Tigerfibel

      Hallo,
      Ich habe mir gerade mal die Tigerfibel zu Gemüte geführt und fand darin ein paar erstaunliche Zahlen.
      Leider konnte mir Wiki nicht darüber Auskunft geben, ob diese Zahlen real, oder eher ein Produkt der Fantasie des DR waren. Bei meiner Google-Suche stieß ich auch nur auf Hintergründe zur Entstehung der Fibel. Die Zahlen die ich recht fantastisch finde sind; Zitat:

      "Leutnant M. schoß im Nordabschnitt an einem Tage mit seinem Tiger 38 T34 ab und erhielt dafür das Ritterkreuz"
      Zu dieser Zahl habe ich allerdings eine Richtigstellung gefunden, siehe hier:

      forum.panzer-archiv.de/viewtopic.php?p=137073&sid=

      Doch zu folgender Aussage der Tigerfibel, fand ich keine Beiträge:

      "Dieser Tiger erhielt im Südabschnitt in 6 Stunden:
      227 Treffer Panzerbüchse
      14 Treffer 5,2 cm und
      11 Treffer 7,62 cm.
      Keiner ging durch!"

      Das ist eine enorme Anzahl von Beschüssen. War diese Aussage tatsächlich auf eine reale Gefechtssituation bezogen, oder waren diese Ergebnisse das Resultat von Beschusstests, in denen der Tiger vielleicht nur richtig gewinkelt war, und auch sonst perfekte Voraussetzungen getroffen worden?
      Dann halt ohne Signatur :P xD

      Post was edited 1 time, last by “Gilbert Wolzow” ().

      Hallo Gilbert Wolzow!

      Die Tigerpanzerung hielt schon einiges aus. Aus einer gewissen Entfernung und etwas Seitenwinkel dürfte 7,62 nicht durchgehen. Aber bei der Masse der Treffer müsste irgendwann auch mal eine Schwachstelle (Optik, Durchbrüche) getroffen sein. Immerhin konnte eine Panzerbüchse die Kuppel eines Stug III durchschlagen.

      „Für die Qualität der Panzerung des “Tiger“ sprach der D656/27 „die Tiger-Fibel“ vom 1.August 1943 abgebildete Kampfwagen. Er hatte während der Kämpfe im Kursker Bogen im Juli 1943 innerhalb von sechs Stunden 227 Panzerbüchsen- und 25 Artillerietreffer erhalten und war trotz zahlreicher Schäden im Laufwerk mit eigener Kraft noch 60km weit gefahren.“
      (Wolfgang Fleischer, Waffen Arsenal Panzerkampfwagen Tiger in der Truppe, Highlight Band 19, S.32 inkl. 2er Fotos des Tiger)

      Die Geschichte ist wohl wahr – es gehörte aber auch viel Glück seitens der Tigerbesatzung dazu.

      Viele Grüße
      Ronald
      Hallo Gilbert und Ft 17,

      die in der Tigerfibel genannten Beschußschäden finden ihre Quelle in der Schilderung des Leutnant Zabel, Kampfgruppe "Sander", anläßlich eines Angriffs am 10./11.Februar 1943 auf eine Kolchose, westlich von Sserernikowo. Die Einheit ist in diesem Bericht nicht genannt.
      Meine Buchquelle: "Die Deutsche Panzertruppe" von Jentz, S.34/35.
      Gruß Karl
      Hallo Leute!

      google: 227 Treffer Panzerbüchse
      liefert
      community.codemasters.com/foru…ve/index.php?t-36702.html
      (hier reinkopiert falls andere Seite verschwindet)
      Bericht des Leutnant Zabel, Ostfront 1943:

      "Am 10. und 11. Februar 1943 sah sich die Kampfgruppe Sander bei einem Angriff auf eine Kolchose westlich von Sserernikowo plötzlich einer weit überlegenen Streitmacht gegenüber. Die Tiger im vorn eingesetzten Zug zogen die Masse des feindlichen Feuers auf sich. Das Feuer von Panzern, Panzerabwehrgeschützen und Infanterie mit Panzerbüchsen auf größter Kampfentfernung kam überwiegend aus der rechten Flanke und von vorn. Zu Beginn des Angriffs wurde mein Tiger an der Frontseite der Wanne durch eine 7,62 cm Pak getroffen. Die Kettenglieder die mit einer Stahlstange an der Frontplatte der Wanne befestigt waren, wurden abgeschossen. Wir hörten ein dumpfes Geräusch und fühlten einen leichten Stoß innerhalb des Tigers. Gleichzeitig sahen wir auf dem Boden vor und seitlich vom Tiger viele Fehlschüsse dicht neben und einschlagen. Kurz danach erhielt ich an der Kommandantenkuppel einen Treffer von einer 4,5 cm Pak. Die Halterungen des Winkelspiegels flogen weg. Der Winkelspiegel selbst schweißte sich fest, aber eine Durchsicht wurde durch den Einschlag von Geschoßsplittern unmöglich gemacht. Ein zweiter Treffer an der Kuppel schlug Halterungen vom Turmdach lose. Im selben Moment umgab eine Hitzewelle und eine Wolke aus beißendem Rauch die Besatzung. Zwei Treffer von 4,5 cm Panzerabwehrgranaten und 15 weitere Treffer anderer Panzerabwehrgeschosse wurden nach dem Gefecht an der Kuppel gezählt. Die Ladeschützenluke, die irgendwie klemmte und deshalb offen stand, erhielt mehrere Treffer von Panzerbüchsen, die einige Halterungen abschlugen. Andere Schüsse trafen die Luke und verklemmten die Scharniere, so daß sie nach dem Gefecht nur mit Hilfe einer Brechstange geöffnet werden konnten. Der Feind überschüttete an beiden Tagen den Tiger mit Maschinengewehrfeuer. Die Nebel-Abwurfvorrichtung an beiden Seiten des Turmes wurden durchlöchert, wobei die Nebelkerzen gezündet wurden. Dieser Nebel sickerte im Kampfraum ein und wurde so dicht und hinderlich, daß die Besatzung kurzzeitig außer Gefecht gesetzt wurde. Je mehr der Tiger sich der Kolchose näherte, desto größer wurde die Intensität des feindlichen Abwehrfeuers. Jeder Treffer am Tiger wurde von einem scharfen Geräusch, einem leichten Schlag, einer beißenden Rauchwolke, einem gelb flimmerndem Blitz und einer Detonation begleitet.
      Die Nerven der Besatzung waren auf das Höchste gespannt. Wir schenkten Hunger, Durst oder Zeit keine Beachtung. Obwohl der Angriff über 6 Stunden dauerte, dachte die Besatzung, daß nur eine kurze Zeit vergangen wäre.
      Nachdem eine weiter 7,62 cm Panzerabwehrgranate die Rohrblende traf, rissen die Rohrvorholer ab, die Rohrbremse begann Flüssigkeit zu verlieren und die Kanone blieb in der hintersten Stellung. Die Erschütterung, verursacht durch weitere Treffer, beschädigte die Funksprechanlage, eine Betriebstoffleitung und den Gangwählhebel beim Fahrer. Der Motor fing Feuer, als die Abdeckung, die den Auspufftopf schützt, abgeschossen wurde. Das Feuer wurde jedoch rasch gelöscht. Eine Sprenggranate, die von der Seite auf den Tiger geworfen worden war, wurde als eine dumpfe Explosion, begleitet von Hitze und rauch, die den Tiger und die Besatzung umgab, wahrgenommen.
      Wir zählten 227 Treffer von Panzerbüchsen, 14 Treffer von 5,7 cm und 4,5 cm Paks und 11 Treffer von 7,62 cm Paks. Die rechte Kette und das Fahrwerk waren schwer beschädigt. Einige Laufrollen und ihre Schwingarme waren durchlöchert. Das Leitrad hatte sich aus seiner Montierung gelöst. Trotzaller Schäden gelang es dem Tiger, noch weiter 60 Kilometer mit eigener Kraft zurückzulegen.
      Die Treffer hatten das Aufreißen einiger Schweißnähte zur Folge was verursachte, daß der Betriebstofftank zu lecken begann. Die Ketten hatten einige Treffer erhalten, doch insbesondere diese behinderten Fahrfähigkeit des Tigers nicht. Zusammenfassend kann man sagen, daß die Panzerung des Tiger der intensivsten Beschießung widerstehen kann. Die Besatzung kann sich in das Gefecht mit dem sicheren Wissen begeben, daß sie durch hinreichende Panzerung, die auch das gut gezielte Panzerabwehrgeschoß abhält, umgeben ist."
      Quelle: Panzerlexikon.de

      Dann scheint sich meine erste Quelle (Wolfgang Fleischer) geirrt zu haben.

      Viele Grüße
      Ronald

      Edit: falls das Hereinkopieren des obigen Beitrags von einer anderen Webseite nicht erwünscht ist kann das Kopierte natürlich wieder entfernt werden.

      Post was edited 1 time, last by “ft17” ().

      @ft17

      weshalb soll sich Fleischer geirrt haben?
      die beiden Aussagen (Fleischer und Lt Zabel) widersprechen sich nicht.

      wenn dich "Kursker Bogen" bei Fleischer und "Februar 1943" bei Lt Zabel irritierten, dann irrst du: den "Kursker Bogen" gab es seit 1942. Wenn Fleischer gesagt hätte "in der Schlacht bei Kursk" dann hätten wir eine Widerspruch - die war im Sommer 43 und hatte den Zweck, eben diesen "Kursker Bogen" zu begradigen.

      (PS: das taten dann die Russen auf ihre weise ;)
      Grüsse aus der Schweiz
      Peter