Eisenbahn Unfall (27. Dez. 1944. Strecke Kremnicka Bany-Stara Kremnička. Slowakei)

      Eisenbahn Unfall (27. Dez. 1944. Strecke Kremnicka Bany-Stara Kremnička. Slowakei)

      Vor der Beschreibung des tragischen Ereignis erläutere ich kurz die
      Gegend, in dem das Ereignis eingetreten ist. Der alte Bahnhof liegt
      auf der Strecke Kremnička Zvolen-Kremnička zwischen den Stationen
      Bartošova Lehôtka und Hronská Dubrava. Die Station Stara Kremnička
      liegt hoch über dem Tal der gleichnamigen Gemeinde. Die Strecke steigt
      zur höchste Station auf der Strecke an -Kremnické Bane (775 Meter über
      dem Meeresspiegel). Die Route schlängelt sich und folgt den Konturen
      der Hügel und durch mehrere Tunnel. Zwischen der Station Stara
      Kremnická und Bartošová Lehôtka ist der tiefste Einschnitt der
      slowakischen Eisenbahn. Der Partisanenkampf in Stara Kremnický
      (während dem deutschen Angriff wurde das Bahnhofsgebäude schwer
      beschädigt) wurden 5 .Oktober 1944 beendet und an beide Seiten des
      Flusses Hron und zu dem Dorf Pitelová verlegt. 27. Oktober fiel aber
      Banská Bystrica und der SNP wurde offiziell beendet. Einige Partisanen
      wurden zurückgedrängt in die Berge, kämpften aber bis zum Ende des
      Krieges weiter.

      Und nun zu dem eigentlichen Ereignis: kurz vor Mitternacht am 26.
      Dezember 1944 verließ der Zug Nr.10582 in Richtung Vrútek Kremnici.
      Diese Strecke war immer noch in deutscher Hand und wurde stark durch
      Partisanen sabotiert. Der Zug hatte 37 Wagons mit etwa 370 deutsche
      Soldaten. Im vorderen Teil des Zuges waren Personenwagons mit
      deutschen Offizieren. In abgedeckten Güterwagons drängten sich die
      deutschen Unteroffiziere und Soldaten. Ferner war schwere
      Kampfausrüstung geladen: Maschinengewehre, Artillerie, gepanzerte
      Fahrzeuge und Panzer. In Kisten befand sich Munition für Kleinwaffen
      und Granaten. Im Zug waren außer deutschen Soldaten auch zwei Slowaken
      Kudělka, der Zugführer und sein Helfer Knoško. Es war ein besonderer
      Transport, bestimmt für die Front-Linie zwischen dem Fluss Hron und
      Ipeľ. Damit sollte der weitere Vorstoß in den Westen verhindert
      werden. Früh am Morgen des 27. Dezember hielt der Zug in Kremnicka
      Bany, aber mit Schwierigkeiten. Dem Zugführer schien die Bremsen nicht
      vollkommen funktionsfähig. Er bat die Deutschen um eine Verlängerung
      des Aufenthalts an der Station, um die Bremsen zu überprüfen und ggf.
      reparieren zu können. Die Deutschen lehnten dieses aber ab. Sie
      dachten, es sei nur ein Vorwand, um den Transport zu verzögern. Der
      Transport ist somit wieder in Richtung Kremnici losgefahren. Der
      Zugführer wollte vor dem Bahnhof Kremnice bremsen, aber die
      Druckbremsen reagierten nicht. Die Handbremse konnte nicht bedient
      werden, weil kein erfahrenes Personal zugegen war. So durchfuhr der
      Zug den Bahnhof Kremnica mit voller Geschwindigkeit. Der Führer
      versuchte kontinuierlich zu bremsen, aber die Geschwindigkeit erhöhte
      sich weiter, weil die Strecke in diesem Abschnitt abschüssig ist. Er
      raste durch Grobňu KREMNICA. Der Führer und sein Helfer erahnten,
      dass eine Katastrophe naht, aber die Deutschen bekamen davon immer
      noch nichts mit. Der Fahrer warnte daher die deutschen Soldaten, die
      mit ihm auf dem Führerstand waren, über das Versagen der Bremsen der
      Bahn, aber diese verstanden entweder nicht oder nahmen seine Warnungen
      nicht ernst. Der Fahrer versuchte noch mit allen Mitteln zu stoppen,
      aber vergeblich. Eine Person im Zug wusste, dass etwas falsch ist. Es
      war ein blinder Passagier - Eisenbahner Michal Glas, der unbemerkt auf
      den Zug sprang, um nach Hause zu kommem. Er setzte sich an die
      Handbremse, als der Zug immer höhere Geschwindigkeiten erreichte, aber
      der Zug reagierte nicht. Der Betrieb einer Handbremse hat keinen
      Einfluss auf die Geschwindigkeit des Zuges. Der Zug raste in die
      Station Bartošova Lehôtka, wo er eigentlich anhalten sollte, und
      dieses mit mehr als 100 km/h. Als das Bahnhofspersonal sah, was los
      war, gelang es, die Station Stara Kremnička zu erreichen und zu
      befehlen, den Zug auf ein Abstellgleis zu lenken und dort Blockaden zu
      errichten, um den Zug zu stoppen und damit zu verhindern, dass dieser
      Zug mit einem Personenzug aus Hronské Dúbravy kommend zusammenstößt.
      Der Zug fuhr mit voller Geschwindigkeit in die Station Stara Kremnička
      ein und auf das Abstellgleis, wurde aber nicht gestoppt. Am Ende der
      Strecke raste der Zug in die Felsen, was zur Entgleisung von siebzehn
      Wagons und der Lokomotive führte. Die Waggons stürzten von der acht
      Meter hohen Böschung zurück auf die Strecke bis zu der Tunneleinfahrt.
      Die entgleisten Wagons beschädigten das Wachhaus, der Kessel der
      Lokomotive ist durch die Kollision gebrochen und ging in Flammen auf.
      Das Bahnhofspersonal konnte sich grad noch rechtzeitig im Keller des
      Bahnhofsgebäudes verstecken. Von dort hörten sie einen riesigen Crash.
      Es war 09.00 Uhr. Nach einer Weile stand der Zug in Flammen. Die
      Ladung begann zu explodieren, eine Detonation folgte der anderen.
      Menschen sprangen wie lebende Fackeln aus den Wagons. Trümmer des
      Zuges trafen den anderen deutschen Gegenzug, welcher auch zu brennen
      begann. Helfer Knoško verlor sein Leben, als er in Verzweiflung aus
      der Lokomotive sprang. Zugführer Kudělka barg mam schwerverletzt aus
      der Lokomotive, befördert ihn ins Krankenhaus, wo er verstarb. Der
      blinde Passagier Glas hatte Glück. Durch den Aufprall wurde er aus
      dem Bremserhaus auf den Hang und schließlich in einen Bach
      geschleudert, wo er aufwachte und erkannte, dass die Trümmer den sich
      nähernden Personenzug im Weg lagen. Mit einem gebrochenen Bein lief er
      etwa 250 Meter zu dem Tunnel und vor den Transport und gab mit der
      Kappe das Zeichen "Stop". Der Führer des Personenzuges aus Hronské
      Dúbravy sah das Zeichen und konnte auf ansteigender Strecke ohne
      Probleme anhalten. Von den deutschen Soldaten wurden nur sieben
      gerettet. Überall lagen die verkohlten Trümmer und verstümmelten
      Körpern. Verletzte brachte man in das Dorf, die Leichen wurden in
      Säcke gepackt.

      Ansonsten ist jedoch über dieses Ereignis einiges unklar. Zum
      Beispiel, welche deutsche Einheit es war. Schriftliche Aufzeichnungen
      sind nicht erhalten geblieben, abgesehen vor der Aufzeichnung in dem
      Buch der Erinnerung Station Hronská Dubrava 1944. Zeugen berichteten,
      dass Munitionsexplosionen noch zwei Tage nach der Havarie gehört
      wurden. Die Soldaten sollte angeblich auf dem Friedhof an der Spitze
      der Kremnici begraben worden sein. Eine weitere Quelle besagt jedoch,
      dass die Leichen entfernt wurden und an einem unbekannten Ort begraben
      worden sind. Historiker haben auch bei der deutsche Botschaft
      angefragt, aber bisher konnten in den deutschen Archiven keine
      Aufzeichnung des Vorfalls, die die größte Eisenbahnkatastrophe in der
      Slowakischen Republik im Zweiten Weltkrieg war, gefunden werden. Ob
      der Absturz ein Unfall oder Sabotage war, ist fraglich. In Vrútky, wo
      der Transport versandt wurde, wurde die deutsche Lokomotive von einer
      anderen ersetzt und mit ihr der Slowakischen Fahrer und sein Helfer
      eingesetzt. Die Bremsen des Zuges waren entweder kaputt oder
      absichtlich beschädigt. Zu diesem Zeitpunkt führten die Partisanen
      zahlreiche Sabotageakte, vielleicht könnte jemand in die Bremsen
      Silikat streuen, was die Bremsen ausser Funktion setzt. Die Zeitung
      Eisenbahner des Jahres 1970, wo der ganze Unfall im Detail beschrieben
      wurde (der Artikel muss aber in den damaligen zeitlichen und
      politischen Zusammenhaung gesetzt werden), heißt es, dass in Vrútky
      bei der Kontrolle des Zuges Zugmeister Kollár bewusst die Bremsen
      abgedreht hat, um die kontinuierliche Bremsleitungen zwischen dem
      sechsten und siebten Wagon zu unterbrechen. Er dachte, dass der Zug
      die ursprüngliche Lokomotive mit einem deutschen Fahrer haben wird,
      weil die Deutschen den slowakische Mannschaften nicht mehr vertraut.
      Als er entdeckte, dass die Lok gewechselt und die beiden Slowaken
      eingesetzt wurden, wollte er den Führer auf das geschlossenes Ventil
      hinweisen. Er konnte sich jedoch dem Zug nicht nähern, weil er daran
      von den Deutschen gehindert wurde. Deshalb konnte er auch das Ventil
      nicht mehr öffnen.

      Thema verschoben + Überschrift ergänzt; kkn