Grundlagen zur Suche

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    Sie suchen einen Verwandten? Sie wollen wissen, was dieser im Krieg gemacht hat?
    Für diese Fragen gibt es diverse Anlaufstellen, bei denen Sie sich informieren können:



    Viele fragen sich, was ihre Verwandten im Krieg gemacht haben.
    In diesem Artikel möchte ich aufzeigen, welche Möglichkeiten es gibt, um an Informationen zu kommen.
    Etwas über die Soldatenvergangenheit von Verwandten herauszufinden kann sehr interessant sein.


    Folgende gängigen Methoden beschreibe ich:
    Auskunftsstellen und Archive
    Feldpostnummern


    1. Auskunftsstellen und Archive


    Am aufschlussreichsten sind wohl Anfragen an Auskunftstellen oder Archive.


    Die im Folgenden genannten sind die Größten und sind für die ersten Anfragen zu empfehlen. Bekommt man hier keine Auskunft, werden im Schreiben oft die Stellen genannt, bei denen noch eine Anfrage lohnen würde.


    1.1 Die Deutsche Dienststelle (WASt)


    Eichborndamm 179, D-13403 Berlin
    Tel. +49 (030) 41904-0
    Fax. +49 (030) 41904-100


    Die Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht. (Ehemalige Wehrmachtsauskunftsstelle für Kriegerverluste und Kriegsgefangene; kurz WASt)


    http://www.d-d-wast.de/


    Bei der WASt bekommt man den militärischen Lebenslauf des Soldaten und weitere Informationen.. Für eine Anfrage benötigt man lediglich das Geburtsdatum und den Namen der betreffenden Person.


    Es wird Auskunft erteilt über Personen,


    - die im Krieg gefallen sind
    - die länger als 10 Jahre verstorben sind.


    Sollte die betreffende Person, über die man Auskunft erhalten möchte, noch am leben sein, so benötigt man im ersten Fall die schriftliche Einwilligung der Person, über die Auskunft erteilt werden soll.


    Wenn der betreffende Soldat verstorben ist, kriegen die direkten Nachkommen/Angehörigen (Ehefrau, Kinder, Enkelkinder, Urenkel) SOFORT Auskunft. Also keine 10 Jahre mehr warten....Das ist jetzt besser als vorher. Man muss nur glaubhaft machen, dass der Soldat schon verstorben ist.


    Schwieriger wird es bei der indirekten Linie, Neffen, Nichten, Großneffen, Cousins und so ... Da kriegt man in der Regel nicht mal Auskunft, wenn der Soldat schon über 10 Jahre tot ist, auch nicht, wenn er gefallen ist. Das ist der Nachteil an der Sache. Z. B. der Neffe eines Gefallenen benötigt auch eine Vollmacht. Und zwar irgendeine von der DIREKTEN Linie. Da würde auch ein Enkel reichen.


    Sollte der Soldat, nach dem angefragt wird, KEINE Ehefrau und Kinder gehabt haben, oder alle aus der direkten Linie sind schon verstorben, wird Auskunft erteilt. Auch an die indirekte Linie. Aber man muss präzise Angaben bezüglich des Familienstandes des Soldaten machen, und lügen sollte man auch nicht, denn wenn man dabei erwischt wird.... gibt es bestimmt Ärger.


    Folgendes fällt in den Aufgabenbereich der WASt:
    Erstattung von Kriegssterbefallanzeigen
    Bescheinigungen zu Todeserklärungsverfahren
    Klärung von Vermisstenschicksalen
    Erkennungsmarkenentschlüsselungen
    Feldpostnummernentschlüsselungen
    Nachweis von Kriegsgräbern
    Nachlassverwaltung
    Bescheinigungen über militärische Dienstzeiten
    Bescheinigungen zur Vorlage bei Versorgungsämtern (Kriegsopferversorgung)
    Nachweise über:
    Kriegsgefangenschaft
    Orden und Ehrenzeichen
    Staatsangehörigkeit


    Die Kosten belaufen sich auf:


    (Autor übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der hier genannten Preise!)


    - pro angefangener Antwortseite eine Gebühr von mindestens 8,- €,
    - Fotokopien 0,50 €
    - Die Kosten für die Erstellung eines militärischen Werdegangs betragen in der Regel ca. 20,- € pro überprüfte Person.


    Aus eigener Erfahrung kann ich empfehlen, auch spezielle Fragen nach z.B. Orden und Ehrenzeichenverleihungen, Verwundungen usw. zu stellen. So bekommt man noch mehr Informationen. Bei Auskünften schreibe ich oft folgenden Satz mit hinzu: Bitte senden sie mir so viele Informationen über die oben genannte Person zu, wie sie herausfinden können.


    So kommt es auch manchmal, dass Seiten aus Divisionsgeschichten, Unterlagen usw. Kopier werden. Die 50 Cent, die die WASt für Fotokopien berechnet, sind es wert.


    Der wohl einzigste Kritikpunkt (wenn Überhaupt) ist die lange Bearbeitungsdauer. Sie beläuft sich auf 6 bis 9 Monate.


    Ich empfehle die WASt als erste Anlaufstation.


    Beispiel einer WAST-Auskunft:



    1.2 Das Bundesarchiv


    Bundesarchiv
    Abteigarten 6
    52076 Aachen


    http://www.bundesarchiv.de



    1.2.1 Bundesarchiv/Abteilung Zentralnachweisstelle


    http://www.bundesarchiv.de/auf…bteilungen/zns/index.html


    Im Bundesarchiv/Abteilung Zentralnachweisstelle befinden sich 15 km Akten mit ca. 15 Millionen Nennungen.


    Die Zentralnachweisstelle gibt Auskunft aus den Personalunterlagen von


    - Angehörigen des deutschen Heeres
    - Angehörigen der deutschen Luftwaffe
    - Angehörigen der Waffen-SS
    - Angehörigen des Reichsarbeitsdienstes (RAD)
    - Angehörigen anderer Organisationen (z.B. Organisation Todt usw.)


    sowie Auskunft aus anderem von der Wehrmacht usw. überliefertem Material.


    Im Bestand des Bundesarchivs befinden sich v.a.


    · Wehrstammbücher, Personalkarteien, Truppen- und Kriegsstammrollen,
    · Personalakten von Soldaten, Wehrmachtrichtern und Wehrmachtbeamten,
    · Wehrmachtgerichtsakten,
    · Offizierkarteien aus dem Oberkommando des Heeres/Heerespersonalamt,
    · Personalveränderungen des Heerespersonalamtes,
    · Rang- und Quartierlisten sowie Dienstalterslisten und Stellenbesetzungen der alten Armee, des Reichsheeres und des Heeres,
    · Kriegsstellenbesetzungen des Heeres 1939-1945,
    · Offizierkarteien, Personalveränderungen, Dienstalterslisten und Stellenbesetzungen der Luftwaffe aus dem Reichsluftfahrtministerium/Luftwaffenpersonalamt,
    · Verleihungsunterlagen zu Orden und Ehrenzeichen,
    · Personalunterlagen der Luftwaffe,
    · Personalunterlagen der Waffen-SS,
    · Personalunterlagen des Reichsarbeitsdienstes,
    · Personelles Schriftgut über Angehörige der Organisation Todt.


    Auskunft wird in der Regel nur erteilt, wenn Name, Geburtsdatum, und –Ort, letzter Dienstgrad sowie letzter Truppenteil bekannt sind. Aus persönlicher Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass es nicht unbedingt notwendig ist, den letzten Dienstgrad sowie Truppenteil zu kennen. Mir wurden auch ohne diese Informationen Auskunft erteilt.


    Wie auch bei der WASt muss die Person, über die Auskunft erteilt werden soll


    - im Krieg gefallen sein
    - länger als 10 Jahre verstorben sein
    - oder persönlich einwilligen, dass Auskunft erteilt werden darf.


    Sollte die betreffende Person noch nicht länger als 10 Jahre verstorben sein, so ist eine Einwilligung des Rechtsnachfolgers bzw. Der Rechtsnachfolgerin von Nöten, um Auskunft erteilt zu bekommen.


    Solch eine Auskunft kostet auch, wie bei der WASt, Geld. Man sollte mit ca. 20 Euro pro Auskunft über eine Person rechen.


    Im Antrag, den man stellen muss, um Auskunft zu bekommen, ist es ratsam zu schreiben:


    „Ich bin mit einer Gebühr von ... Euro einverstanden.“ Dann können sie einen gewissen Eurobetrag einsetzen und werden dann nicht von zu hohen Kosten überrascht.


    Eine Anfrage beim Bundesarchiv empfehle ich nach einer Anfrage bei der WASt, wenn noch Klärungsbedarf besteht.




    1.2.2 Bundesarchiv/Abteilung R (Abteilung Deutsches Reich)


    http://www.bundesarchiv.de/auf…eilungen/reich/index.html

    Bei der Abteilung R könnte man auch Erfolg haben. Eine Anfrage dort empfehle ich aber nur „als letztes Mittel“, nachdem man bei der WASt sowie beim Bundesarchiv/Abteilung Zentralnachweisstelle angefragt hat.



    1.2.3 Bundesarchiv/Abteilung MA (Abteilung Militärarchiv)


    http://www.bundesarchiv.de/auf…abteilungen/ma/index.html


    Im Bestand des Bundesarchivs/Abteilung MA( Freiburg) befindet sich Archivgut


    - der Preußischen Armee ab 1867,
    - der Streitkräfte des Norddeutschen Bundes,
    - der Kaiserlichen Marine,
    - der Schutztruppen und der Freikorps,
    - der Reichswehr, Wehrmacht, Waffen-SS,
    - den deutschen Arbeitseinheiten im Dienst der Alliierten,
    - der Nationalen Volksarmee einschließlich der Grenztruppen sowie
    - der Bundeswehr.


    Bei der Abteilung MA finden sich nicht allzu viele Akten usw. aus der Zeit bis 1945. Diese sind durch Kriegseinwirkung etc. verlorengegangen. Lediglich viele Kriegstagebücher der Kommandobehörden des Heeres und der Divisionsstäbe bis 1943 sowie das Archivgut der Marine haben den Krieg überstanden. So empfiehlt sich die Abteilung MA geradezu für die, die Informationen über Marineangehörige herausfinden wollen.



    Quellenangaben:


    1.1 WASt:
    http://www.com-de.pair.com/wast/index.htm



    1.2 Bundesarchiv:
    http://www.bundesarchiv.de


    1.2.1 Bundesarchiv/Abteilung Zentralnachweisstelle:
    http://www.bundesarchiv.de/auf…bteilungen/zns/index.html


    1.2.2 Bundesarchiv/Abteilung R (Abteilung Deutsches Reich)
    http://www.bundesarchiv.de/auf…eilungen/reich/index.html


    1.2.3 Bundesarchiv/Abteilung MA (Abteilung Militärarchiv)
    http://www.bundesarchiv.de/auf…abteilungen/ma/index.html



    Hier noch ein paar weitere Anlaufstellen:


    Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
    Bundesgeschäftsstelle
    Werner-Hilpert-Straße 2
    D 34112 Kassel
    Telefon: 0180 / 570 09-99 (0,12 € / min)
    Spendenhotline: 0180 / 570 09-01 (0,12 € / min)
    Telefax: 05 61 / 70 09-270
    www.volksbund.de
    E-Mail: info@volksbund.de


    Der Volksbund betreut die Soldatengräber deutscher Soldaten auf der ganzen Welt. Über ihn können Angehörige erfahren, ob und wo die gesuchte Person beerdigt ist.



    Deutsches Rotes Kreuz Suchdienst München
    Chiemgaustr. 109
    D-81549 München
    Tel.: 089 - 68 07 73 - 0
    Fax: 089 - 68 07 45 92
    http://www.drk-suchdienst.org
    info@drk-suchdienst.org


    Über den DRK-Suchdienst können Suchanfragen nach vermißten Soldaten gestellt werden. Noch heute werden immer wieder Soldatenschicksale geklärt.

  • 1.5 Kirchlicher Suchdienst/ Heimatortskartei (HOK)

    Lediglich interessant, wenn die gesuchte Person aus den ehem. Ostgebieten, dem Balkan oder dem Baltikum stammte (vgl. Karte).


    Anfragen sind online über eine Suchmaske möglich, und werden i.d.R. binnen einer Woche per Post beantwortet.


    Der Kirchliche Suchdienst befasst sich (hinsichtlich der Relevenz für dieses Forum) mit Fragen zur Familien- und Ahnenforschung (inkl. der Vermisstensuche).
    Desweiteren unterhät der Suchdienst ein Archiv an Feld- und Kriegsgefangenenpost des WWII, die nicht mehr zugestellt werden konnte.


    Gebühren belaufen sich offiziell auf ca. 16€/ halbe Std. Bearbeitungszeit.

    Quelle: HOK



    edit 14.11.2015: Der kirchliche Suchdienst hat mit Wirkung 30.09.2015 seine Arbeit eingestellt.
    UHolthausen

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    Schönen Gruß,
    Bernd

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  • Update:
    Das Bundesarchiv ZNS gibt es in der Form seit 2005 nicht mehr. Die Zuständigkeiten für die Ausstellung von Dienstnachweisen oder anderen Bescheinigungen aus der Zeit von 1920 bis 1945 haben sich dadurch verändert.


    Für Bescheinigungen zu ehemals Angehörigen des Heeres, der Reichs- und Kriegsmarine, der Luftwaffe, der Waffen-SS, Beamte, zu Angestellten und Arbeitern der Wehrmacht, zu Angehörige des gesamten männlichen und weiblichen Wehrmachtgefolges, der Organisation Todt und des Reichsarbeitsdienstes sowie bei Nachweisen über Kriegsgefangenschaft und zur Klärung von Vermisstenschicksalen wenden Sie sich bitte an:


    Deutsche Dienststelle (WASt)



    Für Auskünfte aus den Personalakten der Offiziere und Beamten der Wehrmacht wenden Sie sich bitte an:


    Bundesarchiv-Militärarchiv



    Unterlagen über wehrmachtgerichtliche Verfahren sowie die Verleihung von Orden und Ehrenzeichen liegen, soweit erhalten, gleichfalls im Bundesarchiv-Militärarchiv vor.


    Für Bescheinigungen zu Dienstzeiten aus dem Bereich der Polizei sollte zunächst bei den Nachfolgebehörden der früheren Polizei(heimat)dienststellen angefragt werden, sofern diese ihren Sitz im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland haben. Hat eine solche Anfrage keinen Erfolg oder lag die Polizei(heimat)dienststelle außerhalb der Grenzen der Bundesrepublik Deutschland vom 3.Oktober 1990, sollte eine Anfrage an das Bundesarchiv gerichtet gerichtet werden.


    Bundesarchiv
    Postfach 450 569
    12175 Berlin
    Email: berlin@bundesarchiv.de


    Falls es erforderlich ist, beteiligen die Deutsche Dienststelle (WASt) und das Bundesarchiv andere Stellen, die über weitere Unterlagen verfügen.


    Quelle: http://www.bundesarchiv.de/bes…terlagen/00125/index.html




    1.2.4 Bundesarchiv -Außenstelle Ludwigsburg-


    Die Außenstelle Ludwigsburg arbeitet eng mit der "Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltung" Ludwigsburg zusammen.
    Anfragen an die "Zentrale Stelle" werden an das Bundesarchiv weitergeleitet.


    Aufgabe ist die Aufklärung und Archivierung nationalsozialistischere Verbrechen, also Taten die im Zusammenhang mit den Kriegsereignissen, jedoch außerhalb der eigentlichen Kriegshandlungen, gegenüber der Zivilbevölkerung begangen worden waren, daneben insbesondere auch für Taten in Konzentrationslagern.


    Die Zentrale Stelle hat bislang über 113.419 Überprüfungs- und Rechtshilfevorgänge sowie Auskünfte bearbeitet. Die Zentralkartei enthält ca. 1,68 Mio. Karteikarten, gegliedert in Personen, Tatorte und Einheiten, die gesonderte Dokumentensammlung mehr als 558.300 Kopien, deren Auffinden mit Hilfe von rd. 163.000 Karteikarten (auf denen auch der Verbleib der Originaldokumente festgehalten ist) erfolgt.
    Eine Antwort erfolgt nach wenigen Wochen.


    Quelle: http://www.zentrale-stelle.de/
    Quelle: http://www.bundesarchiv.de/auf…te/ludwigsburg/index.html

    Schönen Gruß,
    Bernd

  • Hallo zusammen in das Forum !


    Da sich ja doch die Fälle im Wehrmachts-Forum mehren, dass nach Polizisten gesucht wird, will ich hier einmal ein paar Tipps / Anlaufstellen für Suchende einstellen.


    Grund für die Aktion hier ist, dass die WASt normalerweise sehr wenig hat, es sei denn dass eine Erkennungsmarke ausgegeben wurde.


    Ich verwende den Ausdruck Polizei-Beamte, für Angehoerige der Gendarmerie gilt aber natürlich sinngemäß das Gleiche !


    Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann ich natürlich nicht erheben. Sollte jemand noch weitergehende Informationen haben, kann man ja gerne ergänzen.




    Zuallererst muss man wissen, wo die gesuchte Person vor Kriegsbeginn gelebt hat.


    1. Die erste Anlaufstelle ist dann einmal auch hier die WASt, siehe hierzu den entsprechenden grundlegenden Thread. Dort sind die grundlegenden militärischen Lebensläufe festgehalten. Die WASt ist aber, da es sich um Polizei-Beamte oder Polizei-Reservisten handelt und nicht um Soldaten, schwach in Bezug auf Details.


    2. Sollte die entsprechende Person im Kriege gefallen / vermisst worden sein, führt der Weg zum VDK. Der entsprechende Thread ist auch hier zu finden.


    3. Nie schlecht ist in diesem Zusammenhang ein Blick in die Spruchkammerakte der Entnazifizierung. Diese müsste sich - zumindest in den alten Bundesländern, in dem Staatsarchiv befinden, das fuer den Wohnsitz zur Zeit der Entnazifizierung zuständig war.



    Da es sich aber um Polizeibeamte und keine Soldaten handelt, wird die Sache leider dann insgesamt schwierig, wenn man weitergehende Informationen sucht.


    4. zuerst sollte man bestenfalls wissen, ob und wenn ja wann und wo die Person vor dem Krieg aktiver Polizeibeamter war.


    4.1 war er bereits im 1. Weltkrieg Soldat, lohnt sich eine Anfrage im Militaerarchiv vorab. In Bayern sind die allermeisten Akten der "Alten Armee" noch im Kriegsarchiv (Teil des Hauptstaatsarchives) vorhanden.


    4.2 war er das nicht, lohnt sich eine Anfrage - wenn das denn möglich ist (nicht in den nach dem Kriege verlorenen Gebieten) bei der damaligen Polizeibehörde, ob die noch Personal-Unterlagen haben. Wenn nicht, sollten die dann angeben, ob und wenn ja an welches Archiv diese abgegeben wurden.


    Einige oder viele Personalunterlagen sind z.B.


    - in Bayern in den verschiedenen Staatsarchiven
    - in Baden-Württemberg im Hauptstaatsarchiv in Ludwigsburg
    - in Nordrhein-Westfalen in der "Villa ten Hompel".
    - für die ehemalige DDR bei der Stasi-Unterlagen-Behörde (wg. Ermittlungen gegen die Ordnungspolizei nach dem Kriege)


    Noch komplizierter wird es bei den nach Kriegsbeginn eingezogenen Maennern der Polizei-Reserve und den Angehörigen der Bataillone mit den Nummern 250ff und 300ff


    5.1. bei den Angehörigen der Jahrgänge 1910 - 1920, die bei Kriegsbeginn eingezogen wurden, muss man nochmals unterscheiden in


    - Angehörige der SS-Polizei-Division, bei denen vermutlich die WASt das Meiste hergibt, da eine reine Fronteinheit


    - Angehörige der Bataillone 250ff und 300ff, bei denen wiederrum grundsätzlich das unter 4.1 und 4.2 gilt. Da diese Leute aber keine Reservisten, sondern "aktive Männer" waren, konnten sie nach Kriegsende ohne große Probleme bei der Polizei bleiben, was offenbar viele gemacht haben, siehe unten


    5.2 Bei Kriegbeginn eingezogene Reservisten der Polizei und Gendarmerie


    Hierunter fallen Leute der Jahrgaenge von ca. 1886 - 1909. Leider gilt für sie das Gleiche wie unter 4.1 und 4.2, eine zentrale Erfassung der Leute ist MIR nicht bekannt, die Gendarmerie war auf Regierungsbezirks-Ebene, die Schutzpolizei in den Städten organisiert. Es sind Leute auch ausgetauscht und umgesetzt worden, so dass es hier, wenn man keine Anhaltspunkte hat, bei welcher Polizei-Verwaltung die Leute waren, es schwer ist, Unterlagen zu finden.



    Ein paar Möglichkeiten gibt es aber noch:


    6.1. hat die Person den Krieg überlebt und die Renten-Unterlagen sind noch vorhanden, findet man i.d.R. eine Rentenbescheinigung der Polizei für die Kriegszeit, besonders für die Reservisten interessant. Es haben sich eigentlich alle, deren Akten mir bekannt sind, eine Rentenbescheinigung für die Kriegszeit ausstellen lassen - ist ja logisch. Hier kann man evtl. einmal versuchen, auch noch bei der Polizei oder Rententräger nachzufragen, die Unterlagen werden ja auch nach dem Tod des Versorgungs- oder Rentenempfängers eine Zeit lang aufbewahrt.


    Im Idealfall war der Mann nach dem Krieg weiter bei der Polizei, dann weiß man, bei welcher Behörde nachgefragt werden kann.


    6.2 hat die Person den Krieg nicht überlebt lohnt sich mal, nachzuschauen, ob es bei der Kriegerwitwen- oder -waisen-Versorgung Unterlagen gibt, aus denen die Behörde hervorgeht.



    Einen lieben Gruß an Alle



    Marcus

    Suche ALLES zu Polizei-Bataillonen aus dem Wehrkreis VII und dem Einsatz in Slowenien sowie zur PV. Litzmannstadt
    "Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)

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  • Hallo zusammen,


    ich will hier in diesem Zusammenhang noch ein wenig auf die Bestände des Bundesarchivs Ludwigsburg eingehen.


    Dieses verwahrt die Akten der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen für NS-Verbrechen (die ihren Sitz immer noch im gleichen Gebäude hat).


    Recherchen dort sind möglich nach


    - Einheiten, die in Kriegsverbrechen verwickelt waren und gegen die ermittelt wurde
    - Tatorte
    - Personen, gegen die ermittelt wurde
    - Personen, die in Ermittlungsverfahren genannt werden, weil sie in einer Einheit waren oder als Zeugen benannt wurden.


    Wegen der Personen ist grundsätzlich wichtig, die Arbeitsweise der Justiz zu verstehen.


    In den Vernehmungen von Beschuldigten / Verdächtigen / Zeugen wurde grundsätzlich auch immer gefragt, wer noch in der Einheit / Dienststelle des Vernommenen war. Dies konnte ja im Verlaufe der weiteren Ermittlungen noch relevant werden.
    An Massenverbrechen hat ja selten nur einer teilgenommen und die genauen Beteiligten hätten über weitere Vernehmungen noch ermittelt werden können.
    Deshalb wurde offenbar für jeden Genannten eine Karteikarte mit allen ausgemittelten Erkenntnissen angelegt. Ebenso wurde, soweit möglich, der aktuelle Wohnsitz ermittelt oder ob die Person für tot oder vermisst erklärt wurde.


    Wer also nach Personen sucht, die Angehörige von Einheiten gewesen sind, die möglicherweise in Massenverbrechen verstrickt waren, sollte unbedingt - auch wenn er den Krieg nicht überlebt hat, in Ludwigsburg nachfragen.


    Die Antwort, ob etwas vorhanden ist, kommt eigentlich innerhalb weniger Tage, da ja "nur" die Karteikarte herausgesucht werden muss.



    Gruß aus München


    Marcus

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