Überstellungen von Angehörigen der Luftwaffe zur Waffen-SS

  • Hallo zusammen,


    ich habe mal wieder eine sehr spezielle Frage :rolleyes:, wie ja durch die Literatur bekannt ist, gab es während des Krieges Überstellungen von Angehörigen der Luftwaffe zur Waffen-SS.


    Hat aber vielleicht irgendjemand mal bei seinen Nachforschungen da genauere Befehle gefunden, wo so etwas zahlenmäßig oder einheitsmäßig aufgeschlüsselt wird,
    z. B. von welcher Einheit der Luftwaffe werden wie viele Angehörige abgegeben? ?(


    Es gibt da wohl Befehle des Generalstabs des Heeres, I/ 7425/44 g. (?) v. 13.7.1944 und I/ 8260 g (? 8269) vom 20.7.1944 (?), ich konnte das Findbuch leider nur sehr schlecht entziffern, wo es heißt: „ Durch OKL sind 40 000 Uffz. und Mannschaften zum Heer versetzt, davon 25 000 (kann auch 26 000 sein, schlecht lesbar) beschleunigt zur Waffen-SS“ (Filmrolle T 78 R 99 - 6 369473)


    Hat jemand vielleicht diese Befehle vorliegen und kann mir sagen, was da so im Detail aufgeführt ist?! 25 oder 26 000 Mann sind ja nun mal kein „Pappenstiel“ ?(


    Ich weiß, das ist jetzt leider keine sehr genaue Frage ist, aber ich habe in meinen Unterlagen bisher keine Angaben gefunden
    a) wie viele Luftwaffenangehörigen wann abgegeben wurden
    b) von welchen Einheiten der Luftwaffe sie abgegeben wurden
    c) wohin diese abzugebenden Soldaten kamen und
    d) wenn es zunächst Abgaben an das Heer waren, wie schlüsselte „man“ dann die Abstellung zur Waffen-SS auf!!


    Ein Beispiel kann man ja hier nachlesen
    http://forum-der-wehrmacht.de/thread.php?threadid=12786


    Vielleicht hat sich ja bereits jemand damit mal genauer beschäftigt? ;)


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Quote

    Original von RolandP
    Hallo zusammen,


    ich habe mal wieder eine sehr spezielle Frage :rolleyes:, wie ja durch die Literatur bekannt ist, gab es während des Krieges Überstellungen von Angehörigen der Luftwaffe zur Waffen-SS.


    Hallo Roland nur mal nebenbei nicht nur LW Angehörige waren betroffen. Die Überstellung von Soldaten größerer Zahl betraf alle Wehrmachtsteile, und war wohl das Ergebnis eines "Führerbefehls" vom 08.07.1944, hiernach wurden eine größere Zahl Unteroffiziere und Mannschaften aller Wehrmachsteile in den Befehlsbereich des Reichsführers SS Überführt.


    MfG Andreas


    Ich stell gleich mal was ein


    Edit: Dokument eingefügt


    [Blocked Image: http://img18.imageshack.us/img18/1535/p6090001.jpg]


    Ich vermute mit mit den bisher nicht feststellbaren Ausführungsbestimmungen sind die Aufgeführten Dokumente des OKL usw. gemeint. (Das ganze müsste Stand 1963 sein Absolon)

    Immer auf der Suche nach Daten, Bildern und Material über die 32. Infanterie Division, sowie über Straf,- und Bewährungseinheiten.

    Edited 5 times, last by 32. Infanterie Division ().

  • Hallo Roland,


    Ich kann leider Deine konkreten Fragen nicht beasntworten.


    Im Buch über das Außenlager des KL Ravensbrück in Barth wird davon gesprochen, daß Luftwaffen-Personal der Flakschule zu unterschiedlichen Zeiten für Bewachungszwecke abgegeben wurden.
    Ich vermute zwar, daß diese LW-Soldaten nicht in die SS überführt wurden, aber vielleicht ist es ja ein Anhaltspunkt für Dich.


    Quelle: Albrecht, Martin: Flugzeuge aus Barth. Heinkels "Müller-Werk" und das Außenlager des KZ Ravensbrück, Schwerin 2006


    Als Flakschule kommen lt. LdW in Barth folgende Einheiten in Frage:


    Luftgau-Flakartillerie-Schule XI


    Feld-Flakartillerie-Schule 11 (Mitte)


    Viele Grüße
    Steffen

    "Man besucht ja nur sich selber, wenn man zu den Toten geht" (Kurt Tucholsky)

  • Hallo Roland,
    ich kenne einen ehem.Luftwaffenveteranen der in einer Luftnachrichtenkompanie diente und dann als sogenannte Göringspende zur Waffen-SS sollte,meldete sich aber dann freiwillig zur HG-PzGrenDivision und kam nach Sizilien. Ausgebildet wurde er als Luftnachrichtensoldat in Nürnberg.
    mfg Eumex

  • Quote

    Original von 32. Infanterie DivisionDie Überstellung von Soldaten größerer Zahl betraf alle Wehrmachtsteile, und war wohl das Ergebnis eines "Führerbefehls" vom 08.07.1944, hiernach wurden eine größere Zahl Unteroffiziere und Mannschaften aller Wehrmachsteile in den Befehlsbereich des Reichsführers SS Überführt.



    .. der Führerbefehl bezieht sich auf die Aufstellung der Divisionen der 29. Welle und "Befehlsbereich des Reichsführer-SS" heißt diesbezgl.


    ".... alle Befugnisse in Fragen der Erziehung, nationalsozialistischen Führung, des Disziplinarstrafrechts und der Gerichtsbarkeit...."


    Gruss uwe


  • Hallo Uwe, ja da hast du wohl recht, dieses sinn dann beim Heer folgende Divisionen gewesen:


    Grenadier-Divisionen (Später VGD) 541-553, sowie 558, 559, 561, 562


    Ich nehme an dir liegt der Befehl nicht vor? Die anderen Wehrmachsteile fehlen dann noch...


    Allerdings, ob dieses überhaupt der Fragestellung von Roland enstspricht weiss ich jetzt gerade auch nicht- denn wenn ich Roland richtig verstehe meint er nicht die Überführung in einen Befehlsbereich oder eine Kommandierung sondern einen Personellen Wechsel von der Luftwaffe in die Waffen-SS ? Somit denke ich mal ist das von mir eingestellte Dokument dann wohl gar nicht relevant...(also am Thema vorbei :D)


    MfG Andreas

    Immer auf der Suche nach Daten, Bildern und Material über die 32. Infanterie Division, sowie über Straf,- und Bewährungseinheiten.

  • Hallo danke der Nachfrage, na ich dachte am dem "Führerbefehl" vom 08.07 1944 wo Absolon zum Verfassungszeitpunkt schreibt das dieser nicht vorliegt. Da du auf meinem Beitrag geschrieben hast :



    Hätte ich jetzt gedacht das dieser dir evt. vorliegt, denn ansonsten steht ja die Frage im Raum woher du weisst das dieser Befehl vom 08.07.1944 sich auf die Aufstellung der Divisionen der 29 Welle bezieht?


    MfG Andreas

    Immer auf der Suche nach Daten, Bildern und Material über die 32. Infanterie Division, sowie über Straf,- und Bewährungseinheiten.

    Edited once, last by 32. Infanterie Division ().

  • Hallo Andreas,


    da mir diverse Befehle und Weisungen Hitlers zum Juli 1944 vorliegen, kann ich mir ein Gesamtbild erstellen, auch wenn der Befehl vom 8.7.44 mir nicht vorliegt


    Absolon kann ja auch nicht selbst zitieren, seine Aussagen sind also genauso gut - oder schlecht - wie meine auch :)


    10.7.44: GenStdH/Org.Abt. - "Aufstellung von 15 Sperr-Divisionen (29.Welle)"
    15.7.44: Führerbefehl "Ich übertrage dem Reichsführer-SS..."
    17.7.44: Befehl des SS-FHA zur Unterstellung der Gren.Div. 29.Welle des Heeres unter RFSS
    18.7.44: Aktenvermerk über Besprechung beim RFSS (29.Welle)
    21.7.44: Befehl des SS-FHA und Ergänzung zum Befehl 15.7.44
    (diese liegen vor)


    vermutlich war der "Befehl" (wenn er denn einer war) vom 8.7.44 ohnehin ein Rahmenbefehl/-weisung, der dann erst durch die nachfolgenden befehlsgebenden Organe definiert und umgesetzt wurde.
    Die zeitliche Differenz spricht dafür.


    Aber ich lasse mich gerne verbessern ... durch den Befehl vom 8.7.44 selbst... ;(


    Uwe

  • Hallo Andreas, hallo zusammen,

    Quote

    ..... denn wenn ich Roland richtig verstehe meint er nicht die Überführung in einen Befehlsbereich oder eine Kommandierung sondern einen Personellen Wechsel von der Luftwaffe in die Waffen-SS ? Somit denke ich mal ist das von mir eingestellte Dokument dann wohl gar nicht relevant...(also am Thema vorbei :D)....


    Ich denke nicht, dass die Angaben am "Thema vorbei" gegangen sind, wie gesagt, mir liegen einfach keine der o. g. Befehle vor, anscheinend sind diese auch nicht "weit verbreitet", so sind für mich alle Angaben in dieser Richtung interessant ;):D


    Und wenn wir uns auch nur langsam "voran tasten", ist das auch kein Problem, irgendwann werden wir auch die "anderen" Befehle finden!! ;)


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo Andreas,
    vielen Dank für den Hinweis,


    ja, ich hatte das interessante Soldbuch bereits bemerkt, die Überstellung zur SS-Flak-Abt 17, als erfahrener Flak-Soldat, erfolgte im Oktober 1944, laut Hans Stöber, Flak der Waffen-SS, S. 291, lag die Abt. zu diesem Zeitpunkt im Raum Kaiserslautern!!


    Hinsichtlich der Zuführung von ehemaligen Lw-Angehörigen im Sommer 1944:


    Quote

    … Ein Unterführer gab an, daß er mit einem Ersatz-Transport mit ungefähr 2 000 Mann, die in der Nähe von Prag gesammelt worden waren, ab dem 20.August 1944 an die Westfront transportiert wurde. Die Ersatzmannschaften bestanden zum größten Teil aus Luftwaffen-Personal (die Masse davon von „GAF SL units“, „SL“ evtl. „search light „ – Scheinwerfer-Einheiten?), nur wenige SS-Männer wären dabei gewesen.


    Diese Angabe, so der britische Lt. J.W. Steward, 2.brit.Armee, der den Unterführer, der am 20.9.44 bei Hamont in britische Gefangenschaft geraten war, verhört hatte, bestätigt verschiedene Informationen verschiedener Gefangener von Flak-Einheiten, die in den letzten Tagen verhört worden waren, daß Ersatz für Feldeinheiten in einer großen Anzahl von bisher „unbeweglichen/statischen“ Flak-Einheiten und teilweise von „SL-units“ in Deutschland kam. Dieses Personal wurde normalerweise den Feld-Flak-Einheiten zugeteilt, aber kürzlich aber auch als Infanterie eingesetzt, besonders, wenn die Geschütze verloren gegangen oder zerstört worden waren. …


    Quote

    … Vier Gefangene des SS-PzGrenRgt 21 wurden am 4.und 5.November 1944 im Second-Army-Cage verhört. Dabei stellte sich heraus, daß alle vier ehemalige Angehörige der Luftwaffe („GAF SL personel“) waren, die zur Waffen-SS überstellt worden waren.
    Drei der Gefangenen wurden um den 9.7.44 zum Füs.Ers.Btl 230 Brandenburg versetzt, wo sie eine normale Infanterie-Ausbildung erhielten und zusätzliche Manöver („field exercises“) mitmachten. Mitte September 1944 wurden sie ohne irgendwelche Befragung nach Kienschlag in Böhmen (SS-Pz.Gren.-Schule, der Verf.) versetzt, wo ihnen gesagt wurde, daß sie nun der Waffen-SS angehören würden.
    Ende September 1944 wurden sie im Rahmen des sogenannten „Kampfmarschverbandes Böhmen“ in die Niederlande verlegt. Ohne Angaben zum Zielpunkt dieses Verbandes zu machen, gaben die drei Soldaten an, daß sie sich mit 30 weiteren Männern im rückwärtigen Frontraum bewegten, um einer Einheit zugeteilt zu werden – einmal hieß es einer Einheit der „Hohenstaufen“, dann einer Einheit der „Frundsberg“. Mitte Oktober 1944 wurden sie der 11.Kompanie im Rahmen des III.Bataillons des SS-PGR 21 zugeteilt.


    Der vierte Gefangene wurde am 5.7.1944 einem Wehrmachtssammellager in Hilden bei Düsseldorf zugeführt. Dort lagen um die 800 Luftwaffenangehörigen, die zu einer weiteren Verlegung gesammelt wurden. Am 25.7.44 wurde der Berichterstatter mit 140 weiteren Soldaten dem Gren.Ers.u.Ausb.Btl 464 in Eschweiler zugeführt, wo sie eine Infanterie-Ausbildung, hauptsächlich Nachtübungen, erhielten, die bis zum 11.8.44 dauerte. An diesem 11.8.44 wurden bei einem Appell Freiwillige für die Fallschirmjägertruppe gesucht. Nur acht der 140 Mann meldeten sich. Daraufhin wurde dem Rest gesagt, ihnen würde an Kampfgeist fehlen und daher der SS überstellt werden, um ihre Moral zu stärken. Am 12.8.1944 wurde die Kompanie zunächst zum SS-Pz.Gren.Ers.Btl 18 in Breslau zugeführt und bereits am 26.8.44 zum SS-SPW-Ausb.u.Ers.Btl. Kienschlag. Der Berichterstatter kannte die Bedeutung der Buchstaben „SPW“ nicht, die in seinem Soldbuch eingetragen war. Die dortige Ausbildung bestand in normaler Infanterie- und Waffen-Ausbildung mit wenigen Lektionen zur Geschichte der SS und ihrer Teilnahme an der Wiedererrichtung der europäischen Zivilisation.
    Ende September 1944 kam der Berichterstatter ebenfalls mit dem „Kampfmarschverband Böhmen“ in die Niederlande. An der Grenze zu den Niederlanden ausgeladen, sollte diese Marscheinheit mit etwa250 Mann zu einem nicht näher bekannten Sammellager marschieren, die Entfernung betrug um die 60 km. Fast die Hälfte der Gruppe fiel auf dem Marsch aus, bei der Ankunft waren sie nur noch etwa 120 Mann stark….“


    Das waren nun Auszüge von Überstellungen an die 10.SS-Division „Frundsberg“, und das war ja nur e i n e der Divisionen der Waffen-SS, die an der Westfront im Einsatz waren!! Diese Überstellungen scheinen aber im Zuge der oben von mir genannten

    Quote

    …Befehle des Generalstabs des Heeres, I/ 7425/44 g. (?) v. 13.7.1944 und I/ 8260 g (? 8269) vom 20.7.1944 (?)


    erfolgt zu sein? ?(


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo Roland und alle Anderen,


    Rüstungsminister Speer machte in einem Schreiben vom 15.12.1943 Himmler den Vorschlag, "an Feldmarschall Keitel heranzutreten und von ihm zu erwirken, daß er an Sie Wehrmachtsangehörige älterer Jahrgänge zur Bewachung der KZ-Häftlinge in Oberschlesien abgibt". (Perz, S.70)


    "Die genauen Abmachungen zw. SS und Luftwaffe sind nicht bekannt. Aus einen Jägerstabsbesprechung vom 27.3.1944 geht aber klar hervor, daß mehr als einen Monat vor der Entscheidung Hitlers zur Heranziehung von Heeresangehörigen bereits Soldaten der Luftwaffe als KZ-Wachmannschaften eingesetzt wurde." (Perz, S.72)


    Hier sind 270 Mann vom Luftgau Wien gemeint.


    Allerdings sind zu diesem Zeitpunkt die LW-Soldaten noch nicht in die SS eingegliedert worden.


    Durch den Einmarsch im März 1944 in Ungarn gelangten nun die ungarischen Juden ins Visier der SS und der Industrie. Im Mai 1944 wurde die Deportation von 200.000 jüdischen Arbeitskräften ins Reich beschlossen. Aus diesem Anlass wurde nun auf den Vorschlags Speer zurückgekommen um die Bewachung dieser Häftlingskontingente zu sichern.
    Hitler genehmigte am 9.5.1944 in einer Besprechung, daß "10.000 deutsche Soldaten, die von der Krim zurückgebracht wurden*, als Bewachungsmannschaften zur Verfügung zu stellen sind" (Niederschrift über Besprechung beim Führer vom 9.5.1944, BA R3/1509).


    * Es handelt sich hier um die Soldaten der 17. Armee, die bis zum 12.Mai von der Krim evakuiert wurden.


    Himmler ließ noch am gleichen Tag Keitel die Forderung zukommen, "daß ich diese 10.000 Mann unter mein Kommando bekomme" (Perz, S.75)


    Himmler bekam seinen Willen, musste sich aber einverstanden erklären nur bedingt kriegsverwendungsfähige (bkv) Männer über 40 Jahre zu nehmen.


    "Die Soldaten (inkl. Offizieren und Uffz.) sollten mit Handfeuerwaffen und Maschinengewehren sowie der notwendigen Ausrüstung in den folgenden 14 Tagen übernommen werden"
    (Schreiben RFSS vom 11.5.1944)


    Die Überstellung zog sich jedoch hin, ua.. deshalb weil sich die SS äußerst wählerisch zeigte und bis zu 30% der Soldaten ablehnte.


    Bis zum 5.6.1944 waren ca. 2000 Soldaten des Heeres und bis zum 6.6.1944 ca. 7500 Soldaten der LW, in die SS übernommen worden.


    In einem Bericht des Jägerstabes vom 13.7.1944 wird angegeben: "Wir haben im vergangenen Monat der SS nochmals 10.000 Mann aus dem Heer, die Luftwaffe hat 7600 gegeben. Wir hatten im Juni 1.600 gegeben, so daß insg. 20.000 bester Soldaten in die SS-Bewachungstruppe hineingeflossen sind" (BA MA RL 3/9)


    Im Laufe der folgenden Monat gab es weitere Überstellungen, erleichtert dadurch, dass Himmler Befehlshaber des Ersatzheeres und durch den Führerbefehl vom 2.8.1944 ermächtigt wurde "Soldaten und Beamte des Heeres, der Waffen-SS und der Polizei" auszutauschen.


    Eine genaue Ermittlung der Zahlen ist nicht möglich (Perz korrigiert berechtigterweise die Zahl 10.000 von Boberach erheblich nach oben), wenn man jedoch sieht, daß im Juli von 37647 männl. KZ-Bewachungssoldaten ca. 20.000 (ca. 52%) ehemalige Wehrmachtsangehörge waren, kann man ohne Übertreibung davon ausgehen: "daß sich in der Endphase der KZ die Wachmannschaften zum überwiegenden Teil aus ehemaligen Wehrmachtssoldaten zusammensetzte". (Perz, S. 80)


    Allerdings muss man an dieser Stelle erwähnen, daß die ehemaligen W-Soldaten das Schutzhaftlager nicht betreten durften und fast ausschließlich in der Außenbewachung eingesetzt wurden.


    Der Zeitpunkt der formellen Eingliederung in die SS variierte erheblich von Lager zu Lager. Während sie teilweise sofort bei der Übernahme vollzogen wurde, erfolgte sie in etlichen KL erst am 1.9.1944.
    Schwer wog für manchen Soldaten, daß sie neben dem schon geleisteten Soldaten-Eid nun auch noch der SS "Gehorsam bis in den Tod" schören mussten". (Boberach, S.186)


    Die von Keitel nach dem Krieg getätigte Erklärung, daß die Soldaten erst "Ordnungsgemäß aus dem Heeresdienst" ausschieden und bei der Waffen-SS eingestellt wurden, ist mehrfach und klar widerlegt. (Boberach, S.186)



    "Die Einkleidung in SS-Uniformen dürfte vielfach erst um die Jahreswende 1944/45 erfolgt sein, z.T. kam sie, vermutlich wegen der Kriegsbedingten Mangelsituation, gar nicht zustande" (Perz, S.81)

    Himmler wollte den Unterschied zw. "alten" SS-Soldaten und den ehem. Wehrmachtsangehörigen gewahrt wissen, u.a. durch ein neues Abzeichen (doppelarmiges Hakenkreuz) auf dem Kragenspiegel anstelle des Totenkopfes. Doch in der Praxis scheiterte dies, weil gleichzeitg mit der Einführung des neuens Abzeichens am 8.8.1944 Pohl vom SS-WVHA in seinem Schreiben an die KL-Kommandanten vom 8.8.1944 anordnete: "daß erst die alten Totenkopfspiegel aufgetragen werden sollten". (BA NS 19/1922)
    Diejenigen, die als Wachverbände übernommen, jedoch nicht in die SS aufgenommen worden sind, sollten einen Spiegel in schwarz mit aufgestickten "W" (Wachverbände) erhalten. (Boberach, S.188), anscheinend wurde dann aber wegen der augenscheinlichen "Deklassierung" darauf verzichtet.



    Ein Beispiel für einen LW-Angehörigen der zur SS kam, ist Hans-Friedrich Lenz, der als BK-Pfarrer 1940 zur Luftnachrichtentruppe einberufen wurde. Zuletzt war er als Kompaniefeldwebel auf dem Flugplatz Hagenow eingesetzt. Nach kurzem Aufenthalt in Jüterborg wurde er am 17.8.1944 wurde er zus. mit 47 Soldaten seiner Kompanie ins Außenlager Hersbruck (KL Flossenbürg) kommandiert und am 1.9.1944, im Range eines Oberscharführers, in die SS überführt. (Lenz, S. 66-75)



    Quellen:


    Boberach, Heinz: Die Überfühurng von Soldaten des Heeres und der Luftwaffe in die SS-Totenkopfverbände zur BEwachung von Konzentrationslagern 1944, In: MGM, Bd.2, 1983, S.185-190


    Perz, Bertrand: Wehrmacht und KZ-Bewachung, In: Mittelweg 36, Bd. 36, Heft 4, 1995, S.69-82.


    Lenz, Hans-Friedrich: Sagen Sie Herr Pfarrer, wie kommen Sie zur SS, Gießen 1982


    -------------------


    Entschuldigt, wenn ich hier etwas weiter ausgeholt haben und auch nicht 100% die Ausgangs-Fragestellung von Roland getroffen habe, aber ich denke es handelt sich um ein wichtiges Kapitel in der Wehrmachtsgeschichte.


    Viele Grüße
    Steffen

    "Man besucht ja nur sich selber, wenn man zu den Toten geht" (Kurt Tucholsky)

    Edited once, last by Papa ().

  • Hallo Uwe,


    ich kann den Link von Dir nicht "betreten".


    Viele Grüße
    Steffen

    "Man besucht ja nur sich selber, wenn man zu den Toten geht" (Kurt Tucholsky)

  • Hallo Uwe,


    ja über die Suche funktioniert es.
    Aber beim Link erscheint immer noch, daß der "Zugriff verweigert" wird.
    Komisch ?(


    Ich habe Deinen Beitrag dort gelesen und einen kleinen Fehler entdeckt.


    Du hattest geschrieben, daß lt. Schreiben vom 5.6.1944


    Quote

    Es wird also das doppelarmigen Hakenkreuzes als rechten Kragenspiegel für die Wachverbände und Angehörigen der KL-Verbände vorgeschlagen.


    Dies stimmt nicht so ganz.
    Lt. diesem, mir vorliegenden, Bericht vom 5.6.1944 heißt es:
    "Ich schlage deshalb vor, daß auch die übernommenen Heeresangehörgien den Totenkopfspiegel erhalten.."



    Das nächste wäre dann, der ja auch vor Dir angeführte, Befehl von Himmler vom 27.6.1944, in dem das doppelarmige Hakenkreuz angeordnet wird.



    Insofern ist mein obiger Beitrag evtl. doch ganz sinnvoll, weil er sich nicht in erster Linie auf die Uniformierung sondern, die Gesamtumstände bezieht.


    Viele Grüße
    Steffen

    "Man besucht ja nur sich selber, wenn man zu den Toten geht" (Kurt Tucholsky)

    Edited once, last by Papa ().

  • Hallo Steffen,


    so war es eben nicht:


    Himmler wollte den Unterschied zw. "alten" SS-Soldaten und den ehem. Wehrmachtsangehörigen gewahrt wissen, u.a. durch ein neues Abzeichen (doppelarmiges Hakenkreuz) auf dem Kragenspiegel anstelle des Totenkopfes. Doch in der Praxis scheiterte dies, weil gleichzeitg mit der Einführung des neuens Abzeichens am 8.8.1944 Pohl vom SS-WVHA in seinem Schreiben an die KL-Kommandanten vom 8.8.1944 anordnete: "daß erst die alten Totenkopfspiegel aufgetragen werden sollten". (BA NS 19/1922)


    siehe Befehl v. 27.6.44


    und das "Auftragen der Totenkopfspiegel" bezieht sich nur auf SS-Angehörige... (Befehl vom 8.8.44, Befehl liegt mir als Kopie vor)


    Uwe

  • Hallo Uwe,


    In der Tat ist meine oben zizierte Aussage nicht richtig.



    lt. mir vorliegenden Unterlagen:


    Sollten ursprünglich die Ex-Wehrmacht-Soldaten das gestickte "W" tragen und die SS-Soldaten ihre Totenkopfspiegel behalten.


    Das erregte Widerspruch, so daß


    Bericht vom 5.6.1944
    Vorschlag: ""Ich schlage deshalb vor, daß auch die übernommenen Heeresangehörgien den Totenkopfspiegel erhalten.."



    Dies wollte nun wieder Himmler nicht und so:


    Befehl vom 27.6.1944
    Anordnung:
    1. "Ich ordne an, daß die Wacheinheiten der KZ für Kriegsdauer nicht den Totenkopf, sondern einheitlich das doppelarmige Hakenkreuz auf dem Spiegel als Abzeichen tragen"
    2. Angehörige der SS tragen die Sigrunen auf der linken Seite ihres Uniformrockes


    ergänzend dazu dann der Befehl vom 8.8.1944, der verfügte, daß alle übernommenen Wehrmachtsoldaten und die KZ-Wachverbände den doppelarmigen-Hakenkreuz-Spiegel tragen sollen. Die SS-Angehörigen dazu die Siegrunen auf der linken Brustseite.
    Die alten Totenkopfspiegel sollten jedoch durch "SS-Angehörige der Kommandaturstäbe und Totenkopf-Sturmbanne" aufgetragen werden.


    Ich hoffe es jetzt richtig durchschaut zu haben.



    Der Fehler in Deinem Beitrag von "Uniformrockes" bleibt aber bestehen, weil in dem Bericht vom 5.6.1944 eben keine Rede vom doppelarmigen Hakenkreuz ist.


    Viele Grüße
    Steffen

    "Man besucht ja nur sich selber, wenn man zu den Toten geht" (Kurt Tucholsky)


  • Hallo Steffen, kein Fehler, da nicht im Zitat 5.6.44 eingebaut (  8) ) und ohnehin als Gedankensprung gedacht (dachte ich mir jedenfalls so....) , den Weg zw. den Befehlen aufzuzeigen ;)
    Uwe