Junkers Ju 87 G "Kanonenvogel"

  • Hallo Leute !


    Ich habe mich mal versucht über die Junkers Ju 87 G "Kanonenvogel" im Netz schlau zu machen, aber das was mich interessiert habe ich leider nicht gefunden.
    Vielleicht kann mir hier ja jemand weiter helfen ?


    Der "Kanonenvogel" wurde ja persönlich von Oberst Rudel erprobt und seine Einheit war die erste die mit diesen Maschinen ausgerüstet wurde.
    Weiß jemand wie / wer auf die Idee gekommen ist, eine 3,7 cm Flak so zu konstruieren, dass sie unter eine Tragfläche paßt und zur Panzerjagd eingesetzt werden kann.


    [Blocked Image: http://i43.tinypic.com/keyq1i.jpg]


    Gab es neben Rudel noch andere Schlachtflieger die mit dem Kanonenvogel dementsprechend hohe Panzerabschußzahlen vorweisen konnten ?
    Hat sich diese Version bewährt und wieso konnte sie keine Bombenlast mit sich führen ?
    Ebenfalls hatte sie keine Sturzflugbremse mehr, aber wieso ?
    Wenn man sich einem stark gepanzerten russischen Panzer nähert, muß man ihn doch da packen wo er am verwundbarsten ist --> Ober- und Heckbereich.
    Ansonsten verfehlt die Durchschlagskraft der 3,7 cm Flak ja ihr Ziel und wird wie ihre Verwandte des Heeres (3,7 cm Pak) nur zum "Panzeranklopfgerät".


    Wie funktionierte der Nachlademechanismus und wieviel Geschosse konnte ein "Kanonenvogel" mit in den Einsatz tragen ?


    Vielen Dank für jede Antwort.


    Rheinmetall

    "Die Sehnsucht nach der Heimat wächst mit dem Quadrat der Entfernung."
    (In Memorie of Jürgen Oesten † 05.08.2010)

  • Soweit ich weiß hatte diese Version keine Sturzflugbremsen mehr da für einen erfolgreichen Anflug ein Flacher Sinkflug benutzt wurde.
    Und auch bei einem Flachen Sinkflug treffen die Geschosse ja von oben auf den Panzer auf was den gleichen Effekt hatte wie ein im Stuzflug abgeschossene Granate.
    Das mit der fehlenden Bombenladung erkläre ich mir dadurch das die Kanonen schließlich auch nicht gerade Leichtgewichte waren und um die Manövrierfähigkeit der Maschiene nicht noch zusätzlich zu verschlechtern auf die zusätzlichen Bomben verzichtet wurde.


    Ich bin aber kein Spezialist und reime mir das nur so zusammen ;)

    Es gibt nur 2 Arten von Schiffen! U-Boote und Ziele :evil:

  • Quote

    Original von Keili
    Soweit ich weiß hatte diese Version keine Sturzflugbremsen mehr .......


    Ja, das stimmt, die Version htte die Bremsen (und auch die Sirene) nicht.


    Übrigens -
    Nicht nur die Ju87 gabs mit einer 3,7er Bewaffnung, sondern auch die Hs 129 B-2/Wa gab es mit der Bewaffnung, die Hs 129 B-3/Wa hatte sogar eine 7,5er drin.


    Aber wer nun auf die Idee kam die Kanonen dranzuhängen, weiß ich nicht.

    Gruss aus Kanada

  • Hallo,


    ... einen Nachlademechanismus in Bezug auf die Munitionskapazität gab es nur insofern, dass je Kanone ein Steckmagazin mit je 6 Schuß eingebaut war. Ein Nachladen während des Fluges war nicht möglich.


    Ein Nachteil der Waffenanlage war, dass bei jedem Schuss die Flugzeunase etwas nach unten gezogen wurde (Rückstosskräfte).


    MfG
    tebe

  • Hallo,


    "Für die Bekämpfung ungepanzerter Ziele oder Truppenansammlungen konnten anstatt der beiden BK 3,7 auch die Waffenbehälter WB 81A (15° Waffenneigung) oder WB 81B (0° Waffenneigung) verwandt werden. Die Behälter wurden unter beiden an den Lastenträger mit Abwurfgeräten für Ösenmunition (Schloßlafette 100/500) eingehängt. Aufmunitionert wurden meist SmK-, SmL- und PmK-Geschosse im Verhältnis 2:2:2.


    Die BK 3,7 entstand aus der Flak 18 unter Änderung des Rücklaufmechanismus, Kürzung des Laufs und Einbau eines Fernabzuges. Modifiziert betrug die Rohrlänge der Bordkanone 210,6 cm, die Gesamtlänge 375,0 cm. Mit der ab Februar 1942 bei der E-6 Gruppe in Rechlin erprobten Hartkernmunition erreichte man zunächst eine Durchschlagsleistung von 58mm bei einem Auftreffwinkel von 60° aus 100m Entfernung. Mit der später verwendeten Pz.Gr. L`spur änderte sich diese auf 120mm.


    Jeweils 6 Wolfram-Stahlgranaten waren in einem Magazin an der Seite der Waffe. Jede Flak 18 verfügte über 12 Schuß.


    Etwa 208 Ju87 D-5 wurden zu G-2 umgebaut."


    Es gab übrigens auch versuche mit einer 7,5cm Pak unter Ju88!


    Gruß
    Tobias


    Quelle: Manfred Griehl/Joachim Dressel, W-A Sonderband S-16

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

  • Hallo,


    ... stimmt, habe ich jetzt auch herausgefunden. Das 6-Schuss Magazin gehört zur Flak 18. Hierzu noch interessant:
    Geschossgewicht 405g
    Mündungsgeschwindigkeit 1170m/sec.
    Schußfolge 160 Schuß/min.
    Gewicht mit Lafette: 425 kg
    Entwicklung der Waffe: Fa. Rheinmetall


    In den "Kanonenvogel" eingebaut war die BK 3,7.
    Geschossgewicht 65g,
    Mündungsgeschwindigkeit 860m/sec.
    Schussfolge 140 Schuß/min.
    Gewicht ohne Lafette: 275 kg
    Die BK 3,7 war eine Entwiclung der "Gustloff-Werke".


    Quelle: Die Deutsche Luftrüstung 1933-1945, Band 4, Bernard & Graefe Verlag


    MfG
    tebe

  • Hallo Leute !


    Ich danke Euch herzlich für Eure Antworten.
    Das mit der 7,5 cm Kanone unter der Ju 88 habe ich schon gewußt, war aber zum Vergleich zum Kanonenvogel ein Flopp.


    Rheinmetall

    "Die Sehnsucht nach der Heimat wächst mit dem Quadrat der Entfernung."
    (In Memorie of Jürgen Oesten † 05.08.2010)

  • Guten Abend allerseits,


    bekanntlich gibt es ja nichts Neues unter der Sonne und somit ein Gegenstück zum Kanonenvogel auch auf der anderen Seite. Die Royal Air Force setzte in Nordafrika einige Hawker Hurricane Mk. II mit zwei 40 mm Bofors Kanonen unter den Tragflächen zur Panzerjagd ein. Näheres darüber habe ich nicht herausgefunden. Es gibt von dem Typ einen Bausatz in 1/72 von Hasegawa und es gab mal einen Uralt-Bausatz von Airfix.


    Gruß vom OG

  • Hallo Tobias,


    ich habe gelesen, dass Wolfram absoluter Sparstoff war und nicht mehr verwendet werden durfte.
    Kannst Du etwas zu der Folgemunition sagen?


    Gruß Karl

  • Quote

    Original von Obergefreiter
    Guten Abend allerseits,


    bekanntlich gibt es ja nichts Neues unter der Sonne und somit ein Gegenstück zum Kanonenvogel auch auf der anderen Seite. Die Royal Air Force setzte in Nordafrika einige Hawker Hurricane Mk. II mit zwei 40 mm Bofors Kanonen unter den Tragflächen zur Panzerjagd ein. Näheres darüber habe ich nicht herausgefunden. Es gibt von dem Typ einen Bausatz in 1/72 von Hasegawa und es gab mal einen Uralt-Bausatz von Airfix.


    Gruß vom OG


    n'Abend


    die Hawker Hurricane IID wurde ab 1941 entwickelt und von 5 Squadrons eingesetzt
    (5.,6.,20.,184. Squadron und 7.SAAF Squadron, aber nur von der 184. in Europa, der Rest in MiddleEast)
    ausgerüstet mit 2 Vickers S Gun 40mm
    2 Maschinen vom Typ Mk. IV wurde zu Mk. V umgerüstet, brachten aber nicht ds gewünschte Resultat


    eine Hawker Tempest V wurde übrigens auch mit Vickers P Gum 40mm getestet, aber auch fallengelassen



    alternativ zu den westlichen Maschinen kann man noch die Ilyushin IL-2 Type 3M anführen,
    die mit Sh-37 oder NS-37 (beide 37mm Kanonen) im Flügel ausgerüstet waren


    und um etwas ganz weit weg auszuholen, die P-39 ubd P-63 mit ihrer 37mm Nabenkanone,
    die gerne auf russischer Seite eingesetzt wurde




    MadderCat

    Edited 2 times, last by MadderCat ().

  • Hallo Rheinmetall.


    Ich hab mal meinen Fundus an noch nicht gelesenen Büchern durchsucht und habe in "Junkersflugzeuge - Bewaffnung - Erprobung - Prototypen / Bukowski/Griehl" folgendes gefunden:


    Ju 87 G-2
    Panzerjäger
    Baujahr 1943-44


    1. B-Stand
    Lafette Gleitschienenlafette GSL K 81 Firma LAB
    Waffe MG 81 2 Firma Hauser
    Munition 850 Schuß gegurtet je Lauf


    2. Starre Schußwaffe
    Lafette Junkers Firma Junkers
    Waffe 1 Bordkanone 3,7 cm BK je Flügel Firma Rheinmetall
    Munition 12 Schuss in Bahnen je Waffe


    3. Visier
    Revi C 12 C Firma Zeiss/Jena


    Quelle: Bericht Nr. 273/Ex. 3 - F-Konstruktionsbüro - Mai 1946 - Mappe 01-0529 - S. 24


    lt. dem Inhaltsverzeichnis wird die Ju 87 G-2 nicht als Sturzbomber, wie die Typen Ju 87 A/B/D geführt sondern in der Gruppe der Panzerjäger zusammen mit den Ju 88 F 1/3/4.


    Nicht böse sein, ich werde morgen weitersuchen. Ich komme schließlich aus dem Rheinland und habe heute "Feiertag" und wenn ich wiederkomme, weiß ich nicht ob ich noch etwas finden kann, was Dir weiterhelfen könnte.


    LG und Helau


    Markus

    Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen (Plato)
    Suche alles über Korps-Abteilung "H" und I.D. 95 (neu)

  • Hallo Rheinmetall.


    Folgendes habe ich noch gefunden (gleiche Quelle)


    ... Die Entwicklungsgruppen hatten die Aufgabe, die Entwicklungen der einzelnen Firmen im Sinne der technischen Vereinfachung und Vereinheitlichung zusammenzufassen und auszurichten. Nach diesen Festlegungen waren sie dem Chef des Entwicklungsamtes verantwortlich:


    Lafetten Junkers Prof. Dr. Ing. Hertel
    Lafetten LAB Dir. Dr. Christian
    Lafettenantriebe Askania Dir. Wünsch
    Visiere u. Visierstände C. Zeiss Dr. Kortum


    Bezogen auf die Bewaffnung der JU 88 wurde auch Artilleriemunition verschossen (3,7 cm Bordkanone). Hier wurde dann Munition der 3,7 cm Flak eiungesetzt. Hauptsächlich panzerbrechend. Bei der JU 88 wird hier auf die E-Stelle Rechlin, Dr. Burxmüller verwiesen.


    Für Fragen zur Lebensdauer der Einzelteile und der Schusszahl bei einmaligem Druck auf den Abzug wird auf die Firma Rheinmetall-Borsig in Berlin-Tegel verwiesen.


    Mehr habe ich leider nicht und Deine eigentliche Frage ist damit auch nicht beantwortet.


    LG & Helau


    Markus

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    Edited once, last by der unwissende ().

  • in der Originalausgabe von Rudel"s Buch "Trotzdem" steht drin, daß es seine eigene Idee war, und er auch die ersten Versuche (Frontmäßig) machen ließ.
    mkG Heiko

  • Hallo Rheinmetall.


    Zur 3,7 cm.


    Erster Erprobungseinsatz bei einigen HS 129 B-2. Zusätzlich zu 2 MG 151/20 je eine BK 3,7 mit 12 Schuss Munition. Die Maschinen wurden ausschließlich bei der VI. Staffel des SG 9 eingesetzt.


    Nachdem versuchsweise eine Ju87 G-1 mit dieser BK ausgerüstet wurde, schreibt Fritz Hahn / Deutsche Geheimwaffen 1939 - 1945 folgendes:
    ...Der Einsatz derartig ausgerüsteter Maschinen ist auf persönliche Initiative von Oberst Rudel zurückzuführen, der die erste, im Mai 1943 bereitstehende Versuchsmaschine mitnahm (bei Krimskaja und Temjruk einsetzte) und von Mitte Juli bis November 1943 bereits über 100 Panzer abschoss. ...


    Weiterhin wurde eine geringe Anzahl von folgenden Maschinen mit der BK 3,7 ausgerüstet:
    Ju 88 P-2
    Ju 88 P-3
    Me 110 G-2/R1
    Me 110 G-2/R3
    Me 110 G-2/R4

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  • Hallo,
    ich muss zuerst sagen, dass ich auf dem Gebiet der Luftwaffe eher ein Laie bin - dennoch möchte ich zwei Anmerkungen machen.


    1. Die Durchschlagskraft der Kanone musste nicht so groß sein, da meines Wissens die Panzer "oben" eher dünn häutig gepanzert sind; in der Normandie sind viele deutsche Panzer aus der Luft abgeschossen worden, so dass man überlegte, für späteren Versionen des Panthers seine "Oberfläche" "dickhäutig" zu machen. Dadurch wird natürlich das Gewicht des Fahrzeug gesteigert und unter Umständen geht das auf die Kosten der Beweglichkeit.
    2. Es gibt in der "Deutschen Wochenschau" Nr. 750, 25.01.1945 Aufnahmen von einem Einsatz dieser Maschinen im Abwehrkampf gegen die sowjetische Weichsel-Offensive. Meiner Erinnerung gibt es in den Februar-Ausgaben auf noch einmal kurze Aufnahmen der Maschine.



    Gruß
    Conscinece

    Wie immer keine Zeit


  • Jo danke, "Panzerblitz45" bin ich :-) Das ich so viele Besucher auf dem Video haben werde, hätte ich auch nie erwartet.


    Gruß


    Rob