Tätigkeit eines Melders im täglichen Dienst???

  • Hallo zusammen,


    zur Tätigkeit meines Großvaters im Krieg hätte ich einige grundsätzliche Fragen. Ein ehemaliger Kamerad (zwischenzeitlich leider verstorben) berichtete folgendes:


    "...war Kompaniemelder der 1. Kompanie des 735. I.R. der 715. I.D...."


    "...seine Aufgabe war, Verbindung zu halten zu Bataillon und Regiment..."


    "...war bei Übungen öfters mit einer Kabelrolle auf dem Rücken anzutreffen..."


    "...er wurde nach einige Wochen als Fernmelder zum Regiment verlegt..."


    "...es waren immer gefährliche Aufgabe, wenn die Leitungen zerschossen waren, mußten die Melder raus..."


    Ich bitte nun alle Spezialisten für das Fernmeldewesen im Forum um Hilfe!


    Wer kann mir nun anhand dieser "Schnipsel" erklären, was genau mein Großvater getan hat und was nicht?
    Welche Aufgaben hatten Melder?
    Was ist der Unterschied zwischen einem Kompanie-Melder und einem Regiment-Melder?
    Welche Geräte und tech. Hilfsmittel wurden benutzt?
    Warum war er als Melder nicht direkt der Nachrichten-Abteilung 715 zugeteilt?


    Danke!


    @Moderatoren: Falls die Anfrage in einem anderen Thread besser passt, bitte verschieben!

  • Hallo Historyfan81,



    Melder sind Teil der Führungsmittel aller Armeen wie Funk, Fernschreibverbindungen und Telefonleitungen.
    Melder werden in der Regel zwischen unterstellter Einheit und dem nächsthöheren Führer eingesetzt.
    Normalerweise werden Fernsprechverbindungen bevorzugt, da diese am schnellsten sind. Auserdem kann der Führer in persönlicher Ansprache auf seinen Gegenüber einwirken.
    Melder werden bei Ausfall der sonstigen Führungsmittel eingesetzt, oder wenn eine Meldung/Nachricht von besonderer Wichtigkeit ist, oder nicht auf anderem Weg übermittelt werden kann (Karten z. b.).
    Ein Teil der Kompaniemelder war auf dem Bataillonsgefechtsstand eingesetzt.
    Bataillon zu Regiment analog.
    Die Nachrichtenabteilungen waren für die Funk /Fernsprechverbindungen zuständig. Sie mußten Feldkabel verlegen, um die Kompanien mit den Bataillonen und den Regimentern zu verbinden. War eine der Kabelverbindungen zerstört mußte ein Störungssucher los und die defekte Stelle finden, d. h. Kabel in die hand und loslaufen auch unter feindlichem Beschuß.
    Ich hoffe das reicht als ganz kleine Einführung in die Führungsmittel zu den auch die Melder gehören.


    Gruß


    Reinhard

  • Hallo Historyfan81,


    ergänzend zu den obigen Informationen noch ein paar KStN von meiner Seite wo Du siehst wieviel Melder jeweils vorgesehen und organisiert waren.


    Regimentsstab http://www.wwiidaybyday.com/kstn/kstn101r1okt37.htm
    Bataillonsstab http://www.wwiidaybyday.com/kstn/kstn1111okt37.htm
    frühe Kompanie http://www.wwiidaybyday.com/kstn/kstn131b5okt37.htm
    späte Grenadierkompanie http://www.wwiidaybyday.com/kstn/kstn131v1nov44.htm


    /Christoph

  • stuffz:


    Danke für die Einführung!


    Eine kleine Nachfrage hätte ich noch:
    Er war ja NICHT in der Nachrichtenabtl., sondern beim Komp.-/Btl.- oder Reg.-Stab. Trotzdem war er ja bei einer Übung mit "Kabelrolle" unterwegs. Wofür ja Deiner Ausführung nach nur die Nachrichtenabtl. zuständig war.
    Bekam denn ein Melder so eine Art "Fernmelde-Allround-Kurs", wo er alles lernte, was er vielleicht mal brauchen könnte?


    ChristophA:


    Danke auch Dir für die interessanten Links!
    Warum hat das Btl. denn eine Nachrichtenstaffel mit Gerätewagen, während das Rgt. keines von beidem hat? Oder hab ich da was übersehen?

  • Hallo,


    @historyfan81,


    da er offiziell Melder war, müßte er eine entsprechende Ausbildung/Unterweisung gehabt haben,die dann auch
    im Wehrstammbuch eingetragen war.


    Gruß
    Jan


    von meinem Großonkel:

    Files

    suche alles über das Gebirgs-Jäger-Regiment 756

  • Hallo Historyfan81,


    zu deiner Frage,
    die Nachrichtenabteilungen haben in der Regel die Kabel zwischen Kompanie und Bataillon verlegt. Die Verbindungen innerhalb der Kompanie mußten selbst verlegt werden. Um diese Verbindungen schnell herstellen zu können, wurden auch die Melder zum Kabelverlegen eingesetzt. Der Ausbau (hochlegen der Kabel auf Bäume ect.) wurde anschließend vom Fernsprechpersonal durchgeführt.


    Gruß


    Reinhard

  • fezzo1:


    Leider habe ich von der WASt nur lückenhafte Informationen bekommen, da wohl Wehrpaß, Wehrstammbuch und Stammrolle NICHT dort lagern. Somit konnten sie bei ihrer Recherche nur auf "sonstiges Schriftgut der Wehrmacht" zurückgreifen...


    stuffz:


    Könnte man dann sagen, dass in den Nachrichtenabteilungen die "Profis" unterwegs waren (womöglich sogar Mitglieder der Fernmeldetruppe) und in den anderen Einheiten der Division (Komp., Btl., Reg.) dann mehr die "Hiwi´s" für die einfachen Aufgaben. Oder ist das falsch?


    Ich kann mir das ganze noch nicht ganz vorstellen. Dazu kenn ich mich zuwenig mit der Funktionsweise einer Armee aus. War zwar Wehrpflichtiger, aber nur in der Küche (bei der Pz.-Art.).

  • Hallo,
    @historyfan81


    Quote

    Original von historyfan81
    ... da wohl Wehrpaß, Wehrstammbuch und Stammrolle NICHT dort lagern.....


    eine eigenartiger Wortlaut,oder heißt es,daß die Unterlagen durch Kriegseinwirkung zerstört/ verloren sind ?


    Gruß
    Jan

    suche alles über das Gebirgs-Jäger-Regiment 756

  • fezzo1:


    Steht zwar so nicht ausdrücklich dabei, aber ich gehe davon aus, dass die Unterlagen wohl verloren gingen...


    Mein Großvater lag zuletzt (1945) in einem Lazarett bei Prag im Bereich der Heeresgruppe von GFM Schörner. Und da ging es ja drunter und drüber ("Endkampf"). Da ist wohl auf die Unterlagen nicht mehr so geachtet worden...

  • Hallo Historyfan,


    Einfach zwischen Hiwis und Profis kann mann nicht unterscheiden. Die Ausbildung der Fernmelder war gleich. Nur das Nachrichtenaufkommen und die Größe des Einsatzgebiets machen den Unterschied. Die Grundausstattung an Geräten wie Feldfernsprechern (FF) und Vermittlungen(kleiner Klappenschrank) war gleich, so daß ein Fernsprecher aus einer Kompanie auch im Nachrichtenzug des Regimentes eingesetzt werden konnte.


    Gruß


    Reinhard

  • Hallo,


    hier ein Bild, wo zwei Soldaten Fernmeldekabel verlegen


    Bild


    Die Kabeltrommel, die eigentlich auf dem Rücken getragen wird, ist nicht zu sehen.


    Gruß
    Raffael

  • Hallo Raffael,


    ich würde den Soldaten im Vordergrund als Störungssucher ansprechen.
    Erhat einen Feldfernsprecher umhängen und ein paar Ringe Feldkabel in der Hand.


    Gruß


    Reinhard

  • Raffael:


    In welcher Landschaft wurde das Bild aufgenommen? Könnte es Italien sein?


    Sind auf dem Bild Rechte drauf, oder könnte ich es runterladen und weiterverwenden?

  • Man sollte aber nicht dauernd Fernmeldesoldaten mit als Meldern eingesetzten bzw. befohlenen Soldaten vermischen.


    Die einen waren speziell ausgebildete Nachrichtensoldaten, die eben u. a. auch für die Aufrechterhaltung von Fernmeldeverbindungen mittels Kabelverlegung etc. zuständig waren.


    Die anderen, die Melder, waren den Stäben zugeordnete Soldaten, die gerade im Falle des Ausfalles der entsprechenden Fernmeldesysteme, neben den Aktivitäten der Nachrichtensoldaten diese wiederherzustellen, vorgesehen waren, Meldungen und Befehle pers. zu überbringen und Informationen für den Stab einzuholen. Diese Aufgaben wurde motorisiert oder zu Fuß erfüllt.


    Wie die Strukturornigramme von Christoph zeigen waren diese daher auch beim Stab direkt und nicht bei den entsprechenden Nachrichtenstaffeln der verschiedenen Einheitsebenen angesiedelt.

    Edited 2 times, last by Hoth ().

  • Hoth:


    Ja, so dachte ich mir das auch ungefähr. Genau darum stellte ich weiter oben oben auch eine Frage, die ich nun Dir stelle:


    "Er war ja NICHT in der Nachrichtenabtl., sondern beim Komp.-/Btl.- oder Reg.-Stab. Trotzdem war er ja bei einer Übung mit "Kabelrolle" unterwegs. Wofür ja Deiner Ausführung nach nur die Nachrichtenabtl. zuständig war.
    Bekam denn ein Melder so eine Art "Fernmelde-Allround-Kurs", wo er alles lernte, was er vielleicht mal brauchen könnte? "


    Danke!

  • Hallo,
    ein Melder war in erster Linie Melder, bei der BW wurde das zu meinen Zeiten auf einer Melderbahn geübt. Als normaler Infanterist habe ich aber auch eine Einweisung bekommen, wie man ein Fernmeldekabel verlegt. Bei der Wehrmacht dürfte das wohl ähnlich gewesen sein. Zusatzausbildung für den Fall der Fälle.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique


  • Wie Rainer schon schrieb war wohl durchaus möglich und vielleicht in Friedenszeiten auch in der WH, daß etatmäßige Melder mal mit einer Kabeltrommel in Berührung kamen. Ansonsten sind/waren Nachrichtensoldaten speziell ausgebildete Soldaten, Melder waren dagegen ganz "normale" Soldaten, die für einen anderen Zweck, wie schon genannt, eingeteilt und eingesetzt wurden und mit den nachrichten-und funktechn. Dingen und den Fernmeldeaktivitäten der Nachrichtentruppe nichts zu tun hatten.


    Im realen Kriegseinsatz bzw. im Gefecht konnte jedenfalls sozusagen praktisch jeder Soldat Melder "werden", also dazu befohlen werden. Gerade auch bei Ausfall der etatmäßigen Melder wurden sich z. B. vom Einheits-Kdr. einfach greifbare Soldaten unterstellt und als Melder eingesetzt um die Kommunikation zu den unterstellten Einheiten durch pers. Meldegänge dieses Soldaten aufrecht zu erhalten.


    Also nochmals ganz klar, ein Melder war nicht automatisch Nachrichtensoldat oder Angehöriger der Nachrichtenstaffeln der jeweiligen Einheiten und hat nichts mit dem Fernmeldesystem dieser Waffengattung zu tun, nur weil der Begriff Melden(r) darin vorkommt.


    Es ist also gut möglich, daß Dein Großvater zunächst als normaler Infanterist als Kp.-Melder eingeteilt war und später dann in die Nachrichtenstaffel des Reg. versetzt wurde, was die Kabeltrommel erklären würde. ;)

    Edited 3 times, last by Hoth ().

  • Hallo


    noch eine Ergänzung zur Begriffsbestimmung


    Fernmeldetruppe ist die Bezeichnung in der Bundeswehr
    Nachrichtentruppe die der Wehrmacht.
    Die einfachen Soldaten fürten bei der Nachrichtentruppe generell die Bezeichnung Funker



    General Fellgiebel Inspekteur der Nachrichtentruppe legte 2 Jahre vor Kriegsbeginn ein Schema fest, daß auch im Krieg weitgehend Gültigkeit behielt.
    ... Beim Heer bauen Armeenachrichtenformationen ein Netz ... bis mindestens zu den Korpshauptquartieren. Dort schließen Korpsnachrichtenabteilungen an und bauen ... bis zu den Divisionsstabsquartieren. Divisionsnachrichtenabteilungen schließen an das Korpsnetz an und bauen einzelne Stammleitungen oder auch Netze, je nach Lage für die Gefechts- und rückwärtigen Verbindungen der Division bis mindestens in die Höhe der Regimentsgefechtsstände. Dort schließen (im Gefecht) die Truppennachrichtenverbände an und bauen Drahtverbindungen vom Regiment über das Bataillon und die Kompanie bis zu den Vorgeschobenen Beobachtern.
    Aus: Wener Niehaus Die Nachrichtentruppe 1914 bis heute Motorbuchverlag
    1980.


    Gruß


    Reinhard

    Edited once, last by stuffz ().

  • Hallo,


    hier noch mal ein Beispiel aus Christoph´s Seite:


    aus MG-Komp. 1941:


    "Melder (zugl.Fernsprecher für 3 Satz kl.Fernsprechgerät..."


    http://www.wwiidaybyday.com/kstn/kstn151c1feb41.htm


    Mein Großonkel war in einer 12. (MG) Komp. Melder u. Fernsprecher,deshalb das Beispiel.


    Für das genannte kl.Fernsprechgerät muß schon eine Ausbildung/ein Lehrgang absolviert worden sein -siehe Eintrag im Wehrstammbuch- neben der üblichen Waffenausbildung.


    Im übrigen wird in allen mir vorliegenden KTB´s Beschwerde darüber geführt,daß die Sprechdisziplin beim Melden "strikt einzuhalten und die betr. Mannschaften auf Einhaltung " hinzuweisen sind.
    Daraus würde ich schließen,daß auch das "Melden" Regeln unterlag die man zumindest einmal lernen mußte.


    Von einer Beob.Battr. liegen mir Berichte vor,daß die Melder sich am Fernsprechgerät abwechselten. Wer nicht am Gerät saß mußte im Notfall los und die Leitungen flicken.
    (Beob-Battr.326,Juni 1941 vor Tobruk)


    Gruß
    Jan


    Gruß
    Jan

    suche alles über das Gebirgs-Jäger-Regiment 756