Umstrittene Straßennamen

  • Hallo Forum,
    vielerorts finden ja immer noch langwierige Diskussionen statt, bzw. werden Anträge bei den Kommunen gestellt, dass gewisse Straßennamen umbenannt werden sollten. Es handelt sich hierbei um Straßenbezeichnungen, die bei etlichen Bürgern nationalsozialistische, oder rassistische Erinnerungen hervor rufen.
    Z. B. Carl-Peters-Straße, Schlieffenpark, Quandt-Straße, Lettow-Vorbeck-Str.,Elkartallee,Treitschkestraße usw.


    Kennt Ihr auch solche Debatten aus Euren Gemeinden?
    Wie wurde in Euren Ortschaften solche Anträge/Eingaben gehandhabt?
    Wie sind sie ausgegangen?


    Jane

    Edited once, last by Caprinus ().

  • Hallo Jane,


    unglücklich bin ich über Deine Wortwahl nationalsozialistisch & rassistische Erinnerungen.
    Die Verbindung mit dem "3. Reich" und der Kolonialzeit des Deutschen Kaiserreichs ist wohl mehr als an den Haaren herbeigezogen. :rolleyes:
    Dr. Carl Peters, Lettow-Vorbeck, Lüderitz usw. sind m.E. falsch ausgewählte Namensgeber.
    Ein Diskussion über die Umbenennungen von Kasernen, mit Namensgeber der Wehrmacht, gab es schon des öfteren.
    In Berlin-T'hof gibt es z.B. Udetzeile, Boelckestraße, Manfred v. Richthofenstraße, Werner-Voß-Damm uvm.
    Hingegen war die tw. Umbenennung der Kochstraße (von den Grünen im Rathaus Kreuzberg gewollt) in "Rudi Dutschke-Straße" ein brisantes Thema!!


    Gruß, Uwe


    Edit: Fehler

    Edited once, last by Gesperrt ().

  • Hallo Uwe,


    sei nicht unglücklich über MEINE Wortwahl...
    denn ich habe lediglich die harmlosesten Ausdrücke für das Empfinden vieler Bürger zu diesem Thema wieder gegeben.


    Du solltest mal mit *rassistische Straßennamen* googlen, kannst aber auch andere bezeichnende Ausdrücke für diese, unsere Zeit - mit der wir uns hier beschäftigen, davor setzten. Du wirst überrascht sein, wie viele Zeitungen bundesweit darüber berichten, auch aktuell
    Die Sprache der Berichterstattung ist fast immer sehr barsch und gibt hier sicherlich nur die Wahrnehmung der Bürger wieder.


    Grüße vom Meer
    Jane


    Edit und PS. Nachtrag und Beispiel zu Lettow-Vorbeck-Allee in Hannover


    http://www.spd-hannover-west.de/index2.htm?http://209.85.129.132/search?q…l=de&client=firefox-a</a>

    Edited 3 times, last by Caprinus ().

  • Hallo Jane,


    das spielt mir doch zu sehr in die aktuelle "Tagespolitik" hinein.
    Denn die meisten dieser "Bürger" sowie "Bürgerinitiativen", die sich für Umbenennungen stark machen, gehören dem linken Spektrum an, und haben sich doch von der Geschichte der Deutschen schon lange "verabschiedet"!
    Menschen ohne Nationalgefühl, die ALLES aber auch ALLES der "Selbstkasteiung" ihres vermeintlichen Geschichtsverständnis unterwerfen, keine Unterschiede machen bzw. differenzieren können, sind mir mehr als suspekt.

    Habe noch nicht davon gehört, dass z.B. die vielen Karl-Marx-Straßen resp. Plätze in Berlin, je Thema einer Umbenennung waren!

    Gruß, Uwe

  • Quote

    Original von Alt-Stralauer
    das spielt mir doch zu sehr in die aktuelle "Tagespolitik" hinein.


    Mein Kopf sagt, ja es ist Tagespolitik, doch mein Bauch sagt etwas anderes...
    Für mich ist dabei nicht politische Richtung entscheidend, aus der die Einwände gegen die Bezeichnung der alten Straßennamen kommen, sondern die Frage ob und wie sich die Verantwortlichen zur Geschichte stellen - und wie sie schlussendlich so ein Bürgerbegehren handhaben.


    Wir Mitglieder beschäftigen uns hier im Forum beinahe tagtäglich mit unserer Geschichte. Ist es für Euch nicht interessant über den geschichtsbewussten Tellerrand hinaus zu schauen, um zu wissen, wie Herr und Frau Jedermann in seiner Straße mit UNSERER Vergangenheit umgeht?


    Vielleicht sollten WIR in unserem Kreis (Familie, Arbeit und Bekannte) ruhig öfters mal über unsere gemeinsame Geschichte laut nachdenken...
    Denn nicht nur wir Menschen brauchen Namen, sondern auch unsere Straßen, damit wir uns orientieren können.
    Wenn wir uns an dieser Stelle nur über Gutmensch-Straßennamen, oder chronologisch-zeitgeschichtliche Trends definieren, wird sich bald vielleicht auch Onkel Adolf und Opa Heinrich umbenennen lassen (müssen)


    Was meint Ihr?
    Seid Gegrüßt
    dieJANE


    [URL=http://www.aller-zeitung.de/newsroom/politik/zentral/politik/niedersachsen/art668,540758]Umstrittene Straßennamen[/URL]

  • Hallo,
    mit dem Umbenennen kan man es treiben wie man will.
    Was BW-Kasernen angeht, so war die Namenswahl nicht immer sehr glücklich. Aber man muss auch die Zeit betrachten, in der diese Namen vergeben wurden. Damals war es etwas anders als heute. Da stand auch bei Amtseinführungen beim Lebenslauf sinngemâss in der Zeitung: er diente als Offizier in der Wehrmacht da und da und da. Das war normal. Und ein Herr Mende trug sein Ritterkreuz.
    In Janes Link "Umstriottene Strassennamen" steht etwas, was wieder einmal tolle geschichtskenntnisse beweist, Zitat:
    Bereits vor zwei Jahren scheiterte die Grüne Stadtratsfraktion mit ihrem Antrag, die Lüneburger Schlieffen-Kaserne und den Schlieffenpark, benannt nach dem General aus dem Ersten Weltkrieg, umzubenennen.
    Der gute Schlieffen hat das Scheitern seines verwässerten Planes nicht mehr erlebt. Und in allen Armeen gibt es Pläne für Allesmögliche.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Ich moechte mal meine persönliche unmassgebliche Meinung zu dem Thema äussern in Bezug auf Namen von Kasernen,Schiffen,etc.


    Die Bundeswehr hat jede Identifikation mit der Wehrmacht etc. von Anfang an kastriert.Sei es bei der Uniformwahl etc.
    es wurde unserer Bundeswehr jegliche Identifizierungsmoeglichkeit genommen die eine Armee nunmal benoetigt.


    Selbst de Kommunistisch/Sozialistische NVA hat ihren Jungs die Wehrmachtsuniform angezogen.


    Es ist traurig das es in der Bundeswehr nicht möglich ist Kasernen Schiffe etc. nach,nennen wir es mal Kriegshelden zu benennen ohne das es riesen Theater gibt.
    Eine Armee sollte sich mit den erbrachten Leistungen von Soldaten identifizieren koennen.
    Man muss dabei davon absehen das die Leistungen der Soldaten in der Zeit des Nazi Regimes erbracht wurden.
    Nicht jeder Kriegsheld oder Veteran ist auch ein Kriegsverbrecher gewesen.
    Ja besonders in schweren Zeiten haben sie Dinge geleistet die nahezu übermenschlich sind.
    Seltsamerweise ist der Ruf der Wehrmacht bei unseren ehemaligen Kriegsgegnern um ein vielfaches besser als im eigenen Land.
    Die sehen nur die militärischen Leistungen im Vordergrund und das wo sie selbst aufs bitterste von den Leistungen der Deutschen Soldaten betroffen waren.


    Aber es gelten nur Personen die dem Wiederstand angehoerten in Deutschland als würdig.
    Dabei bin ich immer etwas gespalten wenn es um den Namen Stauffenberg geht.
    Seine Leistungen und sein Verhalten sind zu bewundern,aber letzten Endes hat er streng gesehen Hochverrat begangen.Ich finde das ist ein zweischneidiges Schwert obwohl ich nichts gegen den Herrn habe.


    Es ist der Bundeswehr nicht möglich einfach nur militärische Leistungen zu würdigen,natürlich muss man da schon ein Auge drauf haben ob die "Kriegshelden" nicht doch Verbrecher mit entsprechenden Taten waren.


    Da unsere Bundeswehr offiziell so kastriert wird,ist es nicht verwunderlich das sich die Soldaten selber etwas suchen zur Identifikation.
    Da komme dann so Dinge bei heraus das sich die Jungs in Afghanistan eine Afrikakorps Palme auf den Jeep malen oder das in den Bundeswehrstuben im Privatfach im Spint Bilder von W-SS Angehörigen hängen mit der Überschrift:Klagt nicht kämpft.


    Wenn die Bundeswehr anders mit der Sache umgehen würde und Identifikationsfiguren schaffen würde koennte man das ganze ordentlich steuern.


    Es ist schlimm wie einseitig mit unserer militärischen Geschichte umgegangen wird.


    Ich persoenlich hab mit vor 13 Jahren anhören müssen das ich als potentieller Mörder beschimpft wurde als ich gedient habe.


    Mein Opa der in Russland übermenschliches erdulden musste hat sich oft genug beleidigen lassen müssen.
    Er war Träger des Ek1,Isa,VWA in gold und anderer Auszeichnungen.
    Er war nicht stolz drauf das er Menschen töten musste und hat nur das getan was er tun musste.
    Die Schreie der Besatzung des brennenen T34 hat er bis Lebensende jede Nacht gehört und das russische Eisen im Körper mit ins Grab genommen.
    Er musste töten wie es ein Soldat nunmal machen muss aber er war nicht Stolz drauf.Trotzdem darf man die Leistungen nicht schmälern.
    Wer von uns hat denn schonmal bei 40 Grad unter Null im Graben gelegen und seine besten Freunde sterben sehen ?


    Niemandem steht es zu diese Leute zu verdammen die nur ihren unschönen Job gemacht haben finde ich.
    Meine Opas waren keine Nazis und Kriegsverbrecher sie sind nur schuldig in einer Zeit gross geworden zu sein die schrecklich war.


    Das umbenennen von Strassennamen etc. mag Sinn machen wenn es um wirklcihe Verbrecher geht.Sicher wird es keine Bader-Meinhoff Strasse geben und es gibt auch keine AH Strasse mehr in der meine Oma gewohnt hat, das ist auch gut so.
    Aber einiges ist einfach unsinnig und nur dazu gemacht um zu polarisieren und in der Presse zu erscheinen.Die meisten wissen eh den Geschichtliche Hintergrund einiger Strassennamen nicht und werden nur von Meinungsmachern auf ihre Seite gezogen.


    Man schaue sich die Bild Zeitung an,wenn sie mal wieder ein Loch haben wird wieder der Adi oder jemand anderer vorgeholt,ist immer nen guter Lückenfüller.


    Wenn ich dran zurückdenke wie der Geschichtsunterricht auf meiner Schule in NRW war weis ich das 30 Jahre rote Regierung in NRW viel kaputt gemacht haben.
    Gottlob war ich immer Geschichtlich interessiert und habe mich selber mal belesen und mit Zeitzeugen gesprochen und mir eine eigene etwas differenziertere Meinung gebildet.
    Die meiste Geschichtliche Bildung der Deutschen beschraenkt sich auf das was Guido Knopp im Fernsehen aufbereitet hat oder was die Glatzenparteien unters Volk streuen.Traurig das unser Ruf im Ausland besser ist als unsere eigene Meinung von uns selbst.


    Sorry wenn ich etwas vom eigentlichen Thema abgekommen bin

  • Hallo,


    hier mal eine Übersicht der Straßenumbenennungen in Frankfurt/ M.


    Manches sehe ich ein, bei mancher Umbennennung verschließt sich mir allerdings der Sinn.


    http://www.aufbau-ffm.de/serie/Teil0/0-2.html



    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Z. B. Carl-Peters-Straße, Schlieffenpark, Quandt-Straße, Lettow-Vorbeck-Str., Elkartallee, Treitschkestraße usw.


    Kennt Ihr auch solche Debatten aus Euren Gemeinden?
    Wie wurde in Euren Ortschaften solche Anträge/Eingaben gehandhabt?
    Wie sind sie ausgegangen?

    Guten Tag,


    in einem Artikel des Berliner Tagesspiegel wird auf die Umbenennung

    des Elkartweges in Berlin-Spandau eingegangen. Erstmals beantragt

    wurde die Umbenennung 2010. Jetzt, nach 11 (!) Jahren, ist es soweit.

    Da freut man sich doch, daß das endlich geklappt hat.

    (https://plus.tagesspiegel.de/b…utm_source=cp-vollversion)


    Nachstehend ein Zitat aus o.a. Artikel (leider Bezahlschranke):


    Elkart war demnach unter den Nazis „verantwortlich für die Organisation von Zwangsarbeit, arrangierte die ‚Umsiedlung‘ jüdischer Bürgerinnen und Bürger in die von ihm geschaffenen ‚Judenhäuser‘ der Stadt, die durch katastrophale Lebensverhältnisse charakterisiert waren. Elkart nahm maßgeblich an der sogenannten Arisierung jüdischen Vermögens teil, sowohl bei der Enteignung deutscher als auch der Deportation polnischer Juden….“ In Hannover wurde deshalb eine Straße auch gleich umbenannt. – Quelle: Drucksache


    (In o.a. Zeitungsartikel wird auf eine Dissertation aus dem Jahr 2006 verwiesen;

    die suche ich noch; werde ggf. verlinken.)


    Im Forum habe ich nach dem Namen gesucht und, siehe da,

    wurde fündig in diesem alten Thema - Jane sei Dank.


    Lesenswert noch:

    https://spd-suedstadt-bult.de/ex-elkartallee.


    Ebenso interessant - aus heutiger Sicht, also 60 Jahre später - ist,

    daß die Benennung einer Straße nach Karl Elkart in Hannover

    im Jahre 1960 erfolgte. Dürfte jedoch für die damalige Zeit eher

    "normal" gewesen sein - Elkart war zwar 1945 entlassen worden,

    wurde jedoch bereits 1946 rehabilitiert.


    Auch bei Wiki findet sich Material - bitte selbst suchen. :-)


    Grüße, Kordula

    Slava Ukraini!

  • Guten Abend, in Fürstenfeldbruck wurde ab 2013 die Änderung folgender Strassen-Namen in der Nähe des Fliegerhorstes verlangt:

    ,"Hindenburg, Wernher von Braun, Messerschmitt . sowie die nach Offizieren und Piloten der Wehrmachts - Luftwaffe benannten Straßen in der Umgebung des Fliegerhorstes Eschenauer-, Von Gravenreuth-, Priller-, Ederer- und Zenetti ."

    2018 beschloss man nach einer Bürgerabstimmung mit Patt , die Strassennamen nicht zu ändern, sondern eine erklärende Tafel ans Strassenschild zu hängen.

    Zu Hindenburg wurde gesagt: "Er hat zwar Hitler in den Sattel gehoben, aber zu dieser Zeit war er ein Tattergreis."

    Eine salomonische Lösung, fanden viele ehemalige Flieger.


    Andere Länder, andere Sitten:

    Ein deutscher Assistant Professor zeigte an einer konfessionell bestimmten Universität in Washington DC in einer Volkswirtschafts-Vorlesung ein Bild, wie US-Bomber chemische Pflanzengifte auf Vietnam abwerfen.

    Er wurde umgehend entlassen.

    Hat seiner wissenschaftlichen Karriere nicht geschadet.

    Er wurde ordentlicher Professor an einer renommierten deutschen Universität.

    Gruss jostdieter

  • Hallo,


    vor kurzem gab es in der Region Weser-Ems Initiativen zur Umbennenung der bisherigen Robert-Dannemann-Schule in Westerstede und des Robert-Dannemann-Weges in Tungeln, nachdem erst in jüngerer Zeit Dannemanns Parteizugehörigkeit und seine Verstrickungen in das NS-Regime bekannt geworden bzw. in den Fokus geraten sind.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().

  • Guten Tag.


    In Linz an der Donau werden seit einigen Monaten (angeblich) alle Straßennamen nach nationalsozialistischen Hintergrund durchleuchtet.

    Da dies z. T. schon in vorangegangen Jahren der Fall war, halte ich das Ganze für ein potemkisches Dorf.

    Wenn nämlich jetzt noch was verwerfliches auftaucht, haben die Rechereure in den vergangenen Jahren ihren Job nicht gut erledigt und müssten ihr Gehalt zurückgeben. Nur: wer spricht in Österreich schon gerne aus, wenn jemand seinen Job nicht gut gemacht hat, zumalen in der Politik?

    Das Ganze wird wohl ausgehen wie das Hornberger Schießen: es werden wieder Straßennamen entdeckt werden, wo es

    weitläufigste Zusammanehänge mit Antisemitismus gibt, es werden wieder einige "Spezialisten" dafür fürstlich entlohnt, und man rettet sich in die nächste "Aufräumaktion" in ein paar weiteren Jahren wo dann eine weitere Generation an Spezialisten herangezogen wird...der österreichische Weg halt...man kennt das ja...


    Nix für ungut

    Georg

    Suche alles über die SS-Kaserne Ebelsberg und das Kriegsgefangenen-Lazarett Haid (Oberdonau).

  • Hallo,

    ...Wenn nämlich jetzt noch was verwerfliches auftaucht, haben die Rechereure in den vergangenen Jahren ihren Job nicht gut erledigt ...

    und was wäre, wenn den heutigen "Rechercheuren" inzwischen Quellen und Originaldokumente zugänglich sind, die bei den vorherigen Recherchen noch nicht verfügbar oder sogar bisher noch gar nicht bekannt waren...?

    Wir erleben seit einigen Jahren, dass die Generation der aktiven Parteimitglieder/Funktionäre und der Kriegsteilnehmer ausstirbt und in ihren Nachlässen oder auch im Zuge des Ablaufs von Sperrfristen und der fortschreitenden Digitalisierung in Archiven das eine oder andere Dokument auftaucht, dass (auch neue) Fragen aufwirft.

    Und dass die Enkelgeneration inzwischen (nicht zuletzt seit Internet und Genealogieforen und -Dienstleistern) sehr viel mehr Fragen zur (Kriegs-)Vergangenheit ihrer Vorfahren stellt als früher erlebt man hier im Forum doch jeden Tag?


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().

  • Guten Tag.


    Johann Heinrich, Dein Argument kann teilweise zutreffend sein - aber nur teilweise.

    Allerdings werfe ich wieder was ein: Die Staatsgewalt hat weit mehr Infos über die NS-Zeit als wir alle zusammen. Nur sind viele, sehr viele Dinge für die Öffentlichkeit strikt gesperrt, zumindest hier in Österreich.

    Die Quelllage für die NS-Zeit ist in den (wie gesagt teilweise gesperrten Dokumenten) staatlichen Einrichtungen heute schon h e r v o r r a g e n d bis ü b e r -

    r a g e n d . Immer wird behauptet, die NS -Zeit sei der bestrecherierte Zeitabschnitt der Geschichte - da muss doch was dran sein?

    Das wird in Deutschland wohl nicht viel anders sein, oder doch?


    Ich glaube das Problem für den Staatsapparat liegt nicht in der Dokumentenlage selber, sondern in Zeit- und Aufwnandsmitteln ,diese auch sorgfältig zu durchforsten. Man muss sich diese abermillionen Doks vorstellen, die in den Kellern und auf den Dachböden schlummern, aber die Ressourcen sind nicht einmal da, diese zu katalaogisieren...geschweige denn aufzuarbeiten....einfach Wahnsinn!


    Die "Rechereure" setzen bei den durch die Staatsmacht gesicherten Erkenntnissen auch zuerst an. Das weiss ich aus allererster Quelle. Also genau in den Dokumenten, die wir nie und nimmer zu Gesicht bekommen werden...


    Nix für ungut.

    Georg

    Suche alles über die SS-Kaserne Ebelsberg und das Kriegsgefangenen-Lazarett Haid (Oberdonau).

  • Hallo,

    ... Allerdings werfe ich wieder was ein ...

    jetzt bin ich aber völlig verunsichert, wo Du in Verbindung mit Österreich solche Begriffe wie Staatsgewalt, Staatsmacht und Staatsapparat gebrauchst? Deine Schilderungen hören sich ja nach Verhältnissen wie in einer wahren Diktatur an, steht es schon so schlimm um die schöne Alpenrepublik...? Im letzten Urlaub dort habe ich dass gar nicht so wahrgenommen, dass die netten Österreicher so geknechtet und ihrer Rechte beraubt werden...


    Nix für ungut.

    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Die Quelllage für die NS-Zeit ist in den (wie gesagt teilweise gesperrten Dokumenten) staatlichen Einrichtungen heute schon h e r v o r r a g e n d bis ü b e r r a g e n d

    Hallo,


    diese Aussagen sind doch etwas erklärungsbedürftig: Zunächst würde mich interessieren, welche Dokumente zur NS-Zeit in nennenswerter Zahl (in der Bundesrepublik Deutschland, aber auch in Österreich) bis heute gesperrt sein sollen? Insbesondere in den Bundesarchiven! Natürlich kann dies vorkommen, v.a. bei personenbezogenen Daten. Wie meine Erfahrungen aus z.B. deutschen Landes- & Staatsarchiven zeigen ist jedoch mit einem Antrag auf Verkürzung der Schutzfristen ohne weiteres Einsichtnahme möglich.

    Wie ist weiterhin die Aussage zu verstehen, die Quellenlage sei überragend? Gemessen am Ausgangszustand ist die Quellenlage zu manch interessantem Thema leider oft enttäuschend. Ist hier möglicherweise eher der Erschließungszustand gemeint?


    Man muss sich diese abermillionen Doks vorstellen, die in den Kellern und auf den Dachböden schlummern, aber die Ressourcen sind nicht einmal da, diese zu katalaogisieren...geschweige denn aufzuarbeiten

    Auch wieder im Bezug auf die BRD: Der Erschließungszustand in den Bundesarchiven ist insgesamt recht ordentlich. Seit es Online-Findmittel gibt ist auch die Suche wesentlich "niederschwelliger" geworden. Dass heute noch, bei gutem Wissen hinsichtlich konservatorischer Notwendigkeiten & Bedingungen, Archivalien in Kellern oder auf Dachböden gelagert werden wäre mir neu. Nicht auszuschließen, dass das in Hintertupfingen so ist, aber insgesamt???

    Die explizite historische Aufarbeitung von Archivalien fällt übrigens nicht in den Aufgabenbereich von staatlichen Archiven!


    Mit bestem Gruße


    OB

  • Guten Morgen,


    in Bielefeld wurde 1968 die Kunsthalle, von der Familie Oetker mitfinanziert, als Richard Kaselowsky Halle, eingeweiht.


    Kaselowsky (1888 bis 1944) war der Stiefvater von Rudolf August Oetker (Vater war Rudolf Oetker [gefallen 1916], der einzige Sohn vom Firmengründer August Oetker).

    Er heiratete die Witwe von Rudolf Oetker und wurde so Teilhaber des Unternehmens.


    Seit 1933 Mitglied der NSDAP und später Mitglied des "Freundeskreis Heinrich Himmler.

    Bei einem Luftangriff am 30. September 1944 kamen Kaselowsky und seine Frau, sowie zwei Töchter ums Leben.


    Wegen seiner Mitgliedschaft in der SS und dem "Freundeskreis Heinrich Himmler" kam es in Bielefeld zu Diskussionen um die Person Kaselowsky.

    Nach vielen Debatten im Rat, entschloss sich die Stadt Bielefeld 1998, "Richard Kaselowsky" aus dem Namen der Kunsthalle zu streichen.


    2001 wurde die Straße, in der die Villa der Familie Kaselowsy stand, in Kaselowskystraße umbenannt.

    Auch gegen die Namensgebung der Straße kam es zu Protesten.

    2017 entschloss sich der Rat, die Straße in "Hochstraße umzunennen.


    PS: den Namen "Richard Kaselowsky" (1852 bis 1921) gab es zweimal in Bielefeld: Vater und Sohn.

    Der Vater war im Aufsichtsrat der "Ravensberger Spinnerei" und Teilhaber der "Dürkopp Werke"

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

  • Moien,

    eine Frage: Wieviele Strassen in Berlin wurden nach Orten benannt in denen die NSDAP eine Hochburg darstellte? Mein Heimatort und ein Nachbardorf sind so bis heute in Berlin verewigt. Für diejenigen Orte hier benutzt man noch heute den Ausdruck "Braunes Dorf"

    h.

  • Du magst in vielen Deiner Aussagen recht haben.

    Natürlich aber werden in mittleren Städten die Archivalien am Dachobden in Kellern oder am Dachboden gelagerst, siehe das Beispiel der Stadt Steyr.

    Ich war da mal oben bei 45 Grad und habe dann aufgegeben.

    Natürlich auch sind NS-Archivalien (personenbezogen) gesperrt. das sind gar nicht so wenige.

    Natürlich ist die Quellage ü b e r r a ge n d. Wer etwas anderes glaubt ist flasch informiert oder geht in keine Archive.

    Vielleicht hängt das auch mit dem Erschließungszustand zusammen; viele glauben ja heute mit dem archiveigenen Computer alles erschliessen zu können mit einem Knopfdruck.


    Nix für ungut.

    Georg.

    Suche alles über die SS-Kaserne Ebelsberg und das Kriegsgefangenen-Lazarett Haid (Oberdonau).