Friedhof Shisdra

      Friedhof Shisdra

      Hallo zusammen!

      Im Zuge der Recherche nach der Geschichte meines Großvaters,
      der am 24. Feb. 1943 im Shisdra-Abschnitt, nördlich von Shisdra,
      gefallen ist, bin ich auf folgende Links gestoßen:

      zhizdra.ru/story/s4.htm

      sowie besonders:
      zhizdra.ru/story/s41.htm

      Besonders erschütternd finde ich die beiden letzten Bilder auf der Seite,
      über den heutigen(?) Zustand!

      Leider kann ich kein russisch, und die Online-Übersetzungen liefern
      leider nur bescheidene Ergebnisse....

      Kann vielleicht jemand mehr "herauslesen", wie könnte man mehr Info's
      bekommen, z.B. über die anderen Links...

      Was könnte man überhaupt machen ..., Kontakt aufnehmen, VdK informieren... ?(

      Danke schon mal für jeden Tip oder Hinweis...

      Gruß,

      Ralf
      Suche alles über die 211. Infanteriedivision
      --- id211.de ---
      Hallo Ralf,

      im Abschnitt Shizdra bedeutet nicht Shizdra. Es gibt in dem Abschnitt mehrere Soldatenfriedhöfe. Einer davon lag mitten in der Stadt vor der Kathedrale. Die Kathedrale gibt es nicht mehr, sie wurde bei der Rückeroberung der Stadt völlig zerstört und anschließend mit dem neuen Kulturpalast überbaut. Dort sind etwa 1500 Soldaten beigesetzt gewesen.

      Ein anderer lag etwas außerhalb der Stadt mehr oder weniger auf freiem Feld mit 2000 Soldaten. Die Situation zeigt dieses Bild:



      Auch ihn dürfte es nicht mehr geben, weil er mit großer Sicherheit beim Rückzug der deutschen Truppen eingeebnet wurde. Das Foto mit dem Soldatenstiefel dürfte - wenn es Shisdra ist - in diesem Bereich angefertigt worden sein. Es ist nun mal der Lauf der Dinge, das Gegenstände irgendwann wieder an die Oberfläche kommen. Der Boden sieht nicht umgegraben aus, so dass in diesem Fall dieser natürliche Prozess zu unterstellen ist.

      Ich hatte mit diesen Friedhöfen vor Jahren zu tun, weiß aber nicht mehr, in welchem Forum das war, geschweige denn, wie der Titel des Threads hieß.

      Die Friedhöfe dürften dem VDK bekannt sein. Da es sich von der Anzahl der hier beigesetzten Soldaten für den VDK "lohnt" (entschuldige den Zynismus) hier Umbettungen vorzunehmen, gehe ich davon aus, dass diese Friedhöfe auf der 'what to do Liste" des VDK stehen.

      Ein Anruf beim VDK wird Dir sicher Klarheit verschaffen.

      Gruß,
      Arnold
      ... and you'll never walk alone ...
      Hallo Arnold,

      vielen Dank für Deine ausführliche Antwort!

      ... war mir nichr so klar, dass es die Kathedrale nicht mehr gibt, wie gesagt, ich bin des russischen nicht mächtig, so dass ich den Kontext, also die Texte einfach nicht verstehe....

      Ist scho' klar, hier ging es mir um die Stadt Shisdra, die "Region Shisdra", d.h. nördlich, wo mein Opa gefallen ist, ist nur der "Zusammenhang"...

      Wenn ich Dich richtig verstehe, warst Du 'mal in der Gegend?
      Hast Du mit Leuten, oder Veteranen sprechen können, wie stehen sie zu der ganzen unsäglichen Vergangenheit, also Erfahrungen mit "den Deutschen"...?
      Würde mich sehr interessieren...

      Wie ich durch meine Recherchen feststellen konnte, muss ich sagen, dass das da ja eine ganz faszinierende, tolle Landschaft sein muss.
      ... und ich frage mich (wie wahrscheinlich viele Enkel(-innen) :( Was hatte mein Opa da verloren...?

      Gruß Ralf


      P.S.: Werde Montag 'mal beim VdK anrufen.

      P.P.S.: Was mir noch einfällt: Im Buch "Unternehmen Erinnerung" ist die Rede von einem Friedhof "Usadba" bei Shisdra, weisst Du da was drüber?
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      Hallo Ralf, hallo Arnold!

      Auch ich frage mich, was mein Opa und der Großonkel meiner Frau dort gemacht haben.
      Beide waren mit der 216. ID nördlich Shisdra eingesetzt. Meine Opa hatte Glück, der Großonkel meiner Frau ist leider im März 1942 in Maklaki gefallen und laut VDK in Nikitinka/Shisdra begraben und noch nicht umgebettet worden.

      In der Chronik der 216. ID ist ein Bild des Friedhofs mit der Kathedrale und dem Hinweis, dass dort viele Divisionsangehörige begraben liegen.
      Ist das der Friedhof Nikitinka/Shisdra oder ist das noch ein anderer.

      Genauso wie Ralf, würde es auch mich interessieren wie es damals und heute dort aussieht und was die Bevölkerung für Erfahrungen mit den Deutschen gemacht hat.

      Gruß
      Roland
      Suche Daten und Bilder über 216./272. ID + 272. VGD + IR/GR 348 sowie GR 982

      RE: Friedhof Shisdra

      Hallo Ralf,

      bin auch auf der Suche nach Informationen über meinen Onkel.
      Der ist am 04.03.1943 bei Shisdra gefallen. Lt. Volksbund und dem Schreiben des Militär-Pfarrers ist er auf dem Friedhof von Shisdra begraben. Ich weiss nur nicht auf welchem.

      Mich würde auch interessieren, wie es jetzt dort aussieht und ob es überhaupt möglich ist, die Soldaten umzubetten.

      Evtl. hat noch jemand Informationen dazu gesammelt und kann mir helfen.

      Gruß Klaus
      Hallo Klaus,

      rein theoretisch müsste es möglich sein, die Soldaten noch umzubetten. Der Friedhof in "Shisdra-Mitte" vor der ehemaligen Kirche ist zwar inzwischen überbaut - aber es ist nicht sicher, in welchem Ausmaß. Da die Soldaten mindestens 1,20 Meter unter Bodenniveau beigesetzt wurden, bestehen gute Chancen, dass sie heute noch dort liegen, wo sie einst beigesetzt wurden. Wenn nicht gerade ein Neubau an dieser Stelle errichtet wurde.

      Gleiches gilt für "Shisdra-Land", wo auch immer das liegen mag. Ich glaube nicht, dass die Friedhöfe von Grabräubern geplündert wurden. Das ist im Prinzip auch auch in Russland verboten und so nahe an bewohnten Städten traut man sich da auch nicht ran...

      Die Frage ist, ob und wann der Umbettungsdienst des VDK dort tätig wird. Die Chancen stehen gut, es sind viele Soldatengräber, die dort warten. Kein Kleinkram.

      Gruß,
      Arnold

      (Entschuldige meinen Zynismus im letzten Satz, er ist nicht unbegründet... )
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      Hallo Arnold,

      da ich weiß das die 208.ID lange Zeit im Raum Shisdra gelegen und gekämpft hat, kann ich doch annehmen, dass die gefallenen Soldaten der 208.ID auch auf den Friedhof von Shisdra liegen. Wie war das überhaupt mit den Friedhöfen, hat jede Division ihren eigenen gehabt oder hatten sogar die Regimenter ihre eigenen Friedhöfe?

      Gruß Micha
      Suche alles zur 208.Infanterie-Division
      Hallo Micha,

      Leider kann ich Dir keine absolut sichere Antwort geben, da sich das offensichtlich im Verlauf des Krieges gewandelt hat. Mir sind viele Fotos bekannt, die sog. Heldenfriedhöfe von Divisionen zeigen. Meine bisherigen Erfahrungen zeigen, dass dies wirklich Friedhöfe der Divisionen waren. D.h. das hier alle Soldaten einer Division beigesetzt wurden. Dies gilt allerdings nur für den Zeitraum, als die Wehrmacht auf dem Vormarsch war, bzw. als die Front mehr oder weniger zum Stillstand kam.

      Nach der Wende des Krieges ab Mitte 1943 änderte sich das. Gefallene Soldaten wurden in der Nähe ihres Kampfgebietes, bzw. bei einem Kriegslazarett oder einem Verbandsplatz beigesetzt. Noch später, als es nur noch nach hinten ging, wurden sie gar nicht mehr beigesetzt. Das war dann in der Regel Sache der russischen Bevölkerung zur Vermeidung von Seuchen.

      Ein Beispiel dafür ist der vorbildlich hergestellte Soldatenfriedhof in Chodsovichi bei Rogachev. Auf mehr als 6000 Quadtrametern liegen in 360 Einzel- und acht Doppelgräbern Soldaten vom Hauptverbandsplatz der 296. ID sowie der 110. ID. (siehe Anhang)

      Gruß,
      Arnold
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      Hallo Arnold,

      erstmal Danke für deine Antwort.
      Ich finde es sehr bemerkenswert von der russischen Bevölkerung, dass sie, trotz allem was sie unter der deutschen Besatzung erleiden mußten, den gefallenen deutschen Soldaten so schöne Anlagen herrichten und auch pflegen. Ich habe mal ein Bericht im Fernseh gesehen, ich glaube der war von Gerd Ruge, da war ein altes russisches Mütterchen und in ihren Garten war ein deutscher Soldat beerdigt. Sie hat auf dem Grab jede Woche neue Blumen gelegt, das ist doch einfach nur rührend von der alten Frau.

      Gruß Micha
      Suche alles zur 208.Infanterie-Division
      Original von Michael Jörchel
      ...,da war ein altes russisches Mütterchen und in ihren Garten war ein deutscher Soldat beerdigt.Sie hat auf dem Grab jede Woche neue Blumen gelegt,das ist doch einfach nur rührend von der alten Frau. Gruß Micha


      Hallo Michael,

      auf eine Reise nach Belarus haben wir so ein altes Mütterlein allerdings auch von einer anderen Seite kennengelernt.
      Auf ihrem Grundstück lag ein toter deutscher Soldat begraben, der ihr einen Teil der Familie nahm...
      Sie erzählte uns, dass sie bei ihrem täglichen Rundgang durch ihren Garten stets auf die Grabstelle spucke... Für mich war es eine bemerkenswerte Begegnung, an die ich mich häufig mit Unbehagen erinnere.
      Arnold hatte hier schon mal etwas über das Erlebnis mit der bärbeißigen Babuschka geschrieben, leider habe ich es nicht wieder finden können. Vielleicht verlinkt es der Autor ja persönlich. ;)

      Gruß
      Jane
      Original von Caprinus
      Vielleicht verlinkt es der Autor ja persönlich. ;)


      Au weia, ich habe fast 7000 Beiträge...

      Da schreibe ich doch lieber etwas neues dazu...

      Janes Erzählung stimmt. Im Garten der alten Dame liegen noch immer zwei deutsche Soldaten. Sie wurden von Partisanen in einem Dorf westlich von Bobruisk getötet, als diese einen Bahnhof überfielen und zerstörten.

      Die alte Dame war damals ein kleines Mädchen und musste mit ansehen, wie ihre Eltern bei einem "Bandeneinsatz" wie die meisten älteren Bewohner des Dorfes getötet wurden. Sie und ihr älterer Bruder flohen dann in die Wälder. Wer diese Wälder einmal gesehen hat, weiß, dass man dort niemanden findet, der sich nicht finden lassen will.

      Die Geschwister schlossen sich den Partisanen an und ihr Bruder kehrte von einem Einsatz nicht mehr zurück, sie weiß bis heute nicht, was mit ihm geschah.

      Am anderen Ende ihres Dorfes war einen Gefangenlager, das vermutlich von der SS betrieben wurde. Es müssen sich dort entsetzliche Dinge abgespielt haben. Ob sie die toten Soldaten dort selber beigesetzt hat, war nicht zu erfahren. Der Hass war auch nach Jahrzehnten immer noch so groß, dass sie zu keiner sachlichen Antwort fähig war, obwohl unsere belarussische Dolmetscherin Olga all ihre Redekunst und ihren Charme einsetzte und sie uns wahrscheinlich nur einen Bruchteil dessen übersetzte, was ihr gesagt wurde. Jeden Tag würde sie auf die Gräber spucken, mehr erfuhren wir aus dem Wutausbruch der alten Dame dann nicht mehr. Ich konnte sie gut verstehen und habe mich in dieser Konfrontation sehr geschämt, obwohl ich nichts damit zu tun hatte.

      Dieses Verhalten war aber die absolut einzige Ausnahme, die ich in Gesprächen mit den älteren Leuten erlebt habe. Bei den meisten ist der Hass verflogen, die Trauer um die Toten ist jedoch geblieben und in der Mentalität der Weißrussen deutlich spürbar. Für sie ist es völlig normal, wenn sich Deutsche in Belarus auf die Suche nach den Gräbern begeben, wüssten sie oft doch selber gerne, wo ihre Väter, Brüder und Onkel abgeblieben sind. Fast jedes Kriegerdenkmal ist tadellos gepflegt, immer liegen Blumen davor und immer sieht man, wie sich Passanten still verbeugen, wenn sie an einem solchen Denkmal vorübergehen.

      Arnold
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      Hallo Arnold,

      ich habe deinen Bericht in ruhe gelesen und er hat mich tief beeindruckt.
      Ich habe versucht mich in deine Lage zu versetzen,ich weiß klingt blöd aber dadurch hat diese Geschichte noch mehr tiefgang erhalten.Vor Menschen wie Anna kann man nur den Hut ziehen und sich bedanken.Ich will dazu jetzt auch weiter nichts sagen,man muß diese Geschichte erstmal verarbeiten um zu begreifen was damals passiert ist.Wenn man es überhaupt begreifen kann.

      Gruß Micha
      Suche alles zur 208.Infanterie-Division
      Hallo All

      Ich habe neben an auch das Thema Heldenfriedhof "Zhizdra".

      vksvg.de/thread.php?postid=56719#post56719

      Ein netter User hat mich über einen Link zu Euch geschickt.

      Vielleicht helfen ja die Bilder?

      @ Ist Euch eigentlich bekannt ob die Soldaten umgebettet wurden?
      Nach meiner Info nicht.
      Schoene Gruesse aus Elbflorenz
      Holger

      Wenn einer träumt, ist es ein Traum. Wenn viele träumen, ist es der Anfang einer Wirklichkeit.

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      RE: Friedhof Shisdra

      Hallo,

      ich habe habe noch einen Ort gefunden wo deutsche Soldaten bei Shisdra beerdigt wurden.
      HVP San.Kompanie 1/211 Petrowka/Shisdra.
      Vielleicht ist es ja für jemanden wichtig.

      Gruß Micha

      P.s.: Habe vergessen den Link dazu zu speichern,werde die Seite nochmal suchen und ihn nachträglich rein setzen.
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