"Shoah" heute (12.11.2013) auf arte

      Hallo Forum,

      ein sehr interessantes Buch zum polnischen Antisemitismus erschien im Jahre 2006 von K-P. Friedrich (Friedrich, Klaus-Peter; Der nationalsozialistische Judenmord und das polnisch-jüdische Verhältnis im Diskurs der polnischen Untergrundpresse (1942 – 1944, Marburg 2006). Es befasst sich, wie der Titel es bereits zum Ausdruck bringt, damit, wie sich das polnisch-jüdische Verhältnis in den Artikeln der polnischen Untergrundzeitungen widerspiegelt. Das Buch fußt auf seiner Dissertation und der Auswertung (fast) aller polnischen Untergrundzeitungen (über 20) welche zwischen 1939 und 1945 er-schienen. Für das Buch schränkte er den Zeitraum auf 1942 (als der Massenexodus der polnischen Juden in der Aktion Reinhardt ihren Höhepunkt erreichte) bis 1944 ein.

      Zunächst kommt er zu der Feststellung, dass die Untergrundzeitungen in ihrer politischen Ausrichtung nicht sonderlich abweichen von den politischen Positionen der jeweiligen herausgebenden Organisation vor der deutschen Besatzung. Da gibt es zunächst die Position der polnischen Exilregierung, dann die der radikalen Rechten (eindeutig antisemitisch), der „Sanacja“ von Pilsudski (eher ausgleichend), der Sozialdemokraten (anti-antisemitisch), wie auch die Kommunisten, weiter die Haltung der katholischen Kirche die eher anti-judaistisch argumentierte und die „Bauernpartei“ die auch eher antisemitische Inhalte verfolgte.

      Allein hieraus ergibt sich die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtungsweise, denn den polnischen Antisemitismus gab es nicht, sondern nur den einzelner Gruppen und Schichten der Bevölkerung. Ganz pauschal lässt sich mit dem links-rechts Schema zeigen, dass der rechte (nationalistische) Rand antisemitisch eingestellt war, es eine Mitte gab und die Linke sich offen für die Juden einsetzte. Während die Untergrundzeitungen der eher rechtsstehenden Gruppen nur schwach gegen die deutschen Vernichtungsaktionen opponierten, riefen die Mitte bis linken Gruppierungen zum Widerstand gegen die Vernichtungsaktion auf. Dies reichte soweit, dass Leute, die Juden an die Deutschen ausgeliefert oder verraten hatten hingerichtet wurden.

      Interessant ist, dass man in Polen sehr genau und ohne zeitliche Verzögerung über die Verhältnisse in den Gettos Bescheid wusste (durch die Untergrundzeitungen) und auch nur mit sehr geringer zeitlicher Verzögerung über die Aktion Reinhardt in den Vernichtungslagern. Die Abläufe dort, einschließlich der angewandten Tötungsmethoden, waren kein Geheimnis.

      Bekannt war aber auch und es wurde darüber berichtet, dass es Profiteure der „Arisierung“ des polnischen Besitzes durch die Deutschen gab und zu denen gehörten nicht nur die Deutschen, sondern auch Polen, Ukrainer und Weißrussen.

      Hier nochmals einige Zahlen, die Friedrich aus anderen Veröffentlichungen zusammengetragen hat:

      In den Vorkriegsgrenzen Polens lebten bei Kriegsausbruch ca. 3,5 Mio Juden, davon wurden rd. 1,8 Mio in den Vernichtungslagern der Aktion Reinhardt bis Ende 1942 umgebracht, etwa 800.000 wurden erschossen, etwa 300.000 Juden überlebten die Shoa, der Rest kam durch viele andere Umstände gewaltsam ums Leben.

      Gruß
      Hallo,

      für Interessierte ein heutiger WO-Artikel zum Thema, mit dem Hinweis auf ein neues Buch eines kanadischen Historikers.

      So halfen polnische Bauern beim Judenmord

      Ein kanadischer Historiker hat erforscht, wie katholische Polen die deutschen Besatzer bei der Jagd auf untergetauchte Juden unterstützten. Es gab Zucker, Wodka und gebrauchte Kleider als Belohnung.

      Der Historiker Jan Grabowski von der Universität Ottawa präsentiert jetzt in seinem Buch "Hunt for the Jews. Betrayal and Murder in German-Occupied Poland" ("Judenjagd.
      Verrat und Mord im deutsch besetzten Polen") neue Forschungsergebnisse über einen bislang meist übersehenen Aspekt des Holocaust.

      welt.de/geschichte/zweiter-wel…auern-beim-Judenmord.html

      Gruß Bernd