ist das eine Schießbrille / Schiessbrille ?

  • Hallo,


    mir ist aus einem Nachlass heraus die als Bild beigefügte Brille zugefallen. Opa sagte immer das sei eine Schießbrille oder eine Brille für Soldaten. Kann mich hier bitte jemand aufklären ?

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    • Brille.jpg

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    Edited once, last by Indexor ().

  • Hallo Indexor,
    willkommen im Forum.
    Bei einer Schießbrille wäre eine verstellbare Blende (Irisblende) für das zielende Auge vorhanden. Die aufklappbaren Gläser sind dunkel eingefärbt. Meines Erachtens handelt es sich hier um eine Schutzbrille für den Einsatz in der Wüste oder auf den Berggipfeln im Schnee.
    Ob es diese Brillen dienstlich gab, entzieht sich meiner Kenntnis.
    Gruß Andreas

  • Hallo Indexor !


    Quote

    Original von Remontenreiter
    Meines Erachtens handelt es sich hier um eine Schutzbrille für den Einsatz in der Wüste oder auf den Berggipfeln im Schnee.


    M.E. hat Andreas mit seiner Meinung völlig recht. Außerdem sprechen für eine Schutzbrille auch die Lederdreiecke an den beiden Bügeln. Sie schützen vor seitlich einfallendem Licht oder Staub.
    Sicher konnte man mit dieser Brille schießen, aber eine Zielhilfe war sie keinesfalls.


    Frdl. Gruß
    Dieter (W)

    Edited 4 times, last by DiWi ().

  • Hallo,


    sieht einer Dienstbrille mit angesetzten Tönungsscheiben und Blendschutz ähnlich, ist das Brillenglas geschliffen?



    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Guten Morgen,


    ja ich denke es ist geschliffenes Glas, denn es hat Dioptrin. Welcher Art von Dienstbrille könnte es denn sein .... Wehrmacht ?

  • Hallo,


    ich habe eine ähnliche Brille mit seitlichem Lederbesatz, ebenso verstärkt durch einen angenieteten Metallstreifen, allerdings nur als Sonnenbrille, ohne Dioptrien. Habe ich vor ca. 20 Jahren als Bergsteigerbrille gegen den die seitliche Sonneneinstrahlung beim Bergsteigen gekauft. Könnte also auch eine Bergsteigerbrille (Gebirgsjäger?) sein.
    Fakt ist, dass es eine Vielzahl verschiedener Brillenausführungen zu verschiedenen Zwecken bei der Wehrmacht gab.
    Allerdings hatten die von der Wehrmacht für die Gebirgsjäger dienstlich gelieferten Brillen meist einen (Alu-) Blechrand, welcher zu Lüftungszwecken ( schwitzen) seitlich gelocht war. Dies Brille war so geschaffen, dass man eine Sehbrille darunter tragen konnte. In dem Buch von Roland Kaltenegger:" Spezialverbände der Gebirgstruppe 1939 - 1945" kann man die verschiedensten Brillen und Brillenformen, ovale, runde, längliche Gläser und allem Anschein nach private Brillen sehen.


    Beispiele:
    Dienstbrille, Kfz.-Schutzbrille, Maskenbrille, auch Sonnenbrillen.
    Dazu gab es flache,lackierte Brillenbehälter mit entsprechender Aufschrift, z. B. Masken - Brille, meist aus Blech.


    Gruß Karl

  • Hallo Indexor,


    diese Art von Sonnenbrillen mit seitlichem Leder-oder Tuchbesatz wurden z.B. auch bei der Marine getragen.

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    Schönen Gruß
    Peter

  • Hallo in die Runde,

    Da ich hier neu bin möchte ich mich kurz vorstellen, ich bin ein Geschichtsinteressierter Sammler von Militaria mit dem scherpunkt auf Ausrüstungsgegenständen und komme aus dem Raum Berlin.


    Mich würde die Herkunft und Verwendung von dieser Brille auch sehr interessieren da ich solch ein Modell auch in meiner Sammlung habe. Was an meiner auffällig ist, ist das die getönten Glaser auf der Oberfläche deutliche Einschlüsse bzw. Beschädigungen haben, Wahrscheinlich vom Schweißen oder ähnlichem. Das Grundgestell dieser Brille ist der Dienstbrille sehr ähnlich nur ein Stück größer.

    Bis dato bin ich davon ausgegangen das es sich um eine Sonnenbrille der Luftwaffe handelt die im Anschuss als Schweißerbrille missbraucht wurde. Wenn da jemand von euch Licht ins dunkle bringen könnte würde mich das sehr freuen.

    Grüße M.D.

  • Hallo und Willkommen hier im Forum,


    das ist eine Schweißbrille. Zum Tragen als Sonnenbrille sind die Gläser einer Schweißbrille zu stark getönt, umgekehrt reduziert eine Sonnenbrille die Blendung beim Schweißen nicht ausreichend.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo,


    herzlichen Dank für deine Einschätzung, grundsätzlich würde ich deine Einschätzung teilen nur passt das leider nicht ganz.


    Es ist zwar auf den Bildern nicht gut zu erkennen aber man kann bei Tageslicht ganz „normal“ durchsehen. Also für eine Schweißerbrille zum Lichtbogenschweißen eigentlich nicht dunkel genug und die klaren Gläser sind mit einer Sehstärke versehen und nicht reines Glas.

    Sicherlich war man zu der Zeit schon sehr Detailverliebt aber hat man es wirklich so weit getrieben und eine Schweißerbrille mit angepasster Sehstärke hergestellt? Ausschlissen kann man das natürlich nicht. Aber so richtig überzeugt bin ich von der Theorie auch nicht.

    Zumal das Grundgestell Augenscheinlich Identisch mit der Wehrmacht Sonnenbrille bzw. Blendschutzbrille ist halt nur mit zusätzlich aufgesetzten Gläsern.

    Das ist glaube ich noch nicht des Rätzels Lösung.


    Grüße M.D.

  • Hallo zusammen,


    auf dem ersten Foto kann man relativ deutlich die Schweißspritzer

    erkennen.

    Und falls die Brillengläser nicht dunkel genug erscheinen: Für das

    Autogenschweißen waren Schutzgläser mit geringerer Schutzwirkung

    ausreichend.

    Sicherlich war man zu der Zeit schon sehr Detailverliebt aber hat man es wirklich so weit getrieben und eine Schweißerbrille mit angepasster Sehstärke hergestellt?

    . . . dass hat nichts mit "detailverliebt" zu tun, sondern war einfach eine Notwendigkeit;

    andernfalls hätte der Schweißer eben nicht schweißen können. (Warum hatte jeder

    Brillenträger eigentlich eine ABC-Schutzmaskenbrille ! Auch aus "Detailverliebtheit" ?)


    Gruß

    Rudolf (KINZINGER)


    P.S. Es ist auch nicht ganz auszuschließen, dass die Brille - entgegen ihrer

    eigentlichen Zweckbestimmung - z.B. nach dem Krieg als Schweißbrille verwandt

    wurde.

  • Moin im Thema,


    sobez. "Schießbrillen" sind mir aus dem Schießsport bekannt, diese werden z.B. von Pistolenschützen benutzt, aber nicht von allen Schützen.


    Kleiner Spaß am Rande, ihr erinnert die Figur "The Collector" aus Mad Max, dargestellt von dem Schauspieler Frank Thring,

    der in jeder Szene eine solche Schießbrille getragen hat, ein böser Scharfschütze... 8)


    Gruß


    Micha

  • Hallo dr.rudolf,


    das diese Brille offensichtlich als Schweißerbrille benutzt wurde steht doch außer Frage. Meine Frage ist doch im Kern, ist es eine Schweißerbrille oder eine Blendschutzbrille und von wem ist sie, wann Verwendet worden? Ich denke das wir uns da einig sind das das gute Stück aus den 30er oder 40er Jahren ist. Nun bleibt noch zu klären ist sie Ziviler oder militärischen Ursprungs, wenn Militärisch, von wem und wann?

    Es geht mir nicht darum hier Recht zu haben, ich möchte schlicht und ergreifend wissen was das für ein Ding ist und bin dabei in diesem Forum auf den Obenstehenden Beitrag gestoßen.


    Grüße


    M.D.

  • Nun bleibt noch zu klären ist sie Ziviler oder militärischen Ursprungs, wenn Militärisch, von wem und wann?

    Hallo M.D.,


    wenn nicht jemand ein gleichartiges "Beleg-Exemplar" auf einem Foto

    in seiner originären Verwendung hat, wird das alles Spekulation bleiben.


    Auffällig ist doch, dass es sich um Zwei-Stärken-Gläser handelt. Das ist/war

    erheblich teurer als Gläser mit einer Stärke. Wenn nicht ganz spezifische

    Sehfehler vorliegen, ist der Mensch im Wehrpflichtigen-Alter kurz- oder

    weitsichtig; beides läßt mit Ein-Stärkengläsern beheben.

    Darüber hinaus wurden beim Militär auch noch nach dem Krieg eher zwei

    Brillen (1 x nah, 1 x fern) aus Kostengründen verschrieben als eine Mehrstärken-

    Brille (später Gleitsichtbrille).


    Beim Träger der Brille muss es sich also vermutlich um einen älteren Menschen

    (>50) gehandelt haben. Er musste also sowohl in die Ferne, als auch in die

    Nähe gut sehen können und beides mit der Möglichkeit, "abzublenden",

    entweder vor dem Sonnenlicht oder einer Strahlung, die unmittelbar von

    der Arbeit (in der Nähe) herrührte.

    Die seitlichen Blenden weisen auf eine ungewöhnlich hohe Lichtintensität

    hin.


    Wenn es sich um eine Sonnen-/Blendschutzbrille handelte, könnte es sich

    m.E. lediglich um einen Träger gehandelt haben, der unter starker Lichteinstrahlung

    sowohl in die Ferne (Beobachtung) als auch in der Nähe (Kartenlesen) gleich

    gut sehen können musste (z.B. Kdr eines Gebirgsjäger-Regiments ?!?).


    Gruß

    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo dr.rudolf,


    in den anhängigen Links befinden sich Bilder von dieser Seite, wo augenscheinlich ähnliche Brillen zu sehen sind.


    Ihre Einlassungen bezüglich der Brillengläser sind nachvollziehbar. Daher kann man davonausgehen das diese Brille wahrscheinlich so nicht dienstlich geliefert wurde. Zumindest nicht an Untere Dienstgrade bzw. privat beschafft.

    Eine gewisse Ähnlichkeit ist aber schon vorhanden.


    http://www.wehrmacht-lexikon.d…persoenliche/brille1.php#

    http://www.wehrmacht-lexikon.d…persoenliche/brillen2.php


    Grüße


    M.D.

  • Guten Abend,


    mir sind aus meiner Sammlertätigkeit keine "Schießbrillen" bekannt, nicht einmal für Scharfschützen,

    mehr ist reine Spekulation...


    Sonnen-, und Staubschutzbrillen gab es vielfach, in der Regel aus privatem Besitz,

    das zeigen hunderte Fotos aus damaliger Zeit.

    Wer es sich leisten konnte, der hatte eine Sonnenbrille im Gepäck, das waren die wenigsten Soldaten.


    Ist ähnlich wie mit den Kameras, die kaum ein einfacher Soldat im Gepäck hatte, haben durfte.

    Ab Leutnant aufwärts wurde fotografiert, der kleine Landser hatte andere Sorgen, und schon gar nicht eine Kamera im Gepäck...


    Gruß


    Micha

  • Guten Morgen in die Runde,


    dass das keine Schießbrille ist, ist glaube ich Fakt.

    Fakt ist auch das ähnliche Modelle auf diversen Bildern zusehen sind.

    Daher würde ich mal davonausgehen das die Zeitliche Einordnung auch passt.


    Eine Schweißerbrille aus der Zeit könnte es sein, wobei ich das nicht glaube. Weil Schweißerbrillen selbst heutzutage mit Sehstärke zwar möglich sind aber ehr selten zum Einsatz kommen. Da Schweißerbrillen in der Regel damals wie heute so gefertigt wurden das sie im Zweifelsfall über der „normale“ Brille getragen werden können.

    Die Theorie von Herrn dr.rudolf das es sich um eine Schweißerbrille fürs Autogenschweißen handeln könne, teile ich nicht unbedingt, da die einfachen Schutzbrillen (Metallgehäuse mit eingesetzten Klarscheiben und Klappbaren getönten Scheiben (ihr wist was ich meine)) sich die letzten 100 Jahre kaum verändert haben.


    Das Grundgeste ähnelt der Dienstsonnenbrille sehr und ist im Vergleich zu den angesetzten Klappmechanismus auch deutlich besser verarbeitet.


    Darauf basierend würde ich mal eine These aufstellen wollen.

    Die Brille gehörte einem Wehrmachtsangehörigen mit Sehschwäche, Waffengattung unbekannt * mit einem Dienstgrat höher Leutnant

    und wurde privat beschafft bzw. umgearbeitet.

    *Luftwaffe, Gebirgsjäger, Marine, Heer (DAK)


    Geht ihr damit konform?


    Grüße


    M.D.

  • Hallo,


    der seitlich angebrachte gummierte Stoff/Gewebe zum Schutz gegen Sonneneinfall habe habe ich in ähnlicher, wenn nicht gleicher Herstellungsweise schon als Waffenschutz/Überzug von Wehrmachtsgerät gesehen.


    Gruß Karl