Foltergeständnisse in den Nürnberger Prozessen?

      Foltergeständnisse in den Nürnberger Prozessen?

      Hallo zusammen,

      Wurden Geständnisse in den Nürnberger Prozessen wirklich z.T. durch Folter erpresst?
      Weiß jemand da mehr?


      dailymail.co.uk/news/article-2…ast-fought-clean-war.html

      "Implizit weist der Artikel auch auf die Foltergeständnisse in den Nürnberger Prozessen hin, wie z.B. auf die Geständnisse von SS-Lagerkommandant Rudolf Höß hinsichtlich der Tötungspraktiken in Auschwitz."

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      Gruß.

      Habe der Überschrift ein Fragezeichen beigegeben; kkn
      Causa victrix deis placuit, sed victa Catoni.

      Post was edited 2 times, last by “Richard84” ().

      RE: Foltergeständnisse in den Nürnberger Prozessen

      Hallo Richard,

      ohne auf diese durchsichtigen Darstellungen offenbar Unbelehrbarer näher einzugehen, möchte ich darauf hinweisen, dass man schon als Außenstehender auf den gefertigten Filmaufnahme deutlichst erkennt, dass die Angeklagten bei den Nürnberger Prozessen auch nicht annähernd so derangiert wirkten wie etwa ein Witzleben vor dem Volksgerichtshof. Wer der Welt heute erklären will, die Nazi-Verbrecher wären in Nürnberg systematisch gefoltert worden, der macht sich letztlich nur lächerlich.

      Gruß,
      Marcus
      Inter arma enim silent leges (Unter den Waffen schweigen nämlich die Gesetze) Cicero
      - suche alles zur 353. I.D., insb. zum PiBtl 353 und zur KG 353 I.D. "Böhm" -

      RE: Foltergeständnisse in den Nürnberger Prozessen

      Hallo Richard,

      ich lese gerade die SPEER-Biografie von Joachim FEST (zum wiederholten Mal).
      Albert SPEER hat sowohl vor den Prozessen als auch in seinen Vernehmungen umfassend
      zum NS-System ausgesagt. Dafür wurde er von der Mehrzahl der Angeklagten (voran GÖHRING) angefeindet, gebrandmarkt und teilweise sogar mit Feme-Mord bedroht.

      Da also diese Aussagen eines Regierungsmitglieds vorlagen, warum sollten dann Aussagen derübrigen Angeklagten durch Folter erpresst werden müssen ?

      Gruß
      Rudolf (KINZINGER)
      Besucht doch mal meine Website:

      RE: Foltergeständnisse in den Nürnberger Prozessen

      Hallo Rudolf,

      neulich habe ich in einem Antiquariat das Buch von Speer mit dem Titel "Der NS-Staat" (oder so ähnlich) gesehen. Meinst Du, das Buch ist die Lektüre wert?
      Dann würde ich es mir u.U. holen, war gar nicht mal teuer.

      Gruß,
      Marcus
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      RE: Foltergeständnisse in den Nürnberger Prozessen

      Hallo Marcus,

      da kann ich Dir keinen (verläßlichen) Rat geben !

      SPEER war ja höchst umstritten, und man unterstellte ihm, dass sein Verhalten nach der
      Kapitulation reine Berechnung war, um bei den Alliierten möglichst schnell wieder eine
      Anstellung zu bekommen.
      Seine eigenen Werke ("Erinnerungen", "Spandauer Tagebücher") müssen stark unter
      dem Aspekt der eigenen Rechtfertigung und tw. sogar "Reinwaschung" gesehen werden.

      Selbst dem von mir zitierten (angesehenen) Historiker wurde zum Vorwurf gemacht, er habe
      sich dieser Strategie SPEERs nicht entziehen können und lasse in der Biografie die notwendige
      Objektivität vermissen.

      Also lesenswert müßte das alles sein, man muß nur berücksichtigen, wie es entstanden ist !

      Gruß
      Rudolf (KINZINGER)
      Besucht doch mal meine Website:

      Post was edited 1 time, last by “dr.rudolf” ().

      Original von MHR
      neulich habe ich in einem Antiquariat das Buch von Speer mit dem Titel
      "Der NS-Staat" (oder so ähnlich) gesehen. Meinst Du, das Buch ist die Lektüre wert?
      Dann würde ich es mir u.U. holen, war gar nicht mal teuer.

      Hi Marcus,

      Du meinst sicher das hier:
      Albert Speer: Der Sklavenstaat. Meine Auseinandersetzung mit der SS.
      Ullstein, Berlin 1981, ISBN 3-421-06059-2.


      Original von dr.rudolf
      da kann ich Dir keinen (verläßlichen) Rat geben !

      ... ich aber ... =)

      Zur Frage: Lesen oder nicht - kann ich nur sagen: ja, lies seine Bücher;
      wobei ich persönlich seine Erinnerungen zuerst lesen würde; könntest
      ja versuchen, die Bücher nicht zu kaufen, sondern auszuleihen.

      Geschrieben hat er sie zu einer Zeit, in der seine Verstrickung und alles,
      was er wußte, zwar vermutet wurde, jedoch nicht in vollem Umfange
      bekannt war. Er schien sicher zu sein, daß das auch so bleiben würde,
      bis dann die Mauer fiel und alle Archive sich öffneten.

      Wäre das alles bekannt gewesen, wäre er in Nürnberg nicht mit dem
      Leben davon gekommen.

      Aus heutiger Sicht sage ich: vll. war das gut so.
      So wird er uns für alle Zeit als Beispiel für einen in das System hoch
      verstrickten, überaus geschickten Lügner und Leugner dienen.

      Habe mich ziemlich schwer getan damit, die Fassade des gut bürger-
      lichen, bedauernswerten verführten Unschuldigen zu durchblicken;
      doch hat mir das sehr geholfen ...

      Grüße, Kordula
      Hallo Rudolf,

      ich meine einmal von Marcel Reich-Ranicki in der FAZ einen Kommentar/Bericht über Speer oder Fest gelesen zu haben. Darin merkte Reich-Ranicki - wohl völlig zu recht und verständlicherweise - an, er sei peinlich berührt gewesen, als er eine Abendeinladung von Fest wahrnahm und dort unversehens und völlig unvorbereitet auf Albert Speer traf. Selbst wenn Fest in seiner Beurteilung die nötige Distanz und Objektivität aufgebracht haben sollte, wird man ihm daher sicherlich den Vorwurf mangelnden Taktgefühls machen
      müssen. Und schon dieser beeinträchtigt aus meiner Sicht die Wertigkeit seiner Ausführungen zumindest etwas - ebenso wie dies ein übertriebener Schuldkomplex eines Nachgeborenen täte.

      Hallo Kordula,

      angesichts Deiner Ausführungen werde ich ich die Anschaffung des Buches wohl zumindest aufschieben. Da könnte ich ja ebendso gut "Soldaten wie andere auch" von Paul Hausser lesen. Das mache ich beides besser, wenn ich ausreichend Zeit habe, die getätigten Ausagen anhand von Sekundärkiteratur zu hinterfragen - was wohl erst in rund 20 Jahren der Fall sein wird.

      Danke aber an Euch beide für Eure Rückmeldungen!

      Gruß,
      Marcus
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      Hi Marcus,

      wie schade, wenn Dich mein Kommentar abhält, etwas von Speer zu lesen.

      Derartiges zu lesen, ohne Sekundärliteratur daneben zu legen - das scheint
      mir das richtige zu sein; laß "die Krücke Sek.-Lit." weg und lies; wie anders
      schärfen wir am besten unseren Verstand ...

      Schon der olle Marx hat das Prinzip vertreten, sich auch und gerade mit dem
      auseinanderzusetzen, was u.U. konträr zur eigenen Meinung steht :D.

      Grüße, Kordula
      Hallo Kordula,

      hier neben mir steht im Regal die Hilter-Biographie von Fest und wartet auf mich. Das Buch von Speer könnte ich ja schon mal auf Vorrat kaufen. Aber da sind noch so viele Normandiebände zum durcharbeiten ...

      Gruß,
      Marcus
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      RE: Foltergeständnisse in den Nürnberger Prozessen

      Original von MHR
      Hallo Rudolf,

      neulich habe ich in einem Antiquariat das Buch von Speer mit dem Titel "Der NS-Staat" (oder so ähnlich) gesehen. Meinst Du, das Buch ist die Lektüre wert?
      Dann würde ich es mir u.U. holen, war gar nicht mal teuer.

      Gruß,
      Marcus


      Hallo!
      Speers eigene Bio. gerade hinsichtlich seiner "Auserandersetzung mit der SS" ist mit größter Vorsicht zu genießen!
      Glück Auf!
      "Basil"

      "Ich bin ein Egoist und kümmere mich nicht um andere?. Sogar behinderte Delphine kommen zu mir, um mit mir zu schwimmen" (Stromberg)
      Hallo Kordula,
      hallo Basil,

      rüstet mal beide wieder ab - ich glaube ihr sprecht aneinander vorbei. Das führt nur dazu, dass ihr Euch in Rage schreibt, und bringt die Diskussion nicht weiter!

      Aber Basil, mich würde schon interessieren, weshalb man Speers Schilderungen aus Deiner Sicht mit Vorsicht genißen muss. Führ doch mal ein paar Punkte auf, die er aus deiner Sicht falsch darstellt - dann wären wir in der Tat etwas weiter.

      Und Kordula: der "alte Marx" war in seiner Bonner Studienzeit Mitglied der "Trierer Tischgesellschaft" - dem Vorläufer eines Bonner Corps - und er hatte noch in seiner späten Zeit in London seinen "Schläger" über dem Bett hängen. Er konnte also offenbar trotz aller schriftstellerischen Radikalität doch seine bürgerliche Haut nicht ganz ablegen. Oder wie mein alter Lateinlehrer Dr. G. sagte: "einen Menschen kann man als Pädagoge ab dem 18. Lebensjahr nicht mehr wesentlich verändern!" Das trifft sicherlich auch auf Speer und noch ganz andere zu!

      Gruß,
      Marcus
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      Original von MHR
      . . . Aber Basil, mich würde schon interessieren, weshalb man Speers Schilderungen aus Deiner Sicht mit Vorsicht genißen muss. Führ doch mal ein paar Punkte auf, die er aus deiner Sicht falsch darstellt - dann wären wir in der Tat etwas weiter . . .


      Hallo Marcus,

      nach diesem "Geplänkel" habe ich auch gedacht: Na, die Woche fängt ja gut an ! :D

      Ich denke aber, Basil hat nichts anderes gemeint, wie ich es gestern schon formuliert habe:

      SPEER war ja höchst umstritten, und man unterstellte ihm, dass sein Verhalten nach der Kapitulation reine Berechnung war, um bei den Alliierten möglichst schnell wieder eine Anstellung zu bekommen. Seine eigenen Werke ("Erinnerungen", "Spandauer Tagebücher") müssen stark unter dem Aspekt der eigenen Rechtfertigung und tw. sogar "Reinwaschung" gesehen werden. Selbst dem von mir zitierten (angesehenen) Historiker wurde zum Vorwurf gemacht, er habe sich dieser Strategie SPEERs nicht entziehen können und lasse in der Biografie die notwendige Objektivität vermissen. Also lesenswert müßte das alles sein, man muß nur berücksichtigen, wie es entstanden ist !


      Es ist nicht die Frage, was hat SPEER falsch dargestellt. (Gibt es in Erinnerungen oder Memoiren überhaupt falsch/richtig, das ist doch zwangsläufig subjektiv !)
      Die Frage ist vielmehr, was wollte er mit seinen Aussagen bezwecken ?
      SPEER ist in seinem Verhalten sowohl vor/während des Krieges als auch danach derart widersprüchlich, dass
      man sich - da er ja wohl höchst intelligent war - bis heute die Frage stellen muss, was hat er damit erreichen wollen ?
      SPEER hat definitiv den "Verbrannte-Erde-Erlass" Hitlers boykottiert (und sich damit definitiv in Lebensgefahr
      begeben). Warum hat er das gemacht ? Wollte er, der den Krieg schon längst als verloren ansah, wirklich ein "Gut-Mensch-Image" für nach der Kapitulation aufbauen ?
      SPEER war ja auch der Einzige, der sich in den Nürnberger Prozessen schuldig bekannte.
      Auch davon wird behauptet, dass es reines Kalkül war !

      All das muss man berücksichtigen, wenn man Bücher aus der Feder des Autors SPEER liest !
      (Lesenswert sind sie allemal !)

      Gruß
      Rudolf (KINZINGER)
      Besucht doch mal meine Website:
      Hallo,

      um auf die Anfangsfrage zu antworten:

      Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof gründete sich auf das
      "Londoner Viermächte - Abkommen vom 08. August 1945" sowie dem
      "Statut für den Internationalen Militärgerichtshof" und dem
      "Protokoll über die Berichtigung einiger Unstimmigkeiten im Wortlaut des Statuts".
      Insofern gehe ich davon aus, dass, ausgenommen andere Haftanstalten, z. B. speziell in Schwäbisch Hall, keine Folterungen vorgenommen wurden.
      Gewisse Einschränkungen der Haftbedingungen waren von Fall zu Fall gegeben, wurden aber protokolliert; soweit mir bekannt. ( Zellenbeleuchtung, Blickrichtung des Inhaftierten, Hofgang etc. betreffend).

      Gruß Karl
      Hallo Rudolf,

      das läßt sich alles gut hören.

      M.E. würde es aber den Leser zu besonderer Aufmerksamkeit anhalten, wenn wir Speer in ein oder zwei Punkten klar eine inhaltlich falsche Darstellung der Ereignisse bzw. seiner Beteiligung nachweisen könnten (oder von mir aus auch mehr). Bei Kordula klang das für mich so, als könnte sie solche Details in die Diskussion einfließen lassen. Und bei Basil auch!

      Unabhängig davon sollte man natürlich versuichen, den Überblick zu wahren und sich die Position des Verfassers vor Augen halten - wie ja eigentlich immer. Vermutlich wird man auch bei Speer mehr "grau" als "schwarz/weiß" finden, wenn man seine Person genauer beurteilt.

      Gruß,
      Marcus
      Inter arma enim silent leges (Unter den Waffen schweigen nämlich die Gesetze) Cicero
      - suche alles zur 353. I.D., insb. zum PiBtl 353 und zur KG 353 I.D. "Böhm" -

      RE: Foltergeständnisse in den Nürnberger Prozessen

      Original von dr.rudolf
      .....

      SPEER war ja höchst umstritten, und man unterstellte ihm, dass sein Verhalten nach der
      Kapitulation reine Berechnung war, um bei den Alliierten möglichst schnell wieder eine
      Anstellung zu bekommen.
      Seine eigenen Werke ("Erinnerungen", "Spandauer Tagebücher") müssen stark unter
      dem Aspekt der eigenen Rechtfertigung und tw. sogar "Reinwaschung" gesehen werden.

      Gruß
      Rudolf (KINZINGER)


      Hallo,

      das kann man wohl sagen.
      Mir liegt die Kopie eines Schreibens an den Propyläen-Verlag vom März 1970 vor, in dem eine Person aus dem näheren Umfeld Speers, die in den "Erinnerungen" mehrfach namentlich genannt ist, über 4 Seiten mit entsprechendem Seitenbezug und beigefügten Zitaten Berichtigungen darlegt.

      Gruß Eddy
      Gruß Eddy
      Suche alles zu 143. Reserve-Division und Füsilier-Bataillon 217.
      Hallo Marcus.

      Wenn die Bücher nicht neuwertig sein müssen, würde ich dir raten den einen oder anderen Trödelmarkt aufzusuchen. Für 1 - 2 Euro sind da die Bücher von Speer problemlos in gutem Zustand zu bekommen.

      Ich habe sie auch daher. Ein bischen suchen und das klappt.

      Gruss

      Markus
      Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen (Plato)
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