Hitlers Polizei, heute 20.15 @Phoenix

      Hallo Kordula,

      das kann ich nicht beurteilen. Es kommt natürlich auf die Qualität der Sendung an und ob neue Erkenntnisse zu Tage kommen.

      Als "Polizei-Thema" - Interessierter werde ich mir die Sendung mit Spannung ansehen.
      Beste Grüße, Andreas

      "Die Würde des Menschen ist unantastbar". (Art.1GG)

      Beitrag bei Phoenix.......

      Hallo, die Dokumentation fand ich gut gelungen und recherchiert. Gefehlt aus meiner Sicht hat hier die Nachkriegsjustiz, also die Differenzierung zwischen Ost und West. Die bundesdeutsche Justiz hat ja bekanntermaßen lange genug damit gewartet um Anklagen zu erheben. Im Laufe der Zeit waren dann viele Verbrechen verjährt, im Osten wurde da offensichtlicher schneller gehandelt und damit auch schneller geahndet. Allein wie von Bomhardt hofiert wurde, ist ein bestes Beispiel hierfür!
      Sicher ein unerschöpflichesThema und in 2h nicht abzuhandeln.

      Gruß Frank

      RE: Beitrag bei Phoenix.......

      @Alle,

      auch ich habe mir beide Teile der Doku angesehen und fand diese, sowohl inhaltlich, als auch in der Präsentation gelungen. Natürlich sind knapp zwei Stunden zu wenig, um ein so komplexes Thema umfassend abzubilden.

      Persönlich bin ich nach solchen Dokumentationen immer tief erschüttert. Es ist für mich einfach nicht vorstellbar, dass Männer, welche zu einem wohl guten Teil selber Frau und Kinder hatten, dazu fähig waren Frauen und Kinder persönlich zu erschießen, nur weil dies ein Befehl verlangte.

      Ich kann und möchte einfach nicht glauben, dass es dabei nicht auch einige gab, die den Befehl nicht ausführen konnten oder wollten.

      Daher meine Fragen. Gibt es nachweislich Beispiele von solchen Befehlsverweigerungen ?
      Und was geschah mit den Verweigerern ? Wurden diese bestraft oder versetzt ?

      Es grüßt euch ein sehr nachdenklicher

      Askanier (Frank)

      Phoenix.....

      Hallo,
      ja es gab die Möglichkeit sich von den Erschießungen befreien zu lassen. Wer natürlich Karrieregeil war und befördert werden wollte drängelte sich im Zweifel nach vorn. Viele lebten auch insgeheime Neigungen aus und konnten sich dabei richtig austoben. Verstehen wird man all das nie!!!!
      Diejenigen welche nicht Schießen wollten übernahmen dann Durchsuchungs, Zuführungs- und Sicherungsjobs innerhalb der Aktionen.
      Die wenigsten hatten sich jedoch ausschließen lassen und das aus den verschiedensten Gründen, zb. Feigheit vor den Kameraden um innerhalb der Truppe nicht ausgeschlossen zu werden. Die Truppe wurde vor den Aktionen befragt wer sich nicht in der Lage fühle die Erschießungen vorzunehmen!
      Nach Studium reichlicher Literatur ist es eigentlich niemanden durch eine Verweigerung des Schießbefehls schlechter gegangen.Ist aber nur meine Meinung, vielleicht weiß da jemand mehr zum Thema.Letztendlich saßen dennoch alle in einem Boot, zumindest wegen Beihilfe! Alles gut zu lesen in GOLDHAGEN`s " Hitlers willige Verbrecher ".

      Gruß Frank

      RE: Phoenix.....

      @Frank und Alle,

      dass man sich vom eigentliche Erschießen befreien lassen konnte und "nur"
      die Opfer zuführen, oder den Bereich absichern brauchte, mag damals für
      die Beruhigung des eigenen Gewissens ausgereicht haben.

      Man hatte dann ja nicht persönlich getötet.

      Für mich bleibt auch dieses Mitwirken und damit Ermöglichen der Mörde
      ein gleich schweres Verbrechen.

      Ich frage mich, wie diese Herren nach dem Krieg ihren eigenen Kindern jemals in die Augen sehen konnte.

      Freue mich auf weitere Meinungen / Beiträge, vielleicht auch von den Polizei - Spezialisten hier aus dem Forum.

      Viele Grüße

      Askanier ( Frank)
      Hallo Frank

      In der gängigen Polizei-Literatur findet sich ein markanter Fall, wo ein Polizist tatsächlich mal hart abgestraft wurde, weil er sich nicht an Verbrechen beteiligte.

      Ltn.d.Schp. Dr. Klaus Hornig vom Pol.Batl.306 verweigerte die Teilnahme -auch seiner Untergebenen- an einer Erschiessung, und berief sich (er war Jurist) auf §47 MilStGB. Er wurde von einem anderen Offizier des Batl. angezeigt, und erstinstanzlich zu 2 Jahren, 6 Monaten Gefängnis verurteilt. In einem Berufungsverfahren zu 5 Jahren und 7 Monaten. Er wurde ins KZ Buchenwald überstellt.
      (W.Curilla, Die dt. Orpo u.d.Holocaust i. Balt. u. Weißruss., S.926ff.)

      Gruß
      Matthias

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      RE: Phoenix.....

      Hallo,
      ich habe mir beide Teile der Sendung angesehen und fand sie im Grund ein guter Umriss über das Thema "Polizei während der NS-Diktatur". Klar, dass nicht alle Aspekte vertieft dargestellt werden konnten. Vielmehr vermag diese Sendung dem Interessierten dazu anzuregen, auf eigene Faust und anhand von Fachliteratur sich das Thema tiefer zu erschließen. Viele Aspekte wurden angesprochen, die dem Zuschauer, also dem Laien, nicht unbedingt bekannt waren. So z.B. die Verwicklung der Polizei mit dem Holocaust und der direkten Ermordung von Juden, also nicht nur im Rahmen von Verhaftungsaktionen.
      Insbesondere die Pol.Btl. fanden Erwähnung. Zu wenig jedoch wurde auf die "Motivation" der Polizisten eingegangen, die an den Juden-Ermordungen teilnehmen mussten. (In welcher Form der Beteiligung wie auch immer, ob Absperrer mit Sicherungsaufgaben oder direkt als Schütze). Diese Teilnahme erklärt sich nicht nur duch die starre Befehl- und Gehorsamsstruktur der Poizei, die ja damals eine recht militätrisch orientierte Befehlsstruktur aufwies, sondern auch auf die Gruppendynamiken, die sich in solchen Strukturen entwickeln konnten. Gruppendruck und auch oftmals die Angst sich vor seinen Kameraden und insbesondere vor Vorgesetzen als Schwächling zu erweisen mag wohl auch ein Grund gewesen zu sein, bei grausamen Aktionen doch teilzunehmen und sich nicht zu verweigern, um nicht als Schwächling oder Versager dazustehen.
      Wohl nur die wenigsten und besonders moralisch gefesstigen Polizisten konnten wohl den Mut aufbringen und sich den direkten Mordaktionen entziehen. (Siehe Browning).
      Original von mz-klinik
      Hallo,
      ja es gab die Möglichkeit sich von den Erschießungen befreien zu lassen. Wer natürlich Karrieregeil war und befördert werden wollte drängelte sich im Zweifel nach vorn. Viele lebten auch insgeheime Neigungen aus und konnten sich dabei richtig austoben.

      Sicherlich waren es nur wenige Ausnahmen bei den Unterführern und Mannschaften, die glaubten, durch besonderen "Fleiß" an solchen Aktionen sich karrieretechnische Vorteile zu verschaffen. Schließlich waren die meisten Angehörigen der Pol.Btl. eingezogene "Reservisten" ältere Jahrgänge, oftmals selber Familienväter. Auch gehörten sie nicht der HJ-Generation an, die also während der Zeit des NS sozialisiert und indoktriniert wurden. Einen fanatischen, durch Propaganda indoktrinierten "brainwash" Polizisten hat man wohl weniger angetroffen. Sicherlich gab es auch in diesen Reihen rassistisch motivierte "Fanatiker", ob sie die Mehrheit stellten, das bezweifel ich. Vielmehr haben wohl die meisten einfach nur stur die Befehle ausgeführt und dann anschließend die Gefühle mit reichlich Alkohol betäubt.
      Interessant ist doch auch, dass man posttraumatische Verhaltensstörungen nach dem 2. WK eigentlich nie thematisiere. Dies ist eine Erscheinung seit dem Vietnamkrieg, auch heute bei den Heimkehrern aus dem Irak und Afghanistan. (Neuerdings auch bei der Bw).
      Nach dem 2. Wk waren die Heimkehrer mit ihren Erlebnissen allein gelassen, egal ob Soldat oder Täter. Die hohe Anzahl von Alkoholabhängigen in den 50er/ 60er-Jahren wurde als gegeben hingenommen. Eine andere Art der "Bewältigung" gab es wohl nur in wenigen Ausnahmen.
      Sicherlich konnten auch sadistisch veranlagte Menschen ihre Triebe bei solchen Aktionen hemmungslos ausleben, inwiefern sich dies in Zahlen ausweisen lässt - keine Ahnung. Fakt ist, dass wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt haben, dass in Diktaturen oftmals die Krininalitätsrate bei Gewaltverbrechen geringer ist, da Menschen mit sadistischen und gewaltbereiten Zügen sich gerade in bestimmten Berufsgruppen legal ausleben können. Geheimdienste, Vollzug, Polizei, Miliz. Die Karriere eines "Folterknechts" ist in solchen Systemen möglich.
      -> Zurück zur Sendung; Dass Polizei immer "politisch" ist, das ist wohl im weitesten Sinne eine Tatsache. Denn die Polizei setzt die Entscheidungen der Politik im Inneren um. Egal was es je nach Zeit und politischer Strömung ist. Kaiserreich, Weimarer Republik, 3. Reich, DDR, BRD. Auch das sich anpassen an die jeweilige politische Führung ist wohl als normal anzusehen. Moralisch evtl. verwerflich, aber menschlich nachvollziehbar. Wer will schon, insbesondere als Familienvater, seinen Arbeitsplatz verlieren?
      Was ich ein wenig befremdlich fand war, dass mehrere Kommunisten als Opfer der NS-Unterdrückungsapparates hervorgehoben wurden. Warum eigentlich keine Sozialdemokraten, Angehörige des Zentrums oder der Kirchen? Das war wohl eher der subtile Versuch der Filmemacher von WDR und BBR diese Gruppe auch als die "Guten" darzustellen, die sie eben nicht waren. Klar, sie waren auch Opfer des NS-Unterdrückungsapparates, jedoch bedurfte es nicht sie besonders hervorzuheben. Wer Alexander Soschenyzin gelesen hat weiß, wie es in den Gulags und Gefängnissen der kommunistischen Diktaturen zuging. Auch waren die vorgestellten Personen keine Demokraten, sie waren Angehörige einer Ideologie, die die demokratische Weimarer Pepublik ebenfalls bekämpften und eine kommunistische Diktatur aufbauen wollten. Sie wären dann ihrerseits genau so mit ihren politischen Gegnern umgegangen, wie es die Nazis taten. (Vergessen wird oft der Versuch kommunister Gruppen, nach dem 1.WK eine kommunistische Diktatur nach bolschewistischen Vorbild in D zu etablieren).
      Abschließend kann man feststellen, dass der Zweiteiler einen recht guten Überblick über die Polizei im 3. Reich gab. Dem Interessierten TV-Zuschaeuer mag es ggf. ein Anlass sein, sich tiefer mit dem Thema zu befassen. -typo edit-
      Beste Grüße, Andreas

      "Die Würde des Menschen ist unantastbar". (Art.1GG)

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