sie hatten mehr als genug Essen, hatten Winterausrüstung, Munition, Treibstoff, und so ähnliches.


    Die sowjetische Führung hat seit dem 22.6.1941 angeordnet, dass jeder Betrieb, die sich in der Sowjetunion befand, muss ausnahmslos nur für den Krieg arbeiten, also das meint unter sich als totaler Krieg. Die Früchten zeigten sich schon 1943.


    Viele Grüsse,
    wilhelm

    Edited 2 times, last by wilhelm83 ().

  • Hm...dachte nur an viele Zitate aus den vielen Büchern die ich gelesen habe (aus sicht deutscher Soldaten). Dort haben ja auch viele wenn nicht alle einfach die Nase einmal gestrichen voll gehabt und freuten sich doch auch Urlaub.
    Von einem schlechten Gewissen den Kameraden gegenüber hatten wohl alle berichtet aber Pausen braucht der Mensch doch einfach. Speziell bei solch undenkbaren Strapazen und Ängsten-das über Monate wenn nicht Jahre.


    Aber einige sehr interssante Infos, danke Willhelm. Zb mit den Betrieben. Das wusste ich so noch nicht.



    mfg Robert

  • Hallo
    Es scheint wohl bei Offiziersdienstgraden kleine Ausnahmen gegeben zu haben.Ich habe schnell mal in ein paar Büchern geblättert.Arseni Woroshejkin hat 1943 seine Frau und das inzwischen 2 Jahre alte Kind besucht.
    Alexander Pokryschkin erhielt nach dem dritten "Held der Sowjetunion" 5 Tage Heimaturlaub auf Einladung des Gebietskomitees der KPdSU."4 Tage für die Menschen ,1 Tag für dich".
    mfg karat

  • Hm..auch mal ein Interessantes Thema...


    Wie war etwa der "Held der Sowjetunion" zu bewerten? Ritterkreuz mit seinen Stufen?


    Wenn man sich russische Generäle ansieht, die sind ja oft behangen wie die Christbäume, sieht ja schon zu überladen aus.


    http://www.astronautenanzug.de/pix/peter%20nidetzky.jpg


    (Ist zwar ein Astronaut glaub ich aber beim Militär gabs ja auch welche mit so viel Lametta)


    Welche sind noch die wichtigsten/häufigsten Orden der Roten Armee?

  • Quote

    Original von LittleSauerKraut
    Hm...dachte nur an viele Zitate aus den vielen Büchern die ich gelesen habe (aus sicht deutscher Soldaten). Dort haben ja auch viele wenn nicht alle einfach die Nase einmal gestrichen voll gehabt und freuten sich doch auch Urlaub.


    Hallo Robert!


    Ich hab vor kurzem auch ein hochinteressantes Buch gelesen.


    Also, der Autor hatte eine Durchschusswunde (nicht seriöses, keine Knochen betroffen), wurde ins Feldlazarett als transportfähig eingestuft, und nach Deutschland geschickt, zwar für 14 Tage Genesungsurlaub, er hatte gute Beziehungen mit seinem Spiess, der hat einfach angeboten, nachdem Genesungsurlaub, noch 14 Tage zu bleiben, als Erholungsurlaub.


    So was gab es für die Rotarmisten nicht, weil die Lage war sehr ernst, der Feind war hochprofessionel, erfahren, hatte modernsten Waffen, Ausrüstung und Technik, am Anfangsjahren der Krieges, es ging einfach um überleben, überleben des Staates, überleben von Restbevölkerung im Hinterland, jeder Rotarmist wusste ganz genau, was würde mit seinem Familie passieren, wenn er nicht zäh genug kämpfte.


    Und auch niemand (seine Familie, Verwandten und so weiter) würde verstehen, wenn man in so einer Situation, ins Urlaub gekommen ist.


    Quote

    Original von LittleSauerKraut
    Aber einige sehr interssante Infos, danke Willhelm. Zb mit den Betrieben. Das wusste ich so noch nicht.


    mfg Robert


    Nichts zu danken, freut mich, wenn ich was neues geschrieben habe.


    Quote


    Hallo
    Alexander Pokryschkin erhielt nach dem dritten "Held der Sowjetunion" 5 Tage Heimaturlaub auf Einladung des Gebietskomitees der KPdSU."4 Tage für die Menschen ,1 Tag für dich".
    mfg karat


    Hallo Karat!


    Pokryschkin war kein einfaches Offizier, und 4 Tage Urlaub hat er wohl mehrmals verdient. Aber schau mal an, "4 Tage für Menschen, 1 Tage für dich", das heisst, dass es kein Urlaub war, sondern eine Reise eines Helden, um die Leute, die im Hinterland ins Betrieben arbeiten, aufmuntern, mit seinem Beispiel zu zeigen, dass nichts ist verloren und so weiter, man kann das alles mehr als Parteiaufgabe einstufen.


    Viele Grüsse,
    wilhelm

    Edited 2 times, last by wilhelm83 ().


  • Hallo Kordula!


    Vielen Dank fürs Tagebuch. Sehr spannend.


    Viele Grüsse,
    wilhelm

  • Hallo,


    gerade bei diesem Thema zeigen sich Unterschiede im Menschenbild verschiedener Armeen.


    Ich erinnere mich an einen Truppenbesuch von Offizieren der Russischen Armee in einer Bw-Kaserne vor ~12 Jahren, als die Russen hörten, das ein Teil der Wehrdienstleistenden Heimschlaferlaubnis hat, fragten sie ungläubig: "Die kommen tatsächlich morgens wieder?".


    Anderes Beispiel:
    Für Angehörige der US-Armee, die mit Familie in Deutschland oder anderen Ländern leben, ist Ehebruch strafbar. Dafür regt man sich aber darüber auf, daß es in AAFES-Läden keine Hardcorepornos mehr gibt... ?(



    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Die Genügsamkeit der Rotarmisten....


    Aus Erzählungen von ehem. Wehrmachtssoldaten ist bekannt, dass der
    normale Rotarmist als ausgeprochen genügsam galt. Er hatte in seinem
    Brotbeutel das Nötigste (Machorka, ein Stück Papier aus der PRAWDA,
    Brot, einen Hering und vor allem jede Menge Sonnenblumenkerne)-

  • Am Alltag der Rotarmisten hatte sich auch später kaum was geändert. Ich erlebte wärend meiner Armeezeit oft wie einfache Soldaten von ihren Offizieren traktiert wurden ( Schläge ) wie sie bei gemeinsamen Übungen tagelang ohne Verpflegung im Wald lagen und wie sie - ohne Heimaturlaub in der DDR -bei Fahnenflucht auch an Ort und Stelle erschossen wurden. Der "Ehrendienst" in der DDR war für viele dieser jungen Soldaten die Hölle.


    Gruß-Alte61

    Suche alles über die Pz.Aufkl.Abtl. 14 der 14.PD in Litauen ab 15.08.1944

  • Quote

    Original von Alte61
    Der "Ehrendienst" in der DDR war für viele dieser jungen Soldaten die Hölle.


    Moinsen,


    ich hingegen habe gehört, dass es die meisten als Privileg angesehen haben, in der DDR stationiert gewesen zu sein...


    Mein Ex-Schwiegervater war zuerst in Taldy-Kurgan, dann Cottbus und danach in Kandalakscha und Leningrad. Cottbus fand er am besten...



    Gruss


    Jan

  • Hallo,


    Die Verallgemeinerung "Genügsamkeit des Rotarmisten" halte ich für verfehlt, Genügsamkeit bedeutet freiwilliger Verzicht, nur das Allernötigste zu bekommen hat nichts mit Genügsam zu tun.



    vladimir


    Quote

    Hallo sag mal, Thilo, ist das nicht die Panzerschule die du suchst ? http://radikal.ru/F/s39.radikal.ru/i084/...6e7ede.jpg.html gruss Vladimir



    Kannst Du mir mehr zu diesen Bildern sagen?



    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Thilo


    Dass die Genügsamkeit oder die Anspruchslosigkeit der Rotarmisten in
    gewisser Weise vom sowjetischen System aufgezwungen war, dem
    kann man wohl zustimmen!


    Trotzdem ist es schon beachtenswert unter welchen oftmals primitiven Umständen zu Beginn des Krieges (Ausrüstung, Verpflegung) die Rotarmisten ihre Pflichten erfüllten!


    Gruß
    Bert

  • Quote

    Original von Alte61
    Am Alltag der Rotarmisten hatte sich auch später kaum was geändert. Ich erlebte wärend meiner Armeezeit oft wie einfache Soldaten von ihren Offizieren traktiert wurden ( Schläge ) wie sie bei gemeinsamen Übungen tagelang ohne Verpflegung im Wald lagen und wie sie - ohne Heimaturlaub in der DDR -bei Fahnenflucht auch an Ort und Stelle erschossen wurden. Der "Ehrendienst" in der DDR war für viele dieser jungen Soldaten die Hölle.


    Gruß-Alte61



    Ich glaube Dir das meiste ABER dass Du das erlebt hast -> "...auch an Ort und Stelle erschossen wurden" kann ich mir nicht vorstellen.

  • als ich ca. 12-14 Jahre alt war,gings rum wie ein Lauffeuer aber wir hatten es als erste erfahren im Ort,weil Opa "Hilfscherif" war: Im Nachbarort hatte sich ein russischer Soldat auf einem etwas abgelegenen Gehöft in der
    Scheune verkrochen, mit Maschinengewehr und somit hatten die Russen die Scheune umstellt , er sass in der Falle , kam aber auch nicht nach mehreren Aufforderungen raus,er wusste wohl wie seine Straffe aussehen würde. Also .........gabs Feuer frei !!! auf die Scheune von einem Spw aus
    und das Gebäude fing Feuer und brannte lichterloh. Der Soldat blieb drin. Erzählt wurde hinterher , er habe sich selbst erschossen. Paar Tage später wurden mehrere Soldaten unter Bewachung dort abgesetzt und diese mussten die Scheune wieder neu errichten.


    Wer weiss warum diese arme Sau abgehauen ist, evtl. wurde ihm das Leben von den anderen schwer gemacht , dazu noch 1000 Km von zu hause weg......bei uns damals in der NVA nannte man das EK-Treiberei
    ..wo auch schon genug schlimme Sachen passiert sind....sicher aber ging es in den Russen-Kasernen um ein Vielfaches schärfer daher. Hier wo ich wohne stehen immer noch Kasernen , ehemals Wehrmacht und später zogen die Russen ein......einmal durch so ein gebäude laufen...und du wünscht dir ..hier nichtmal beerdigt zu sein.


    Dann noch als kind selber gesehn, dadurch , dass die Offiziere ,aber auch einfache Soldaten oft im Dorf anhielten um Benzin usw, zu verscherbeln
    LKW hielt an , Soldat,der nur Hose u Stiefel an hatte, Oberkörper war frei , sprang von der Ladefläche und rannte was das Zeug hielt ...rein in einen Urwald von Brennesseln und regte sich nicht mehr , wie ein scheues Tier, zu sehen war er nicht aber als in die Luft geschossen wurde,kam er raus, wurde mit Füssen getreten bis hin zum LKW , dann von 2 Soldaten an Händen u. Füssen gepackt , mit Anlauf auf die Ladefläche geworfen....


    Nicht die Wälder betreten hiess es hier öfter , Russen sind wieder abgehauen mit Bewaffnung.


    Viele einfache soldaten, die irgendwie das Objekt heimlich verlassen hatten , hockten auch nur hinter einem Grabstein auf dem Fiedhof oder versteckten sich in Kellereingängen der deutsch.Wohnhäuser....um jemanden der vorbeikam, nach zigaretten anzubetteln oder gaben Geld für eine Flasche Schnaps, wenn man ihnen eine Packung Kekse gab , freuten sie sich so sehr , dass man das als Kind eigntlich kaum verstehen konnte.


    Hoffe , bin nicht vom eigentlichen thema zu sehr abgewandert.......


    mfG Christian

  • Hallo B aus MV - Glaubst Du nicht ? 1967 diente ich in einem Nachrichtenregiment. Übung mit sowjetischen Einheiten im Raum Neuruppin. Plötzlich Alarm und Munitionsausgabe. Grund : 2 Sowj. Soldaten waren "abgängig von der Truppe2 mit MPi und Munition. Das Waldstück wo sie sich befanden ( Bombodron - ist ja ein Begriff ) wurde im Außenring von der NVA und Polizei abgeriegelt und sowj. Soldaten durchkämmten alles. Nach ca 20 min. Hörten wir MPi-Feuer und dann war Ruhe. Ein sowj. Ofizier zeigte uns dann im vorbeigehen das Zeichen des Halsdurchschneidens und lachte dabei.Die Polizei sagte uns später das die 2 Soldaten erschossen wurden.
    Ich weiß nicht wie alt Du bist aber frage mal ältere Leute.War eigentlich hinter vorgehaltener Hand bei vielen DDR -Bürgern bekannt


    Gruß-Alte61

    Suche alles über die Pz.Aufkl.Abtl. 14 der 14.PD in Litauen ab 15.08.1944

  • Ich bin alt genug (1965 geb. und habe in NVA und BW als Offz. gedient), um diese Geschichten reichlich gehört zu haben.


    Aber ein Augenzeuge hier im Forum???


    In der Regel waren die Fahnenflüchtigen bewaffnet und wußten, was ihnen blüht, da soll es richtige Gefechte gegeben haben usw.
    Das ist alles glaubhaft und mehr als nur 1x vorgekommen. Aber trotzdem Hörensagen ...

  • Hallo Leute!


    Ich kenne die Geschichten über Bestrafungen von Sowjetischen Soldaten nur vom Hörensagen, aber so ziemlich jeder hat daran geglaubt.


    Häufig fuhren bei uns sowjetische Konvois durch die Stadt. Meist so 10-20 LKW mit der bekannten Aufschrift "CA" (Sowjetische Armee).
    Ich glaube viele der DDR-Bürger haben die 18-jährigen LKW Fahrer bedauert. Ich kann mir vorstellen ein 3-achsiger LKW ist nicht ganz einfach zu steuern. Und sollte mal wieder ein Unfall passieren dann Gnade dem Fahrer Gott…


    Berühmt ist die Geschichte als ein Russenpanzer ein Gleis zerstört hat – es gab mehrere Tote im Zug. Geschehen am 19. Januar 1988:
    http://www.mdr.de/doku/950439.html#absatz1


    Zitat: „…DDR-Kripo-Beamte bekommen sogar ausnahmsweise die zwei Panzerfahrer zu Gesicht, bevor sie vor ein sowjetisches Militärgericht gestellt werden. Was aus ihnen letztlich geworden ist, bleibt bis heute unklar. Mutmaßungen darüber, dass man sie erschossen hat, will niemand kommentieren, auch nicht der zuständige Chefausbilder.….“


    Viele Grüße
    Ronald

    Edited 3 times, last by ft17 ().